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Würgereiz

Synonym: Würgreflex, Gag-Reflex, Pharyngealreflex · Englisch: gag irritation, gag reflex

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Der Würgereiz ist ein physiologischer Schutzreflex, der das Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege verhindert. Er wird durch die Reizung sensibler Bereiche wie des weichen Gaumens, der Uvula, der Zunge oder des Rachens ausgelöst und kann nicht willentlich gesteuert werden. Dabei unterscheidet man zwischen einer somatogenen und einer psychogenen Ursache. Während bei der somatogenen Form physische Reizfaktoren wie lokale Erkrankungen, anatomische Gegebenheiten oder iatrogene Einflüsse eine Rolle spielen, stehen bei der psychogenen Form psychologische Faktoren im Vordergrund, etwa negative Behandlungserfahrungen oder Zahnarztangst. In vielen Fällen liegt eine Kombination beider Ursachen vor.

Der Würgereiz kann in der zahnärztlichen Behandlung eine erhebliche Herausforderung darstellen, insbesondere bei der Abdrucknahme oder der Eingliederung von Zahnersatz. Verschiedene Methoden können helfen, ihn zu reduzieren. Dazu gehören Ablenkungstechniken wie beruhigendes Zusprechen, spezielle Atemübungen oder sanftes Streichen über den Nasenrücken. Lokale Betäubungen, etwa durch Oberflächenanästhetika oder gezielte Injektionen, können die Empfindlichkeit der betroffenen Regionen herabsetzen. Akupunktur und Akupressur werden ebenfalls als unterstützende Maßnahmen eingesetzt, insbesondere durch die Stimulation von Punkten wie KG 24 im Kinngrübchen oder P6 am Unterarm. Bei ausgeprägtem psychogenem Würgereiz kann eine Hypnosetherapie oder Verhaltenstherapie sinnvoll sein. In schwerwiegenden Fällen werden Beruhigungsmittel wie Diazepam oder Lachgas eingesetzt, während Morphinpräparate nur in Ausnahmefällen zur Dämpfung des Brechzentrums Anwendung finden.

Während der Würgereiz nach der Eingewöhnung an herausnehmbaren Zahnersatz meist von selbst abklingt, zeigen andere Maßnahmen wie die Gabe homöopathischer Mittel oder Präparate gegen Reisekrankheit keinen nachgewiesenen Erfolg. Entscheidend ist eine individuell angepasste Herangehensweise, um die zahnärztliche Behandlung für betroffene Patienten möglichst angenehm und erfolgreich zu gestalten.