Nachblutung
Synonym: Nachblutungpostoperative Blutung, Blutung nach der Operation, sekundäre Blutung · Englisch: secondary bleeding, secondary hemorrhage, Postoperative bleeding
Nachblutung bezeichnet eine postoperative Blutung, die zeitlich vom eigentlichen Eingriff versetzt auftritt und eine Komplikation nach einem zahnärztlich-chirurgischen Eingriff darstellt. Sie tritt auf, wenn nach dem Ende der Operation eine erneute Blutung auftritt. Liegen keine allgemeinen Störungen vor oder wurden während der Operation keine entsprechenden Blutgefäße unversorgt gelassen, tritt eine Nachblutung meist nach Abklingen der örtlichen Betäubung auf. Den Betäubungsmitteln sind blutgefäßverengende Substanzen beigemischt, die nach einer gewissen Zeit vom Organismus abgebaut werden und zu einer vermehrten Durchblutung (reaktive Hyperämie) führen. Als Sofortmaßnahme (Notfallbehandlung) wird jede Art von Kompression (Druck) auf die Wunde empfohlen, z.B. mehrere Mulltupfer oder notfalls ein zerknülltes Stofftaschentuch (kein Papier!), das auf die Wunde gelegt und fest zugebissen wird (Drucktamponade). Der Zusammenbiss kann durch Anlegen einer Kopf-Kinn-Binde verstärkt werden. Der Kopf sollte nicht flach liegen; kalte Wangenumschläge zur Kompensation der reaktiven Mehrdurchblutung sind ebenfalls sinnvoll. Sollte sich nach ca. 30 Minuten keine Stillung der Blutung einstellen, muss unbedingt zahnärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Die zahnärztliche Behandlung der Nachblutung erfolgt durch das Dichtnähen der Wunde unter örtlicher Betäubung und/oder durch Tamponieren der Wunde mit Gazestreifen, die mit blutstillenden Mitteln (z.B. Thrombin-Präparaten) getränkt sein können. Bei zu erwartenden Nachblutungen aufgrund von Blutgerinnungsstörungen sollte eine Abdeckplatte vorab angefertigt werden. Es sind auch Spätnachblutungen zu unterscheiden, die durch eine Infektion der Wunde oder eine anderweitige Zerstörung des Blutpfropfes (z.B. durch Zahnbürste oder harte Speisen) auftreten können. Dies führt zum Verlust des natürlichen Wundverschlusses und zu lokalen Nachblutungen. Bei den neueren Blutgerinnungshemmern – NOAK (z.B. Dabigatran) – wurde das Dabigatran-bindende Antikörper-Medikament Idarucizumab (Handelsname Praxbind) im Oktober 2015 in den USA und im November in der EU als erstes Antidot zugelassen. Das Risiko einer Nachblutung wird deutlich durch angeborene Blutgerinnungsstörungen (z.B. bei “Blutern”; Häufigkeit etwa 1:20.000), medikamentös bedingte Störungen (z.B. Infarktprophylaxe mit Marcumar) oder schwere Lebererkrankungen erhöht. Bei Blutgerinnungsstörungen erfolgt eine zusätzliche Gabe von Hämostyptika, gegebenenfalls auch eine Krankenhauseinweisung.