Zahnwissen-Lexikon   Pa - Pm
Pn - Pz  
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P , u.a. Kurzschreibweise für Prämolar ; p für die Zahnfläche palatinal

PA, PAR, Pa ; Kurzbezeichnungen für Parodontal...: z.B. PA-Plan = parodontaler Heil- und Kostenplan, Parodontalbehandlung

Pachycheilie
engl.: pachycheilia; angeborene Vergrößerung der Lippen; gelegentlich auch mit einer Makrocheilie gleichgesetzt: Labium, Procheilie

Paddelfeder
engl.: paddle spring; zu den Protrusionsfedern gehörende, gebogene Drahtkonstruktion bei kieferorthopädischen Geräten zum bewegen (meist) einzelner Zähne. Im Gegensatz zu einer normalen Protrusionsfeder hat die P. einen flächigeren Ansatz an der oralen Seite des Zahnes; dies besonders dann, wenn die Innenflächen der Zähne dreieckig geformt sind.
Aktive Platte, Zahnbewegungen

Paget Syndrom
Paget Krankheit, Morbus Paget, Knochenverdickung, Ostitis deformans, Osteodystrophia deformans, engl.: Paget's disease (of bone); zu den gutartigen Osteopathien (Knochenerkrankungen) gehörende, meist schmerzlose Knochenverdickungen und -verkrümmungen, bedingt durch einen lokalen Knochenumbau, besonders bei Männern jenseits des 4. Lebensjahrzehnts auftretend. Die Krankheit befällt beim Menschen hauptsächlich den Schädel, die Wirbelsäule und die Beckenknochen. Vermutet wird eine genetische bedingte Prädisposition in Kombination mit masernähnliche Viren als Ursache. Das neugebildete Knochengewebe ist funktionell minderwertig. Da keine kausale Therapie möglich ist, symptomatische Behandlung durch modellierende Eingriffe an den betroffenen Knochen, Calcitonin und Vitamin-D-Gabe.
Seltene Entartung zu einem Osteosarkom
Exostose
http://www.medicinesformankind.eu/upload/pdf/D_paget.pdf



PAI-Index
periapical index, engl.: do.; Messzahl - von 1 bis 5 reichend - für das röntgenologisch-histologische Ausmaß einer periapikalen Läsion ( Granulom). Meist angewandt zur (Folge-)Qualität einer Wurzelkanalbehandlung. PAI-Werte von 1 oder von 2 (Normalbefund bzw. geringgradige Veränderung der Knochenstruktur) gelten als "gut", während 3 (Knochenstrukturveränderung mit geringer Dichteverminderung), 4 (gut abgegrenzte periapikale Osteolyse) oder 5  (schwere apicale Parodontitis mit Zeichen der Exazerbation) einen "schlechten" Erfolg widerspiegeln.
Der P.-Index gilt im Gegensatz zum PRI Index als genauer, da eine röntgenologisch-apikale Aufhellung keine sichere Aussage darüber zulässt, ob es sich um ein Granulom oder eine Zyste handelt.
Granulom, Index, PRI Index, Wurzelkanalbehandlung

Paladon® Verfahren
von der Fa. Kulzer 1936 auf den Markt gebrachtes Verfahren zur Herstellung von Prothesen aus Polymethylmethacrylat (PMMA). Sog. 2-K-Prothesenwerkstoffe (K = Komponenten = Pulver und Flüssigkeit) werden im Wasserbad bei 100° C polymerisiert ("gekocht").
http://www.heraeus-dental.de/de/service/download/download.aspx

Paladur® ; Kaltpolymerisat; Autopolymerisat auf Amin-Peroxid Basis; schnelle Aushärtung auch ohne Polymerisationsgefäß

palatinal , engl.: palatal or do.; Innenseite der Zähne im Oberkiefer / zum Gaumen hinweisend / den Gaumen betreffend; Zahnflächen

Palatinalbügel
Gaumenbügel, Transversalbügel, Entlastungsbügel, engl.: palatal bar; gegossenes Verbindungselement, zwischen zwei Prothesensatteln im Oberkiefer bei einer Teilprothese von verschiedener Form und Größe. Neben der Verbindungsfunktion dient er der Versteifung und Lagestabilität der Konstruktion und bewirkt eine gleichmäßigere Verteilung der Kaukräfte auf den Kieferknochen.
Modellguss, Lochplatte, Teilprothese, Torsionsbügel, Verbinder



  Abb. unter Teilprothese

palatinale Plateaus
engl.: Dahl concept; Schlagwortbez. u.a. für das Auftragen von Komposite-Material auf die Rückseite (Palatinalfläche) der Oberkiefer-Schneidezähne (meist nur der mittleren). Als Folge werden die Seitenzähne außer Kontakt gestellt. Da jeder Zahn die Eigenschaft hat, sich zu seinem Antagonisten hin zu verlängern, soll dadurch nach einer gewissen Zeit eine Bisshebung erfolgen. Das Verfahren ist in der Praxis wenig bekannt; einer der Anwender schreibt dazu in einer Mail u.a. "Ich schlage diese Plateaus ja nicht als als Nti-tss oder Interzeptorersatz für CMD Patienten vor, sondern viel mehr auch und vor allem als Behandlungsmittel für prothetische Fälle mit tiefem Biss. Hier z.Bsp. um mit einfachsten Mitteln von der Ausgangslage zu einer hinnehmbaren Lösung zu kommen.".
Kritiker dieser Methode bezweifeln, dass sich die außer Kontakt gestellten Seitenzähne "therapiegewünscht" gleichmäßig in überschaubaren Zeiträumen aufeinander zu bewegen und die Gefahr einer dorso-kranialen Verlagerung des Condylus besteht.
Interzeptor, NTI-tss, Patientenfall (Dr. H. Landenberger)
http://www.minimalinvasiv.de/m_data/Bisshebung.pdf
Gesteuerte minimalinvasive Bisshebung mit palatinalen Plateaus
http://www.youtube.com/watch?v=MAWjJ5LJzK4 ; http://www.youtube.com/watch?v=HGb8W0zPdEc&list=QL&feature=BF



Prinzip eines
p.P.




Erhöhung des Bisses (etwaige
Wiederherstellung des Urzustands) mittels Bisshebung

Palatogramm
engl.: palatogram; Aufzeichnungs-/Messverfahren der Gaumenfläche, die während einer Lautbildung von der Zunge berührt wird. Veränderungen (meist vorübergehend) des natürlichen P. besonders nach Eingliederung von Zahnersatz ( Lispeln).
CPC-Linie, Prothesenbasis



Palatoskopie
Gaumenfaltenaufzeichnung, engl.: palatoscopia; Indentifizierungsverfahren bei Leichen auf Grund der individuellen Faltenbildung im harten Gaumen (rugae palatina). Ähnlich den Fingerbeeren haben auch die Gaumenfalten charakteristische Züge, die in 4 Gruppen eingeteilt werden können (s. Abb.). Dieses genaue, aber sehr aufwendige Identifizierungsverfahren wird in D kriminalistisch wenig eingesetzt.
Plica
http://books.google.de/



Palatum, engl.: do. or palate; Gaumen

Palladium
Pd
, vom lat. pallidus = blass; sehr hartes, silbrig-weißes Edelmetall aus der Gruppe der Platin-Elemente. Wegen einer Steigerung der Korrosions-, Anlauf- und Mundbeständigkeit häufiger (mengenmäßig geringer) Bestandteil von Legierungen, so auch für Zahnersatz.
Eine gemeinsame Stellungnahme zu P. als Legierungsbestandteil haben (2001) die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde (DGZMK) und die Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW) durch Herrn Prof. Dr. Heinrich F. Kappert, Freiburg, abgegeben:
"... Der frühere Preisvorteil palladiumhaltiger Legierungen (mehr als 90 Prozent aller Dentallegierungen enthalten P.) sei durch die drastische Preissteigerung für P. entfallen. Palladiumlegierungen seien im Allgemeinen weiterhin als nicht toxisch anzusehen und könnten bei sachgerechter Verarbeitung verwendet werden, hier sei insbesondere auf das Problem der verminderten Korrosionsfestigkeit an überbrannten Kronenrändern und anderen nicht keramisch verblendeten Kronen- und Brückenbereichen zu achten. Generelle Allergietests seien nicht zu empfehlen. Bei einer bekannten Sensibilisierung auf P. sollte auf eine andere Legierung ausgewichen werden. Wegen der günstigeren Gefügestruktur sollten Palladium-Silber-Legierungen bevorzugt werden. ..."
Legierung, Palliag

Palliag ®
Handelsname; für festsitzenden Zahnersatz gebrauchte Silber-Palladium-Legierung ('Sparmetall'); die Verwendung ist heute wegen möglicher Gesundheitsrisiken umstritten. Legierung, Randolf, Wiegold

palliativ
engl.: palliative (treatment); die Beschwerden einer Erkrankung lindernd; symptomatische Therapie (meist) bei infausten Erkrankungen.
Als Palliativa (engl.: palliatives) werden symptomatisch wirkende Arzneimittel bezeichnet, die einen Krankheitsverlauf nicht ändern, aber lindern können.

Palpation
Untersuchung mittels Abtasten, Fühlen, Palpieren, engl.: palpation; in der ZHK vielfältig eingesetzte Methode um Veränderungen an den Zähnen (z.B. Beweglichkeit bei Zahnbetterkrankungen), am umliegenden Gewebe (z.B. Ertasten der Größe und "Reife" (Fluktuation) eines Abszesses), am Kieferknochen (z.B. um einen Kieferbruch zu diagnostizieren), an der Kaumuskulatur, den abführenden Lymphgefäßen und -knoten (ergibt Rückschlüsse auf Vereiterungen) und am Kiefergelenk festzustellen.
Diagnose, Emphysem, Funktionsanalyse, klinische, Inspektion, Perkussion, Perkussionstest, Untersuchung

Panaritium
Fingerentzündung, Zehenentzündung, engl.: panaris; sich phlegmonös ausbreitende eitrige Entzündung der Finger oder Zehen, verbunden mit starken, klopfenden Schmerzen; Entstehung häufig aus einer Bagatellverletzung

Panazee
die, nach der griech. Göttin Panakeia gebrauchter Ausdruck für ein angebliches Allheil- oder Wundermittel, alternative Behandlungsmethoden

Pandemie
"Weltvolksseuche", engl.: pandemia; Epidemie, die sich über große Gebiete - u.U. die ganze Welt -ausbreitet und große Bevölkerungsteile betrifft. Karies und Parodontitis zählt zu dieser Epidemieart.
Tröpfcheninfektion

Panorama-Aufnahme
Panorama-Röntgengerät; Schlagwortbezeichnungen für Röntgenverfahren, bei welchen ein gesamter Kiefer ( Panorama-Vergrößerungsaufnahme) oder beide Kiefer ( Panorama-Schichtaufnahme) dargestellt werden; erstere Aufnahmetechnik ist heute aus Strahlenschutzgründen obsolet.
bildgebende Verfahren

Panoramaröntgenaufnahme
Panoramaschichtaufnahme , PSA, "Panorama Tomographie", "Verwischungstomographie", "Übersichtsaufnahme"; nach einem der ersten Gerätehersteller auch als "Orthopan" bezeichnet;  engl.: (dental) panoramic o. panoral radiograph; Oberbegriff für versch. diagnostische Röntgenverfahren, bei welchem neben den Zähnen auch die gesamten Kieferbezirke (einschl. Kiefergelenk) auf einem Bild ("Panorama") dargestellt werden. Das Verfahren wurde erstmals 1946 vorgestellt und ist seit 1961 im klinischen Einsatz; es gilt heute (2009) in D als das am häufigsten angewandte Verfahren bei der Röntgendiagnostik. Die Aufnahme (Röntgenquelle und Film) befinden sich bei dieser Technik außerhalb des Mundes; Schädelbezugslinien sind die Eckzahnlinie und die Frankfurter Horizontale. Von der Projektion her handelt es sich um eine angenäherte Paralleltechnik.
Durch eine koordinierte Bewegung von Röntgenröhre und Bildempfänger (Filmkassette) um den Kopf des Patienten wird eine dem Zahnbogen entsprechende gekrümmte Schicht als Fläche (2D) abgebildet. Die Objekte, die hinter oder vor dieser Schicht liegen, werden verwischt und damit unscharf dargestellt.
Das Ergebnis liefert eine "Schicht" als gute Übersicht (sog. "Groborientierung") zum Erkennen krankhafter Prozesse (tiefe Karies, Vereiterungen im Kiefer, verlagerte oder nicht angelegte Zähne) ohne dabei allerdings die Detailgenauigkeit einzelner, direkt von den Zähnen genommener Röntgenaufnahmen (sog. Einzelaufnahmen oder Zahnfilme) zu erreichen.
Vorteile der P. sind der geringere Zeitaufwand, die standardisierte Projektion, das größere Aufnahmegebiet und ein geringeres Strahlendosisrisiko. Im Dosisrisiko entspricht eine P. mit 400er Film-Folien-System vier E-speed-Zahnfilm-Einzelaufnahmen; das bedeutet:
Die Ganzkörper-Strahlenbelastung ist bei der P. - bedingt durch technisch mögliche effektivere Verstärkerfolien - nur etwa ein Drittel so hoch, wie bei einzelnen kleinen Zahnfilmaufnahmen und liegt etwa bei 7 µSv effektive Dosis oder der natürlichen Strahlenbelastung in Meereshöhe an einem Tag.
Bei der Einstellung (Position des Kopfes im Röntgengerät) und der Verwendung einer Filmkassette ergeben sich hauptsächlich 3 Fehlerquellen:
  Kopf zu weit nach vorn:
besonders die Schneidezähne sind verschmälert; die Zahnreihen wirken "zusammen geschoben"
Kopf zu weit nach hinten:
besonders die Schneidezähne sind verbreitert; die Zahnreihen wirken "auseinander gezogen"
Unschärfe des gesamten Bildes:
Der Film liegt in der Kassette der Verstärkerfolie nicht fest an
ausführliche Beschreibung der Fehlerquellen: http://www.buchhandel.de/WebApi1/GetMmo.asp?MmoId=3670847&mmoType=PDF

bildgebende Verfahren, Fernröntgenbild, Funktionsorthopantomogramm, Kiefergelenkaufnahme, Osteoporose, Panoramavergrößerungsaufnahme, Röntgendiagnostik, Röntgenfilm, Röntgenstatus, SCANORA, Tomographie, Transversale Schichtaufnahme (TSA), Unterkieferaufnahme, Zonographie
Röntgenverordnung (Stand 2011) oder ©: Bundesministeriums der Justiz in Zusammenarbeit mit der juris GmbH - www.juris.de
Weichgewebskalzifikationen auf der Panoramaschichtaufnahme

