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Galvanismus

Synonym: Elektrogalvanismus, elektrische Mundströme, Mundbatterie · Englisch: oral galvanism

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Oberbegriff für Pseudodiagnosen, die davon ausgehen, dass die zwischen versch. Metallen im Mund bestehenden Strömchen (galvanisches Element) für eine Vielzahl von Erkrankungen direkt oder indirekt zuständig sind. Je nach Zusammensetzung des Metalle (Legierung) und der diese umspülende Elektrolyte (in der Hauptsache Speichel) ergeben sich unterschiedliche Potentiale, deren Differenz als elektrische Spannung in Volt gemessen werden kann; es werden Werte bis zu 1.000 mV angegeben - man spricht von einem galvanischen Element. Nach physikalischen Prinzipien kann ein Strom nur dann fließen, wenn neben dem Elektrolyt eine weitere leitende Verbindung besteht. Dies kann ein direkter Kontakt der versch. Metalle (auch kurzzeitig beim Zusammenbiss) oder der elektrisch äußerst schwache Weg über Zahn-Kieferknochen-Zahn sein. Folge dieses Stromflusses sind Korrosionen, welcher i.d.R. nur unter dem Mikroskop zu beobachten sind, wobei die unedlere Legierung mehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Empfindliche Patienten können diese Strömchen meist durch Beeinträchtigung des Geschmacks ("Batteriegeschmack", Geschmack nach Stanniolpapier) spüren, andere klagen über Zungen- und Schleimhautbrennen. In wie weit diese Strömchen unseren Körper beeinflussen ist wissenschaftlich nicht gesichert; krankhafte Veränderungen der Strombahnen im Körper konnten bisher seriös nicht nachgewiesen werden. Messbare Körperbelastungen werden bei einem direkten Kontakt Edelmetall-Amalgam festgestellt, wobei sich das Amalgamgemisch auflöst - dieser Effekt ist bei alten Amalgamfüllungen vernachlässigbar, bei frischen dagegen stark ausgeprägt. Deshalb gilt, dass nie eine frische Amalgamfüllung neben eine bestehende Edelmetall-Legierung gelegt werden darf. Unter den Aspekten eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollten sich generell nicht im Potential verschiedene Metalle zusammen in der Mundhöhle befinden. Angestrebt wird unter reinen Bioverträglichkeitsaspekten zusätzlich eine metallfreie Mundhöhle - allerdings ist dieser Wunsch zahntechnisch wie auch unter finanziellen Gesichtspunkten bisher Utopie.