Stiftaufbau
Synonym: Wurzelanker, Schraubenaufbau · Englisch: post and core, root pin
Der Stiftaufbau ist eine teilweise Wiederherstellung einer zerstörten Zahnkrone mittels Stiften oder Schrauben, die im Wurzelkanal verankert werden, im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung. Diese Methode wird angewendet bei tief zerstörten, wurzelkanalbehandelten Zähnen, bei denen die natürliche Zahnkrone keinen Halt mehr für die Aufnahme eines Zahnersatzes (Krone) bietet. Zum Einsatz kommen dabei:
parapulpäre Stiftchen (sog. Stiftchenverankerung) bei vitalen Zähnen; aufgrund der Möglichkeiten der Adhäsivtechnik und der Gefahr einer Pulpenverletzung ist diese Methode heute nur noch begrenzt im Einsatz. Schrauben, Gussobjekte oder Stifte bei devitalen Zähnen. Neben den klassischen Stiftsystemen aus Metallbasis werden heute vermehrt Stifte aus faserverstärktem Komposit und Zirkon angeboten. Es wird außerdem zwischen aktiven (mit Gewinde, z.B. "Radix-Anker™") und passiven (konisch, zylindrisch, zylindrisch-konisch) Stiftsystemen unterschieden. Zu den nichtmetallischen Systemen liegen bisher (2010) nur statistisch unzureichende klinische Langzeiterfahrungen vor, aber die bisherigen Ergebnisse deuten auf positive Entwicklungen hin.
Gegossene Aufbauten aus Metall sind in der Praxis heute kaum noch üblich. Ein relativ großer Substanzverlust, erhöhte Laborkosten, eine zweite Behandlungssitzung und Schwierigkeiten bei der provisorischen Versorgung stehen in keinem Verhältnis zu ihren Vorteilen.
Laut Daniel Edelhoff und Hubertus Spiekermann (in zm 93 vom 1.4.2003) ergeben sich folgende Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungskonzepte:
Metall:
Umfangreiches Systemangebot, klinische Langzeiterfahrungen, Standardtherapie (2010) Korrosionsproblematik, ungünstige optische Eigenschaften, hohes E-Modul, Infrakturen bei Schraubenaufbauten, Keilwirkung ("wedge effect") von Metallstiften Faserverstärktes Komposit: Stiftaufbauten aus carbonfaserverstärkten Epoxidharzen (z.B. ComposiPost® oder RTD®) bieten gute klinische Eigenschaften. Ihre dentinähnliche Elastizität reduziert die Frakturrate im Vergleich zu metallischen Stiftsystemen.
Günstige Biomechanik, u.U. wieder entfernbar, Biokompatibilität, optische Eigenschaften (bei Glasfaserverstärkung) Anisotropes Verhalten, Flexibilität des Aufbaus, hohe WAK-Differenz (WAK = Wärme-Ausdehnungs-Koeffizient) zur Zahnhartsubstanz, unzureichende klinische Langzeiterfahrungen Zirkonoxidkeramik: Mit der Einführung vorgefertigter Wurzelstifte aus teilstabilisierter Zirkonoxid-Keramik (z.B. Cerapost oder Cosmopost) stehen metallfreie Stiftaufbausysteme mit guten ästhetischen und werkstofflichen Eigenschaften zur Verfügung. Durch die Entwicklung einer speziellen Glaskeramik (z.B. Empress Cosmo), die als individueller Stumpfaufbau an konfektionierte Wurzelstifte aus ZrO2-Keramik angepresst werden kann, ist die Herstellung einteiliger, halbkonfektionierter Stiftaufbauten möglich geworden. Der Haupteinsatzbereich ist die Frontzahnregion des Oberkiefers. Eine Steigerung der Stiftverankerung im Wurzelkanal sowie eine bessere Spannungsverteilung auf die umgebende Kanalwand kann durch eine adhäsive Befestigung erzielt werden.
Weiße Farbe, Transluzenz, Biokompatibilität, hohe Festigkeit Extrem hohes E-Modul, extrem hohe Härte, nicht wieder entfernbar, konfektionierte Wurzelkanalstifte aus Zirkoniumoxid-Keramik zeigen im Labortest eine nur unzureichende Retention (Halt im Wurzelkanal). Die Schwachstelle des Verbundes liegt zwischen dem Kunststoffzement und der keramischen Oberfläche; unzureichende klinische Langzeiterfahrungen. Eine Studie aus 2007 sieht keinen Unterschied zwischen Gold-Stiftaufbauten und Komposit-Stiftaufbauten: „Gold-Stiftaufbauten wie Komposit-Stiftaufbauten sind mit hohen Überlebensraten gleichermaßen als Aufbausysteme devitaler Zähne geeignet. Für die Prognose sei eigentlich die verbleibende Menge an gesunder Zahnsubstanz entscheidend. In der Studie von Dr. Ronald E. Jung et al. („A Comparison of Composite Post Buildings and Cast Gold Post-and-Core Buildings for the Restoration of Non-Vital Teeth after 5-10 Years“, in: Int J Prosthodont Januar/Februar, 20/2007) werden auch keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den Komplikationsraten der beiden Systeme gefunden.“
Begriffe: Aufbaufüllung, Cosmopost, Davis-Krone, Facette, getapert, Kernkrone, Krone, Logan-Krone, Masseran-Instrumentarium, parapulpäre Stifte, Pinlay, Pinledge, Richmond-Krone, Steele-Facette, Stiftkrone, Stiftverbolzung, Transfixation, Wurzelkanal, Wurzelstiftkappe, Zahnstumpf.