 

 



P. eines 8-Jährigen.
Deutlich sieht man die noch
nicht durchgebrochenen
Zähne mit den darüber liegenden Milchzähnen.

Panoramavergrößerungsaufnahme
PVA, "Status-X-Gerät", STATUS X (Siemens), engl.: intraoral source of panoramic radiography; wegen der hohen Strahlenbelastung seit 1980 nicht mehr hergestellte Geräte; ab 2004 nicht mehr zugelassen (Altgeräte können umgerüstet werden). Der Strahler, eine Weitwinkel-Hohlanodenröhre, liegt im Mund; der Strahlengang verläuft von intra- nach extraoral. Der Film, welcher sich extraoral in einer flexiblen Filmtasche befindet, wird direkt dem Gesicht des Patienten aufgelegt. Das Untersuchungsgebiet wird dadurch vergrößert dargestellt. Weiter verbessert wurde das Verfahren durch die Einführung eines Aluminiummantels. Durch Reduktion des Röhrenstroms und Einsatz empfindlicherer Film-Folien-Kombinationen konnte die PVA weiter aufgewertet werden.
Es handelt es sich bei der PVA nicht um eine Schicht-, sondern um eine vergrößernde Summationsaufnahme.
Vorteil: ideale, überlagerungsfreie (keine Wirbelsäule!) Darstellung der Frontbereiche von OK und UK.
bildgebende Verfahren, Panoramaröntgenaufnahme, Unterkieferaufnahme




Pansinusitis ; engl.: do.; Sinusitis

Pantographie
engl.: pan to graphy; dreidimensionale, extraorale Registrierung der horizontalen und vertikalen Grenzbewegungen des Kiefergelenks unter Einbeziehung der Eckzahnbewegungen (mit und ohne Zahnführung) mittels eines Gesichtsbogens. Diese Aufzeichnung dient später zur Reproduktion und Justierung ("Programmierung") der Unterkieferbewegungen in einem Artikulator. Neuere Systeme zeichnen elektronisch oder per Ultraschall auf.
Funktionsanalyse, Posselt Diagramm, Registrierung, Stuart-Pantograph, Übertragungsbogen
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/habil-online/

Papierspitze ; engl.: (absorbent) point; im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung eingesetztes Hilfsmittel zur "löschpapierartigen" Trocknung der Wurzelkanäle; gelegentlich auch als Abstrichträger benutzt.

Papilla
Papille, rundliche Erhebung, engl.: papilla; in der ZHK ist mit diesem Ausdruck meist die Interdentalpapille gemeint. Weiter von Bedeutung ist die Schneidezahnpapille (Papilla incisiva, s. Abb.) und die vielfältigen Zungenpapillae
CPC-Linie, Papillenblutungsindex, Interdentalpapille, Raphe-Papillen-Transversale, Zunge

Papillameter
engl.: do.; Hilfsmittel zur Bestimmung der Länge der Oberlippe und der Lippenschlusslinie. Einsatz vor allem im zahnlosen Kiefer bei der Anfertigung einer Vollprothese. Kieferbezugspunkt ist die Papilla incisiva (Strecke Papilla incisiva bis zur Lippenlinie).
Alameter, Ästhetikschablone, Oberlippenlänge, Vollprothese

Papillenblutungsindex
Papillen-Blutungs-Index, PBI, nach Saxer u. Mühlemann (1975) engl.: papillas bleeding index; Weiterentwicklung des Sulkus-Blutungs-Index (SBI) als Messzahl für den Verlauf einer entzündlichen Zahnfleischerkrankung. Gemessen und beurteilt werden das Auftreten einer Reizblutung im Zahnzwischenraum (Interdentalraum) nach vorsichtigem(!) Sondieren im Bereich der Interdentalpapille:
Grad 0  keine Blutung
Grad 1  Auftreten eines "Blutungspunktes"
Grad 2  Auslösen eines schmalen "Blutbandes" oder mehrerer "Blutungspunkte"
Grad 3  Ausfüllen des Interdentalraums ("interdentales Dreieck") mit Blut
Grad 4  erhebliche Blutung bei Sondierung mit Tropfenbildung und Verlaufen über das gesamte benachbarte Zahnfleisch
Dieser Index ist leicht zu erheben und eine gute Demonstration für den Patienten über seine Mundhygiene; im Rahmen der IP-Positionen u.a. empfohlen.
BOP, Index, Interdentalpapille, Parodontitisdiagnose, SBI
 


Papillenklammer , engl.: interdental retained clasp; Haller-Papillenklammer

Papillennaht
engl.: interdental ligation; Nahttechnik durch die Interdentalpapillen nach chirurgischen Eingriffen; Video .
Die gekreuzte Papillennaht (nach Schuchardt; Schuchardt-Naht) ist eine spezielle Nahttechnik, besonders nach Reihenextraktionen im Frontzahnbereich: die Nähte werden so gelegt, dass jeweils eine ehemalige Interdentalpapille die benachbarte Alveole überdeckt.

Papillenverlust - Klassifikation
engl.: papilla presence index, PI; mach Tarnow ist das Vorhandensein der interdentalen Papille von der vertikalen Entfernung zwischen dem Kontaktpunkt und dem darunter liegenden Knochenrand ( Interdentalraum) abhängig. Ist diese Distanz kleiner als 5 mm, so ist die Papille meist zu 100 % vorhanden. Bei größeren Abständen fehlt die Papille mehr oder weniger. 1998 nahmen Norland und Tarnow eine Klassifikation vor, welche auf den anatomischen Bezugspunkten ("landmarks") basiert: Lage des interdentalen Kontaktpunktes, Ausdehnung der Schmelz-Zement-Grenze nach fazial, apical und interproximal. Danach wird in 4 Klassen eingeteilt:
Normal   Die Papille füllt den gesamten Approximalraum bis zum Kontaktpunkt der Zähne aus
Klasse 1  Die Papillenspitze liegt zwischen dem approximalen Kontaktpunkt und dem koronalsten Bereich der Schmelz-Zement-Grenze (Anmerkung: Diese Grenze verläuft nicht in einer Höhe um den Zahn herum, sondern ist im Zahnzwischenraum zur Zahnkrone (nach koronal) hin verschoben; Schmelz-Zement-Grenze)
Klasse 2  Die Papillenspitze befindet sich auf der Höhe oder apical der Schmelz-Zement-Grenze des Zahnzwischenraums, aber noch koronal der fazialen Schmelz-Zement-Grenze
Klasse 3  Die Papillenspitze befindet sich auf der Höhe oder oberhalb der fazialen Schmelz-Zement-Grenze

Interdentalpapille, Miller-Klassen, Sattel (Col), Schwarzes Dreieck


Anatomie / Begriffe
des Zahnhalte-apparates


Papillom
Zottengewächs, fibroepithelialer Tumor, "Feigwarze", engl.: papilloma, papillary tumor; meist gutartige Schleimhautwucherung, die vom Epithel der Schleimhaut ausgeht; kann breitbasig oder gestielt der Oberfläche aufsitzen. Z.T. durch Papova-Viren ausgelöst.
Cowden-Krankheit, Zahnfleischpolyp


Plattenepithel P.


Papillon-Léage-Psaume Syndrom
orofaziodigitale Dysostose, OFD-Syndrom, Mohr-Syndrom, engl.: orofaciodigital syndrome, Papillon-Léage and Psaume syndrome; seltene genetische Fehlbildungserkrankung; in der Erscheinung multiples Krankheitsbild, u.a. mit verengter Nase, in der Mitte verkürzter Oberlippe, Lappenzunge (s. Abb.), Gaumenspalte, Einkerbungen im Ober- und Unterkiefer.


©: http://ndt.oupjournals.org
Papillon-Lefèvre Syndrom
engl.: Papillon-Lefevre disease; seltene, erbliche, autosomal-rezessive Fehlbildung, u.a. mit aggressiver Gingivitis, aggressiver Parodontitis und umfangreicher Gingivahyperplasie, sich ausbildend zwischen dem 1. und 5. Lebensjahr. Typisch sind die flächigen Verhornungsstörungen (Keratose) an Füßen und Händen.


©: http://medweb.uni-muenster.de


©: http://medweb.uni-muenster.de

PAR ; Abk. für Parodontal...; z.B. PAR-Behandlung = Parodontalbehandlung

Parabene
Umgangsbezeichnung für "para-Benzoesäureester"; Konservierungsmittelzusatz für Lokalanästhetika in sog. Durchstechflaschen (Ampullen sind heute "Parabene-frei"). Können bei entsprechend empfindlichen Patienten allergische Reaktionen auslösen. P.-ähnliche Stoffe kommen in der Natur u.a. in fast allen Gewürzen vor.
Lokalanästhetika

Paracetamol (Acetaminophen) ; Analgetika

Paraformaldehyd , Paraformal, Formaldehyd

Parafunktion
"unnatürliche Funktion", engl.: parafunction; Fehlfunktionen des Kausystems wie z.B. Pressen, Knirschen, Lippen- u. Wangenbeißen, Bleistift- u. Nägelkauen meist als Folge psychischer Belastung. Diese auch Habits genannten und dem Patienten oft nicht bewusst werdenden "Unarten" können im parodontal vorgeschädigtem Gebiss schwere Schäden bis hin zum Zahnverlust anrichten oder sind für eine Parodontalerkrankung mit verantwortlich. Direkte Kontakte zwischen Zähnen des Ober- und Unterkiefers sind normalerweise auf den Schluckakt beschränkt (~ 2 Min./Tag) und werden mit geringer Kraft ausgeführt; beim Kauen (~ 45 Min./Tag) sind die Kräfte etwa bei 20-30 Newton. Bei P. können diese Kräfte wesentlich höher sein und bis zu 950 Newton betragen. Im Gebiss sind P. deutlich durch Abrasionen der Okklusalflächen der Zähne ( Schlifffacette), an Schmelzsprüngen, Zahnhalsdefekten und -empfindlichkeiten zu erkennen. Behandlung zahnärztlicherseits meist durch eine Aufbiss-Schiene unterschiedlicher Modifikation; eine Ursachenausschaltung der psychischen Belastung ist für den Dauererfolg unabdingbar.
Aufbiss-Schiene, Bruxismus, Einschleifen, Habits, Interzeptor, Knirschen, Psychosomatik, Reflexschiene, Schmelzsprung, TMD, Zahnimpressionen, Zungenpressen
 



starke Abrasionen als folge ausgeprägter Parafunktionen

Parageusie ; Geschmacksstörung

Parakonus ; Metakonus

parallaktisch verschobene Projektion
parallaktisch verschobener Strahlengang, "Röntgenstereographie", engl.: two film procedure, "stereoradiography"; Methode, um auf einem (zweidimensionalen) Röntgenbild dreidimensionale Zusammenhänge darstellen zu können. So ergibt sich z.B. bei einem verlagerten Zahn die Frage, ob er im Kiefer vor oder hinter den Wurzeln der normal stehenden Zähne liegt, da ein einzelnes Röntgenbild alle Strukturen auf eine Ebene (2D) projiziert. Mit nur zwei entsprechend eingestellten Röntgenaufnahmen (Zahnfilm, exzentrische Projektion) kann man sich nach dem Prinzip der Parallaxe einen groben Überblick über die Lage "oral oder vestibulär" machen (s. Abb.). Dabei gilt: Wandert der verlagerte Zahn in gleicher Weise wie die regulären Zahnwurzeln mit (nach mesial bzw. distal), so liegt er oral; ist die Wanderung relativ verschieden, so befindet er sich vestibulär.
exzentrische Projektion, laterale Zahnaufnahme, Röntgendiagnostik

 


Parallelometer
engl.: do. o. allg.: surveyor; sowohl in der Zahntechnik, wie auch im Mund ("Mundparallelometer") bei der Präparation gebrauchtes Hilfsmittel: Während im Mund angewandte Verfahren dazu dienen, bei der Präparation mehrerer Pfeiler aus Gründen der Einschubrichtung parallel zueinander gestalten, werden in der Zahntechnik Modellvermessungen zur Bestimmung des prothetischen Äquators bei Klammern oder zur Bestimmung der Einschubrichtung bei Kombinationsarbeiten mit einem P. durchgeführt.
Während die zahntechnischen Geräte ("Klammerzeichner") aus einem schwenkbaren Modelltisch mit einem nur parallel verschiebbaren Gestänge arbeiten, bestehen P. im Mund im Prinzip aus einem Spiegel, in welchen parallele Linien markiert sind. Aufwendige Verfahren spannen das Präparationswinkelstück in ein P. ein und befestigen dieses an einem nicht zu präparierenden Kieferabschnitt.
Als Pontostruktor wird ein Gerät bezeichnet, welches im Mund parallele Bohrungen in die Zahnkronen erlaubt.
Isodromie, Präparation



