Zyste
Synonym: Kieferzyste, Epithelzyste, gefüllter Hohlraum · Englisch: cyst
Eine Zyste ist ein krankhaftes, mit Epithel ausgekleidetes, abgekapseltes Hohlraumgebilde, das eine Zystenflüssigkeit unterschiedlicher Konsistenz enthält. Zysten sind in der Regel gutartig, langsam wachsend und röntgenologisch als scharf begrenzte, lytische Läsionen erkennbar.
Eigenschaften:
- Epithel: Zysten sind immer epithelumkleidet (im Gegensatz zu Pseudozysten).
- Wachstum: Zysten wachsen expansiv, führen zur Verdrängung umliegender Strukturen (z. B. Knochen) und zeigen meist keine Symptome, solange sie nicht infiziert sind.
- Prävalenz im Kieferbereich: Zysten treten im Kiefer häufiger auf als in anderen Körperregionen, aus bislang ungeklärten Gründen. Der Oberkiefer ist häufiger betroffen als der Unterkiefer.
- Häufigkeit: In der Zahnmedizin sind radikuläre Zysten mit 65–70 % die häufigste Zystenform, gefolgt von follikulären (13–17 %), residualen (2–8 %) und Hautzysten (1,7–5 %).
Pathogenese: Zur Zystenbildung sind epitheliale Zellreste notwendig. Im Kieferbereich stammen diese häufig von den Malassez’schen Epithelresten der Zahnleiste. Die Zystenentstehung wird durch entzündliche, traumatische oder entwicklungsbedingte Prozesse gefördert.
Klassifikation nach WHO (1992): Die Klassifikation berücksichtigt die Herkunft des Epithels und die Ursache der Zystenentstehung.
- Epithelzysten (Kieferzysten im eigentlichen Sinne):
-
Dysgenetische Zysten (entwicklungsbedingt):
-
Odontogene Zysten (zahnbezogen):
-
Follikuläre Zyste
-
Laterale parodontale Zyste
-
Glanduläre odontogene Zyste
-
Nicht-odontogene Zysten:
-
Nasopalatinusgangzyste (Inzisivuszyste)
-
Nasolabiale Zyste
-
Entzündungsbedingte Zysten:
-
Radikuläre Zyste
-
Residualzyste
- Nicht-epitheliale Zysten (nicht-neoplastische Knochenveränderungen):
- Aneurysmatische Knochenzyste
- Solitäre Knochenzyste (traumatische Zyste)
Klinik: Symptome treten meist erst bei fortgeschrittener Zystengröße auf, z. B. durch Schwellungen oder Verdrängungen von Knochen und Zähnen. Ein typisches klinisches Zeichen ist das „Pergamentknistern“ bei Palpation einer großen Zyste nahe der Oberfläche.
Therapie: Die Behandlung erfolgt chirurgisch, z. B. durch Zystektomie (vollständige Entfernung) oder Zystostomie (Eröffnung und Drainage). Begleitende Maßnahmen, wie die Therapie des verursachenden Zahnes oder die Entfernung von Epithelresten, sind essenziell, um Rezidive zu vermeiden.
Maligne Entartung: Eine Entartung zur malignen Läsion, wie z. B. einem Plattenepithelkarzinom, ist selten, jedoch möglich und erfordert histopathologische Überwachung.