Zahnfarbe
Synonym: Zahnfarbton, Zahnschattierung, dentale Farbgebung · Englisch: tooth color, dental shade
Bezeichnung für den sichtbaren Teil einer Zahnkrone von natürlichen oder künstlichen Zähnen, welche eine außerordentlichen Vielfalt von Farbnuancen aufweist. Während es relativ einfach ist, die Form und Oberflächenstruktur des menschlichen Zahnes nachzuempfinden, wird das behandelnde Team bei der Farbauswahl häufig vor größere Probleme gestellt: Milchzähne haben eine, den Namen gebende, kreidig-weiße Farbe, bleibende Zähne entsprechen in ihrer Grundfarbe eher einem elfenbein-weiß mit alters- und individuellen und rassebedingten Tönungen von hellweiß über gelbliche und bräunliche bis hin zu Dunkelgrau; dabei können eine unzulängliche Mundhygiene, nahrungsbedingte Eigenschaften (Nahrungs- und Genussmitteln, hier besonders Rotwein, Kaffee, Tee und Nikotin; Verfärbungen) und Medikamente die natürliche Zahnfarbe mit der Zeit beträchtlich verändern. Weiter nehmen Zähne ohne lebenden Zahnnerv bzw. wurzelkanalbehandelte Zähne ("tote" Zähne, siehe Abb.) eine meist (dunkel) gräuliche Z. an. Ebenso gilt: Je dünner der Zahnschmelz, umso gelblicher erscheinen die Zähne, weil das unter dem Zahnschmelz befindliche dunklere Zahnbein (Dentin) "durchschimmert". An den Schneidekanten wirkt sich dieser Effekt - mangels darunter liegendem Dentin - in einer bläulich-transparenten Z. aus. Von den oberen Zähnen sind die Schneidezähne (besonders der seitliche Schneidezahn) am hellsten, am dunkelsten ist der Eckzahn; im Unterkiefer verändert sich die Erscheinung kontinuierlich von vorne nach hinten zu einer dunkleren Z. hin. Verfärbungen: Vom Entstehungsort der Z. abgeleitet, unterscheidet man extrinsische (= von außen, z.B. durch chemische Reaktionen zwischen Nahrungsmitteln, Umwelt und Pellicle) und intrinsische (= von innen, z.B. bei Zahnentwicklungsstörungen wie durch Fluorose oder Tetrazyclinanwendung bedingt) Zahnverfärbungen. Bestimmung der Zahnfarbe: Die Zahnfarbe entsteht, wenn Licht auf die Zahnoberfläche trifft. Ein Teil des Lichtspektrums wird absorbiert, der andere Teil reflektiert. Darüber hinaus wird die daraus resultierende Eigenfarbe in der (subjektiv unterschiedlichen) Farbwahrnehmung durch Eigenschaften wie Lichtdurchlässigkeit (Transluzenz/Transparenz), Lichtundurchlässigkeit (Opazität), Lichtstreuung (Opaleszenz) und Farbeigenleuchten durch Farbverschiebung (Fluoreszenz) beeinflusst. Vereinzelt sind heute (2011) digitale Systeme zur Bestimmung der Z. auf dem Markt, ohne sich durchgesetzt zu haben. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie frei von subjektiven Einflüssen arbeiten sollen (digitale Messung bei 6.000 Kelvin; Tageslicht entspricht ca. 6.500 Kelvin), dafür aber relativ teuer sind. Das größte Problem bei der Entwicklung von Farbmessgeräten ist die Beherrschung zahnspezifischer Parameter wie z. B. Transluzenz, Reflektivität, Fluoreszenz und Heterogenität der Zahnoberflächen, die eine Messung derart verfälschen können, dass das Endergebnis oftmals allein bei einfacher visueller Überprüfung als nicht akzeptabel angesehen werden muss. Trotzdem werden die bisherigen klinischen Ergebnisse als "ermutigend" angesehen Auf dem Markt sind - getrennt nach Messprinzip:
