Funktionskieferorthopädie
Synonym: FKO, Funktionelle Kieferorthopädie, Funktionstherapie in der Kieferorthopädie · Englisch: functional orthodontia
Die Funktionskieferorthopädie (FKO) ist ein spezifisches Behandlungsprinzip innerhalb der Kieferorthopädie, das darauf abzielt, Zahn- und Kieferfehlstellungen durch die gezielte Aktivierung natürlicher Muskelkräfte zu korrigieren. Dieses Konzept wurde maßgeblich von Viggo Andresen (1870–1950) und Karl Häupl (1893–1960) geprägt.
Die FKO nutzt speziell entwickelte Apparaturen, um Kau-, Wangen- und Zungenmuskulatur so zu stimulieren, dass diese funktionelle Reize erzeugen. Diese Reize fördern das Wachstum und die Umformung der Kieferstrukturen, wodurch falsche Bisslagen und Zahnfehlstellungen allmählich korrigiert werden.
Grundprinzipien Die Funktionskieferorthopädie beruht auf der Nutzung körpereigener Kräfte:
- Muskelaktivität: Die Wirkung der Kaumuskulatur, der Zungenbewegungen und der Lippenmuskulatur wird für die Therapie eingesetzt.
- Wachstumssteuerung: Durch die gezielte Beeinflussung des Kieferwachstums können Fehlentwicklungen korrigiert oder positiv gelenkt werden.
- Funktionelle Anpassung: Die natürlichen Bewegungen von Zunge, Lippen und Wangen werden so geleitet, dass sie eine harmonische Entwicklung der Kiefer und Zähne fördern.
Therapiegeräte in der FKO Die Funktionskieferorthopädie verwendet eine Vielzahl von Apparaturen, die in ihrer Bauart und Funktion variieren. Dazu gehören:
- Aktivator:
- Der bekannteste Vertreter der FKO. Ein herausnehmbares Gerät, das gleichzeitig auf Ober- und Unterkiefer wirkt.
- Es beeinflusst die Lage der Kiefer zueinander und fördert die Muskeladaptation.
- Eine zweiteilige Apparatur, die den Unterkiefer nach vorne positioniert und das Wachstum stimuliert.
- Funktionsregler (z. B. nach Fränkel):
- Eine Apparatur, die Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur gezielt zur Umformung von Zahn- und Kieferstellungen nutzt.
- Bite Block:
- Ein Gerät zur Bisshebung oder -senkung, das den Zahnbogen verlängern oder verkürzen kann.
- Weitere Geräte:
- Der Bionator, der ähnlich wie der Aktivator funktioniert, jedoch durch seine leichtere Bauweise eine größere Akzeptanz bei Patienten findet.
- Der Gebissformer, der einfache funktionelle Reize setzt.
Anwendungsgebiete Die FKO wird insbesondere bei wachsenden Patienten eingesetzt, um Fehlentwicklungen während der Wachstumsphase zu korrigieren. Typische Indikationen sind:
- Rückbisslagen (distale Okklusion)
- Vorbisslagen (mesiale Okklusion)
- Offene Bisse
- Engstände oder Lückenstände der Zähne
Vorteile der FKO
- Förderung einer natürlichen Entwicklung ohne invasive Eingriffe.
- Kein dauerhafter Kraftaufbau wie bei festsitzenden Apparaturen, sondern physiologische Anpassung.
- Positive Beeinflussung des Kieferwachstums und der Muskelkoordination.
Herausforderungen und Einschränkungen
- Die Therapie erfordert eine hohe Mitarbeit des Patienten (Compliance), da die Geräte regelmäßig getragen werden müssen.
- Die Ergebnisse sind stark abhängig vom verbleibenden Wachstumspotenzial.
- Die FKO eignet sich primär für Kinder und Jugendliche; bei Erwachsenen ist sie nur eingeschränkt wirksam.
Die Funktionskieferorthopädie bleibt ein wesentlicher Bestandteil der kieferorthopädischen Therapie, insbesondere bei der Behandlung junger Patienten in der Wachstumsphase. Durch ihre sanfte und biologische Herangehensweise wird sie oft als Alternative oder Ergänzung zu festsitzenden Apparaturen eingesetzt. Die Weiterentwicklung von Geräten wie dem Aktivator und Funktionsregler trägt dazu bei, die Effektivität und Akzeptanz dieser Methode kontinuierlich zu verbessern.