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Parodontitisrisikofaktor

Synonym: Risikofaktor für Parodontalerkrankungen, Risikofaktor für Zahnfleischerkrankungen · Englisch: periodontitis risk factor

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Parodontitisrisikofaktor: Das früher vertretene Dogma, dass ein gesunder Zahn nicht an einer Parodontitis erkranken kann (“Ein gesunder Zahn wird niemals krank”), hat heute keine Gültigkeit mehr. Selbst bei bester Mundhygiene können Erkrankungen auftreten, während umgekehrt ungepflegte Gebissverhältnisse nicht automatisch zu einer Erkrankung führen müssen. So schreibt U. Schlagenhauf (in Parodontologie 2007; 18(2):119-127; aus Wissenschaftlicher Infodienst 4/2007) unter anderem: “Das heutige Modell für die Entstehung parodontaler Erkrankungen: Normalerweise wird der bakterielle Mikrofilm im Bereich des gingivalen Sulkus durch neutrophile Granulozyten, Antikörper der Sulkusflüssigkeit und andere lokale Maßnahmen kontrolliert. Gelangen dennoch Bakterien in das darunterliegende Bindegewebe, kommt es infolge der lokalisierten Entzündung zu einer Elimination der bakteriellen Antigene durch die Zellen des Immunsystems. Bei den meisten Menschen geht dies mit einer (reversiblen) Gingivitis einher. Bei Patienten mit ausgeprägtem Risiko für parodontaler Erkrankung führt die Präsenz von bakteriellen Antigenen im subepithelialen Bindegewebe jedoch zu einer übersteigerten, nicht entzündungsadäquaten Entzündungsreaktion mit der Freisetzung von gewebeauflösenden Entzündungsmediatoren. Die Summation vieler solcher Entzündungsereignisse führt zu irreversiblen Schäden am Parodont. Diese Fehlregulation kann angeboren sein oder durch externe Faktoren wie Rauchen, psychosozialen Stress oder Allgemeinerkrankungen modifiziert werden. Die Stärke des parodontalen Entzündungsprozesses wird nicht primär durch die bakterielle Plaque, sondern durch systemisch determinierten Einflussgrößen auf das orale Immunsystem beeinflusst.” Zur Bestimmung des individuellen Parodontitisrisikos hat sich der von Lang und Tonetti stammende Parodontitisrisikobogen (http://www.dental-education.ch/risikobeurteilung/) als einfaches und brauchbares Hilfsmittel erwiesen. Gewerbliche Parodontitisrisikotests können eine Bereicherung der diagnostischen Möglichkeiten darstellen, wenn sie im Rahmen einer erweiterten Diagnostik sinnvoll angewendet, kombiniert und interpretiert werden. Allein sind sie wenig aussagekräftig und individuell sehr unterschiedlich zu werten. Ohne eine gute Mundhygiene und das Vorhandensein einer gut sanierten Mundhöhle (einwandfreie zahnärztliche Arbeiten, keine schwer zu erreichenden Stellen) ist das Risiko, an einer infektiösen parodontalen Veränderung zu erkranken, groß. Allerdings werden bei diesem Risikofaktor starke individuelle Unterschiede beobachtet, die sicherlich mit einer genetischen Disposition im Zusammenhang stehen.