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Halitosis

Synonym: Mundgeruch

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Halitosis wurde früher als Ausdruck für Mundgeruch verwendet, der nicht seine Ursache im Mundhöhlenbereich hat. Heute wird der Begriff zunehmend als Oberbegriff für Mundgeruch jeglicher Ursache gebraucht. Innerhalb des Mundbereiches sind fast immer Stoffwechselprodukte von bestimmten gram-negativen Bakterien die eigentliche Geruchsursache. Diese Bakterien bauen Speisereste, Blut, Zellen und einige chemische Komponenten des Speichels ab. Der als bakterielle Aminolyse bezeichnete Vorgang (Zersetzung von Peptiden und Proteinen) führt zur Entstehung und Freisetzung von sogenannten VSC (volatile sulfur compounds), die vom Geruch her von vielen Menschen als unangenehm empfunden werden. Derartige geruchsproduzierende Bakterien finden sich - da sie besonders ohne Sauerstoff gut gedeihen - in versteckten Höhlungen wie tiefen kariösen Defekten, Zahnzwischenräumen, tiefen Zahnfleischtaschen (Patienten mit einer Zahnfleischentzündung, Parodontitis, haben ein messbar höheres Risiko für Mundgeruch als gesunde Menschen) und dem hinteren Drittel des Zungenrückens. Laut unterschiedlichen Literaturangaben klagen etwa 20-35 % über gelegentlichen Mundgeruch, ca. 6 % leiden dauerhaft darunter. Die Ursachen sind zu etwa 85 % in der Mundhöhle zu suchen.

Nach der klassischen Definition wird nach dem Entstehungsort unterschieden in:

  • Foetor ex ore: durch krankhafte Veränderungen in der Mundhöhle verursacht (mangelnde Mundhygiene, kariöse bzw. zerstörte Zähne, Zahnfleischtaschen, Abszesse, Zungenrücken, mangelnder Speichelfluss, schlecht heilende Zahnwunden, erneuerungsbedürftige oder mangelhafte zahnärztliche Versorgungen, z.B. überstehende Kronen- und Füllungsränder, Mundhöhlentumore). Rezente Untersuchungen zeigen, dass die raue Zungenoberfläche, besonders im hinteren Drittel, häufig bakterielle Beläge und Essensreste aufweist, deren Bedeutung für Halitosis bisher unterschätzt wurde. Sprechen und Schlucken bringen die vorderen zwei Drittel der Zunge in Kontakt mit dem Gaumen, wodurch eine Selbstreinigung erfolgt. Zur Reinigung des kritischen hinteren Drittels werden Zungenschaber und besonders feste Bürsten bzw. Spateln angeboten. Die Oberflächenstruktur der Zunge ist von einem Biofilm überzogen, in dem bevorzugt parodontal pathogene Keime zu finden sind. Allerdings: Der Erfolg der Reduktion des mikrobiellen Films ist lediglich temporär und hält je nach Methode zwischen 15 und 100 Minuten an. Vor allem die Kombination von CHX-Spülungen und Schabern zeigt gute Langzeiterfolge. Ebenso spielt der Speichel eine nicht zu unterschätzende Rolle, da dieser durch seine Bestandteile eine Anhäufung von Stoffwechselprodukten verhindert und eine Beseitigung von Bakterien erleichtert. Dadurch bedingt erklärt sich auch der morgendliche Mundgeruch, da während des Schlafes die Speichelmenge um ein Vielfaches geringer ist. Besonders ungünstig ist bei dieser geringen Menge ein Schlafen mit offenem Mund, da zusätzlich eine Verdunstung über die Schleimhäute erfolgt (~ 0,25 ml/min); vorangegangener Alkoholgenuss verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

  • Stomatodysodia: bedingt durch krankhafte Prozesse in den oberen Atemwegen, wie z.B. Mandel- und Kieferhöhlenentzündungen, Pfeiffersches Drüsenfieber.

  • Ozostomia: an Eitergeruch (faulig-verwesend) erinnernd, als Ausdruck krankhafter Veränderungen in den unteren Luftwegen, wie z.B. Lungenabszesse und -tumoren oder Tuberkulose.

  • Halitosis: ausgelöst z.B. durch krankhafte Stoffwechselprodukte oder Verdauungstrakt-Erkrankungen (Diabetes, Azetongeruch), Nierenleiden/-versagen (Urin-, Ammoniakgeruch), Leber- und Galleerkrankungen (Kadaver-, Mäusegeruch), Magen-Darm-Erkrankungen (Faule-Eier-Geruch), Bluterkrankungen (alter-Blutgeruch), Medikamente. Das "bad-breath paradox" ("Schlechter-Atem-Paradoxon", Pseudo-Halitosis): Eine Person kann normalerweise nur unzuverlässig den eigenen Atem riechen und somit auch keine exakten Angaben zu einem vermeintlichen eigenen Mundgeruch machen.

Die Diagnose der Halitosis erfolgt entweder subjektiv durch ein "Erschnüffeln" (organoleptische Messung; Abstand zwischen 10 und 100 cm vom Mund des Patienten, wobei Grad 3 den intensivsten Mundgeruch beschreibt) mit dem Nachteil einer sehr individuellen und nicht reproduzierbaren Empfindlichkeit oder neuerdings durch Messgeräte (Halimeter).

Schweregrade nach Seemann (2001)

Eine Behandlung des von der Mundhöhle ausgehenden Mundgeruchs (Foetor ex ore) erfolgt ausschließlich durch die Beseitigung der verursachenden Bakterien bzw. indirekt durch eine Sanierung des Gebisses, um hygienisch saubere Zustände zu schaffen. Daneben ist das hintere Drittel der Zunge unbedingt in die Mundhygienemaßnahmen mit einzubeziehen. Zusätzlich werden Mundspüllösungen empfohlen; Chlorhexidin, Zinkchlorid, Cetyl-Pyridin-Chlorid (CPC), Wasserstoffperoxid, Triclosan, Aminfluorid, Zinnfluorid und das ölige Listerine® werden bisher als positiv bewertet. Zahncremes haben eine geringere Wirkung als Spülungen, Lutschpastillen und Kaugummis ohne spezielle Wirkstoffe sind ohne längere Wirkung. Dagegen zeigen Zusätze von Zn2+ eine sofortige Reduktion von VSC. Polyphenole im Schwarztee stören unter anderem das Wachstum von Bakterien, die für Mundgeruch verantwortlich sind, und können hilfreich sein. Stark im Zunehmen begriffen ist in jüngster Zeit ein vom Patienten geäußerter, aber subjektiv nicht feststellbarer Mundgeruch. Dieses Phänomen wird als Pseudo-Halitosis bezeichnet (Beschwerden bessern sich, nachdem der Patient entsprechend aufgeklärt wurde) oder in schweren Fällen als Halitophobie (auch eine noch so gründliche Aufklärung kann den Patienten nicht von seiner Fehleinschätzung abbringen). Die Ursachen sind im psychischen Bereich und Umfeld des Patienten zu suchen (falsche Interpretationen von Abwehrreaktionen von Mitmenschen gegenüber dem Betroffenen usw.). Obwohl Menschen mit Halitosis sozial und psychisch stark unter dem Mundgeruch leiden können, werden in Deutschland - im Gegensatz zu den USA - von Ärzten und Zahnärzten nur selten adäquate Therapien angeboten.