Sinusitis
Sinusitis ist eine Entzündung der Nasennebenhöhlen, die in der Zahnheilkunde häufig mit einer Kieferhöhlenentzündung gleichgesetzt wird. Der englische Begriff dafür lautet "sinusitis" oder "sinus infection". Es handelt sich um eine Nasennebenhöhlenerkrankung, bei der die Schleimhaut der (Kiefer-)Sinus entzündet ist, was entweder allergisch oder infektiös bedingt sein kann. Die Erreger sind meist Viren, Bakterien wie Streptokokken und Pilze (z.B. "Pilzball", invasive sinunasale Mykose, allergische Pilzsinusitis). Diese Erreger dringen meist aus dem Nasenraum in die Nebenhöhlen ein, seltener jedoch durch eine offene Verbindung zur Mundhöhle (Kieferhöhlenperforation).
Es wird zwischen den häufigsten Formen unterschieden: rhinogenen (von der Nase ausgehend, meist beidseitig), odontogenen (von den Zähnen abstammend, meist einseitig, etwa 30% Anteil) und hämatogenen (aus dem Blut stammend) Sinusitiden. Letztere Form ist jedoch äußerst selten und tritt nur bei schweren Allgemeinerkrankungen auf. Schmerzen, die durch eine Sinusitis verursacht werden, strahlen häufig auf die Oberkieferbackenzähne und den Alveolarfortsatz aus und können zu einer Fehl-Diagnose von Zahnschmerzen führen.
In einer amerikanischen Studie wurde bei Patienten, die über ungeklärte Erschöpfungszustände und Schmerzen klagten, überdurchschnittlich oft eine Sinusitis diagnostiziert. Die Ursache der odontogenen Sinusitis, die in der Regel nur auf eine der Kieferhöhlen lokalisiert ist, sind vor allem entzündliche Prozesse an den Wurzelspitzen, Zysten oder selten tiefe Zahnfleischerkrankungen der oberen Backenzähne. Auch nicht regulär verlaufende zahnärztliche Maßnahmen, wie z.B. nach Zahnentfernung oder -operation, das Hineinstoßen von Wurzelteilen oder das Einbringen von Fremdkörpern (z.B. Wurzelkanalfüllungsmaterial, Implantate, Knochenersatzmaterial) können zu einer iatrogenen Sinusitis führen. Die häufigste Ursache hierfür ist die sogenannte Mund-Antrum-Verbindung (Antrumperforation) nach einer Zahnextraktion.
Die Sinusitis wird weiter unterteilt in:
Akute Sinusitis: Diese ist begleitet von heftigen neuralgiformen Schmerzen in der betroffenen Gesichtshälfte und einem dünnflüssigen Sekretabfluss aus der jeweiligen Nasenhälfte. Röntgenologisch sind kaum Veränderungen sichtbar.
Chronische Sinusitis: Sie verläuft meist schmerzlos, kann aber bei reduziertem Immunsystem in eine akute Form übergehen. Es bildet sich häufig eine Polypenbildung, und röntgenologisch sind gut sichtbare Verschattungen erkennbar.
Eitrige Sinusitis (Antrumempyem, oroantral empyema): Diese entwickelt sich aus einer akuten oder chronischen Sinusitis und führt zu einer eitrigen Ansammlung, die über die Nase oder eine Mundhöhlenverbindung (Antrumperforation) abfließen kann. Der Geruch ist oft unangenehm. Röntgenologisch zeigt sich eine vollständige Verschattung. Es kommt zu einem schmerzhaften Druckgefühl mit Schwellung der betreffenden Gesichtshälfte. Die Gefahr einer Ausbreitung in benachbarte Gebiete wie die Augenhöhle (Orbitaphlegmone) besteht. Eine akute Behandlung erfolgt durch Spülungen und Antibiotika, später ist häufig eine Kieferhöhlenoperation (Caldwell-Luc) unumgänglich.
Wenn sich die Sinusitis von einer Nasennebenhöhle auf andere Nasennebenhöhlen wie die Stirn-, Siebbein- und Keilbeinhöhle ausbreitet, spricht man von Pansinusitis. Wenn die Entzündung auf die Augenhöhle übergreift, ist eine rasche Behandlung notwendig, da sonst die Gefahr einer Erblindung besteht.