Dehiszenz
Synonym: Aufklaffen, Nahtdehiszenz, Wundruptur · Englisch: dehiscence
Der Begriff Dehiszenz beschreibt das Aufklaffen oder Auseinanderweichen von Geweberändern, die zuvor durch natürliche Heilung oder chirurgische Naht vereint worden waren. Dieser Zustand kann in zwei Hauptformen auftreten:
- Nahtdehiszenz: Das Aufgehen einer chirurgischen Naht, nachdem die Wundränder primär bereits geschlossen waren. Ursachen sind meist mechanische Belastungen, wie intensives Kauen, Sprechen oder fehlerhaft gesetzte Nähte, die den Bereich übermäßig beanspruchen.
- Wunddehiszenz (Wundruptur): Ein späteres Auseinanderklaffen einer zunächst verschlossenen Wunde, bedingt durch mechanische Störungen oder interne Prozesse wie Blutungen oder Eiteransammlungen. Diese Form kann tiefere Gewebeschichten betreffen und geht oft mit Komplikationen wie Infektionen einher.
Wundheilung: In beiden Fällen wird eine Heilung durch Primärintention (per primam intentionem), also der direkte Zusammenschluss der Wundränder, in der Regel unmöglich. Stattdessen erfolgt die Heilung durch Sekundärintention (per secundam intentionem), bei der die Wunde von der Tiefe her langsam mit Granulationsgewebe auffüllt.
Dehiszenzen sind in der Zahnmedizin insbesondere bei oralchirurgischen Eingriffen, wie Zahnextraktionen, Implantationen oder Parodontaloperationen, von Bedeutung. Eine Nahtdehiszenz oder Wunddehiszenz kann die Heilungszeit verlängern und das Risiko für Infektionen erhöhen. Präventiv sind eine präzise Nahttechnik, die Schonung der Wundregion durch den Patienten und die Kontrolle postoperativer Belastungen essenziell.