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Piercing

Synonym: Durchstechung, Durchbohrung · Englisch: Dazzler, Zahnschmuck

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Piercings, bereits aus alten Kulturen bekannt, haben sich heute wieder zu einem Trend entwickelt und werden an vielen Körperstellen eingesetzt. Der für die Zahnmedizin interessante Bereich, die Mundhöhle, ist reich an Bakterien und stark durchblutet, was das Piercen in diesem Bereich besonders riskant macht. Es wird von starken Schwellungen bis hin zu akuter Atemnot und erheblichen Nachblutungen nach dem Zungenpiercing berichtet. Piercings im Mundbereich, mit der dort natürlichen, teils infektiösen Mikroflora, sind nicht harmlos. Komplikationsraten liegen laut Literatur zwischen 17 und 70 Prozent und können bis zu lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen führen. In Einzelfällen haben schwere Entzündungen durch Gesichts-Piercings zu Todesfällen geführt, wenn sich Infektionen bis ins Gehirn ausbreiteten. Auch beim späteren Tragen kann der Schmuck durch ständiges Anschlagen an die Zähne beim Sprechen oder Kauen Schäden wie Mikrofrakturen verursachen, wodurch Kälte, Hitze oder Nahrungsbestandteile den Zahnnerv reizen können. Zahnersatz aus Keramik kann dauerhaft beschädigt werden und ist bei gepiercten Patienten nicht geeignet. Ein Piercing der Lippe oder des Lippenbändchens kann durch ständigen Zug am Zahnfleisch der Frontzähne zu Verletzungen und Zahnfleischrückgängen führen. Ein Rückgang des Zahnfleischs wurde auch bei Patienten festgestellt, die sich die Unterlippe piercen ließen. Die Läsionen traten dort auf, wo das Metall auf das Zahnfleisch traf. Piercings bergen nicht nur Infektionsgefahren. Bei einer Kernspintomographie können Magnetfelder magnetische Metallteile aus der Haut reißen. Da der Metallanteil in Schmuckstücken nicht immer bekannt ist, sollten Patienten Piercings vor solchen Untersuchungen entfernen. Dies gilt auch vor der Nutzung von Hochfrequenzgeräten in der Chirurgie oder bei Kurzwellenbehandlungen. In jüngerer Zeit werden auch Piercings aus Kunststoff angeboten, um Zahnschäden zu vermeiden. Unklar ist jedoch, inwieweit diese Materialien Allergien auslösen oder wie hoch die Plaquebesiedlungsrate ist. Piercings werden häufig unter unzureichenden Bedingungen illegal in Hinterzimmern durchgeführt. Laut Gerichtsurteil dürfen nur Ärzte und zugelassene Heilpraktiker Piercings vornehmen. Die Gefahr schwerer Infektionen bis hin zur Hepatitis- oder HIV-Übertragung ist bei solchen Vorgehensweisen nicht ausgeschlossen. Viele Ärzte lehnen fachlich korrekt durchgeführte Piercings aus ethischen Gründen ab, da diese Eingriffe mit dem medizinischen Heilgedanken nicht vereinbar sind. Einige Ärztekammern betrachten Piercings als nicht mit der medizinischen Berufsethik vereinbar, was berufsgerichtliche Konsequenzen haben kann. In Deutschland müssen Anbieter von Piercings sich hinsichtlich der verwendeten Materialien an EU-Richtlinien halten. Es gelten zudem das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz sowie die Paragraphen 106, 107 und 113 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zum Schutz von Minderjährigen. Für den Notfall ist es hilfreich, die drei Hauptverschlussvarianten von Piercings zu kennen. Bei Stäbchen, die häufig bei Zungenpiercings verwendet werden, befinden sich an den Enden Kügelchen oder Verzierungen, die abgeschraubt werden können, um die Stange zu entfernen. Kleine Stangen, wie sie häufig bei Unterlippenpiercings genutzt werden, haben eine feste Deckplatte auf einer Seite und ein abschraubbares Kügelchen auf der anderen. Ringe, die nicht geschlossen sind, klemmen ein Kügelchen mit zwei flachen Retentions-Mulden fest. Dieses Kügelchen kann durch Spreizen des Rings mit einer speziellen Zange oder notfalls mit einer Teleskop-Zange entfernt werden.