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Hippokrates

Englisch: Hippocrates

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Hippokrates, griechischer Arzt aus Kos, lebte von 460 bis 366 v. Chr. und gilt als der Gründer einer wissenschaftlichen Medizin in der Antike. In der Zahnheilkunde ist er bekannt durch die nach ihm benannte Methode zum Einrenken der Kiefergelenke (Hippokrates-Handgriff). Die von ihm verfasste Eidesformel, der „Hippokratische Eid“, ist auch heute noch Grundlage der medizinischen Ethik, allerdings in einer zeitgemäßen Fassung, dem Genfer Gelöbnis, das 2017 vom Weltärztebund modernisiert wurde. Der ursprüngliche Eid entstand etwa um 400 v. Chr., wobei Hippokrates vermutlich nicht selbst der Urheber war; er spiegelt jedoch die geistige Haltung und die hohe Moralvorstellung Hippokrates wider:

„Ich schwöre bei Apollon, dem Arzt, und bei Asklepios, bei Hygieia und Panakeia und bei allen Göttern und Göttinnen, die ich zu Zeugen anrufe, dass ich nach meinen Kräften und meiner Urteilskraft diesen Eid und seine Verpflichtungen halten will. Ich werde den, der mich diese Kunst lehrte, meinen Eltern gleich achten, meine Mittel mit ihm teilen und ihm beistehen, wenn er Hilfe braucht, und seine Söhne wie meine eigenen Brüder behandeln und sie dieselbe Kunst lehren, wenn sie sie lernen wollen, ohne Lohn und Verpflichtung. Ich will durch Vorschriften, Vorlesungen und jede andere Art von Unterricht die Kenntnis dieser Kunst meinen eigenen Söhnen vermitteln und den Söhnen meiner Lehrer sowie jedem Schüler, der durch Verpflichtung und Eid gemäß den Gesetzen der Medizin eingeschworen ist, aber sonst keinem anderen. Ich will mich nach dem System der Diätetik und der Lebensregeln richten, gemäß meinen Fähigkeiten und meiner Urteilskraft, und mich enthalten von allem, was gefährlich oder schädlich ist. Ich werde keine Arznei jemandem geben, auch nicht auf dessen Bitte, noch werde ich einen solchen Rat dazu geben. In Reinheit und Heiligkeit will ich mein Leben verbringen und meine Kunst ausüben. Ich werde keinen Menschen, der an einem Stein leidet, schneiden, sondern dies den Männern überlassen, die in dieser Tätigkeit erfahren sind. In welches Haus ich auch immer eintrete, werde ich es tun zu Wohle der Kranken. Ich werde mich von jedem freiwilligen Akt der Bosheit oder Bestechung enthalten und ebenso von jeder Verführung von Frauen oder Männern, seien sie freie Bürger oder Sklaven. Was immer ich sehe oder höre in Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit oder auch ohne sie, was die Lebensweise eines Menschen betrifft, Dinge, über die man nicht außer Haus sprechen sollte, will ich nicht ausplaudern und wohl beachten, dass all diese Dinge geheim gehalten werden müssen. Wenn ich stets diesen Eid unverletzlich halte, so möge mir ein glückliches Leben gewährt werden und die Ausübung meiner Kunst bei allen Menschen zu allen Zeiten geachtet sein. Sollte ich aber diesen Eid übertreten und verletzen, möge das Gegenteil mein Schicksal werden.“

Die Anhänger Hippokrates, die Hippokratiker, übten eine Heilkunde aus, die auf Beobachtung und langjähriger Erfahrung beruhte. Wer Arzt werden wollte, ging zunächst bei einem anerkannten Hippokratiker-Meister in die Lehre, der den jungen Mann theoretisch und praktisch ausbildete. Daher enthielt der Hippokratische Eid (siehe oben) nach der Anrufung der Götter auch einen Vertrag, der die Rechtsbeziehung zwischen Lehrer und Schüler regelte:

(1) „Apollinem medicum et Aesculapium Hygeamque ac Panaceam iuro deosque omnes itemque deas testes facio me hoc ius iurandum et hanc contestationem pro viribus et iudicio meo integre servaturum esse.“ (2) „Praeceptorem, qui me hanc edocuit artem, parentum loco habiturum, vitam communicaturum eaque, quibus opus habuerit, impertiturum; eos hanc item, qui ex eo nati sunt, pro fratribus masculis iudicaturum artemque hanc, si discere voluerit, absque mercede et pacto edocturum, praeceptionum ac auditionum reliquaeque totius disciplinae participes facturum, tum meos, tum praeceptoris mei filios, immo et discipulos, qui mihi scripto caverint und medico iure iurando addicti fuerint, alium vero praeter hos nullum.“ (3) „Ceterum quod ad aegros attinet sanandos, diaetam ipsis constitutam pro facultate et iudicio meo commodam, omneque detrimentum et iniuriam ab eis prohibebo.“ (4) „Neque vero ullius preces apud me adeo validae erunt, ut cuipiam venenum sim propinaturus neque etiam ad hanc rem consilium dabo. Similiter autem neque mulieri talum vulvae subditicium ad corrumpendum conceptum vel fetum dabo. Porro caste et sancte vitam et artem meam conservabo.“ (5) „Nec vero calculo laborantes secabo, sed viris chirurgiae operariis eius rei faciendae locum dabo.“ (6) „In quascumque autem domus ingrediar, ob utilitatem aegrotantium intrabo, ab omnique iniuria voluntaria inferenda et corruptione cum alia, tum praesertim operum veneriorum abstinebo, sive muliebria sive virilia, liberorumve hominum aut servorum corpora mihi contigerint curanda.“ (7) „Quaecumque vero inter curandum videro aut audivero, immo etiam ad medicandum non adhibitus in communi hominum vita cognovero, ea, siquidem efferre non contulerit, tacebo et tamquam arcana apud me continebo.“ (8) „Hoc igitur ius iurandum mihi integre servanti et non confundenti contingat et vita et arte feliciter frui und apud omnes homines in perpetuum gloriam meam celebrari. Transgredienti autem et peieranti his contraria eveniant.“

Ins Lateinische übersetzt aus dem Griechischen von Janus Cornarius (Johann Hagebut), 1500–1558.