Labium
Synonym: oris, Lippe · Englisch: lip
Labium, paarweises Mundorgan mit Unterteilung in Ober- (Labium superius) und Unterlippe (Labium inferius), wird beim Tier meist als Lefze bezeichnet. Bedingt durch eine geringe Dicke der Lippenhaut und häufig fehlende Pigmentierung schimmern die darunter liegenden Blutgefäße stark durch und heben den Lippenbereich ("Lippenrot") deutlich von der übrigen Gesichtshaut ab. Im Gegensatz zur Körperhaut besitzen die Lippen keine Schweiß- und Talgdrüsen; ein leichteres Austrocknen und eine erhöhte Sprödigkeit sind die Folgen. Als Oberlippenlänge werden beim Mann 24 mm und bei der Frau 22 mm angegeben. Berühren sich Ober- und Unterlippe im entspannten Zustand, so spricht man von kompetenten Lippen; das Gegenteil, der "offene Mund", sind inkompetente Lippen. Da beim Kau- und Saugvorgang geschlossene Lippen nötig sind, werden bei inkompetenten Lippen erhöhte Lippenkräfte gebraucht. Daraus resultierende Kiefer-Zahn-Fehlstellungen, wie der offene Biss, können die Folge sein. Die Funktionen der Lippen sind vielfältig. Nach einer zahnärztlichen Betäubung im Lippenbereich sind diese Bedeutungen eindrucksvoll am eigenen Körper zu spüren: Nahrungsaufnahme: Durch eine komplizierte Muskelstruktur können Speisen sicher erfasst und in die Mundhöhle transportiert werden. Ein sicherer Verschluss nach außen verhindert ein Abfließen des Bolus während des Kauens. Durch eine spezielle Lippenformung lässt sich eine Trichterwirkung erzielen: Das Einsaugen von Flüssigkeiten wird so problemlos ermöglicht. Tastsinn: Wegen überdurchschnittlich vieler feiner Nervenendigungen ist die Temperaturempfindlichkeit und der Tastsinn besonders ausgeprägt. Kleinkinder erkunden die unbekannte Welt mit ihren Lippen, indem sie unbekannte Gegenstände in den Mund führen. Mimik: Die Lippenstellung (einzeln oder zueinander) drückt viel über den gesamten Gesichts- und Gemütszustand aus. Ein bekanntes Beispiel sind die sogenannten Smileys und Emoticons, welche die Lippenstellung und die Position des Mundwinkels als Basis haben. Sprache/Töne: Ebenso haben die Lippen eine herausragende Stellung bei der Lautbildung. Im Umkehrschluss lässt sich allein durch die Lippenbewegungen viel von dem gesprochenen Wort erkennen, ohne es zu hören (Teil der Taubstummensprache). Tonbildungen (eigene, z. B. Pfeifen, oder fremde, z. B. Musikinstrumente) werden maßgeblich durch die Lippen geprägt. Sexualität: Die Lippen gehören zu den erogenen Körperzonen und drücken die Sinnlichkeit eines Menschen aus. Neben der Farbe spielt hierbei besonders die Fülle eine besondere Rolle.