Zungenpressen
Synonym: Zungenhabit, Zungenfehlfunktion, linguale Parafunktion · Englisch: tongue thrust
Zungenpressen ist eine zu den Habits zählende Parafunktion der Zunge, die durch unphysiologische Bewegungsmuster und Positionierungen gekennzeichnet ist. Dabei übt die Zunge im Ruhezustand oder während der Schluckbewegung übermäßigen Druck auf die Zähne aus. Häufig zeigen sich sichtbare Zahnimpressionen (Abdrücke der Zähne) am Zungenrand oder an der Zungenspitze, die ein Hinweis auf die anhaltende Druckausübung sein können.
Je nach Art und Dauer des Zungenpressens kann es zu funktionellen und strukturellen Beeinträchtigungen kommen. Hierzu zählt insbesondere die Entwicklung eines offenen Bisses, der entweder seitlich (lateraler offener Biss) oder frontal (anteriorer offener Biss) ausgeprägt sein kann. Dieser Zustand entsteht durch den chronischen Druck der Zunge gegen die Zähne oder den Zahnbogen, wodurch die physiologische Zahnstellung gestört wird.
Ursachen für Zungenpressen können unter anderem myofunktionelle Störungen, falsche Schluckmuster oder Angewohnheiten in der Kindheit sein. Die Behandlung umfasst häufig interdisziplinäre Ansätze wie logopädische Therapie zur Umstellung der Schluckgewohnheiten und kieferorthopädische Maßnahmen zur Korrektur der Zahnfehlstellungen.