Zöliakie
Synonym: Einheimische Sprue, glutensensitive Enteropathie, Glutenunverträglichkeit · Englisch: celiac disease
Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die durch eine permanente Unverträglichkeit gegenüber Gluten, einem Klebereiweiß in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste und möglicherweise Hafer, ausgelöst wird. Der Hauptbestandteil, der die Immunreaktion hervorruft, ist Gliadin in Weizen, Secalin in Roggen, Hordein in Gerste und Avenin in Hafer. Die Erkrankung betrifft etwa 1 von 300 bis 1 von 100 Menschen und ist unterdiagnostiziert, da nur ein Bruchteil der Betroffenen eine Diagnose erhält.
Pathophysiologie: Die Aufnahme von Gluten bei genetisch prädisponierten Personen (z. B. mit HLA-DQ2- oder HLA-DQ8-Haplotypen) führt zu einer Autoimmunreaktion im Dünndarm. Diese bewirkt eine Atrophie der Dünndarmzotten, wodurch die Oberfläche des Darms reduziert wird. Dies beeinträchtigt die Nährstoffaufnahme und führt zu einer Malabsorption.
Symptomatik: Die Symptome der Zöliakie sind variabel und reichen von asymptomatischen Verläufen bis hin zu schweren Beschwerden:
- Gastrointestinale Symptome: Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Gewichtsverlust.
- Systemische Symptome: Eisen- und Zinkmangel, Osteoporose, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Ataxien, Arthritiden und Migräne.
- Kinder: Wachstumsverzögerungen, Appetitlosigkeit, Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS.
Risikogruppen: Betroffen sind insbesondere Verwandte ersten Grades von Zöliakie-Patienten sowie Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1, rheumatoider Arthritis und genetischen Syndromen wie dem Down-Syndrom.
Diagnostik: Die Diagnose erfolgt durch serologische Tests (z. B. Nachweis von Transglutaminase- und Endomysium-Antikörpern) und wird durch eine Dünndarmbiopsie bestätigt. Eine genetische Testung auf HLA-DQ2/DQ8 kann die Diagnose unterstützen, jedoch nicht alleine ausreichen, da auch gesunde Träger dieser Gene existieren.
Therapie: Die einzige Behandlung besteht in einer lebenslangen glutenfreien Diät. Der Verzicht auf Gluten führt in den meisten Fällen zur Abheilung der Dünndarmschleimhaut und zur Besserung der Symptome. Lebensmittel müssen sorgfältig auf versteckte Glutenquellen überprüft werden, um eine unbeabsichtigte Aufnahme zu vermeiden.
Prognose und Langzeitfolgen: Bei strikter glutenfreier Ernährung ist die Prognose gut. Unbehandelt können jedoch schwerwiegende Komplikationen wie Malabsorption, Mangelernährung, Osteoporose und ein erhöhtes Risiko für intestinale Lymphome auftreten.