Haftmittel
Synonym: Haftmittel · Englisch: adhesive, bonding agent
Haftmittel werden in zwei Kategorien unterteilt:
- Stoffe im Zusammenhang mit der Adhäsivtechnik, sogenannte Haftvermittler.
- Stoffe zur Erhöhung der Adhäsionskräfte (Halt) von herausnehmbarem Zahnersatz, wie Haftcremes oder Haftpulver.
Die wichtigste Kraft, die den Halt einer Vollprothese gewährleistet, ist das Druckgefälle unter der Prothesenbasis (Ventilrand). Durch das Anpressen der Prothesenbasis an das Schleimhautlager wird der Spaltraum verkleinert, wodurch Speichel herausgepresst wird. Der entstehende Unterdruck hält die Prothese in Position und bleibt bestehen, bis die kapillaren Kräfte des Mediums im Spalt überwunden werden. Dieses Medium besteht natürlicherweise aus einem Gemisch von Schleim und Speichel.
Haftmittel erhöhen die Viskosität dieses Mediums. Durch Quellvorgänge gleichen sie kleinste Hohlräume im Spalt aus und wirken als Adhäsiv gegenüber dem Prothesenmaterial und der Schleimhaut. Dadurch können Haftmittel den Prothesenhalt erheblich verbessern.
Haftmittel sind in verschiedenen Formen erhältlich, wie Pulver, Gele, Cremes oder Flüssigkeiten. Sie sollten jedoch nur nach vorheriger Absprache mit einem Zahnarzt verwendet werden. Vor der Anwendung muss geprüft werden, ob der unbefriedigende Sitz der Prothese nicht durch eine mangelnde Passung (z. B. erforderliche Unterfütterung) oder andere Störungen verursacht wird.
In einigen Ausnahmefällen und unter zahnärztlicher Kontrolle können Haftmittel auch über längere Zeit verwendet werden, insbesondere:
- Bei Anpassungsproblemen mit einem neuen Zahnersatz.
- Zeitweise bei Personen, die auf einen sicheren Prothesenhalt angewiesen sind, wie Redner, Sänger oder Schauspieler.
- Bei Patienten mit motorischen Einschränkungen durch Allgemeinerkrankungen, wie Parkinson oder Alzheimer, oder bei reduziertem Speichelfluss.
- Bei extrem schlechten Prothesenlagern, insbesondere im Unterkiefer, wenn Implantatversorgungen oder knochenaufbauende Maßnahmen aus medizinischen oder finanziellen Gründen nicht möglich sind.
Schätzungen zufolge verwenden etwa 11 % der Vollprothesenträger Haftcremes. Neben der Verbesserung der Haftkraft erhöhen Haftmittel auch die Kaukraft und verhindern das Eindringen von Speiseresten unter die Prothesenbasis.
Haftmittel sollten in einer möglichst dünnen Schicht auf den zuvor gründlich gereinigten und getrockneten Zahnersatz aufgetragen werden. Ebenso ist eine intensive Mundhygiene erforderlich, einschließlich der Entfernung von Haftmittelresten auf der Mundschleimhaut und regelmäßigen Spülungen (z. B. mit Kamille), um Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) vorzubeugen.
Die Zusammensetzung von Haftmitteln variiert je nach Hersteller. Häufig enthaltene Stoffe sind Calcium/Zink-PVM/MA-Copolymer, Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Cellulose Gum und Silica. Seit 2010 wird jedoch diskutiert, dass der langfristige Gebrauch zinkhaltiger Haftcremes Gesundheitsrisiken bergen kann. Mögliche Folgen einer Zinkanreicherung im Körper sind neurologische Symptome wie Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schwäche der Extremitäten, Gleichgewichtsstörungen und Anämie.