Hydrokolloide
Englisch: hydrocolloid
Hydrokolloide sind reversibel-thermoplastische Abformmaterialien auf Agar-Agar- oder Alginatbasis (engl.: hydrocolloid), die 1926 entwickelt wurden. Durch Erwärmung des Gelzustandes wird das Material plastifiziert und in ein zähflüssiges Sol-System überführt. Während der Abdrucknahme erfolgt dann durch Wasserkühlung in einem speziellen Abformlöffel ("durchflussgekühlter Löffel") die Rückverwandlung in einen schwach elastischen Gelzustand bei Temperaturen unter 40 °C. Das Verfahren ist grundsätzlich zweiphasig.
Hydrokolloide zeichnen sich ähnlich wie Polyether und A-Silikone durch eine detailgetreue Wiedergabe der Mundsituation aus und sind feuchtigkeitsfreundlich (hydrophil), was die Abdrucknahme positiv beeinflusst. Die Rückstellung erfolgt unmittelbar, ist jedoch empfindlicher als bei Silikonen. Hydrokolloide müssen nach der Abdrucknahme unverzüglich mit einem Modellgips ausgegossen werden, da sie empfindlich auf Feuchtigkeitsverlust reagieren und somit nicht lagerfähig sind. Modelle, die nach Hydrokolloid-Abformungen hergestellt werden, sollten nach 30 Minuten entformt werden, um mögliche Oberflächenreaktionen mit dem Gips zu vermeiden.
Der Nachteil dieser ansonsten sehr präzisen Methode im Vergleich zu modernen Elastomeren liegt im hohen Arbeitsaufwand und der nicht immer zufriedenstellenden Darstellung von Strukturen innerhalb der Zahnfleischtasche.