Paralleltechnik
engl.: parallel angle technic; röntgenologische Untersuchungsmethode, bei der Zahn- wie auch Filmebene parallel zueinander stehen.
Bei der Le Master Aufnahme wird noch zusätzlich eine Watterolle zwischen Zahnkrone und Film gelegt, um diesen im Gaumenbereich noch weiter aufzurichten. Dadurch können störende Einflüsse des Jochbogens auf die Wurzelspitzen oberer Molaren vermieden werden.
Halbwinkeltechnik, laterale Zahnaufnahme, Rechtwinkeltechnik, Summationseffekt, Tubus


Paramedizin ; Komplementärmedizin

Paramolar , engl.: do. or supernumerary molar; Distomolar

Parant Skala
Parant Index
, eine von mehreren Beschreibungen über die operative Vorgehensweise im Zusammenhang mit einer Weisheitszahnentfernung; i.d.R. auf die Entfernung unterer Weisheitszähne bezogen. Wegen der Komplexität der Skala kommt heute meist die modifizierte Parant Skala zum Einsatz. Sie unterscheidet vier mögliche Situationen: die einfache Zangenextraktion, die Osteotomie, die Osteotomie mit Kronenabtrennung und die komplexe Osteotomie.
Pederson Skala

Paraplasie , Missbildung; Schmelzperle

parapulpär ; engl.: parapulpar; Lagebezeichnung für neben der Pulpa (Zahnnerv) gelegen; Zahnflächen

parapulpäre Schrauben
parapulpäre Stifte
, "Stiftverankerung", engl.: parapulpal pin (anchorage); kleine Stifte oder selbstschneidende Schrauben aus Titan oder korrosionsfreien Nichtedelmetallen, die bei einer zerstörten natürlichen Zahnkrone - nach entsprechender Vorbehandlung - im Dentin (parapulpär) verankert werden und so als Retention für einen Stumpfaufbau aus Komposite oder ähnlichen Materialien bzw. Amalgam dienen; bekannter Vertreter: TMS-System (thread made system).
Einsatz vor allem bei festsitzendem Zahnersatz (Vorbereitung des Zahnstumpfs für eine Krone) an lebenden Zähne; wegen des Durchschimmern des Metalls für Schneidekantenaufbauten weniger geeignet.
Wegen einer iatrogenen Perforation - sowohl in das Pulpencavum als auch in den Parodontalspalt hinein - ist die Anwendung einer strengen Indikation und einem sehr sorgfältigen Arbeiten unterzogen. Bei Verwendung von Kunststoffen (Kompomere, Komposite) ist wegen der Möglichkeit der adhäsiven Befestigung der Einsatz i.d.R. obsolet.
Amalgapin Verankerung, Pinlay, Pinledge, Schraubenaufbau, Stiftaufbau, Weissenfluh



Prinzip der p. S.

Parästhesie
engl.: paresthesia; anormale sensible Empfindung, "Pelzigsein" wie z.B. Kribbeln, Einschlafen der Arme/Beine; in der ZHK hauptsächlich gebraucht für das gelegentliche Auftreten von Missempfindungen nach kieferchirurgischen Eingriffen, Auswirkung von Entzündungen (Neuritis) oder Folgen einer Lokalanästhesie, hier spez. der Leitungsanästhesie. Die durch eine Irritation des N. trigeminus hervorgerufene Störungen äußern sich meist in einer teilweisen Taubheit oder Kribbeln bzw. "Nadelstichen" in diesem Gebiet. Eine Regeneration kommt i.d.R. von allein zustande; systemisch verabreichten Steroiden (z.B. Prednisolon) wird ein hohes Potenzial zur Beschleunigung der nervalen Regeneration zugesprochen.
Akanthästhesie, Axonotmesis, Hypästhesie, Lingualis-Nerv, Neurapraxie, Neurotmesis, Normästhesie, Nervenschädigung, Vincent-Symptom

Parasympathikus , engl.: parasympathicus; Sympathikus

Parazentese ;engl.: paracentesis; Stichinzision; kleiner Schnitt in die Wand eines Hohlorganes zur entlastenden Drainage Stichinzision

Pareitis, engl.: do.; Wangenentzündung

parenteral
"am Darm vorbei"; Begriff hauptsächlich bei der Verabreichung von Medikamenten gebraucht: diese werden unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes dem Körper zugeführt (z.B. in die Muskulatur = i.m., in die Blutvene = i.v.)

Parese
engl.: paresis, incomplete paralysis; teilweise Lähmung bestimmter Muskelgruppen durch Ausfall der sie versorgenden (motorischen) Nerven; Fazialisparese. Im Gegensatz dazu besagt die Paralyse den vollständigen Ausfall der Muskelgruppen.

PAR-Index
Peer Assessment Rating Index; Messzahl, welche von einer Gruppe erfahrener Kieferorthopäden um Dr. Richmond (Manchester, 1992) in 6 Arbeitssitzungen formuliert wurde. Nach verschiedenen Kriterien werden Punktzahlen vergeben, deren Summe den Grad einer Dysgnathie beschreibt. Je höher diese Punkzahl, desto stärker ist die Ausprägung der Malokklusion.
Punktzahl '0' orthognathe Situation; Punktzahl 50 (selten über 50) hoher Grad der Dysgnathie.
Die Differenz zwischen den Punktzahlen vor und nach der Behandlung zeigt den Grad der Verbesserung durch die kieferorthopädische Behandlung an. Komponenten des PAR-Index sind:
1. Oberes- und unteres anteriores Segment
2. Linke und rechte bukkale Okklusion
3. Sagittaler Überbiss (overjet)
4. Vertikaler Überbiss (overbite)
5. Mittellinie
Auswertung dieser Werte mit einer Rechenhilfe ("PAR-Calculator")

Pariser Rot , Hochglanz-Polierpaste, neben speziellen Wachsen enthält die Paste Eisenoxide; Einsatz zur Hochglanzpolitur bei Metallarbeiten. Politur

Parma - Röntgenaufnahme ; Kiefergelenkaufnahme

ParoCheck ™
DNA-Chip zur mikrobiologischen Diagnostik von Parodontitis assoziierten Keimen. Dabei handelt sich um einen DNS-Sondentest zum Nachweis des keim-spezifischen 16S rRNA Gens (Schlüssel-Schloß-Prinzip), wobei die Verwendung von Biochips eine extrem sensitive und schnelle Hybridisierung ermöglicht. Die Analyse der Biochips erfolgt in Computer gesteuerten optisch hochauflösenden Biochip-Scannern, die eine objektive Messung der Proben gewährleisten.
Der Einsatz von ParoCheck für die mikrobiologische Diagnostik als Grundlage für den Einsatz von Antibiotika wird bei besonders aggressiven Verlaufsformen der marginalen Parodontiden und bei schweren systemischen Grundkrankheiten empfohlen. Der Test bietet eine Analyse der bakteriellen Flora in der subgingivalen Zahnfleischtasche über die klassischen 4 Leitkeime hinaus (je nach Testdurchführung werden 10 oder 20 Keimarten bestimmt). Mit diesen Leitkeimen sind oft Gruppen weiterer Bakterienspezies assoziiert, die ein kompliziertes Netzwerk von Stoffwechselprodukten miteinander verbindet und erst im Zusammenspiel zu einer Erhöhung der Pathogenität führen. Die Erfassung eines breiteren Spektrums parodontalpathogener Bakterien ermöglicht den Einsatz von Antibiotika gezielt auf das individuelle Keimspektrum des Patienten abzustimmen.
Der hochspezifische Nachweis von Markerkeimen mittels des P. erlaubt es weiter, alternative Therapiemethoden wie z.B. eine individuelle Vaccine herzustellen.
Antibiotika, lokale Antibiotikazufuhr, Markerkeime
http://www.lcl-biokey.de/

parodontal , den Zahnhalteapparat ( Parodontium) betreffend, engl.: parodontal, periodontal;

Parodontalabszess
Taschenabszess, marginaler Abszess, "Zahnfleischtaschenvereiterung", engl.: peridontal abscess; als Folge einer infizierten, vertieften Zahnfleischtasche. Da die Gingiva in diesem Bereich dem Knochen eng anliegt und so eine Spontanentleerung über die Tasche selten möglich ist, kann ein P. bis zu seinem Durchbruch in die Mundhöhle äußerst schmerzhaft sein.
Therapie mittels Inzision; später Säuberung der Tasche und evtl. Parodontalbehandlung
Abszess



Parodontalanästhesie , intraligamentäre Anästhesie

Parodontalbehandlung
"Zahnfleischbehandlung", Parodontaltherapie, "Parodontosebehandlung", engl.: periodontal treatment; komplexe Maßnahmen zur Behandlung des erkrankten Zahnhalteapparates. Im Vordergrund steht dabei die Schaffung einer biologisch akzeptablen Wurzeloberfläche (Zerstörung des Biofilms in der Zahnfleischtasche und Wurzeloberfläche) bei Erhaltung der gesunden Anteile des Wurzelzements, da aus diesem regenerative Prozesse ausgehen können. Die Verursacher parodontaler Erkrankungen sind neben den Markerkeimen wie z.B. Bacteroides, Prevotella, Porphyromonas und Actinobacillus auch Pilze (z.B. Hefen wie Candida), atypische Keime wie Enterokokken und pyogene Keime bei Superinfektionen.
Hauptsächlich zwei Prädiktoren bestimmen Prävention und Krankheitsverlauf bei Patienten mit chronischer Parodontitis: Die Immunantwort des Patienten sowie die begleitende antimikrobielle Therapie.
Von der Nomenklatur her wird unterschieden in:
  • systematische Parodontalbehandlung
    welche aus der Initialbehandlung, der Parodontalchirurgie und der Erhaltungstherapie besteht.
    Nach den PAR-Richtlinien (S. 12) gilt für GKV-Versicherte u.a.:
    Bei der Parodontitistherapie ist es unverzichtbar, die Wurzeloberflächen zu reinigen und Mikroorganismen aus parodontalen Taschen zu entfernen.
    Die systematische Parodontitistherapie kann umfassen:
    geschlossenes Vorgehen =  geschlossene Parodontalbehandlung; häufigste Therapiemaßnahme
    offenes Vorgehen
    antibiotische Therapie
    Maßnahmen zur Sicherung des Behandlungserfolges nach Maßgabe von Nr. 7

  • weiterführende Parodontalbehandlung
    gemeint ist hiermit, dass nach abgeschlossener Initialbehandlung geprüft wird, welche Maßnahmen erforderlich sind, um die Erkrankung auf Dauer "in den Griff" zu bekommen bzw., ob eine Weiterbehandlung überhaupt erforderlich bzw. sinnvoll ist, da die Mitarbeit des Patienten eine entscheidende Rolle für den Dauererfolg ist. ( Erhaltungstherapie)

Die Behandlung selbst wird unterschieden in:

  • konventionelle Parodontalbehandlung
    hierbei kommen nicht-chirurgische (Scaling und Wurzelglättung = geschlossene Parodontalbehandlung) und chirurgische Maßnahmen (Gingivektomie und versch. Arten von chirurgischen Techniken) zum Einsatz. Die Heilungsform läuft bei einem derartigen Vorgehen überwiegend nur reparativ ab und ist durch die Bildung eines (nicht gewünschten) langen Saumepithels charakterisiert. Röntgenologisch kann u.U. auch eine Knochenneubildung beobachtet werden. Dieser neue Knochen verfügt aber nicht über ein biologisches Attachment, da dieses von dem langen Saumepithel verhindert wird.
  • Einsatz regenerativer Maßnahmen und Techniken
    Wiederherstellungsmaßnahmen am Zahnhalteapparat durch den Einsatz verschiedener Verfahren; parodontale Regeneration

Als Erfolgskriterien (sog "Surrogatvariablen") gelten:
Attachmentgewinn
knöcherne Auffüllung (Regeneration von in der Hauptsache vertikalen Defekten)

Die Resultate der derzeit angewandten Behandlungsmethoden sind nicht verlässlich vorhersagbar und daher zuweilen enttäuschend. Grund dafür ist zum einen die große individuelle Varianz der Regenerationsfähigkeit des parodontalen Gewebes und die häusliche Durchführung von optimalen Mundhygienemaßnahmen, zum anderen die Vielzahl der am Heilungsprozess beteiligten Zellen und Moleküle (z.B. Amelogenine, bone morphogenetic proteins, Phosphate als Signalmoleküle). P. bei normalen Krankheitsbildern sind in der zahnärztlichen Praxis bei guter Compliance des Patienten ( unterstützende Parodontitistherapie) gut durchzuführen und in der Regel über Jahre erfolgreich.
bakteriologische Identifizierungssysteme, Behandlungsschema bei Zahnfleischerkrankungen, Deep Scaling, Emdogain, Full Mouth Desinfection, gesteuerte Geweberegeneration, Gingivektomie, Gracey Kürette, Hyaluronsäure-Gel, Initialbehandlung, Knochentasche, Kürettage, Lappenoperation, Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, Leichttherapie, new attachment, Oraqix, Parodontalchirurgie, parodontale Regeneration, Parodontalstatus, Parodontitis, Parodontitis und Schwangerschaft, Parodontalchirurgie, Plaquekontrolle (chemische), PMIK ("antiinfektiöse Therapie"), Reattachment, unterstützende Parodontitistherapie, Weski
 Parodontitistherapie – was gibt es Neues  (ZBW, 2017)
Barmer-Zahnreport 2017 - PAR-Therapie in der Kritik (zm, 2017)
Parodontitistherapie - Zurzeit keine evidenzbasierten Belege (ZBW, 2017)
Patienteninfo: Gesteuerte Geweberegeneration (GTR) , ©: BZAEK
Stellungnahmen zum IQWiG-Vorbericht zu Parodontitistherapien - Zahnmedizin steckt in der Evidenzfalle (zm, 2017)

