Gnathologie
Synonym: Lehre vom Kiefer · Englisch: gnathology
In den 70er Jahren des letzten Jhds. aufkommende Lehrmeinung, welche von einer vorwiegend mechanischen Gesamtbetrachtung des Kauorgans ausgeht; besonders geprägt von den Amerikanern Stuart, Thomas, Stallard und McCollum. Dabei wird besonderer Wert auf die normalen (physiologischen) und krankhaften (pathologischen) Zustände, wie auch die strukturellen und funktionellen Gegebenheiten gelegt. Die bisweilen bei größeren Wiederherstellungsmaßnahmen (Rekonstruktionen) eingesetzte Lehrmeinung versuchte demnach bei der Rekonstruktion verlorener Kaueinheiten ein optimales Zusammenspiel von Muskulatur, Okklusion und Zahnhalteapparat (Parodontium) unter Berücksichtigung des Kiefergelenkes zu erreichen. Grundlage war u.a. dabei das Konzept einer Zentrik ("zentrischen Relation") mit der "korrekten" Position des Kiefergelenks in der rückwärtigsten, obersten und nicht seitenverschobenen Lage. Andere Positionen wurden als schädlich erachtet. Da dieser Zustand nur selten anzutreffen ist, wurde gefordert, durch Einschleifmaßnahmen oder aufwendige Rekonstruktionen - teilweise unter nicht unerheblicher Opferung von gesunder Zahnsubstanz - diesen Zustand zu erreichen. Unter Einbeziehung weiterer Faktoren prägte die G. die " ideale " oder auch " harmonische " Okklusion und stellte dafür folgende Kriterien auf: gleichmäßige und gleichzeitige axiale u. zentrische Belastung der Zähne Dreipunktabstützung der Höcker synchrone Zentrierung der Höcker und Kiefergelenke in zentrischer Position Eckzahnführung keine Mediotrusionskontakte Zurückblickend ist vom Autor festzustellen, dass die Theorien von P.K. Thomas als Urvater der G. ein "Irrweg" waren und sich in der Praxis nicht durchgesetzt haben, da viele Betrachtungsparameter nicht schlüssig oder nach Idealvorstellungen definiert waren: z.B.: worauf die Eckzahnführung wissenschaftlich begründet ist, bleibt unklar, wenn man bedenkt dass nur ca.11% der natürlichen Gebisse eine solche beidseitig aufweisen. Weiter findet man im natürlichen Gebiss keine tripodisierten Kontakte aller tragenden Höcker mit maximalen Vielpunktekontakten; man findet keine Punktflächenflächenkontakte, wie sie im Long-Centric-Konzept gefordert werden. Die Bewegungen des Unterkiefers sind weniger zahn-, sondern überwiegend neuromuskulär geführt. Zahnkontakte finden physiologischerweise beim Kauen und Schlucken nur in einem zentrischen Funktionsraum von 1-2 mm statt. Aufwachstechnik, Bissnahme, Einschleifen, FGP-Verfahren, Fischer-Winkel, Fixierungsschiene, Frontzahnstufe, funktionelles Dreieck, Funktionsanalyse, Gleitbahn, Gnathomat, Kaufläche, Kieferrelationsbestimmung, Malokklusion, Myoarthropathien, Okklusaler Kompass, Okklusion, Okklusionskonzepte, PKT-Instrument, stable base appliance, Registrierung, stomatognathes System, Stuart-Artikulator GAK - Gnathologischer Arbeitskreis
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