Lutschen
Synonym: Nuckeln · Englisch: suck, suck on
Lutschen ist das kraftvolle Saugen an Fingern (besonders am Daumen) und anderen Gegenständen. Es gilt als eine der Hauptursachen für Kieferverformungen (Habits). Das besonders beim Säugling ausgeprägte (und in dieser Zeit natürliche) Verhalten sollte spätestens im 3. Lebensjahr abgestellt sein, da sonst mit bleibenden Kieferverformungen zu rechnen ist. Trotzdem lutschen heute noch mehr als 50 Prozent aller Dreijährigen an Daumen, anderen Fingern oder anderen Objekten. Durch den nicht unbeträchtlichen Druck des Gegenstandes auf die Innenseite der (oberen) Frontzähne werden diese nach außen gedrückt. Gleichzeitig erfolgt durch den Unterdruck beim Saugen ein Druck der Wangenmuskulatur auf die Seitenzähne, was eine Verformung des Kiefers nach oral hin zur Folge hat. Zusätzlich wird die Zunge nach hinten verlagert. All diese Faktoren bewirken eine Hemmung bzw. Fehlbildung des Ober- und Unterkiefers, ein Aufbiegen des Oberkiefers nach vorn („Lutschprotrusion“, s. Abb.) und eine Rückverlagerung des Unterkiefers. In ausgeprägten Fällen kann ein „lutschoffener Biss“ entstehen. Lutschen über das 6. Lebensjahr hinaus gilt als krankhaft und bedarf dringend einer (psychologischen) Behandlung. Nuckeln und Lutschen sind häufig sprachlose Bitten um Liebe und Zuwendung. Auch größere Kinder äußern sich so, wenn sie keinen adäquaten sprachlichen Ausdruck finden. Nicht befriedigte seelische Bedürfnisse werden dann durch materielle Befriedigung kompensiert. Wer schon früh die Erfahrung macht, bei jeder Unlustäußerung etwas in den Mund gestopft zu bekommen, wird sich an diese Form der Tröstung gewöhnen.