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Natriumhypochlorit

Synonym: NaOCl, Chlorbleichlauge, Wurzelkanal-Spülflüssigkeit, Javel®-Wasser · Englisch: sodium hypochlorite

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Natriumhypochlorit ist das Natriumsalz der unterchlorigen Säure (HOCl) und kommt in einigen Bleichmitteln sowie desinfizierenden WC-Reinigern vor. Es reagiert mit Wasser zu Hydroxid-Ionen und ist daher alkalisch (pH 11–12). Je nach Konzentration und Einwirkzeit zeigt es eine bakterizide, viruzide, tuberkulozide, fungizide und sporizide Wirksamkeit und weist eine gute antimikrobielle Wirkung gegen gram-negative und gram-positive Bakterien, einschließlich Viren, auf. Zudem zeigt es eine mäßige Wirksamkeit bei Mykobakterien, Schimmelpilzen und Hefen. NaOCl reagiert mit den Zellproteinen sowie den Nukleinsäuren von Mikroorganismen. Die Lösung zerfällt rasch bei Erwärmung; eine Erwärmung begünstigt den gewebeauflösenden Effekt, verstärkt jedoch nicht die antimikrobielle Wirkung. Die Expositionszeit von NaOCl im Wurzelkanal sollte zwischen 30 und 60 Minuten liegen. Die Standard-Lösung zur Spülung der Wurzelkanäle hat eine Konzentration von 0,5–3,0 % NaOCl; sie wird auch als Antiseptikum bei offenen, infizierten Wunden in einer 0,5–0,6-prozentigen Lösung (Dakin-Lösung) angewendet. Neben den bakteriziden Effekten hat die Lösung einen besonderen gewebeauflösenden Effekt, der bei erhöhter Temperatur stärker ist, jedoch mit einer deutlichen Verringerung der Lösungsstabilität einhergeht. Generell sind die Lösungen nicht lagerstabil: Eine 5%-Lösung behält ihre Eigenschaften etwa 10 Wochen, während niedrigere Konzentrationen meist schon nach zwei Wochen unwirksam werden. Es ist zu beachten, dass Konzentrationen über 1 % keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen bringen, aber das Risiko einer periapikalen Reizung oder Schädigung erheblich erhöhen. Das Bundesamt für Arzneimittel hat in Deutschland eine Kontraindikation für die Anwendung von NaOCl in einer Konzentration von 4 % und darüber bei offenem Foramen apikale ausgesprochen. Der früher angewandte kombinierte Gebrauch mit H2O2 wird heute nicht mehr empfohlen, da dadurch die gewebeauflösende Eigenschaft stark verringert wird. Auch proteinkoagulierende Mittel (z. B. Formokresol) wirken negativ auf NaOCl. Achtung: Nickel-Titan-Instrumente zur Wurzelkanalaufbereitung können in einer NaOCl-Lösung korrodieren, was zu vermehrten Ermüdungsbrüchen führen kann.