Spektralphotometer, diese messen die Reflexionsanteile einer Farbe im Wellenlängenbereich von 400 - 700 Nanameter, rechnen diese Daten in numerische Werte um. Das Licht wird dann in seine spektralen Komponenten zerlegt und analysiert. Das System arbeitet unabhängig von der Lichtquelle und zeigt eine detaillierte Information der gemessenen Zahnfarbe. Bekannte Vertreter sind das EasyShade® der Vita-Zahnfabrik, SpectroShade® und Pikkio® von MHT Colorimeter als ein Dreibereichs-Farbmessgerät, welches mit Farbfiltern arbeitet. Dabei hat die Art der Lichtquelle Einfluss auf die Messdaten. Bekannte Vertreter sind ShadeEye-Ex® und ShadeVision® von X-Rite. Neben dem Messprinzip ist auch die Aufnahmefläche unterschiedlich: Die Farbmessung innerhalb eines kleinen Areals führen Pikkio, ShadeEye und EasyShade durch. Die gesamte Zahnoberfläche wird wie mit einer Videokamera von SpectroShade, ShadeVision und ShadeScan vermessen. Zur (überwiegend durchgeführten) visuellen Bestimmung der Grundfarbe stehen industriell gefertigte Farbringe zur Verfügung (z.B. Vita-Zahnfarben, siehe Abb. oben), welche einen Grundfarbwert liefern, der zur Erlangung optimaler Ergebnisse - z.B. bei einer Versorgung im Frontzahnbereich - noch in Details individualisiert werden muss. Um eine gleich bleibend hohe Qualität der ästhetischen Therapie zu gewährleisten, wird deshalb die Einhaltung definierter Bedingungen hinsichtlich Umgebungsgestaltung, Beleuchtung und Betrachter empfohlen. Als Umfeld für die Farbbestimmung eignen sich neutralgraue Räumlichkeiten oder Hintergründe. Hier ist zu beachten, dass auch ausgeprägte Farben an Patient und Behandler die Wahrnehmung beeinträchtigen. Abschminken der Lippen des Patienten ist unabdingbar, um einer Verfälschung der Betrachtungsergebnisse vorzubeugen. Hinsichtlich der Lichtverhältnisse ist tageslichtähnliche Beleuchtung von ca. 2000 Lux zu empfehlen. Dies entspricht der Intensität von diffusem Nordlicht zur Mittagszeit, kann aber auch durch dem Tageslicht in Intensität und Spektrum angepasste Lichtquellen gewonnen werden. Zu hohe Lichtintensität (Lampe am Behandlungsstuhl: 8000 Lux; grelles Sonnenlicht) führt zu unzureichenden Ergebnissen. Schließlich ist von Seiten des Betrachters Farbtüchtigkeit, ausreichende Schulung und ständiges Training zum erfolgreichen Vorgehen erforderlich. Schwierigkeiten in der Bestimmung ergeben sich auch dadurch, dass man bei der Betrachtung des Zahnes eine durch die verschiedenartige Zahnsubstanz bedingte Mischfarbe sieht. Weiter sollten die Zähne jeweils nur für kurze Augenblicke betrachtet werden, da das Auge zur Adaption neigt und somit die Farbdifferenzierungsempfindlichkeit rasch nachlässt. In schwierigen Fällen empfiehlt es sich, eine Zweitmeinung einzuholen (z.B. von einem versierten Zahntechniker) oder zur Beurteilung zusätzlich ein Messgerät heranzuziehen. Unterstützend werden in neuerer Zeit digitale Kamerasysteme eingesetzt. Diese erweisen sich vor allem bei der Kommunikation mit dem Dentallaborabor als hilfreich. Voraussetzung für einen optimalen Informationstransfer ist eine möglichst unverfälschte Farbdarstellung der eingesetzten Kameras. Ein noch nicht genauer untersuchter "optischer Effekt" beeinflusst das Farbergebnis bei Komposite-Füllungen, welcher als Chamäleon- oder Vermischungseffekt (VE) bezeichnet wird. Derartige Materialien sind zu einem gewissen Grad in der Lage, die Farben des umgebenden natürlichen Zahnes anzunehmen, was in einer sehr guten Ästhetik resultiert. Farbdifferenzen zwischen Zahn und Füllung sind so viel geringer, als isoliert betrachtet. Es scheint sich bei diesem Phänomen um einen komplexen visuellen Adaptationseffekt zu handeln, der von zahlreichen Faktoren - z.B. der Füllungsgröße und Transluzenz. - beeinflusst wird.
Zur "Akzeptanz" der Z. durch den Patienten - nach Eingliederung von Zahnersatz - hat das Landgericht Hamburg entschieden (Az. 323 S 20/04): Lässt sich ein Patient für ihn angefertigte Veneers einsetzen, nachdem er sie optisch überprüft hat, so hat der Zahnarzt Anspruch auf die entsprechende zahnärztliche Vergütung. Der Patient kann die Bezahlung der Rechnung dann nicht mehr mit der Begründung ablehnen, die Farbgebung sei nicht so wie vereinbart. Da an Veneers besonders hohe kosmetische Ansprüche gestellt werden, dürfte dieses Urteil auch auf andere zahnärztliche Versorgungen übertragbar sein.