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Schluckauf

Synonym: Hicksen, Singultus · Englisch: hiccup

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Schluckauf ist ein plötzliches, unkontrolliertes, serien- und krampfartiges Zusammenziehen des Zwerchfells (das die Brusthöhle von der Bauchhöhle trennt), bei gleichzeitigem Verschluss der Stimmritze. Dies unterbindet das Einströmen von Luft und führt zu den typischen Schluckauf-Geräuschen ("Hicksen"). Die Häufigkeit kann dabei von wenigen bis zu hundert Anfällen pro Minute variieren. Selbst Ungeborene im Mutterleib haben Schluckauf, lange bevor eine Atembewegung einsetzt. Früheren Theorien zufolge bereiten die Schluckaufbewegungen des Ungeborenen die Atemmuskulatur auf das spätere Atmen vor. Eine andere Erklärung besagt, dass der Schluckauf verhindert, dass Fruchtwasser in die Lungen des Fötus gelangt.

Die Ursachen für Schluckauf sind vielfältig und reichen von Stress, plötzlichen Temperaturwechseln, sehr kalten oder heißen Speisen und Getränken, alkoholischen Getränken, Magenblähungen, übermäßigen Mahlzeiten, hastigem Essen und Trinken bis hin zu Rauchen und ernsthaften körperlichen Erkrankungen.

Die Frage nach dem Sinn des Schluckaufs beschäftigt Wissenschaftler schon sehr lange. Es scheint keinen klaren Zweck zu erfüllen. Zwei Theorien, die bislang diskutiert wurden, halten einer intensiveren Prüfung jedoch nicht stand. Eine Annahme besagt, dass das ungeborene Kind dadurch sein Zwerchfell und seine Atemhilfsmuskulatur trainiert. Eine andere besagt, dass so ein Eindringen von Fruchtwasser in die Lunge verhindert wird. Kritiker dieser Theorie weisen darauf hin, dass eine hustenartige Reaktion in diesem Fall wahrscheinlicher wäre. Französische Wissenschaftler präsentieren nun eine neue, interessante Hypothese: Sie führen das Hicksen auf eine Zeit zurück, in der sich das Leben seinen Weg vom Meer ans Land bahnte. Einige dieser urtümlichen Kreaturen existieren noch heute, wie zum Beispiel Lungenfische, die sowohl zur Lungen- als auch zur Kiemenatmung fähig sind. In einem aquatischen Lebensraum wird Wasser an den Kiemen vorbeigeführt, während gleichzeitig die Glottis geschlossen wird, um die Lunge vor eindringender Flüssigkeit zu schützen. Eine Forschergruppe um Christian Straus vom Pitié-Salpêtrière-Hospital in Paris ist der Ansicht, dass die Hirnareale, die bei diesen frühen Lebewesen die Kiemenatmung koordinierten, auch bei höheren Lebewesen erhalten geblieben sind. Die Parallelen erscheinen ihnen frappierend. Beim Schluckauf kontrahieren sich das Zwerchfell und die Atemhilfsmuskulatur, während die Glottis die Luftröhre verschließt und so das charakteristische Hicksen erzeugt. Doch es muss einen Grund geben, warum sich dieses Verhalten, nachdem wir das Wasser endgültig verlassen haben, über mehr als 370 Millionen Jahre erhalten hat. Straus nimmt an, dass Säugetiere diesen Ablauf beibehalten haben, um das Saugen zu erlernen. Die Vorgänge während eines Schluckaufs und beim Saugen sind nahezu identisch. Allan Pack von der Universität Pennsylvania hält diese Annahme für plausibel, gibt jedoch zu bedenken, dass es "sehr schwer sein wird, diese Theorie zu beweisen". Ein Vergleich der Hirnregionen, die den Schluckauf bzw. das Saugen kontrollieren, wäre dazu erforderlich.

Zur Behandlung des Schluckaufs schreibt MedAustria 2003: Therapeutische Probleme treten bei persistierendem (bis zu einem Monat) und hartnäckigem Schluckauf auf. Die Pharmakotherapie stützt sich auf Substanzen wie Omeprazol, Cisaprid, Baclofen oder Gabapentin. Wird eine Störung im Verdauungstrakt vermutet, können Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol (Losec®, Antra®) eingesetzt werden. Auch Cisaprid (Prepulsid®) und Metoclopramid (Paspertin®) können zur Anwendung kommen. Die Verringerung der Magensäureproduktion und die Erleichterung der Magenentleerung sollen den afferenten Reiz von der Peripherie zum "Schluckaufzentrum" unterdrücken.

Bei Schluckauf mit zentralnervöser Ursache wird das zentrale Muskelrelaxans Baclofen (Lioresal®) oder das Antiepileptikum Gabapentin (Neurontin®) eingesetzt. Beide sollen die Erregbarkeit verringern und die Auslösbarkeit des Schluckaufreflexes unterdrücken.

Schluckauf ohne bekannte Ursache wird zunächst mit Omeprazol behandelt. Bei Therapieversagen wird Baclofen und bei Bedarf zusätzlich Gabapentin kombiniert.