Zahnung
Synonym: Zahnen · Englisch: tooth eruption, teething
Zahnung bezeichnet den natürlichen Prozess, bei dem Zähne durch das Zahnfleisch in die Mundhöhle wachsen. Dieser Prozess findet in zwei Hauptphasen statt: dem Durchbruch der Milchzähne im Kleinkindalter und dem Durchbruch der bleibenden Zähne im Kindes- und Jugendalter. Der Zahndurchbruch ist ein essenzieller Bestandteil der Zahnentwicklung und bildet die Grundlage für die Kaufunktion und die spätere Zahngesundheit.
Die erste Phase der Zahnung, die sogenannte primäre Dentition, beginnt etwa im Alter von sechs Monaten und ist in der Regel bis zum dritten Lebensjahr abgeschlossen. In dieser Zeit brechen insgesamt 20 Milchzähne durch, darunter acht Schneidezähne, vier Eckzähne und acht Molaren. Die Reihenfolge des Durchbruchs ist dabei meist vorhersagbar: Zunächst erscheinen die mittleren Schneidezähne im Unterkiefer, gefolgt von den oberen Schneidezähnen und den seitlichen Schneidezähnen. Anschließend brechen die Molaren und zuletzt die Eckzähne durch. Diese Milchzähne sind kleiner als die späteren bleibenden Zähne und erfüllen wichtige Funktionen wie das Halten von Platz für die bleibenden Zähne und das Fördern einer normalen Kieferentwicklung.
Die zweite Phase, die permanente Dentition, beginnt in der Regel um das sechste Lebensjahr, wenn die ersten bleibenden Backenzähne – auch Sechsjahrmolaren genannt – erscheinen. Diese werden nicht von Milchzähnen ersetzt, sondern ergänzen das bestehende Gebiss. Im Laufe der Kindheit werden die Milchzähne allmählich durch bleibende Zähne ersetzt, bis das Gebiss mit 32 Zähnen komplett ist. Der Durchbruch der Weisheitszähne, der dritten Molaren, erfolgt meist im späten Jugendalter oder jungen Erwachsenenalter, wobei diese bei vielen Menschen aufgrund von Platzmangel im Kiefer entfernt werden müssen.
Während der Zahnung, insbesondere bei der primären Dentition, können Begleiterscheinungen auftreten, die von Kind zu Kind unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Häufig beobachtete Symptome sind geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch, vermehrter Speichelfluss, Unruhe, Reizbarkeit und Schlafstörungen. Oft greifen Kinder in dieser Zeit vermehrt nach Gegenständen und beißen darauf, um den Druck auf das Zahnfleisch zu lindern. Entgegen verbreiteter Annahmen wird Zahnung jedoch nicht als Ursache für schwerwiegende Erkrankungen wie hohes Fieber oder Durchfall angesehen. Diese Symptome treten häufig zeitgleich auf, da das Immunsystem des Kindes während der Zahnung besonders gefordert ist.
Die Beschwerden können in den meisten Fällen durch einfache Maßnahmen gelindert werden. Dazu gehören das Kauen auf gekühlten Beißringen oder sauberen, feuchten Tüchern, sanfte Massagen des Zahnfleisches mit einem sauberen Finger sowie das Angebot harter Nahrungsmittel wie Karotten oder Brotkrusten, sofern das Kind alt genug ist. Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen sollten nur bei starken Beschwerden und nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden. Zahngels mit lokal betäubenden oder entzündungshemmenden Wirkstoffen können ebenfalls kurzfristig hilfreich sein, sollten jedoch vorsichtig und nur bei medizinischer Empfehlung eingesetzt werden.
In seltenen Fällen können beim Zahndurchbruch Komplikationen auftreten. Dazu gehören verzögerte Zahnung, Retentionsprobleme, bei denen Zähne nicht durchbrechen, oder das Auftreten von sogenannten Neonatalzähnen, die bereits bei der Geburt vorhanden sind. Diese Besonderheiten sollten von einem Zahnarzt abgeklärt werden, um mögliche gesundheitliche Auswirkungen zu vermeiden.