Mundschutz bei sportlichen Aktivitäten
Synonym: Zahnschutz, Boxerschutz · Englisch: mouth guard, gumshield
Mundschutz bei sportlichen Aktivitäten ist seit 1913 als herausnehmbares Gerät bekannt, meist aus Kunststoff, und dient dem Schutz der Zähne, Lippen, Zunge und des Kiefers bei verletzungs- oder unfallträchtigen Sportarten. Bei diesen Sportarten kann die Zahn- und Kieferbruchgefahr bis zu 60-mal höher sein. Aufgrund der Unbequemlichkeit beim Tragen wird der Mundschutz häufig nur unregelmäßig genutzt. Etwa jedes dritte Kind erleidet beim Sport eine Zahnverletzung; in drei von vier Fällen sind dabei die kosmetisch auffälligen oberen mittleren Schneidezähne betroffen. Beschädigte Zähne führen oft zu lebenslangen Folgekosten, die weit über den Kosten eines Mundschutzes liegen. Zusätzlich verhindert der Mundschutz durch Dämpfung und Kraftverteilung Kiefer- und Kiefergelenksbrüche; Gehirnerschütterungen treten 16-mal seltener auf. Ein Mundschutz muss elastisch sein, um Schläge zu dämpfen, und gleichzeitig starr genug, um die Energie abzuleiten und auf eine möglichst große Fläche zu verteilen. Das Dämpfungsverhalten eines Mundschutzes steht in direkter Beziehung mit der Materialstärke. Die Kraftverteilung wird durch die Härte und Elastizität des Mundschutzes bestimmt. Als Material wird derzeit (2008) Ethylen-Vinyl-Acetat in einer zweilagigen Pressung (ggf. mit einem schwammartigen Mittel dazwischen) bevorzugt. Als optimales Maß wird eine Stärke von 4 mm empfohlen. Zusätzlich sollte der Mundschutz ein ungehindertes Atmen ermöglichen und weder spannen noch drücken, also einen akzeptablen Tragekomfort aufweisen. All diese Anforderungen können nur durch einen individuell angefertigten Mundschutz erfüllt werden. Von der Herstellung und Konstruktion her werden verschiedene Arten unterschieden: Konfektionierter Mundschutz: meist in Sportfachgeschäften erhältlich, vorgefertigte Behelfe aus Weichgummi oder -plastik. Der Halt erfolgt durch das Beißen der Zähne darauf. Auch wenn diese Variante preislich günstig ist, bietet sie nur unzureichenden Schutz und ist den beiden nachfolgenden Typen signifikant unterlegen. Kosten ca. 10 €. Individuell angepasster Mundschutz: Vorgefertigte, typisierte Plastikschienen werden durch Wärme plastisch und dann an die Kieferverhältnisse des Benutzers angepasst. Die Anpassung erfolgt durch zahnmedizinische Laien. Die Qualität des Schutzes hängt stark von den vorliegenden Kieferverhältnissen ("Durchschnittskiefer", "Fehlstellungskiefer") und dem Geschick des Anpassers ab. Kosten ca. 10 - 50 €; siehe Abbildung. Individuell angefertigter Mundschutz: In einer zahnärztlichen Praxis werden Abdrücke von den Kiefern genommen, und das entsprechende Gerät wird außerhalb des Mundes in einem zahntechnischen Labor individuell angefertigt. Hoher Tragekomfort und ein exaktes Anpassen an die Zahnreihen und Kiefersituation gewährleisten einen optimalen Schutz. Kosten ca. 100 - 200 €.