 



parodontaler Behandlungsplan, sog. "PA-Plan"



therapierte Parodontitis
marginalis profunda - 6
Jahre nach
Behandlungsabschluss
© der Grafik:
Prof. Roth / intervox

Parodontalchirurgie
engl.: periodontal surgery; Oberbegriff für eine Vielzahl von Maßnahmen - besonders bei einer Parodontitis marginalis -, die dann zum Einsatz kommen, wenn - bedingt durch die Schwere der Erkrankung - mit konventionellen Methoden ( Leichttherapie, Parodontalbehandlung) keine erfolgsversprechende Behandlung möglich ist.
Edlan-Mejchar Operation, Gesteuerte Geweberegeneration, Gingivektomie, Knochendefektfüllung, offene Kürettage, Lappenoperation, plastische Parodontalchirurgie

Parodontalchirurgie ,
plastische
, engl.: (plastic) periodontal surgery; meist eingesetzt zur Deckung von Gingivarezessionen ( "freiliegende Zahnhälse") mittels gesteuerter Geweberegeneration (GTR), Bindegewebstransplantat, freiem Schleimhauttransplantat oder Verschiebelappentechniken. Dabei scheinen das Bindegewebstransplantat und die Verschiebelappentechniken auf Dauer die besten Ergebnisse zu bringen.
Eine Rekonstruktion von verloren gegangenen Zahnfleischpapillen in den Interdentalräumen im Sinne einer "roten Ästhetik" erscheint bisher auf Dauer problematisch; hier könnte das sog. "Papillenlifting" mittels Bindegewebstransplantat einen therapeutischen Ansatz darstellen.
Emdogain, gesteuerte Geweberegeneration, Gingivektomie, Gingivoplastik, Gummy smile, HF-Chirurgie, Keilexzision, Kirkland, Knochentasche, Kürettage, Lappenoperation, Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, new attachment, Parodontitis, Parodontalbehandlung, Parodontalverband, VY-Plastik, Z-Plastik, Zahnfleischverband
http://www.dgparo.de/content07/pdf/glossar/29.pdf

parodontale Abstützung , engl.: periodontal or tooth supported; Abstützung

parodontale Indizes
Messzahlen zur Bestimmung des Schweregrades eines Zahnfleischerkrankung. Neben der Art und Stärke der Entzündung sollte auch durch einen derartigen Index der Schweregrad des Attachmentverlustes bestimmt werden können. Weltweit durchgesetzt hat sich der von Ramfjord entwickelte Periodontal Disease Index.
Community Periodontal Index of Treatment Needs (CPITN), Index, PMA-Index

parodontaler Biotyp
gingivaler Biotyp, Dicke und Erscheinungsbild der marginalen Gingiva mit grober Unterteilung in (Mischformen vorhanden, aus http://www.zahnaerzteblatt.de/):

http://www.zahnaerzteblatt.de/

parodontale Regeneration
regenerative Parodontaltherapie; (teilweise) Wiederherstellung des Aufbaus und der Funktion des Zahnhalteapparates, engl.: parodontal regeneration; durch vielfältige Methoden, so z.B. durch chirurgisches Einbringen von Knochenersatzmaterialien oder Flüssigkeiten bzw. Gelen und/oder gesteuerter Geweberegeneration (GTR / GBR) mittels Membranen (resorbierbar / nicht resorbierbar) zur Beseitigung von tiefen Zahnfleisch- und Knochentaschen ( new attachment).
Wenn auch bisher ermutigende Einzelergebnisse vorliegen, so bleibt bisher diechte Regeneration ein Wunschtraum. Eine erfolgreiche systematische Parodontalbehandlung bewirkt aber eine relative p. R. , d.h. sie erreicht wieder gesunde parodontale Verhältnisse auf einem niedrigerem Niveau, welche bei einer guten Mundhygiene des Patienten über viele Jahre/Jahrzehnte Bestand haben können.
Es können zur Anwendung (einzeln oder in Kombination) kommen, wobei keine individuelle Vorhersage der Wirkung möglich ist:

 regenerative Medizin, Parodontalbehandlung
 Parodontale Regeneration - Zellen in 3-D (zm, 14)

Parodontalerkrankung
engl.:
periodontal disease; zunächst nicht näher bezeichnete Erkrankung des Zahnhalteapparates. Im Sprachgebrauch wird meist darunter eine "chronisch-entzündliche Erkrankung von Zahnfleisch und Kieferknochen" verstanden. In der Gruppe der 35 – 44-Jährigen sind in 2010 ca. 20 Prozent, in der Gruppe der 65 – 74-Jährigen ca. 40 Prozent von einer schwereren, behandlungsbedürftigen Form der Erkrankung an mindestens einem Zahn betroffen.
Parodontitis, Parodontitis marginalis

Parodontalligament
Desmodont
, engl.: (periodontal) ligament; spezialisiertes Bindegewebe, welches den Zahn im Knochenfach des Alveolarknochens federnd aufhängt Wurzelhaut

Parodontalschiene
"Parodontoseschiene", Stabilisierungsschiene, engl.: periodontal splint; mit dem Ziel einer Verblockung von gelockerten Zähnen. Unterscheidung in:
  • temporäre Parodontalschiene
    abnehmbare Kunststoffschiene, welche bis zu mehreren Wochen getragen wird
  • semipermanente Parodontalschiene
    meist abnehmbare Kunststoffschiene (z.B. Miniplastschiene), welche bis zu mehreren Jahren getragen werden kann
  • permanente Parodontalschiene
    festsitzende Schiene - i.d.R. aus Metall (z.B. Elbrecht Schiene, auch "Krallenschiene") bzw. hochwertigem, dünnem  Kunststoff  (z.B. Miniplastschiene) oder in Form von miteinander verblockten Kronen/Brücken -, welche bis zum Zahnverlust getragen wird (s. Abb.)

Über den Erfolg derartiger Therapien als alleinige Maßnahme wird unterschiedlich diskutiert, da es zwar durch Verblockung zu einem scheinbaren Verfestigen der Zähne untereinander kommt, aber i.d.R. keine parodontale Regeneration eintritt.

 



Befestigung eines
gelockerten Zahnes
mittels Komposite
an den Nachbarzähnen

 

Parodontalsonde
Parodontometer
, engl.: periodontal probe; an der Spitze stumpfe, mit einer Mess-Skala versehene Sonde zur Messung der Taschentiefe ("Sondierungstiefe") in Millimetern. Bekanntestes Instrument ist die WHO-Sonde.
Zum exakten Krafteinsatz bei der Messung (jeder Untersucher misst mit einer anderen Kraft) gibt es druckkalibrierte Parodontalsonden (TPS-Sonde = True Pressure Sensitive (periodontal probe)) oder elektronische Parodontalsonden (z.B. Peri-Probe®, PerioControl ; Ergebnisse werden auf einem Drucker ausgegeben).
In jüngerer Zeit wird eine Messung der Taschentiefe erst nach einer parodontalen Vorbehandlung (Initialtherapie: symptomatische Therapie, Mundhygiene, Ultraschall) empfohlen, da sonst die Ergebnisse verfälscht sein könnten: Entweder stößt die Sonde in der Zahnfleischtasche auf Konkremente, oder sie touchiert entzündetes Gewebe und verletzt dieses. Dadurch sind Fehlmessungen bis zu 2 mm nicht ausgeschlossen.
FloridaProbe, Hauer Parodontometer, Kryptometer, Rolltest, PerioControl, Taschenboden, Taschentiefe
http://crobm.iadrjournals.org/cgi/reprint/8/3/336.pdf

Parodontalspalt
Desmodontalspalt, Periodontalspalt, engl.: periodontal space; gelenkartiger Spalt zwischen der knöchernen Alveole und der Zahnwurzel. Dadurch, dass die Zahnwurzel nicht mit dem Kieferknochen fest verwachsen ist, sondern im Knochenfach an Fasern ( Sharpeysche Fasern) elastisch aufgehängt ist, werden von außen auf den Zahn einwirkenden Kräfte federnd auf die Umgebung übertragen; die Eigenbeweglichkeit des Zahnes in dieser "federnden" Aufhängung beträgt maximal 20 µ. Bei entzündlichen Prozessen oder Überbelastungen eines Zahnes ist der P. röntgenologisch sichtbar verbreitert und die Eigenbeweglichkeit u.U. erheblich vergrößert ( Lockerungsgrad).
Ankylodontie, Desmodont, intraligamentär, Wurzelhaut


Parodontalsprechstunde, "Recallstunde", engl.: periodontal consultation hour; parodontale Erhaltungstherapie

Parodontalstatus
PA - Status, engl.: periodontal chart (portrait); vor Beginn einer systematischen Parodontalbehandlung vorgeschriebene Befunderhebung (klinisch u. röntgenologisch) des gesamten Zahnhalteapparates kombiniert mit der geplanten Therapie bei den Gesetzlichen Krankenkassen. Aus Dokumentationsgründen auch bei privat Versicherten empfohlen.
Die Dokumentation des klinischen Befunds ("Parodontalstatus") umfasst:
- Taschentiefen und Blutung der Zahnfleischtaschen auf Sondieren
- parodontale Rezessionen, um einen Ausgangswert für die Beurteilung einer möglichen Progression der Parodontitis zu erheben; fakultativ und alternativ kann auch der klinische Attachmentverlust aufgezeichnet werden.
- Furkationsbefall:
Grad 1 = bis 3 mm in horizontaler Richtung; Grad 2 = mehr als 3 mm in horizontaler Richtung; Grad 3 = durchgängig
- Zahnlockerung (Lockerungsgrad):
Grad I = gering horizontal (0,2 mm – 1 mm); Grad II = moderat horizontal (mehr als 1 mm); Grad III = ausgeprägt horizontal (mehr als 2 mm) und in vertikaler Richtung
FloridaProbe, Lockerungsgrad, Parodontalbehandlung, Röntgenstatus, Reevaluation, Röntgendiagnostik, Status, Zahnstatus
http://178.77.65.141/joomla/

 



amtliches
Formblatt bei gesetzlich Versicherten

Parodontaltherapie , Parodontalbehandlung

Parodontalverband
Zahnfleischverband, engl.: periodontal dressing; als Verband und Fixation anhaftender Wundverband bei Gingivektomien und Papillektomien, tiefer Kürettage, offenen Lappen-Operationen, Gingivarepositionen, Kronenverlängerungen, zur provisorischen Unterfütterung von Sofortprothesen in der Parodontalchirurgie.
Neben den "klassischen" Verbänden auf Zinkoxid-Eugenolbasis ("Kirkland-Verband"), kommen Verbände auf Kunststoffbasis (z.B. Peripac®) zum Einsatz; u.U. Beimischung von antibakteriellen Substanzen wie z.B. CHX
Zahnfleischverband
http://www.dgparo.de/content07/pdf/glossar/29.pdf

