Allergietestung
Englisch: allergy test
Die Allergietestung wird in der Zahnheilkunde hauptsächlich angewandt bei einem Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber Füllungs-/Zahnersatzmaterialien ("Zahnersatzmetalle", Legierungen). Allergische Reaktionen äußern sich entweder in einer Kontaktstomatitis (bis hin zur auf die Lippen übergreifenden Cheilitis) als Folge einer von Lymphozyten verursachten "allergischen Typ IV-Reaktion" oder werden als lichenoide ("flechtenartige") Veränderungen sichtbar. Kombinationen beider Formen sind möglich. Sensibilisierungsraten besonders gegen Nickel bestehen in der Bevölkerung (bis zu zwölf Prozent) sowie gegen Kobalt und Chrom (bis zu fünf Prozent). Die 5 wichtigsten Kontaktallergene sind (2011): Nickelsulfat (besonders in Schmuck), Ammonium-Persulfat (besonders in Haarfärbemittel, Leiterplatten), Gold-Natrium-Thiosulfat (besonders in Dentalmaterial, Schmuck), Thimerosal (besonders als Konservierungsstoff) und p-Toluendamin (Farbstoff, Hilfsstoff in der Gummi-Industrie). Eine Diagnose ("Testung") auf eine fragliche Allergie wird meist mit einem der nachfolgenden Verfahren durchgeführt:
Hauttest (Epikutantest, Epimukosatest, Intrakutantest, Läppchentest) als sog. Provokationstestverfahren. Getestet wird i.d.R. mit auf Pflastern aufgebrachte Salzen der fraglichen Metalle in unterschiedlichen Konzentrationen. Die Salze der fraglichen Metalle deshalb, weil sich nur diese als Ionen ("Haptene") an Eiweiße binden und in "Antigene" umgewandelt werden können und so vom körpereigenen Immunsystem erkannt werden. Meist werden die Pflaster nach 2-3 Tagen wieder entfernt und entsprechende Hautreaktionen ausgewertet. Gerade bei Metallen sind auch noch spätere Reaktionen möglich ebenso, wie generell Fehldeutungen nicht ausgeschlossen sind, da bei Metallen auch noch spätere Reizungen auftreten können, bzw. die Metallsalze selbst chemische Reizungen auf der Haut hinterlassen können, die nichts mit einer echten Allergie zu tun haben. Zusätzlich sind Rückschlüsse bei Hautveränderungen auf eine mögliche Allergie der Mundschleimhaut - da diese weniger empfindlich reagiert - nur bedingt möglich. So fehlt der Mundschleimhaut der hautübliche Fettfilm, der ständige Speichelfluss führt zu einer permanenten Verdünnung und schnelleren Resorption. Dadurch sind 10-12fach höhere Schwellenkonzentrationen notwendig, um eine lokale Reaktion auszulösen. Insofern sind Spezifität und Sensivität dieser Tests in der ZHK nur bedingt von Wert. "Karenztest" temporäres Nichttragen des betreffenden Zahnersatzes. Ein positiver Ausgang sagt lediglich aus, dass die "Allergie" irgendetwas mit dem Zahnersatz zu tun hat. Ob die Ursache aber durch eine Parafunktion, falscher Bisslage oder psychosomatischen bzw. allergischen Reaktionen bedingt ist bleibt offen. Schleimhauttest, Schleimhautprobe direktes Aufbringen verdächtiger Substanzen auf die (Mund-)Schleimhaut. Wegen schlechter Fixierung über längere Zeit im Mund wenig gebräuchlich bzw. aussagekräftig; Schleimhautprobe Lymphozytentransformationstest (LTT) Es werden die aus dem Patientenblut isolierten lymphomonozytären Zellen mit dem fraglichen Metallsalz über fünf Tage entwicklungsfördernd erwärmt. Befindet sich in der Probe eine erhöhte Anzahl von Zellen, die das Metall in Verbindung mit einer Eiweißkomponente "erkennen", setzt ein schnelle Vermehrung dieser spezifischen Zellen ein, die zwingend mit einer DNS-Synthese verbunden ist. Das Ausmaß der DNS-Synthese wird durch den Einbau isotopenmarkierter Stoffe (Nukleotide) erfasst und quantitativ gemessen. Es werden nur dann Reaktionen als positiv bewertet, wenn im spezifischen Ansatz eine dreifach höhere Aktivität gegenüber einer Kontrollprobe ohne Allergen gefunden wird. Obwohl kein eine Allergie beweisender Test - sondern nur, dass die Zellen des Immunsystems gegen den betreffenden Stoff durch "Irgendetwas" sensibilisiert wurden - liefert er eine solide, reproduzierbare Basis, die individuelle Toleranzschwelle für Zahnersatzmetalle und andere Ersatzstoffe (Amalgam, Kunststoffe) festzustellen; patientenbedingte Manipulationen sind nicht möglich. Er sollte aber nicht als alleinige Diagnose gelten, sondern immer nur im Zusammenhang mit einem entsprechenden klinischen Bild. Allerdings ist es auch mittels LTT nicht möglich, eine sich möglicherweise entwickelnde Typ-IV-Allergie nach der Versorgung mit Zahnersatzmaterial vorherzusagen. Radio-Allergo-Sorbens-Test (RAST) es werden Allergen-spezifische IgE-Antikörper im Serum nachgewiesen. In 2010 waren Test-Allergene für zahnärztliche Materialien nicht vorhanden. BDT Test (Allergie Typ I) für alle metallfreien Zahnmaterialien (BDT = Basophilen-Degranulations-Test); http://www.imd-berlin.de/fileadmin/user_upload/Diag_Info/122_Basophilen_Degranulations_Test_BDT.pdf Salvea – Redem Speicheltest , zur Testung der Verträglichkeit der Zahnmaterialien untereinander; http://www.dental-diagnostik.de/RedemTest.html Alternative ("Ganzheitliche") Testmethoden teilweise auf nicht nachvollziehbaren Testmethoden beruhende, wie Messung von "Bioenergien", Testung an Akupunkturpunkten, "Meridianen", Hautwiderstandsmessungen und anderen (z.B. Elektroakupunktur nach Voll) "Allergiebestimmungen", die nicht für eine seriösen Abklärung echter Allergien tauglich sind. Anzumerken ist, dass offensichtlich der Begriff "Allergie" von den Anhängern einer Paramedizin anders verstanden wird als durch die Schulmedizin definiert. Allgemein ist zu beobachten, dass echte - wissenschaftlich nachgewiesene - Allergien auf Zahnersatz-Metalle (Legierungen) äußerst selten auftreten. Vor einem Einsatz in der Mundhöhle müssen derartige Materialien strenge biologische Prüfungen durchlaufen und nach dem Medizinprodukte-Gesetz (MPG) zugelassen werden. Weiter ist bekannt, dass die "Schwellendosen" zur Auslösung einer Allergie auf der Mundschleimhaut wesentlich höher (ca. 5-10fach) sind als die auf der normalen Haut ( Allergie). Davon zu unterscheiden sind die im Volksmund häufig als "Allergie" bezeichneten Pseudoreaktionen (Brennen, Strömchenfluss, vermehrter Speichelfluss usw.), welche beim Eingliedern eines neuen Zahnersatzes auftreten können und entweder durch Metallkorrosion und einer damit verbunden Reizung der betroffenen Schleimhaut bedingt sind oder Ausdruck einer psychischen Abwehrhaltung gegen den neuen Ersatz sein können.
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