Hf Chirurgie
Synonym: Hochfrequenzchirurgie, Elektrodesiccation, Elektrofulguration, Elektrokoagulation · Englisch: HF (high-frequency) - electrosurgery
HF-Chirurgie nutzt hochfrequente Ströme zur gezielten Gewebedurchtrennung und Entfernung. Der HF-Strom führt beim Fließen durch menschliches Gewebe in der Nähe der Aktivelektrode durch Widerstandswärme unter anderem zum Sieden der Zellflüssigkeit, was das Platzen der Zellen zur Folge hat. Zudem kommt es zu einem „Zusammenbacken“ des Gewebes (Hitzekoagulation) und zum Verschluss kleiner Blutgefäße. Je nach Anwendungszweck wird mit verschiedenen modulierten Strömen gearbeitet:
- Halbmodulierte Wellenform - half-wave-modulated: Durch Funkenschlag zwischen Elektrode und Gewebe („Fulguration“) kommt es zur Hitze-Koagulation. Eine hohe Ausgangsspannung ist erforderlich.
- Leicht modulierte Wellenform - fully rectified, unfiltered: Zum Schneiden und Koagulieren bei geringerer Funkenbildung und damit verminderter Verbrennungsgefahr. Hier wird eine Spannung verwendet, die 50 % geringer ist als bei der oben genannten Wellenform.
- Gefilterte, nicht modulierte Wellenform - fully rectified and filtered: Für verbrennungsfreies Schneiden bei minimaler Funkenbildung und wenig seitlicher Hitze. Die Koagulation ist vernachlässigbar.
Die verschiedenen Verfahren unterscheiden sich wie folgt:
- Elektrodesiccation: Desiccation bedeutet Trocknung oder Ausdörrung. Eine kalte Nadelelektrode wird in das Gewebe appliziert und dann wird HF-Strom zugeführt. Durch den hohen Gewebewiderstand steigt die Temperatur, was zu einer unkontrollierten Austrocknung führt. Diese Methode wird in der Tumorchirurgie angewendet.
- Elektrofulguration: Fulgur bedeutet Blitz. Ein Funkenübersprung erfolgt von der Nadelelektrode, die in geringem Abstand über das Gewebe gehalten wird. Das Gewebe verbrennt, wobei die Gefahr einer Überhitzung in der Tiefe besteht. Diese Technik wird in der Neurochirurgie angewendet.
- Elektrokoagulation: Koagulation bedeutet Ausflockung oder Gerinnung. Hier erfolgt die Eiweißgerinnung durch direkten HF-Strom mit einer lokal begrenzten Nekrose (sog. Koagulationsschnitt, Schorfschnitt). Bei zu geringer Dosierung kann es zu Tiefenschäden kommen, ohne dass sichtbare Veränderungen an der Oberfläche auftreten. Diese Methode wird beim Verschluss von Blutgefäßen eingesetzt.
- Elektrotomie: Tomie bedeutet schneiden. Scharfschnitt wird durch unter HF-Strom stehende Nadel- oder Schlingenelektroden erzielt, die das Gewebe unter Blutstillung bearbeiten („unblutiger Schnitt“). Dabei kommt es zu Wasserdampfexplosionen in den Zellen bei Funkenzahlen von 50.000 bis 70.000 pro Sekunde. Die Elektrotomie findet breite Anwendung in der gesamten Medizin.
Die HF-Chirurgie, insbesondere die Elektrotomie, findet in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZHK) vielfältige Anwendung, wie z.B. bei der Freilegung der Präparationsgrenze, Kronenverlängerung, Parodontalchirurgie, Durchtrennung von Lippenbändern, Verödung von Fisteln und Zystenresten sowie der Freilegung teilretinierter Zähne.