Parodontitis
Zahnbettentzündung, Periodontitis, griech. Kunstwort, umgangsspr. "Parodontose" engl.: periodontitis, paradentitis, parodontitis; mit (historischer) Unterscheidung in Parodontitis apicalis und Parodontitis marginalis. Nach der neuen Nomenklatur ( Einteilung der Zahnfleischerkrankungen) entfällt das Wort "marginalis" bei der Abgrenzung zur Parodontitis apicalis. Daneben existiert noch das Krankheitsbild einer entzündeten Bifurkation = Parodontitis interradicularis
Für die P. ist noch eine andere Klassifizierung von Bedeutung und in der Praxis üblich ( Special: Einteilung und Erscheinungsbilder von Zahnfleischerkrankungen):
AP - langsam verlaufende Erwachsenen-Parodontitis (häufigste Form, gut therapierbar)
PP - im Milchgebiss sehr schnell verlaufende präpubertäre Parodontitis (beim Durchbruch der Milchzähne zwischen dem 2. u. 4. Lebensjahr entweder lokalisiert an einzelnen Zähnen oder generalisiert auftretend)
(L)JP - (lokale) schnell verlaufende juvenile Parodontitis (meist in Schüben verlaufend und rasch fortschreitend, besonders an Frontzähnen und ersten Molaren vorkommend. Beginn in der Pubertät, dabei Vorkommen beim weiblichen Geschlecht viermal häufiger als beim männlichen)
RPP (rapidly progressive periodontitis), früher: Parodontitis marginalis progressiva - schnell fortschreitende P. des jungen Erwachsenen (Auftreten im 3. Lebensjahrzehnt, prognostisch ungünstig, s. Abb. oben)
(A)NUG - (akut) nekrotisierende ulzerierende Gingivitis/Parodontitis
RP - refraktäre Parodontitis
Es handelt sich bei allen entzündlichen Formen der P. um eine chronisch bakterielle Entzündung (biofilminduzierte entzündliche Erkrankung), die Zahnfleisch und Stützgewebe ( Parodontium) angreift und so den Zahn in seiner Verankerung ( Parodontium) schwächt bzw. aus dieser löst ( Lockerungsgrad). Die Verursacher dieser Erkrankung sind neben den Markerkeimen wie z.B. Bacteroides, Prevotella, Porphyromonas und Actinobacillus auch Pilze (z.B. Hefen wie Candida) und atypische Keime wie Enterokokken und pyogene Keime bei Superinfektionen. Ausgelöst wird die P. dann durch im Mundraum befindliche Enzyme, die so genannten MMP-8-Enzyme (Neutrophilen-Kollagenasen), die im aktiven Zustand die Kollagenfasern des Zahnfleisches abbauen. Dieser Abbau ist wiederum abhängig von einer verringerten Bildung des körpereigenen Glykoproteins Del-1. Der Krankheitsverlauf ist jedoch nicht zwingend vorgegeben, sondern neben sorgfältiger Mundhygiene abhängig von der Veranlagung (Disposition) des Patienten. So kann die gleiche Bakterienmenge - je nach Entzündungsneigung bzw. Immunsystem des Patienten - ganz unterschiedliche Schweregrade einer P. hervorrufen, wobei auch hier dem Glykoprotein Del-1 eine große Bedeutung zugemessen wird.
Die P. ist Ausdruck einer gestörten Wechselbeziehung zwischen der natürlichen Keimbesiedlung der Mundhöhle ("orale Flora") und der angeborenen (unspezifischen) Immunität des Organismus, da bekannt ist, dass z.B. auch bei gesunden Patienten (fast) alle eine P. verursachenden Keime vorhanden sein können, ohne dass eine Zahnbettentzündung entsteht. Äußere Einflüsse - z.B. Stress, Nikotinabusus, Medikamente - verstärken die Möglichkeit der Verschlimmerung ( Parodontitisrisikofaktoren).
Über die Ursachen und den Verlauf der P. ist bis heute noch vieles unbekannt: Bekannt ist, dass Zahnbetterkrankungen unterschiedlich schnell verlaufen, auch der Zahnverlust ist individuell verschieden - okklusale Störungen scheinen für eine P. so gut wie keine Bedeutung zu haben - lediglich kann eine Progression verstärkt werden. Nicht bekannt sind die exakten Gründe dafür, obwohl einige biologische Zusammenhänge bereits festgestellt wurden und weiter erforscht werden. Ein weiteres Risiko neben fehlendem Wissen um Ursachen und Entwicklungen ist der versteckte Verlauf parodontaler Erkrankungen: Viele Entzündungen entziehen sich der visuellen Betrachtung.
Eine immer wieder behauptete Beziehung zwischen Herz/Gefäß-Erkrankungen und einer P. konnte bisher nicht bestätigt werden: No cause and effect established between oral disease and ASVD (2012)
Eine exakte und sichere parodontale Untersuchung muss mit einer Sonde erfolgen und gegebenenfalls durch eine Röntgenaufnahme unterstützt werden. Die früher vertretene These, dass Mundhygiene und Plaque entscheidend für eine P. sind ("einsauberer Zahn wird nicht krank"), wird heute nicht mehr bejaht. Derartige Faktoren haben lediglich einen Einfluss auf die Ausprägung einer Gingivitis. Parodontitisrisikofaktoren

Die P.-Infektion betrifft alle Gewebe des Zahnhalteapparates: Die Gingiva, das Wurzelzement, das Desmodont und den Alveolarknochen. Zur Feststellung der Erkrankung wird eine visuelle Untersuchung durchgeführt, welche normalerweise durch eine radiologische ergänzt wird. Dabei ist festzuhalten, dass die Untersuchung der Sondierungswerte und des Attachmentniveaus empfindliche und verlässliche Parameter für die Diagnostik darstellen, während die konventionelle radiologische Beurteilung des Knochenniveaus mehr einen verifizierenden Charakter hat. Bei Patienten mit aggressiver P. ist eine mikrobiologische Untersuchung (z.B. PCR) der in der Zahnfleischtasche liegenden Plaque notwendig. Zukunftsweisende biochemische, immunologische und genetische Methoden - z.B. die Bestimmung von Markerkeimen im Speichel und der Sulkusflüssigkeit haben heute (2009) noch keine allgemein-praktische Bedeutung. Weitere diagnostische Hilfsmittel - z.B. druckkalibrierte Messsonden oder Periodontometer - tragen zur Objektivierung und zum Screening der Befunde bei.

Supragingivaler Zahnstein spielt im Rahmen der Ätiologie einer Parodontitis eine entscheidende Rolle. Probleme verursacht er hauptsächlich als Hygienehindernis aufgrund seiner plaque-retentiven porösen Oberfläche und der Verblockung interdentaler Schmutznischen. Sein direkter Kontakt mit dem Zahnfleischsaum scheint Entzündung und gingivale Rezession zu fördern. Supragingivaler Zahnstein ist aber auch von Lakunen und Kanälen durchzogen. In diesen unmineralisierten Bereichen besteht ein großes Reservoir für Bakterien, welche darin ideale Wachstumsbedingungen finden: feucht, warm und Nahrung im Überfluss. Durch gute Mundhygiene, insbesondere den häufigen Einsatz von Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen zur Reinigung der Zahnzwischenräume, lässt sich das Risiko einer Parodontitis deutlich verringern. Bei Grunderkrankungen wie Diabetes, aber auch in Phasen reduzierter Immunabwehr, etwa bei einem Schnupfen, ist das Risiko, dass sich einige der rund 500 bisher identifizierten Bakterienarten der Mundhöhle massiv vermehren, besonders groß. Rauchen begünstigt ebenfalls den Plaquebefall und damit eine Parodontitis ( Parodontisrisikofaktoren).
Der Zustand des Parodontiums verändert sich unter dem Regelzyklus der Frau. So ist z.B. der Gingiva-Index zum Zeitpunkt der Ovulation signifikant erhöht. Viele Frauen berichten auch von Beschwerden und Reizzuständen des Parodonts innerhalb des Menstruationszyklus.

Zur Dokumentation - vor allem der klinischen Untersuchungsbefunde - wird eine Indizierung vorgenommen, wobei der abgewandelte CPITN -Index - der PSI-Index (Parodontale Screening-Index; PSI) - heute weltweit am meisten angewandt wird.
In Deutschland gebräuchlich ist nachfolgende grobe Klassifizierung:

International ab 1999 eingeführt ist eine wesentlich differenziertere Klassifikation, welche auch von der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie anerkannt ist. Näheres durch Anklicken dieses Textes
Leichte Formen der Entzündungen des Zahnbettes sind heute bei der Mehrzahl der Erwachsenen festzustellen; man schätzt, dass in Europa etwa 45 % der Bevölkerung an Parodontalerkrankungen leiden. Etwa 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind von schwereren Formen betroffen. Mit einem frühzeitigeren Eingreifen durch den Zahnarzt, der Motivation und Anleitung des Patienten zu gründlicherer Mundhygiene und einer langfristigen Betreuung durch das zahnärztliche Team könnten Folgeerscheinungen der P. wie Gewebeschäden, Knochenabbau und Zahnverlust in den meisten Fällen verhindert werden.
P. ist keine auf den Zahn-, Mund- und Kieferbereich beschränkte Erkrankung. Vielmehr können sich die Folgen einer bakteriellen Entzündung vom Mundraum in den ganzen Körper ausbreiten. Zahlreiche Studien zeigen bei unbehandelter Parodontitis ein zweifach erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Kreislauferkrankungen, ein erhöhtes Vorkommen für Frühgeburten, niedrigeres Geburtsgewicht bei Babys und Auswirkungen auf Diabetes, Atemwegserkrankungen und cerebrale Infektionen, obwohl die Zusammenhänge im Einzelnen noch nicht erklärt werden können.
Eine Behandlung der P. erfolgt konservativ durch mechanische Säuberung der (in der Zahnfleischtasche) frei liegenden Wurzeloberfläche, entweder mit Handinstrumenten ( Scaler) oder mit Geräten auf Ultraschallbasis. U.U. ist bei tiefen Zahnfleischtaschen ein chirurgischer Eingriff unter direkter Sicht nötig. Dabei erfolgt eine schonende Zahnfleischlappenbildung unter Erhaltung des bestehenden Attachments. Da in der Hauptsache der krankheitsverursachende Biofilm beseitigt werden soll, ist bei allen Techniken eine rigorose Bearbeitung/Entfernung der Hart- und Weichgewebe weder erforderlich noch sinnvoll. Bei schwereren Erkrankungen kommt die "gesteuerte Geweberegeneration" - sog. Membran-Technik - zum Einsatz: Bei diesem Verfahren wird eine Membran aus resorbierbarem Kollagen oder Kunststoff (z.B. Teflon) zwischen das Zahnfleisch einschließlich des darunter liegenden Bindegewebes und den angegriffenen Knochen eingebracht. Die Membran bildet nun eine Barriere für das schnell wachsende Zahnfleischepithel, das sonst in die entstandene Tasche hineinwuchern, dem Zahn aber keine Festigkeit geben würde. Die deutlich langsamer wachsenden Bindegewebe des Zahnhalteapparates erhalten auf diese Weise die Gelegenheit, die gereinigte Wurzeloberfläche neu zu besiedeln, eine neue Wurzelzementschicht und neue Haltefasern zu bilden. Auch der zerstörte Knochen hat ausreichend Zeit für den Wiederaufbau. Diese regenerative Therapie ist teuer (ca. 500-700 €/Zahn) und wird von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
Prinzip der gesteuerten Geweberegeneration:
                
                                

Der Wiederaufbau des Zahn-Halteapparates lässt sich durch gezielte Gabe von speziellen Eiweißen weiter unterstützen: Das künstliche Protein Amelogenin, das bei der Zahnschmelzbildung des Fötus eine entscheidende Rolle spielt, stimuliert den Wiederaufbau von Wurzelzement. Zum Auffüllen großer Knochendefekte werden patienteneigener Knochen oder Knochenersatzmaterialien verwendet.

Behandlungsschema bei Zahnfleischerkrankungen

Als Erfolgskriterien (sog "Surrogatvariablen") gelten:
Attachmentgewinn
knöcherne Auffüllung (Regeneration von in der Hauptsache vertikalen Defekten)

Zum dauerhaften Erfolg jeglicher Parodontitis-Behandlung gehört eine Langzeitbetreuung mit regelmäßigen (3-6 monatigen; risikoabhängig) Recall-Intervallen. Bei diesen Sitzungen erfolgt eine supra- und subgingivale Belagsentfernung mit anschließender Politur und Fluoridierung der Zahnoberflächen, eine Patientenremotivation zu optimaler Mundhygiene. Zusätzlich werden in dieser Sitzung im Sinne eines "Monitorings" die Parameter Blutung ( BOP), Plaqueindex (PI) und Attachmentverlust (CAL) überprüft.

Die Grundlagenforschung hat in den vergangenen Jahren auch in der Zahnmedizin erstaunliche Einblicke geliefert. Besonders anschaulich zeigt sich dies im Bereich der Parodontologie. Neue Forschungsergebnisse haben die Relevanz genetischer Faktoren belegt, die Prognose des Krankheitsverlaufs präzisiert und Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen aufgezeigt. Bei der Parodontitis regt die Plaque mit zunehmender Verweildauer die Zellen des Immunsystems zur Produktion von Entzündungsmediatoren an. Dabei spielt das Cytokin Interleukin-1 (IL-1, "Polymorphismus") eine zentrale Rolle für den weiteren Verlauf der Parodontitis. US-amerikanischen Forschern gelang es, verschiedene Variationen des Gens auszumachen, das die Expressionsmuster des Parodontitis-spezifischen IL-1 beeinflusst. Eine dieser Variationen verursacht die starke, Plaque-induzierte IL-1 Expression. So wundert man sich nun nicht mehr, warum einige Patienten auf wenig Plaque mit heftigen Entzündungen reagieren, während andere von ihren dicken Plaqueschichten nahezu unberührt bleiben. Neben den Erkenntnissen um die Zusammenhänge erblicher Faktoren mit schweren Verläufen einer Parodontitis hat die Interleukin-Forschung auch den Blick für Assoziationen zwischen chronischen parodontalen Entzündungen und allgemeinen Erkrankungen geschärft. So können Bakteriämien vor allem bei Patienten mit einer geschwächten Abwehrlage, vorgeschädigtem Myokard oder Klappenersatz schwerwiegende Komplikationen verursachen. Diesen Erkenntnissen wird schon seit vielen Jahren durch prophylaktische Maßnahmen im Rahmen zahnärztlicher Eingriffe Rechnung getragen. Neben einem erhöhten Parodontitis-Risiko bei schlecht eingestelltem Diabetes, beeinflusst umgekehrt auch eine unbehandelte Parodontitis den Glukosemetabolismus. So wird vermutlich aufgrund von Interaktionen zwischen Entzündungsmediatoren und Insulinrezeptoren eine Erhöhung des glykolysierten Hämoglobins ausgelöst. Interventionsstudien konnten die Zusammenhänge eindrücklich bestätigen: Geht man erfolgreich gegen die Parodontitis vor, sinken die Werte des glykolysierten Hämoglobins ebenso wie der Insulinbedarf. Auch bei schwangeren Frauen können Entzündungsmediatoren, die durch eine marginale Parodontitis freigesetzt werden, nachteilige Wirkung erzielen. Erreichen die Mediatoren die Plazenta, kann sich das für andere Faktoren adjustierte Risiko einer Frühgeburt mit niedrigem Geburtsgewicht fast um ein Achtfaches erhöhen. Nach diesen Erkenntnissen sollen rund 18 Prozent aller untergewichtigen Frühgeburten auf eine Parodontalerkrankung der Mutter zurückzuführen sein. Die Therapie der Parodontitis bei einer schwangeren Patientin sollte demnach bestenfalls in Absprache mit dem Gynäkologen erfolgen.

