Nervenschädigung
Synonym: Nerverletzung, Neurotrosis, Nervenerkrankung, Nervenschaden, Nervenverletzung · Englisch: nerve damage, nerve injury
Die Nervenschädigung hat vielfältige Ursachen und Erscheinungsbilder. Sie ist hauptsächlich durch traumatische Verletzungen bedingt, wie zum Beispiel chirurgische Eingriffe, Leitungsanästhesien und Unfälle. Auch Überdehnungen, Quetschungen, innere Erkrankungen wie die diabetische Neuropathie oder Medikamente wie eine Überdosierung von Vitamin B6 können Nervenschäden verursachen. Weitere Ursachen sind toxische Schädigungen, die durch chemische Substanzen entstehen, die direkt in den Nerv gelangen, wie etwa durch das Überstopfen einer Wurzelkanalfüllung in den Mandibularkanal. Nach Seddon wird die Nervenschädigung in drei Kategorien unterteilt: Neurapraxie, Axonotmesis und Neurotmesis. Diese drei Verletzungsarten können alle zu einer kompletten Anästhesie im Ausbreitungsgebiet sensibler Nerven führen. Die Neurapraxie ist durch den Untergang der Markscheiden der Nervenfasern gekennzeichnet, während bei der Axonotmesis sowohl die Markscheiden als auch die Axone degenerieren. In beiden Fällen kann eine spontane Wiederkehr der Sensibilität erwartet werden. Die Neurotmesis hingegen ist eine vollständige Durchtrennung des Nervs. Eine Differenzierung der verschiedenen Schweregrade einer Nervverletzung ist mit den üblichen klinischen Untersuchungsmethoden, wie dem Spitz-Stumpf-Test und der Zwei-Punkt-Diskriminierung, nicht möglich. Zur objektiven Verifizierung von Sensibilitätsstörungen stehen neurologische Verfahren zur Verfügung, wie die Ableitung von somatosensorisch evozierten Trigeminuspotenzialen (SSEP) und der Pain-and-Thermal-Sensitivity-Test (Path-Test). (Text teilweise übernommen aus einer Veröffentlichung von Brauer u. Foernzler in “Dental Tribune” 20/2008).