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Provisorium

Synonym: provisorische Füllung, provisorische Krone/Brücke, provisorische Prothese · Englisch: temporary appliance

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Provisorium ist eine vorübergehende schützende, funktionelle und/oder kosmetische Versorgung von präparierten Zähnen (für eine Füllung oder Krone) oder Zahnlücken. Je nach Art und Konstruktion kann es herausnehmbar (Interimsprothese) oder festsitzend sein. Ein Provisorium soll die fertiggestellte Präparation und den Zahn selbst vor mechanischen, chemischen und thermischen Einwirkungen schützen. Dabei müssen der Zusammenbiss (Okklusion) durch das Provisorium statisch und dynamisch stabilisiert und die Kontaktpunkte zu den Nachbarzähnen erhalten oder hergestellt werden, um ein problemloses Eingliedern der fertigen Versorgung zu gewährleisten. Meist aus Kostengründen stellen fest mit Zement eingesetzte Langzeitprovisorien eine Ausnahme dar. Bei den festsitzenden Provisorien wurden früher Materialien auf Poly-Methylmethacrylat-Basis (PMMA) angewandt ("Pulver-Flüssigkeit-Produkte", z.B. Temdent™, Interim™, Trim™); ihr Anteil liegt heute (2008) unter 10%. Moderne Materialien sind die sogenannten Bis-Acrylat-Komposites auf der Basis von bis-GMA, UDMA, TEGDMA, welche deutlich bessere werkstoffliche Eigenschaften aufweisen (z.B. Prevision CB™, tempofit™, Protemp 4 Garant™, Structur 2™, CronMix T™, Luxatemp™, Systemp.c&b™ usw.) und meist als "Zweikomponenten-Systeme" in Kanülen/Kartuschen angeboten werden. Polyethyl/Polymethylmethacrylathaltige Kunststoffe zeigen im Langzeittest eine bessere Farbstabilität als solche auf Bis-Acryl-Methacrylat-Basis. Letztere sind aber im Vergleich unempfindlicher gegen Verfärbungen, z.B. durch Kaffee. Es werden verschiedene Arten der Provisorienherstellung bei festsitzendem Zahnersatz unterschieden: 1. Direkt im Mund Indikation: kurze Tragedauer (~ 8-21 Tage bis zur Fertigstellung des endgültigen Zahnersatzes) a) - konfektioniert mittels Frasaco-Krone o. ION-Krone: vorgefertigte durchsichtige Kunststoffkronenhülse; die Frasaco-Krone dient lediglich der Formgebung und muss nach der Provisorium-Herstellung entfernt werden. - konfektioniert mittels Imitatkrone: vorgefertigte zahnfarbene Kunststoffkronen, Imitatkrone wird mit Kunststoff aufgefüttert, die Kronenhülse verbleibt. - aus Metall, konfektionierte Krone, Zinnkrone (nur noch wenig gebräuchlich). b) Protemp-Methode: Abformung des Zahnes vor der Präparation; Präparation; Einfüllen eines nur wenig erwärmenden Kunststoffes in den Ausgangsabdruck und Einsetzen dieses über die präparierten Zähne; nach Abbinden: Ausarbeitung des Kunststoffprovisoriums. Für Einzelkronen und Brücken anwendbar. Standard bei der Herstellung von Provisorien (2009). c) Umarbeiten der alten Krone/Brücke zum Provisorium: Auffüllen der zur Abnahme geschlitzten Restauration mit einem Kunststoff oder provisorischem Zement. d) Verwendung von dünnen Polyäthylenfolien (auf Gipsmodellen im Labor tiefgezogen; Miniplast-Schiene) als Träger für einen einzufüllenden Kunststoff, wie z.B. unter b). e) Verwendung eines im Labor über ein Wax-Up bzw. eine Zahnaufstellung hergestellten Silikonschlüssels als Träger für einen einzufüllenden Kunststoff, wie z.B. unter b). 2. Indirekt im Labor Herstellung von Langzeitprovisorien, die über einen längeren Zeitraum im Mund bleiben, bis entsprechende Abheilungs-/Regenerationsvorgänge abgeschlossen sind. Die Provisorien können aus Kunststoff allein oder mit einer preiswerten Metall-Legierung kombiniert werden. 3. Kombiniert Anwendung zur Herstellung von Brückenprovisorien mit großer Spannweite. Patient: vor Präparation: Alginatabformung. Labor: Modellherstellung, in der Schaltlücke werden Prothesenzähne eingesetzt und festgewachst. Abformung über diese Zahnreihe. Anfertigung des Provisoriums dann im Mund oder im Labor.