Menschen mit P. entwickeln doppelt so häufig Präkanzerosen und viermal so oft Mundhöhlenkarzinome wie Menschen ohne ernsthafte parodontale Erkrankungen.

Attachmentverlust, bakteriologische Identifizierungssysteme, Deep Scaling, Emdogain, Engstand, Erhaltungstherapie, Full Mouth Desinfection, Gingivitis, Gingivitis (Parodontitis) als Begleitsymptom, Höhenabbau, Hyaluronsäure-Gel, Kirkland, Knochentasche, Kürettage, , Lappenoperation, Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, Leichttherapie, Leukämie, Markerkeime, Matrix-Metalloproteinasen - MMP, Osteolyse, Parodontitisdiagnose, Parodontalbehandlung, Parodontalchirurgie, Parodontitis und Schwangerschaft, Periimplantitis, Reevaluation, Sulkusflüssigkeits-Fließrate - SFFR, unterstützende Parodontitistherapie, Zahnverlust
Special: Einteilung und Erscheinungsbilder von Zahnfleischerkrankungen
Special: Einteilung der Zahnfleischerkrankungen (international)
 Parodontitistherapie – was gibt es Neues  (ZBW, 2017)
Barmer Zahnreport 2017 - „Spät“ heißt nicht selten „zu spät“ (ZBW, 2017)
Parodontitistherapie - Zurzeit keine evidenzbasierten Belege (ZBW, 2017)
Parodontitis endlich wirksam bekämpfen! - Neues Versorgungskonzept gegen Volkskrankheit (BZÄK, KZBV 2017)
Mikrobiologische und systemisch-immunologische Faktoren -  Ernährung und Parodontitis (ZBW, 2017)
Doxycyclin in der PA-Therapie ; ©: Niedersächsisches Zahnärzteblatt 1/2011
Patienteninfo: Mikrobiologische Diagnostik und Parodontitistherapie ©: BZAEK
Kardiovaskuläre Erkrankungen und Parodontitis (2013)
Parodontitis und Allgemeinerkrankungen – wo stehen wir? (ZBW, 2017)

 


 

 

 





bewiesene/vermutete Auswirkungen
einer P. auf den
übrigen
Organismus



Parodontalerkrankungen bei
jüngeren Erwachsenen und jüngeren Senioren in Prozent (2005-2014)

Parodontitis apicalis
apikale Parodontitis, apicale Ostitis, Wurzelspitzenentzündung, engl.: apical periodontitis; mit einer akuten oder chronischen Entzündung des Desmodonts und umgebenden Knochens um die Wurzelspitze eines Zahnes herum, i.d.R. als Folge einer Gangrän oder eines nicht durch eine fachgerechte Wurzelkanalbehandlung versorgten nervtoten Zahnes.
Unterteilung in:

Veränderungen der Knochendichte im Zahnwurzelbereich ("dunkle Stellen", s. Abb.) sind im 2D Röntgenbild erst erkennbar, wenn mindesten 30% der anorganischen Knochenstrukturen abgebaut sind. Derartige Resorptionen dauern i.d.R. einige Wochen.
Einlage, Gangrän, Granulom, periapikale Läsionen, Perkussionstest, PRI Index, Vitalitätsprüfung

 



Ausheilung einer Parodontitis apicalis chronica
(mittels ChKM)



konservative Behandlung eines apicalen Granuloms mittels CaOH-Einlage

Parodontitisdiagnose
Verfahren zur Parodontitiserkennung, engl.. periodontal diagnosis; vielfältige Möglichkeiten der (Früh-)Erkennung einer Parodontitis sind vorhanden und werden unterschieden in:

Als neuere Methoden gelten:

Special: Einteilung und Erscheinungsbilder von Zahnfleischerkrankungen
Patienteninfo: Mikrobiologische Diagnostik und Parodontitistherapie ©: BZAEK

Parodontitis marginalis
Zahnbettentzündung, früher: Alveolarpyorrhö, laienhaft (und falsch) "Parodontose", engl.: primary periodontitis, pyorrhoea alveolaris; bakteriell hervorgerufene Entzündung der marginalen Bereiche des Zahnbettes, die unbehandelt zu einer progressiven, irreversiblen Destruktion des Zahnhalteapparates führt. Ursache für eine P. m. sind bakterielle Beläge ( Plaque), aber auch genetische Faktoren und Allgemeinerkrankungen (z.B. nicht eingestellter Diabetes mellitus). Der P. m. geht fast immer eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) voraus. Unterteilung in:
  • Parodontitis marginalis superficialis
    Entzündung aller Anteile des marginalen Parodontiums mit einem Knochenabbau, der auf maximal ein Drittel der Wurzellänge beschränkt ist.
  • Parodontitis marginalis profunda
    Entzündung aller Anteile des marginalen Parodontiums mit Knochenabbau von mehr als zwei Drittel der Wurzellänge (s. Abb. rechts außen). In D leiden etwa 10-20% der Bevölkerung (2008) an einer schweren Form der P. .

Als häufigste Symptome sind zu beobachten:
Zahnfleischentzündungen mit fortschreitendem Knochenverlust
Zahnfleischblutung und Abszesse
Zahnlockerungen und -wanderungen
Zahnverlust durch starke Lockerung
Die dabei bestehende Zahnfleischtasche ("parodontale Tasche") weist im Gegensatz zur physiologischen, gingivalen Tasche einen Attachmentverlust auf. Der größte Teil der parodontalen Tasche ist von Wurzelzement und Taschenepithel begrenzt; am Boden der Tasche besteht, wie in der Gingivatasche, ein reißverschlussartiger Epitheleinriss, so dass der Taschenboden allseits von Epithel ausgekleidet ist.

Attachmentverlust, Behandlungsschema bei ZahnfleischerkrankungenGingivektomie, Höhenabbau, lokale Antibiotikazufuhr, Kollagenase, Kürettage, Lappenoperation, Leichttherapie, Leitkeime, Markerkeime, Osteolyse, Propolis Parodontalbehandlung, Parodontitis, Perkussionstest, Polyalveolyse, Stabilisierungsschiene
Special: Einteilung und Erscheinungsbilder von Zahnfleischerkrankungen
Special: Einteilung der Zahnfleischerkrankungen (international)
Patienteninfo: Mikrobiologische Diagnostik und Parodontitistherapie ©: BZAEK
http://www.taschenplage.de/



parodontale Tasche






Parodontalerkrankungen bei
jüngeren Erwachsenen und jüngeren Senioren in Prozent (2005-2014)





obige Bilder:
Endstadium einer Parod. marg. profunda.
Die Zähne werden nur
noch durch den Zahnersatz
im Kiefer gehalten.
Auch unter dem
Begriff "eliminatio dentis"
(völlige Umfließung der Wurzel mit Taschenepithel) bekannt

Parodontitis marginalis progressiva, Parodontitis

Parodontitisrisikofaktor
engl.: periodontitis risk factor; das früher vertretene Dogma, dass ein gesunder Zahn nicht an einer Parodontitis erkranken kann ("ein gesunder Zahn wird niemals krank") hat heute keine Gültigkeit mehr, da selbst bei bester Mundhygiene Erkrankungen auftreten können, wie umgekehrt ungepflegte Gebissverhältnisse nicht automatisch zu einer Erkrankung führen müssen. So schreibt U. Schlagenhauf (in Parodontologie 2007; 18(2):119-127; aus Wissenschaftlicher Infodienst 4/2007) u.a.:
"Heutiges Modell für die Entstehung parodontaler Erkrankung:
Normalerweise wird der bakterielle Mikrofilm im Bereich des gingivalen Sulkus durch die neutrophilen Granulozyten, Antikörper der Sulkusflüssigkeit und andere lokale Maßnahmen kontrolliert. Gelangen dennoch Bakterien in das darunter gelegene Bindegewebe, so kommt es infolge der lokalisierten Entzündung zu einer Elimination der bakteriellen Antigene durch die Zellen des Immunsystems. Das geht bei den meisten Menschen mit einer (reversiblen) Gingivitis einher.
Dagegen kommt es bei Patienten mit ausgeprägtem Risiko für parodontale Erkrankungen durch die bakteriellen Antigene im subepithelialen Bindegewebe zu einer übersteigerten, nicht entzündigungsadäquaten Entzündungsreaktion mit der Freisetzung von gewebeauflösenden Entzündungsmediatoren. Die Summation vieler solcher Entzündungsereignisse führt zu irreversiblen Schäden am Parodont. Diese Fehlregulation kann angeboren sein oder durch externe Faktoren wie Rauchen, psychosozialen Stress oder Allgemeinerkrankungen modifiziert werden.
Die Stärke des parodontalen Entzündungsprozesses wird nicht primär durch die bakterielle Plaque, sondern von systemisch determinierten Einflussgrößen auf das orale Immunsystem beeinflusst."

zur Bestimmung des individuellen Parodontitisrisikos hat sich der von Lang u. Tonetti stammende Parodontitisrisikobogen ( http://www.dental-education.ch/risikobeurteilung/ ) als einfaches und brauchbares Hilfsmittel erwiesen.
Gewerbliche Parodontitisrisikotests können eine Bereicherung der diagnostischen Möglichkeiten darstellen, wenn sie im Rahmen einer erweiterten Diagnostik sinnvoll angewendet, kombiniert und interpretiert werden. Allein sind sie wenig aussagekräftig und individuell sehr unterschiedlich zu werten.

ohne eine gute Mundhygiene und dem Vorhandensein von einer gut sanierten Mundhöhle (einwandfreie zahnärztliche Arbeiten, keine hygienisch nur schwer zu erreichende Stellen, ist das Risiko, an einer infektiösen parodontalen Veränderung zu erkranken, groß. Allerdings werden bei diesem Risikofaktor starke individuelle Unterschiede beobachtet, die sicherlich mit einer genetischen Disposition (s.o. und s.u.) um Zusammenhang stehen.

bekannt ist, dass Raucher eine wesentlich höhere Erkrankungsrate haben - der Gesundheitszustand der Mundhöhle eines Rauchers ist vergleichbar mit dem eines zehn Jahre älteren Nichtrauchers. Unklar ist allerdings bisher, weshalb dies so ist.

Schlecht eingestellte Blutzuckerwerte führen bei Typ-II-Diabetikern zu erhöhten Interleukin-1ß-Werten in der Sulkusflüssigkeit. Als Folge besteht ein erhöhtes Risiko, an Parodontitiden zu erkranken.

Genetische Disposition:
neben den bekannten Risikofaktoren, wie dem Vorhandensein einer spezifischen parodontopathogenen Flora, Rauchen oder Stress, bestimmt die genetische Disposition zu einem großen Teil die Wirtsreaktion und damit die Erkrankungsanfälligkeit des Patienten. So ist erwiesen, dass das Risiko einer parodontalen Erkrankung eng an das Auftreten einer bestimmten genetischen Konstellation (Interleukin-Gencluster, sog. Interleukin-1-Polymorphismus) gekoppelt ist (bei ca. 30% der Erkrankten). Dieses genetische Geschehen bewirkt eine Überproduktion von Interleukin-1 (alpha, beta) und hat damit eine extreme Immunreaktion (Entzündung) zur Folge. Dabei scheint dieser Einfluss i.d.R. nur bei Rauchern relevant anzutreffen zu sein. Ebenso ist erwiesen, dass z.B. Stress die Interleukin-Produktion signifikant ansteigen lässt. Durch seine knochenresorbierende Wirkung kommt dem Interleukin-1 eine zentrale Rolle im Verlauf einer Parodontitis zu; man bezeichnet es als einen genetischen Risikomarker oder als einen wenig beeinflussbaren Hintergrundfaktor.
Die chronische Parodontitis als komplexe Erkrankung wird nicht durch ein einzelnes Gen beeinflusst, sondern durch eine Vielzahl verschiedener Gene, die Erkrankungsschwere und Verlauf modifizieren. Derzeit (2004) gibt es dabei zwei Strategien zur Identifizierung dieser Gene: Es sollen die Zusammenhänge zwischen potenziellen Kandidatengenen und dem Parodontitisrisiko ermittelt werden, zum anderen wird eine genomweite Suche mittels Linkage-Analysen bei bestimmten Phänotypen, wie der aggressiven Parodontitis, durchgeführt. Als potenziell mit der Parodontitis assoziierte Kandidatengene kommen all jene in Betracht, die Proteine codieren, die in die parodontitispathogenese involviert sind oder für die eine Assoziation mit anderen entzündlichen Erkrankungen bekannt sind.
Bei Vorliegen eines positiven Genotyps ist das Risiko - trotz entsprechender Zahnfleischbehandlung - die Erkrankung nicht zum Stillstand zu bringen, um das 2,7fache erhöht. Zusammen mit einem weiteren Risikofaktor (besonders Nikotingenuss) steigt dieser Wert sogar auf das 7,7fache an. Gerade bei umfangreichen Sanierungen des Gebisses mit festsitzendem Zahnersatz oder vor einer Implantation können entsprechende Testverfahren in Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren eine Einschätzung des Behandlungsergebnisses vorhersagen bzw. bei der Indikation zu derartigen Behandlungen Vorsicht walten lassen oder u.U. diese ganz in Frage stellen.

