Evidenzbasierte Medizin
Synonym: EBM, Nachweisgestützte Medizin, Belegbasierte Medizin · Englisch: evidence-based medicine (EBM)
Die evidenzbasierte Medizin (EBM) ist eine medizinische Praxis, die darauf abzielt, Entscheidungen in Diagnostik, Therapie und Prävention auf der Grundlage der besten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz zu treffen. Der Begriff „Evidenz“ leitet sich vom lateinischen Wortstamm für „anschauende Gewissheit“ ab, hat jedoch im internationalen Kontext die Bedeutung von „Nachweis“ oder „Beleg“ angenommen.
Drei Säulen der EBM Laut dem Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin basiert die EBM auf:
- Individueller klinischer Erfahrung des Arztes (interne Evidenz): Wissen und Erfahrung in der Patientenbehandlung.
- Werten und Wünschen des Patienten: Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Präferenzen.
- Externer Evidenz: Wissenschaftlich fundierten und klinisch relevanten Erkenntnissen aus Studien.
Evidenztypen und Gradierungen Die Evidenz wird basierend auf Studiendesign und Aussagekraft hierarchisch eingeteilt:
- Ia: Metaanalysen randomisierter, kontrollierter Studien.
- Ib: Mindestens eine randomisierte, kontrollierte Studie.
- IIa: Gut angelegte, kontrollierte Studien ohne Randomisierung.
- IIb: Quasi-experimentelle Studien.
- III: Nicht-experimentelle, deskriptive Studien wie Fall-Kontroll- oder Vergleichsstudien.
- IV: Expertenmeinungen oder Konsensuskonferenzen.
Empfehlungsstärken
- Klasse A: Starke Empfehlung basierend auf Grad-I-Evidenz.
- Klasse B: Empfehlung basierend auf Grad-II- oder extrapolierter Grad-I-Evidenz.
- Klasse C: Empfehlung basierend auf Grad-III- oder extrapolierter Grad-II-Evidenz.
- Klasse D: Empfehlung basierend auf Grad-IV- oder extrapolierter Grad-III-Evidenz.
EBM in der Zahnmedizin In der Zahnmedizin ist die Implementierung von EBM mit besonderen Herausforderungen verbunden:
- Langzeitüberlebenszeiten: Prospektive Studien sind oft schwer durchführbar.
- Randomisierungen und Verblindungen: Häufig nicht möglich aufgrund praktischer und ethischer Einschränkungen.
- Begrenzte Studienbasis: Nur etwa 10 % des zahnmedizinischen Spektrums sind durch hochwertige Evidenz abgedeckt (Stand: 2007).
Ziele der EBM in der Zahnmedizin
- Einführung wissenschaftlich fundierter Verfahren in die Praxis.
- Identifikation überholter oder schädlicher Maßnahmen.
- Erkennung von Versorgungslücken.
- Förderung patientenorientierter klinischer Forschung.
Beispiele und Studien
- Stellungnahmen zum IQWiG-Vorbericht zu Parodontitistherapien (zm, 2017): Diskussion über evidenzbasierte Ansätze in der Parodontitistherapie.
- Evidenz in der Kieferorthopädie – RCT-Studien als Standard ohne Gold (zm-online, 2018): Analyse der Herausforderungen bei randomisierten Studien in der Kieferorthopädie.
- COVID-19-Strategien: Die Krux mit der Evidenz (zm, 2020): Evidenzbasierte Ansätze in Pandemiezeiten.
Fazit EBM ist ein integraler Bestandteil moderner Medizin und Zahnmedizin. Sie fördert wissenschaftlich fundierte Entscheidungen, steht jedoch vor Herausforderungen durch methodische, praktische und ethische Einschränkungen, insbesondere in der Zahnmedizin.
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