Präparationstrauma
Synonym: Schleiftrauma, Zahntrauma, Präparationsschaden, Gewebeschaden, Überpräparation · Englisch: preparation, grinding trauma, Preparation trauma
Präparationstrauma bezeichnet Schädigungen des Zahnnervs (Pulpa) oder des Kieferknochens durch zahnärztliche Behandlungsmaßnahmen, insbesondere durch ungenügende Kühlung (“Spray”), zu hohen Druck, zu geringe Dentinstärke oder stumpfe Präparationsinstrumente beim Bearbeiten eines Zahnes. Auch eine zu große Abbindhitze von im Mund hergestellten Provisorien kann zu einem Präparationstrauma führen. Wenn die Temperatur in diesem empfindlichen Gewebe über 42°C steigt, kommt es zu einer thermischen Schädigung, die in der Regel zum Absterben des Gewebes durch Proteindenaturierung (Polymerisationswärme) führt. Da die Pulpa primär nicht infiziert ist, treten schmerzhafte Reaktionen oft erst nach einiger Zeit auf, wenn die eigentliche Versorgung des Zahnes bereits abgeschlossen ist. Neuere Untersuchungen zeigen, dass degenerative Veränderungen am Zahnnerv nach einer Präparation nicht primär durch eine mikrobielle Besiedelung durch den Randspalt des Zahnersatzes, sondern durch das Unterschreiten einer Mindestdentinstärke von 2 mm zum Zahnnerv hin entstehen. Jede restaurative Maßnahme (z. B. Überkronung, Füllung) eines vitalen Zahnes stellt ein Risiko für den Zahnnerv dar. Laut Kerschbaum (1998) muss nach fünf Jahren in vier Prozent der Fälle mit einer apikalen Ostitis gerechnet werden (d. h. einer von 25 präparierten Zähnen ist nach fünf Jahren abgestorben), nach zehn Jahren in 15 Prozent der Fälle mit dem Verlust der Vitalität. Durch die bis in das Dentin reichende Präparation werden zahlreiche Dentinkanälchen eröffnet und Odontoblastenfortsätze verletzt. Je näher die Präparation an die Pulpa heranreicht und je größer der Durchmesser der Dentinkanälchen ist, desto leichter können Noxen von der Präparationsoberfläche zur Pulpa vordringen. Dabei stellt nicht nur die Präparation selbst, sondern jeder Arbeitsschritt – von der Abformung über die Herstellung des Provisoriums bis zur Eingliederung der fertigen Arbeit – eine Belastung für die Pulpa dar. Es ist bekannt, dass bei einer ausreichend starken Dentinbarriere das Präparationstrauma von der Pulpa toleriert wird.