Eine immer wieder behauptete Beziehung zwischen Herz/Gefäß-Erkrankungen und einer P. konnte bisher (2013) nicht schlüssig bestätigt werden.
Patienten mit einer profunden Parodontitis, die auch unter Osteoporose leiden, haben ein zusätzliches Risiko bei der Beurteilung von Verläufen des Knochenabbaus, sowohl allgemein, wie auch am Alveolarfortsatz.
Schwere und Ausmaß der Parodontitits hängen auch vom Versorgungsgrad mit Magnesium ab. Eine mangelnde Magnesium-Versorgung geht mit schwereren Symptomen von Zahnfleischerkrankungen einher. Daher könnte eine langfristige nahrungsbasierte Verbesserung der Magnesiumzufuhr das Auftreten dieser Volkskrankheit senken, so das Ergebnis einer Studie an der Uni Greifswald auf Grund einer Zufallsstichprobe der Allgemeinbevölkerung, in der nach Risikofaktoren für Parodontitis gesucht wurde.
Kardiovaskuläre Erkrankungen und Parodontitis (2013)

Alkohol-Abusus fördert Parodontitis
Alkoholismus per se beeinflusst nicht zwangsläufig die Schwere einer Parodontitis. Doch chronischer Alkohol-Missbrauch wirkt sich negativ auf das Attachment Level aus. Bei Alkoholikern besteht eine Korrelation zwischen dem Grad des Missbrauchs, gemessen anhand der Konzentration des Leberenzyms Gamma Glutamyl Transpeptidase (GGTP), und dem Attachment Verlust (p<0,05). Alkoholiker weisen im Vergleich zu Nicht-Alkoholikern zudem stärkere Rezessionen der marginalen Gingiva (p<0,07) auf. Schwerer Alkohol-Missbrauch (GGTP>51 iu/l) wirkt sich zudem negativ auf den Plaque-Index aus (p<0,07) und damit auch auf den Gingivalen Index (GI), die Taschentiefe (PD). Bei Kokain-Abhängigen konnte kein entsprechender Einfluss auf das Attachment Level beobachtet werden. An der Studie nahmen 40 Alkoholiker teil, von denen 30 zusätzlich Kokain-abhängig waren. Alle Probanden wiesen daneben keine weiteren Erkrankungen auf. Als Kontroll-Gruppe dienten 25 hinsichtlich Alter, Geschlecht und sozialem Status gematchte Probanden, von denen 14 Kokain nahmen. Als Mass für einen chronischen Alkohol-Missbrauch bestimmten die Forscher die Menge des Leberenzyms Gamma Glutamyl Transpeptidase (GGTP) im Blut. Eine vergleichende Analyse des Parodonts wurde an sechs Stellen pro Zahn durchgeführt. Die Wissenschaftler erhoben Daten zum Gingivalen Index (GI), Plaque-Index (PI). Die Atachment Level (AL) errechneten sich aus der Taschentiefe (PD) und dem Level der marginalen Gingiva (GM). Zwischen den beiden Gruppen gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der durchschnittlichen Werte für AL, PD, GM, GI und PI. Dennoch zeigt eine Reihe von Regressionsanalysen einen eindeutigen Einfluss von chronischem Alkohol-Missbrauch auf den parodontalen Status. So gehen hohe GGTP-Level mit einem Attachment-Verlust einher.
Quelle: Khocht A. et al.: The Influence of Gingival Margin Resession on Loss of Clinical Attachment in Alcohol-Dependent Patients without Medical Disorders. Journal of Periodontology 2003; 74(4):485-493.
Die Wirkung wird zurückgeführt auf eine Funktionsbeeinträchtigung der Neutrophilen, Makrophagen und der T-Zellen - mit der Folge einer höheren Infektionsneigung. Die Ergebnisse legen nahe, dass Alkoholkonsum ein unabhängiger variabler Risikofaktor für Parodontitis sein könnte

Was bereits für die japanische Bevölkerung festgestellt werden konnte, hat sich auch für die US-amerikanische Bevölkerung bestätigt: Junge Menschen mit starkem Übergewicht haben eine höhere Prävalenz für parodontale Erkrankungen. Die signifikante Korrelation zwischen Adipositas und parodontaler Erkrankungen zeigte sich in der Auswertung der 3. National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III). Über 13.600 Teilnehmer im Alter über 18 Jahren wurden im Rahmen der Studie auf ihre parodontale Gesundheit untersucht. Als Parameter dienten Taschentiefe (>4 mm) und Attachment-Verlust (>3 mm). Parallel erfassten die Forscher Daten zum Taillenumfang und zum Body Mass Index (BMI). Als übergewichtig wurden Teilnehmer mit einem BMI zwischen 25 und 29.9 kg/m² eingestuft, adipös galten Teilnehmer mit einem BMI über 30 kg/m². Die Auswertungen zeigten eine signifikante positive Korrelation zwischen Adipositas und parodontaler Erkrankung, allerdings nur in der Gruppe der 18- bis 34-jährigen. Die Prävalenz für parodontale Erkrankungen liegt bei jungen adipösen Menschen rund 76% höher als bei Normalgewichtigen ihrer Altersklasse. Allein ein bereits großer Taillenumfang (>102 cm Männer; >88 cm Frauen) ging mit einer 2,27-fach größeren Odds-Ratio für eine parodontale Erkrankung einher. Gleichzeitig nahm die Prävalenz einer PA-Erkrankung in der Gruppe der untergewichtigen Teilnehmer (BMI <18,5 kg/m²) ab. Für höhere Altergruppen (über 35 Jahre) konnte keine signifikante Korrelation zwischen einem deutlichen Übergewicht und dem verstärkten Auftreten einer PA-Erkrankung festgestellt werden. Die Autoren diskutieren verschiedene Erklärungen für diesen Zusammenhang, der per se ja keine Kausalität aufzeigt. Sie vermuten einerseits, das Ernährungsverhalten übergewichtiger Jugendlicher stünde für eine Kalzium- und Vitamin-C-arme Kost, die bekanntlich die Entstehung einer Parodontitis begünstigt. Zudem könne Übergewicht in jungen Jahren zu einer stärkeren Stigmatisierung als im Alter führen. Die Folge seien chronische Stresszustände, die ebenfalls die Genese einer Parodontitis förderten. "Parodontitis ist lange Zeit als eine "Alte-Leute-Krankheit" betrachtet worden", so Studienleiter Al-Zahrani der Case Western Reserve University. "Nun wissen wir, dass weitverbreitete Risikofaktoren wie Adipositas die parodontale Gesundheit in der jungen Bevölkerungsschicht gefährden können."
Quelle: Al-Zahrani M.S. et al.:Obesity and Periodontal Disease in Young, Middle-Aged, and Older Adults. Journal of Periodontolgy 2003;74:610-615 und EurekAltert! (Zitat)


Attachmentverlust, Diabetes, Gingivitis (Parodontitis) als Begleitsymptom, HIV, Implantat: Risikofaktoren, Implantatverlust, Matrix-Metalloproteinasen - MMP, Nikotingenuss, Parodontitis, Parodontitisdiagnose, Parodontitis und Schwangerschaft, unterstützende Parodontitistherapie
Parodontitis und Allgemeinerkrankungen – wo stehen wir? (ZBW, 2017)

Parodontitistherapie , unterstützende
UPT, "parodontologisches Recall" engl.: supportive periodontal therapy (periodontal maintenance), SPT; beruhend auf der Tatsache, dass jeder Dauererfolg einer Parodontalbehandlung weniger von der im Einzelfall angewendeten parodontalchirugischen Maßnahme oder den eingesetzten Hilfsmitteln abhängt, sondern vielmehr von der Sorgfalt der häuslichen und zahnärztlichen Nachsorge und dem exakten Einhalten der Recall-Termine, welche bei Parodontitis-anfälligen Patienten praktisch lebenslang besteht (Kontrolle und Remotivation). Die Recallintervalle werden entsprechend einer individuellen Parodontitisrisikoabschätzung festgelegt.
parodontale Erhaltungstherapie ("Parodontal-Recall")
Parodontitistherapie - Zurzeit keine evidenzbasierten Belege (ZBW, 2017)

Parodontitis
und Schwangerschaft; engl.: parodontitis and pregnancy; es gibt zunehmend Hinweise, dass eine orale Infektion und Entzündungen im Mundbereich körperlichen Stress auslösen und damit den Fetus bedrohen können. Der mütterliche Stress scheint einherzugehen mit der Verbreitung von oralen Mikroben und mit der Auslösung von Gefäß- und Leberentzündungen. Der Mechanismus, durch welchen eine orale Infektion mütterlicher- und kindlicherseits Stress hervorruft, scheint ein völlig anderer zu sein als der, der bei der lokalen Parodontalgewebszerstörung abläuft - genauere Zusammenhänge sind aber (noch) nicht bekannt. Darüber hinaus scheint sich bei vielen Schwangeren der Zustand des Zahnfleisches zu verschlechtern. Das macht sich bemerkbar als Veränderungen in oralen Entzündungen, insbesondere einem Anstieg in der Tendenz zu Zahnfleischbluten und Taschenbildung. Es kommt zu einem Überwuchern von Mikroorganismen und diese können auf dem Blutweg transuteral in den Fetus gelangen. Daher glauben die Wissenschafter mittlerweile, dass orale Infektionen der Mutter und speziell die Verschlechterung einer Parodontalerkrankung während der Schwangerschaft direkt den Fetus bedrohen.
Behandlung in der Schwangerschaft, BOP, CPITN, Leichttherapie, Mukositis, PCR, Pubertätsgingivitis, Schwangerschaft, Schwangerschaftsepulis, Schwangerschaftsgingivitis
Behandlungsschema bei Zahnfleischerkrankungen

 



Schwanger-schaftsrisiko
durch eine P.

 

Parodontium
Parodont; Zahnhalteapparat, Zahnbett, engl.: do., paradentium, periodontic apparatus; Oberbegriff für ein funktionelles Zusammenspielen der Elemente (Gewebestrukturen, die den Zahn ernähren, im Kiefer (Alveole) halten und bei Belastung abfedern) des Zahnhalteapparates. Es sind dies im wesentlichen:

Erkrankungen des P. werden unter dem Oberbegriff Parodontitis zusammengefasst, welcher sich häufig auf den Begriff Parodontitis marginals bezieht. Altersbedingte Abbauvorgänge des P. haben die Bezeichnung Parodontose.
BOP, CPITN, Gesteuerte Geweberegeneration, Vorkontakt, Überbelastung








Anatomie / Begriffe
des Zahnhalte-apparates
Parodontologie
Lehre von der Funktionsweise (Physiologie) und den Erkrankungen des Zahnhalteapparats (Parodontium), engl.: periodontology. Relativ junge zahnärztliche Fachrichtung mit einer starken Vernetzung in alle übrigen zahnärztlichen Fachbereiche - traditionell als Untergruppierung ("Sektion") in der konservierenden Zahnheilkunde angesiedelt, werden zusehends für dieses zentrale Fach eigene Lehrstühle eingerichtet. Der "Fachzahnarzt für Parodontologie" ist nur im Kammerbereich Westfalen/Lippe (Münster) nach der Weiterbildungsordnung gültig.
Fachgebiete, Kirkland
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, The American Academy of Periodontology , International Academy of Periodontology



normales (o.) und erkranktes Zahnfleisch

Parodontolyse ; nicht mehr gebr. Bez. für eine Parodontitis

Parodontometer ; engl.: periodontal pocket marker; Zahnfleischtaschen-Tiefen-Messgerät; Parodontalsonde, Hauer Parodontometer

Parodontopathien
Zahnbetterkrankungen, engl.: periodontal diseases; Sammelbezeichnung für jegliche Erkrankungen des Parodontium
Special: internationale Einteilung
Special: Zahnfleischerkrankungen
Behandlungsschema bei Zahnfleischerkrankungen, Markerkeime , Parodontalbehandlung
Attachmentverlust, Parodontitisdiagnose

Parodontose
auch: Paradentose (Begriff veraltet, 1921 von Weski eingeführt), Zahnbettschwund, "Zahnausfall", engl.: periodontosis; entzündungsfreier Rückgang des Zahnhalteapparates, ohne Zahnfleischtaschenbildung, mit oder ohne Lockerung der Zähne, meist altersbedingt durch Abbau des Kieferknochens. Begriff wird von Laien (fachlich falsch!) häufig für jegliche Formen der Zahnfleischerkrankungen - vornehmlich der entzündlichen Parodontitis - gebraucht.
Wie sehr sich die medizinische Vorstellung von parodontalen Erkrankungen bereits in den letzten Jahrzehnten verändert hat, zeigt sich an der heute gültigen Krankheitsbezeichnung "Parodontitis": Das Suffix "-itis" bezeichnet in der Medizin allgemein Entzündungen. Verschleißerscheinungen enden dagegen auf "-ose" - Beispiel Arthrose. P. galt bis Mitte des letzten Jahrhunderts als ganz normale Alterserscheinung. Erst später erkannte man, dass der Zahnverlust durch chronische Entzündungen hervorgerufen wird, die sich durchaus behandeln lassen.
Höhenabbau, Parodontium, Parodontopathien

