Befestigungszement
Synonym: Zement · Englisch: cement
Der Befestigungszement ist ein spezielles Fixiermaterial zur Befestigung festsitzenden Zahnersatzes auf Zahnstümpfen. Ursprünglich wurde dafür hauptsächlich Phosphatzement (z. B. Harvard-Zement) verwendet, während heute zunehmend Hybridzemente (z. B. Glasionomerzemente) oder Kompositzemente (adhäsive Befestigungssysteme) Anwendung finden, da diese eine verbesserte Haftung und Randdichtigkeit bieten.
Wirkprinzip und Eigenschaften:
- Konventionelle Zemente (Phosphatzement, Carboxylatzement, Glasionomerzement) wirken primär durch mechanische Retention und Verkeilung zwischen Zahnstumpf und Restauration.
- Die Retentionswirkung wird durch drei Hauptfaktoren bestimmt: Druckfestigkeit Zementschichtdicke (optimal: 35–50 µm, Randspalt möglichst gering) Klebekraft
- Beim Einsetzen muss stets kontinuierlicher Druck ausgeübt werden, um Überschüsse abfließen zu lassen und eine Bisserhöhung zu vermeiden. Dies kann durch einen Zubiss auf eine Watterolle oder einen Kronen-/Inlayadapter erreicht werden.
Moderne Adhäsivzemente: Durch die Entwicklung von adhäsiven Zementierungstechniken hat sich die Befestigung indirekt hergestellter Keramikrestaurationen (z. B. Keramikinlays, Veneers) stark verändert. Statt herkömmlicher Zemente werden nun Kunststoffzemente (Komposite) verwendet, die eine mikromechanische und chemische Verzahnung mit Zahnsubstanz und Restaurationsmaterial ermöglichen.
Besondere Aspekte:
- Metallbasierte Restaurationen: Die Metalloberfläche muss durch Silikatisierung und Silanisierung oder eine spezielle Ätztechnik (z. B. Thioglykolsäure-Ätzung bei Goldlegierungen) für die Adhäsivtechnik vorbereitet werden.
- Keramikrestaurationen: Je nach Keramikart sind spezifische Vorbehandlungen erforderlich, z. B. Flusssäureätzung und Silanisierung. Optimal ist eine zirkuläre Schmelzumrandung, um eine bestmögliche Haftung zu gewährleisten.
- Universalzemente (seit ca. 2005) erleichtern die Handhabung, sind aber wegen ihrer thermischen Beeinflussbarkeit nur bedingt für Zähne mit wenig oder keinem Schmelzanteil geeignet.
Zementspalt (Cement Line): Der Zementspalt bezeichnet den feinen Hohlraum zwischen Zahnstumpf und Restauration. Er stellt einen potenziellen Schwachpunkt in der Befestigung dar. Moderne Zemente und adhäsive Zementierungstechniken verbessern die Randpassung und sind dem klassischen Phosphatzement überlegen.
Um eine korrekte Zementfilmdicke (25–50 µm) zu gewährleisten, wird im Dentallabor oft eine dünne Lack- oder Folienbeschichtung auf die Gipsstümpfe aufgetragen. Dadurch wird verhindert, dass die endgültige Zementierung zu einer Bisserhöhung führt.
Der richtige Einsatz von Befestigungszementen ist entscheidend für die Langzeitstabilität, Funktion und biologische Verträglichkeit festsitzenden Zahnersatzes.