Zungenatrophie
Synonym: Lingua atrophica, Glossitis atrophicans, Lackzunge · Englisch: tongue atrophy, lingual atrophy
Die Zungenatrophie bezeichnet eine Verkleinerung oder Degeneration der Zungenmuskulatur und der Zungenpapillen, die häufig mit Trink-, Schluck- und Ernährungsstörungen einhergeht. Man unterscheidet zwei Hauptformen: die Verkleinerung der gesamten Zunge, auch Lingua atrophica genannt, und die glatte Zungenatrophie, die als Glossitis atrophicans bekannt ist.
Bei der Lingua atrophica kommt es zu einer generalisierten Schrumpfung der Zungenmuskulatur. Die Ursachen können erworben oder angeboren sein. Erworbene Formen treten in Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen auf, die den Nervus hypoglossus betreffen, wie beispielsweise nach Schlaganfällen. Angeborene Ursachen, wie das Moebius-Syndrom, führen durch eine unzureichende Entwicklung der Zungenmuskulatur zu ähnlichen Veränderungen.
Die Glossitis atrophicans ist durch den Verlust der Zungenpapillen gekennzeichnet. Dadurch erscheint die Zunge glatt und glänzend, da die Muskulatur nur noch von der Mundschleimhaut überzogen ist. Diese sogenannte Lackzunge tritt häufig bei systemischen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts auf, wie beispielsweise bei einem Vitamin-B12-Mangel (perniziöse Anämie), Eisenmangelanämie oder Malabsorptionssyndromen.
Typische Symptome einer Zungenatrophie umfassen Schwierigkeiten beim Schlucken, Beeinträchtigungen des Sprechens und der Nahrungsaufnahme sowie Veränderungen des Geschmacksempfindens. Patienten berichten häufig auch über ein Brennen oder Schmerzen auf der Zungenoberfläche.
Die Diagnosestellung erfolgt durch eine gründliche Anamnese, klinische Untersuchung und die Abklärung möglicher Grunderkrankungen. Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einem Vitaminmangel erfolgt die Substitution des fehlenden Nährstoffs, während neurologische oder systemische Erkrankungen spezifisch behandelt werden müssen. Ergänzend können symptomatische Maßnahmen wie Ernährungsberatung und Übungen zur Verbesserung der Zungenfunktion eingesetzt werden.