Zahnüberzahl
Synonym: Hyperdontie, überzählige Zähne · Englisch: polyodontia, supernumerary teeth
Die Zahnüberzahl (Hyperdontie) bezeichnet das Vorhandensein von mehr Zähnen als in der normalen Zahnanatomie vorgesehen ist. Während das Gebiss eines Erwachsenen normalerweise aus 32 Zähnen besteht (inklusive Weisheitszähne), tritt bei einer Zahnüberzahl ein oder mehrere überzählige Zähne auf. Diese odontogene Anomalie kann sowohl im Milchgebiss als auch im bleibenden Gebiss vorkommen.
Ursachen: Die genauen Ursachen für Zahnüberzahl sind nicht vollständig geklärt, jedoch werden genetische Faktoren und erblich bedingte Syndrome als Hauptursachen angesehen. Häufig tritt die Anomalie bei Syndromen wie dem Gardner-Syndrom, der Klippel-Feil-Anomalie oder der Cleft-Lip-and-Palate-Dysplasie (Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte) auf.
Klassifikation:
- Nach Lokalisation:
- Mesiodens: Überzähliger Zahn im Bereich der Frontzähne, meist zwischen den oberen mittleren Schneidezähnen.
- Paramolar: Zusätzlicher Zahn in der Nähe eines Molaren.
- Distomolar: Überzähliger Zahn hinter dem letzten Molaren (Weisheitszahnregion).
- Nach Form:
- Konisch: Kleine, spitz zulaufende Form.
- Tuberkulär: Zahnähnliche Form mit Höckern.
- Zahnähnlich: Ähnliche Größe und Form wie die regulären Zähne.
- Verformt: Atypische, nicht-zahnähnliche Struktur.
- Nach Anzahl:
- Einzelne Überzähne.
- Multiple Überzähne (selten, meist bei Syndromen).
Häufigkeit: Die Prävalenz von Zahnüberzahl liegt bei etwa 0,1–3,8 % der Bevölkerung. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, insbesondere im Bereich der oberen Schneidezähne (Mesiodens).
Symptome: Überzählige Zähne verursachen oft keine Beschwerden, können jedoch zu funktionellen und ästhetischen Problemen führen:
- Engstand oder Verdrängung der regulären Zähne.
- Verzögerte oder gestörte Zahnstellung und Zahndurchbruch.
- Fehlbiss oder Okklusionsstörungen.
- Zystenbildung um die überzähligen Zähne.
Diagnostik: Die Diagnose erfolgt durch:
- Klinische Untersuchung: Sichtbare Überzähne oder Zahnanomalien im Gebiss.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen (OPG, Zahnfilm oder 3D-Bildgebung wie DVT) zur Lokalisierung und Beurteilung der Zahnstellung.
Therapie: Die Behandlung der Zahnüberzahl hängt von der individuellen Situation ab:
- Keine Therapie: Wenn keine funktionellen oder ästhetischen Beeinträchtigungen vorliegen.
- Chirurgische Entfernung: Überzählige Zähne werden entfernt, insbesondere bei: Beeinträchtigung des regulären Zahndurchbruchs. Verursachung von Zahnfehlstellungen. Zystenbildung oder anderen Komplikationen.
- Kieferorthopädische Maßnahmen: Nach der Entfernung zur Korrektur von Zahnfehlstellungen oder Engständen.
Prognose: Die Prognose ist in der Regel gut, insbesondere bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung. Unbehandelt können jedoch langfristige Probleme wie Fehlstellungen, funktionelle Einschränkungen und ästhetische Beeinträchtigungen auftreten.