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Wurzelkanalfüllpaste

Synonym: endodontisches Sealer-Material, Wurzelkanalsealer · Englisch: root filling paste, root canal sealer

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Die Wurzelkanalfüllpaste ist ein Material zum dauerhaften, bakteriendichten Verschluss des Wurzelkanalsystems. Sie wird in der Regel in Kombination mit einem Kernmaterial, meist Guttapercha, verwendet, um eine möglichst dichte Versiegelung des Kanals zu gewährleisten.

Eigenschaften und Anforderungen Eine Wurzelkanalfüllpaste muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Gute Fließeigenschaften für eine vollständige Adaptation an die Kanalwände
  • Chemische Stabilität und langfristige Abdichtungsfähigkeit
  • Gute Gewebeverträglichkeit bei minimaler Zytotoxizität
  • Keine Schrumpfung oder übermäßige Expansion nach der Aushärtung
  • Leichte Verarbeitung und Entfernbarkeit bei Revisionsbehandlungen

Auf dem Markt existieren verschiedene Arten von Wurzelkanalfüllpasten, die sich in ihrer Zusammensetzung und ihren Eigenschaften unterscheiden:

  1. Typen von Wurzelkanalfüllpasten:
  • Zinkoxid-Eugenol-Basis (z. B. "Aptal-Harz", "Hermetic") Gute Abdichtung, jedoch mögliche Allergien auf Eugenol (ca. 4 % der Bevölkerung) Aspergillose-Risiko wird diskutiert
  • Epoxidharz-Basis (z. B. "AH 26", "AH Plus") Sehr gutes Abdichtungsvermögen "AH 26" setzt anfangs geringe Mengen Formaldehyd frei
  • Methacrylat-Basis (z. B. "Hydron") Schlechte Langzeitergebnisse
  • Polyketon-Basis (z. B. "Diaket") Gute Abdichtung, aber kurze Verarbeitungszeit und schwierige Entfernbarkeit
  • Polydimethylsiloxan-Basis Kaum gebräuchlich, wenige Studien zur Verträglichkeit
  • Calciumsalicylat-Basis mit Kalziumhydroxid (z. B. "Apexit", "Sealapex") Sehr gute Gewebeverträglichkeit Langfristige Randdichtigkeit nicht immer gewährleistet
  • Glasionomer-Basis (z. B. "Ketac-Endo", "Endion") Gute klinische Ergebnisse
  • Guttapercha-Basis (z. B. "Kloroperka N-O") Schlechte Langzeitergebnisse und Gewebeverträglichkeit
  • Mit Medikamentenzusätzen (z. B. "N2") Schlechte Bioverträglichkeit, daher nicht empfohlen
  • Mit Kortikosteroiden (z. B. "Endomethasone") Berichte über schlechte klinische Ergebnisse

Kernmaterialien (Stifte) in der Wurzelkanalfüllung:

  1. Guttaperchastifte: Goldstandard aufgrund guter Bioverträglichkeit, ausgezeichneter Abdichtung und einfacher Entfernbarkeit
  2. Silberstifte: Korrosionsanfällig, führt zu dunklen Verfärbungen durch Silbersulfid
  3. Titanstifte: Gute Biokompatibilität, aber schlechte Abdichtung durch fehlende Verformbarkeit
  4. Kunststoffstifte: Meist Guttapercha-ummantelt, gute Abdichtung bei Erwärmung, aber potenzielle Gewebereizung bei Überfüllung

Da eine wanddichte Versiegelung des gesamten Wurzelkanalsystems, einschließlich der Seitenkanäle und Ramifikationen, anatomisch nicht immer möglich ist, stellt die Wahl des richtigen Sealers in Kombination mit einer geeigneten Fülltechnik einen entscheidenden Faktor für den langfristigen Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung dar.