Placebo
Placebo, vom Lateinischen "ich werde gefallen", bezeichnet nachgebildete Pseudo-Arzneimittel, die in Form, Farbe und Geschmack echten (wirksamen) Pharmaka entsprechen, jedoch keine pharmakologisch wirksamen Stoffe enthalten, um die Unterscheidung zwischen subjektiver Einbildung und objektiver Wirksamkeit zu bestimmen. Unter dem Placebo-Effekt versteht man die Erfüllung einer Erwartung. Dabei treten erstaunliche Effekte auf: Sehr kleine und sehr große Tabletten wirken besser als mittelgroße. Rote Tabletten helfen besser als weiße. Spritzen wirken besser als Tabletten. Wenn die Spritzen von Ärzten gesetzt werden, zeigen sie zudem mehr Wirkung als die von Krankenschwestern verabreichten. Je wichtiger der Name des Präparats klingt und je komplizierter die Anweisungen sind, desto größer ist der Heilerfolg. Die Ansprechrate lässt sich dadurch von 20 % auf bis zu 70 % steigern. Auch Nebenwirkungen treten unter der Einnahme von Placebos auf, darunter Kopfschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit, Verstopfungen, Erbrechen und Hautausschläge. Durch Placebo-Experimente weiß man auch, dass die Beziehung des Arztes zu seinen Patienten die Genesung stark beeinflussen kann. Forschungen zum Placebo-Effekt haben gezeigt, dass dieser durch aktive Prozesse im zentralen Nervensystem gesteuert wird. Dabei sind die Erwartungshaltung und Lernprozesse wesentlich. Jüngste Forschungen deuten darauf hin, dass Placebos biochemische Reaktionen in Gang setzen können, die bestimmte Gehirnareale, wie den Hirnstamm und den anteriorem cingulären Cortex, die besonders mit Opioidrezeptoren ausgestattet sind, stärker durchbluten lassen. Nach dieser Spekulation verfügen Personen, die besonders auf den Placebo-Effekt ansprechen, über ein effizienteres Opioid-System. Andere Forschungen lassen vermuten, dass der Placebo-Effekt durch das Freisetzen von körpereigenen Endorphinen erfolgt. Die Konditionierung spielt dabei wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Damit ist gemeint, dass der Körper selbstständig bestimmte Funktionen ausführt, die vorher gelernt und mit einem Reiz, wie der Verabreichung eines Medikaments, verbunden wurden. Bei Schmerzmittel-Placebos liegen inzwischen folgende Erkenntnisse vor: Grundvoraussetzung für den Effekt ist, dass zum einen die Erwartung einer Schmerzlinderung besteht und zum anderen bereits eine gewisse Verarbeitung des Schmerzerlebnisses stattgefunden hat. So haben plötzlich auftretende Schmerzen wie der Clusterkopfschmerz eine nur geringe Placebowirksamkeit.