Fazialisphänomen
Synonym: Chvostek-Zeichen, Fazialis-Zuckung · Englisch: Chvostek's sign
Das Fazialisphänomen, auch als Chvostek-Zeichen bezeichnet, ist eine neurologische Reaktion, die durch Beklopfen des Nervus facialis (Fazialisnerv) vor dem Kiefergelenk ausgelöst wird. Dabei kommt es zu kurzen, sichtbaren Zuckungen in den Gesichtsmuskeln. Das Zeichen wurde nach dem Wiener Internisten Franz Chvostek benannt, der diese Reaktion erstmals beschrieb.
Klinische Differenzierung Das Fazialisphänomen wird in drei Grade unterteilt:
- Chvostek I: Zuckungen im gesamten Fazialisgebiet, einschließlich Augenlider, Nasenflügel und Mundwinkel. Dieser Befund deutet häufig auf eine Tetanie hin, beispielsweise infolge eines Kalziummangels (Hypokalzämie).
- Chvostek II: Zuckungen beschränken sich auf die Region der Nasenflügel und des Mundwinkels, was auf eine vegetative Übererregbarkeit hinweisen kann.
- Chvostek III: Nur der Mundwinkel zeigt Zuckungen, ebenfalls ein Hinweis auf vegetative Übererregbarkeit.
Pathophysiologie Die Reaktion entsteht durch eine erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems, die bei Hypokalzämie, Elektrolytstörungen oder vegetativer Dysregulation auftreten kann. Das Zeichen ist ein Ausdruck neuromuskulärer Übererregbarkeit und hat diagnostische Bedeutung in der Differenzialdiagnose neurologischer und systemischer Erkrankungen.
Klinische Bedeutung Das Fazialisphänomen wird häufig im Rahmen der Untersuchung von Tetanie, insbesondere bei Hypoparathyreoidismus oder anderen Zuständen mit gestörtem Kalziumstoffwechsel, überprüft. Es ist ein einfach auszulösendes Zeichen und ein nützliches Instrument in der neurologischen Diagnostik.