Formaldehyd
Synonym: Methanal, Paraformaldehyd (polymerisierte Form), Formalin (wässrige Lösung von Formaldehyd) · Englisch: (para-)formaldehyde
Formaldehyd ist eine organische Verbindung mit der chemischen Formel CH₂O. Es ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das in wässriger Lösung als Formalin bekannt ist. Formaldehyd hat stark desinfizierende Eigenschaften und wurde in der Vergangenheit vielfältig in der Medizin, insbesondere auch in der Zahnmedizin, eingesetzt.
Anwendung in der Zahnmedizin: In der Zahnmedizin wurde Formaldehyd früher vor allem zur Devitalisation des Zahnnervs verwendet, etwa in Präparaten wie Toxavit®. Die Methode hatte das Ziel, den Zahnnerv durch chemische Mittel abzutöten, um eine schmerzfreie Zahnbehandlung zu ermöglichen. Heute ist diese Methode in Deutschland obsolet und nur in Ausnahmefällen (z. B. Notfallbehandlung oder bei sehr jungen Patienten) zugelassen, wenn alternative Schmerzbehandlungen nicht möglich sind.
Risiken bei der Anwendung:
- Toxizität: Formaldehyd ist hochgiftig und kann bereits in geringen Mengen Gewebeschäden hervorrufen. Seine Verwendung im Milchzahngebiss ist besonders problematisch, da es zu Schädigungen der Mineralisation und Entwicklung der bleibenden Zähne führen kann.
- Gesundheitsgefahren: Formaldehyd wird von der International Agency for Research on Cancer (IARC) als krebserregend eingestuft. Besonders die inhalative Exposition gilt als potenziell gefährlich.
Heutige Verwendung:
- Formaldehyd kommt in geringen Konzentrationen als Zusatzstoff in Wurzelkanalfüllmassen vor.
- Es wird in der Medizin weiterhin als Desinfektionsmittel und bei der Sterilisation von medizinischen Geräten eingesetzt, vor allem in Form von Paraformaldehyd zur Gassterilisation.
Vorkommen in Lebensmitteln: Formaldehyd ist natürlicherweise in vielen Lebensmitteln enthalten, z. B. in:
- Äpfeln: 17,3 mg/kg
- Schweinefleisch: 20 mg/kg
- Schalentieren: bis 98 mg/kg
- Milch: 3,3 mg/L
Kontroverse: Die toxikologische Bewertung von Formaldehyd ist in der Wissenschaft umstritten. Die Halbwertzeit von Formaldehyd im menschlichen Körper beträgt nur etwa 1 bis 1,5 Minuten, da es rasch metabolisiert wird. Dennoch bleibt das Risiko gesundheitlicher Schäden durch eine wiederholte oder hohe Exposition bestehen.
In der Zahnmedizin ist der Einsatz von Formaldehyd aufgrund seiner Risiken heute stark reglementiert und wird durch moderne und sicherere Alternativen ersetzt.