Blutvergiftung
Synonym: Sepsis, Septikämie, Toxämie, Toxikämie · Englisch: sepsis, blood poisoning
Blutvergiftung, medizinisch als Sepsis bezeichnet, ist eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion, bei der das Immunsystem außer Kontrolle gerät und eine starke Entzündung im gesamten Körper verursacht. Dies kann zu Gewebeschäden, Organversagen und im fortgeschrittenen Stadium zum septischen Schock führen, der häufig tödlich endet. Sepsis ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen und erfordert sofortige intensive medizinische Behandlung.
Ursachen und Verlauf Die Sepsis entsteht in der Regel durch bakterielle Infektionen, seltener durch Viren, Pilze oder Parasiten. Gelangen diese Erreger in die Blutbahn, kann sich die Infektion im gesamten Körper ausbreiten. Zu den häufigsten Infektionsquellen gehören:
Lungenentzündungen (ca. 50 % der Fälle), Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen und Bauchinfektionen (z. B. nach Operationen oder bei Abszessen). Der Verlauf der Sepsis lässt sich in drei Schweregrade unterteilen:
Sepsis: Systemische Entzündungsreaktion mit Organfunktionsstörungen. Schwere Sepsis: Multiorganversagen durch starke Entzündungsreaktionen und eingeschränkte Blutversorgung. Septischer Schock: Schwerste Form, bei der ein lebensbedrohlicher Blutdruckabfall auftritt und die Organe nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Zahlen und Häufigkeit Sepsis ist eine häufige und ernsthafte Erkrankung. Weltweit gibt es schätzungsweise 49 Millionen Fälle pro Jahr, von denen etwa 11 Millionen tödlich enden. In Deutschland erkranken jährlich rund 300.000 Menschen an einer Sepsis, wobei die Mortalitätsrate bei etwa 30 % liegt. Der septische Schock ist besonders gefährlich, mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 60 %.
Symptome Die Symptome der Sepsis können unspezifisch sein, was eine schnelle Diagnose erschwert. Zu den Hauptsymptomen gehören:
Fieber oder, seltener, Untertemperatur, schneller Puls, niedriger Blutdruck, schnelle Atmung, Verwirrtheit und starke Schwäche oder Schläfrigkeit. Zusätzlich treten spezifische Symptome der jeweiligen Infektionsquelle auf, wie Atembeschwerden bei Lungenentzündungen oder Schmerzen beim Wasserlassen bei Harnwegsinfektionen.
Diagnostik Die Diagnose der Sepsis erfolgt durch eine Kombination aus klinischen Zeichen und Laborbefunden. Wichtige Diagnoseschritte umfassen:
Blutkulturen zur Identifizierung des Erregers, Entzündungsparameter wie CRP und Procalcitonin, Blutbild, um Leukozytenzahl und Thrombozyten zu überprüfen, Organfunktionsparameter, z. B. Kreatinin für die Nierenfunktion und Leberwerte. Weitere bildgebende Verfahren, wie Röntgen oder Ultraschall, helfen, die Infektionsquelle zu lokalisieren.
Behandlung Die Behandlung der Sepsis ist ein medizinischer Notfall und muss sofort in einer Klinik, meist auf der Intensivstation, erfolgen. Die Hauptbehandlungsmaßnahmen sind:
Antibiotika-Therapie: Breitbandantibiotika werden innerhalb der ersten Stunde nach Verdacht auf Sepsis intravenös verabreicht, um die Infektion rasch einzudämmen. Die Auswahl des Antibiotikums wird nach Erhalt der Blutkultur-Ergebnisse gezielt angepasst. Flüssigkeitszufuhr: Eine schnelle intravenöse Gabe von Flüssigkeit (Kochsalzlösung) stabilisiert den Blutdruck und verbessert die Durchblutung der Organe. Patienten im septischen Schock erhalten oft Vasopressoren, um den Blutdruck zu stabilisieren. Behandlung der Infektionsquelle: Wenn möglich, wird die Infektionsquelle chirurgisch oder interventionell entfernt, z. B. Abszessdrainage oder Entfernung infizierter Katheter. Unterstützung der Organfunktionen: Bei schwerem Organversagen kommen intensivmedizinische Maßnahmen wie Beatmung bei Atemversagen oder Dialyse bei Nierenversagen zum Einsatz. Kortikosteroide: In einigen Fällen werden Kortikosteroide verabreicht, um die überschießende Immunreaktion zu dämpfen. Prävention und Prognose Die Prognose bei Sepsis hängt stark vom Erkrankungsstadium, der rechtzeitigen Diagnose und der Wirksamkeit der Therapie ab. Ein schnelles Handeln kann die Überlebenschancen deutlich erhöhen. Präventive Maßnahmen umfassen Hygiene, die frühzeitige Behandlung von Infektionen sowie Schutzimpfungen, z. B. gegen Pneumokokken und Influenza.
Langzeitfolgen wie kognitive Beeinträchtigungen, chronische Schmerzen und anhaltende Schwäche treten häufig bei Überlebenden auf und werden als „Post-Sepsis-Syndrom“ bezeichnet.