"Parodontosebehandlung" , Parodontalbehandlung

Parotis
Ohrspeicheldrüse, engl: parotis(c); von par = neben, otis = Ohr; größte der Speicheldrüsen; ihr Ausführungsgang mündet etwa in der Höhe zwischen dem 1. und 2. oberen Backenzahn in die Mundhöhle.
Eine ihrer Entzündungen (virale Parotitis) wird im Volksmund  Mumps genannt. Davon zu unterscheiden ist die bakterielle, eitrige Entzündung der P. (eitrige Parotitis), welche i.d.R. durch einen Sekretstau (z.B. Speichelstein) ausgelöst wird.
Mögliche Differenzialdiagnosen bei Schwellungen der P. sind z.B. Speicheldrüsensteine, eine Speicheldrüsenentzündung sowie gut- oder bösartige Tumore.
Strahlenschäden nach Bestrahlung maligner Tumoren, verbunden mit einer Speichelminderproduktion, werden als Strahlenparotitis bezeichnet.
Basalzellenadenom, Hatchcock ZeichenMumps, Sialadenitis, Sialographie, Speichel, Strahlenkaries, Zahnstein
Speicheldrüsen und deren Erkrankungen
Rezividierende Parotisschwellung wegen chronischer abszedierender Parotitis
Basalzellenadenom der Glandula parotidea




Hauptspeicheldrüsen
des Kopfes



Parotis-
Ausführungsgang

Parotismischtumor , pleomorphes Adenom, Adenom

Parrot Furchen ; Lues connata

Partnerschaft
Sozietät, engl.: cooperation; zur gemeinschaftlichen Berufsausübung gebildete Gesellschaft vor allem bei den Freien Berufen. In der ZHK gebräuchlich als Gemeinschaftspraxis, Praxisgemeinschaft und Partnerschaftsgesellschaft. Nach dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz neuerdings als Berufsausübungsgemeinschaft tituliert. Kooperationsarten in einer Zahnarztpraxis

Partnerschaftsgesellschaftsgesetz
(PartGG)
;  § 1 des Gesetzes sagt: "Die Partnerschaft ist eine Gesellschaft, in der sich Angehörige Freier Berufe zur Ausübung ihrer Berufe zusammenschließen. Sie übt kein Handelsgewerbe aus. Angehörige einer Partnerschaft können nur natürliche Personen sein".
Am 1.Juli 1995 trat für Freiberufler eine neue Rechtsform, das P. (PartGG) in Kraft. Sie ist eine neue Alternative zur weniger flexiblen Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Durch die Möglichkeit zur Haftungsbeschränkung auf den behandelnden Zahnarzt, die Zulassung interdisziplinärer Partnerschaften (Ärzte, Juristen...) sowie die erweiterte Rechtsklarheit ist die PartGG eine geeignete Koorperationsform, sie hat sich jedoch bislang (2005) noch nicht durchgesetzt. Allerdings gilt bei der Partnerschaft: „Berufsrecht geht vor Gesellschaftsrecht“. 2005 hat der Vorstand der Bundeszahnärztekammer in einer für die Länder unverbindlichen Musterberufsordnung (als PDF oder ©: BZÄK) im §17 festgelegt:
"(1) Zahnärzte können sich auch mit selbstständig tätigen und zur eigenverantwortlichen Berufsausübung berechtigten Angehörigen anderer Heilberufe oder staatlicher Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen in den rechtlich zulässigen Gesellschaftsformen zusammenschließen, wenn ihre eigenverantwortliche, medizinisch unabhängige sowie nicht gewerbliche Berufsausübung gewährleistet ist. Die Regelung in § 9 Abs. 4 gilt entsprechend.
(2) Einem Zahnarzt ist gestattet, in Partnerschaften gemäß §1 Abs. 1 und 2 PartGG mit Angehörigen anderer Berufe als den in Abs. 1 beschriebenen zusammen zu arbeiten, wenn er in der Partnerschaft nicht die Zahnheilkunde am Menschen ausübt."
Berufsausübungsgemeinschaft, Gemeinschaftspraxis, Kooperationsarten in einer Zahnarztpraxis, Partnerschaften
http://dejure.org/gesetze/PartGG/1.html

Partsch
Carl, bekannter Breslauer Kieferchirurg (1855-1932), welcher u.a. zwei versch. Methoden der Zystenoperation beschrieben hat:

Bogenschnitt, Obturator, Osteotomie, Zyste
Carl Partsch – Nestor der Kieferchirurgie (zm, 2017)

Parulis
Schwellung, "Dicke Backe", engl.: gumboil; Bez. für eine entzündungsbedingte Schwellung im Wangen-/Kieferbereich, meist durch Zahnwurzelvereiterungen verursacht (z.B. akute Exazerbation einer Par. apicalis.

Abszess, Granulom, Mumps, perimandibulärer Abszess


P. mit begleitendem Lidödem




Bild-Klick!

P. ausgehend von einem vereiterten UK-Molaren

Passavant-Ringwulst , engl.: Passavant's pad Schluckreflex

Passgenauigkeit , engl.: accuracy of fit; Randschluss

Passivschicht
engl.: passive layer; eine die Korrosion behindernde Deckschicht bei Metallen oder Legierungen. Meist handelt es sich dabei um Sauerstoff (Luft), welcher eine Passivierung (passivation) der oberflächlichen Metallteile bewirkt und - je nach Metall/Legierung - die Oberfläche schützt (z.B. Chrom) oder das weitere Fortschreiten der Korrosion nicht aufhalten kann (z.B. Eisen)

Passung
engl.: fit; Beziehung zwischen zwei zusammengefügten Formelementen, z.B. zwischen einer künstlichen Krone und dem Zahnstumpf, einer Innen- und Außenteleskopkrone und der Matrize und Patrize eines Geschiebes. Durch die Wahl der Toleranzklassen von dem einen Teil zum Anderen ergeben sich beim Zusammenbau entweder Spiel, Übereinstimmung oder Übermaß. Man unterscheidet:

Pa-Status ; Parodontalstatus

Patency-Feile
engl.: patency = Durchgängigkeit; sehr feines Wurzelkanalinstrument (z.B. Hedström-Feile), welches zwischen den einzelnen Wurzelkanalaufbereitungsgängen bis zum Apex in den Kanal geschoben wird, um ein Zusetzen am Kanalende mit Dentinspänen (sog. "Verbolzung") zu verhindern. Im Gegensatz dazu verwenden andere Techniken den Effekt der Verbolzung mittels Wurzeldentin ("Dentinplastik) zum Verschluss des Apex.
Wurzelkanalbehandlung, Wurzelkanalinstrumente

Patentgeschiebe ; Geschiebe

pathogen
engl.: pathogen(et)ic; Krankheiten erregend o. verursachend. So spricht man von "pathogenen Bakterien", wenn diese eine Infektionserkrankung auslösen; Pathogenese

Pathogenese
Entstehung und Entwicklung einer Krankheit, engl.: pathogenesis; im Gegensatz zur Ätiologie (= Ursache) bezeichnet die P. die Gesamtheit der an der Entstehung und Entwicklung einer Krankheit beteiligten Faktoren, wobei die kausale Pathogenese die Ursachen zwischen auslösenden Faktoren bzw. individueller Bereitschaft zur Erkrankung für die Entstehung der Erkrankung untersucht, während die formale Pathogenese die Veränderungen beschreibt, die während des Verlaufs der Erkrankung auftreten.
Ätiologie, Salutogenese

pathognomonisch ; engl.: pathognomonic, für die Diagnose einer Krankheit richtungweisend bzw. typisch für eine Krankheit.

pathologisch ; krank, krankhaft, krankheitsbezogen, physiologisch

Patientenbeauftragter
Patientenbeauftragte, "Patientenvertreter", engl.: patients mandatory; durch das GKV-Modernisierungs-Gesetz (GMG) 2004 neu geschaffene Institution. Damit verfügen Patienten neben den Behinderten über einen eigenen Ansprechpartner im Bundesgesundheitsministerium. Ein P. soll helfen, Rechte der Patienten auf Information und Beteiligung an Entscheidungen der gesetzlichen Krankenversicherung ( Gemeinsamer Bundesausschuss) durchzusetzen. Die Folgen einer Beteiligung von Patienten an Entscheidungsprozessen in der GKV ist derzeit (2009) nur zum Teil absehbar. Auf jeden Fall gewinnt der Gemeinsame Bundesausschuss an Erfahrungskompetenz, die durch eine professionelle Expertise allein bisher nicht ausreichend berücksichtigt worden ist. Wie sich das auf Kosten, Qualität und Strukturen im Gesundheitswesen auswirken wird, bleibt abzuwarten.
Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz, Gemeinsamer Bundesausschuss, Patientenberatungsstellen

Patientenberatungsstellen
engl.: patient advisories; Einrichtungen, um Patienten zusätzliche (meist kostenlose) Informationen und Entscheidungshilfen im Rahmen einer Behandlung zu geben. Im zahnärztlichen Bereich hauptsächlich angesiedelt bei den Zahnärztekammern / KZVen, aber auch bei Krankenkassen und Verbraucherschutzverbänden zu finden (2011). Bei den P. der KZVen haben im ersten Halbjahr 2010 annähernd 20.000 Patienten Rat zu zahnmedizinischen Fragen gesucht.
Von 2006-2010 lief ein vom GKV Spitzenverband geförderter Modellversuch, welcher ab 2011 gesetzlich durch das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz verankert wurde. Diese Stelle hat eine Mittlerfunktion zwischen den vielfältigen Beratungsangeboten von Körperschaften, Selbsthilfeorganisationen und Verbraucherverbänden.


    

Zahnärztliche Patientenberatung - auch bei Problemen (2012) oder ©: BZÄK/KZBV
Stellenwert der Empowerment-Perspektive bei der institutionalisierten Patientenberatung zahnärztlicher Körperschaften in Deutschland (IDZ, 2015)
www.patientenberatung-der-zahnaerzte.de
Patientenbeauftragter, Zweitmeinung
Zweitmeinung - zeitgemäß und sinnvoll (zm, 2015)
http://www.unabhaengige-patientenberatung.de
Bund für soziales und ziviles Rechtsbewußtsein e.V. (BSZ e.V.): „Patientenschutz- und Patientenrechte“
Patientenberatung stößt weiter auf Kritik (2016)

Patientenquittung
engl.: etwa patient's receipt; Schlagwortbezeichnung im Zusammenhang mit der Behandlung Gesetzlich Versicherter. Die Patientenquittung soll nach den Vorstellungen des Gesetzgebers für mehr Kostentransparenz sorgen und das Abrechnungsgebaren von (Zahn-)Ärzten kontrollieren helfen. Allerdings: Solange eine Budgetierung besteht, kann dem Patienten nichts Definitives zu den Kosten mitgeteilt werden, da die tatsächliche Abrechnung nicht zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme bekannt ist - lediglich die Nennung der BEMA-Punkte ist möglich, nicht aber deren Wert. In der Praxis bisher (2009) ohne wesentliche Inanspruchnahme.
Das GMG sagt zur P. aus:
Versicherte können ab 01.01.2004 vom Vertragsarzt (zugelassene Ärzte und Zahnärzte, ermächtigte Ärzte und ermächtigte ärztlich geleitete Einrichtungen, medizinische Versorgungszentren) und Krankenhäusern eine schriftliche, in verständlicher Form abgefasste Aufstellung über die erbrachten Leistungen und deren vorläufige Kosten verlangen (sog. Patientenquittung, § 305 Abs. 2 SGB V). Dies hat direkt im Anschluss an die Behandlung, mindestens Quartalsweise spätestens vier Wochen nach Ablauf des Quartals zu erfolgen. Für die Krankenhäuser gilt dies entsprechend, allerdings innerhalb von vier Wochen nach Abschluss der Krankenhausbehandlung. Der Versicherte hat hierfür eine Aufwandspauschale von EUR 1,-- zuzüglich Versandkosten zu zahlen. Wenn dennoch Fragen auftreten, können die Patienten ihren Arzt ansprechen oder eine kostenlose KV-Hotline anrufen. Bei Zweifeln an der Richtigkeit der Quittung prüfe die Kassenärztliche Vereinigung (KV) diese auf ihre Korrektheit.
Chip-Karte, Gesetzliche Krankenversicherung, Kostenerstattung, Sachleistung

Patientenrechtegesetz
(PatRG)
, engl.: Patient Rights Act; 2013 in Kraft getretenes Gesetz, welches überwiegend bisher entwickelte richterliche Grundsätze des Arzthaftungs- und Behandlungsrecht in den neu geschaffenen §§ 630a – 630h BGB kodifiziert (Rechte von Patienten werden transparenter, der Aufklärung kommt eine zentrale Bedeutung zu), sowie eine patientenfreundliche Änderung in Teilen des Sozialgesetzbuches (SGB V) beinhaltet. Wegen einer neu geschaffenen Beweislastumkehr bei groben fachlichen Verstößen (schwere Behandlungsfehler wie z.B. Hygienemängel, erhebliche Organisationsfehler) kommt einer lückenlosen Dokumentation eine noch größere Bedeutung zu.

Rechtsanwältin Martina Winkhart-Martis legt diese Änderungen ausführlich dar und nimmt besonders zu folgenden Kernpunkten Stellung:
1. Der Behandlungsvertrag als Dienstvertrag
2. Informationspflichten
3. Aufklärung und Einwilligung
4. Dokumentation
5. Einsichtnahme in die Patientenakte
6. Beweislastumkehr und Beweiserleichterungen
7. Änderungen im 5. Buch des Sozialgesetzbuches (SGB V)
 Zur Bedeutung des Patientenrechtegesetzes - Die dritte Instanz (zm, 2014)
 Kommentar der LZK-BW
 ZPW-Online
 Patientenrechtegesetz – Alles wird Neu und bleibt doch beim Alten
 Das müssen Ärzte nun beachten
Praxisbroschüre "Patientenrechtegesetz"

Patientenrechterichtlinie
vormals „Gesundheitsdienstleistungsrichtlinie“; vom EU-Parlament 2009 eingebrachte Richtlinie zur Behandlung von Erkrankungen und deren Kostenerstattung bei EU-Bürgern in einem außerhalb des Heimatlandes liegenden EU-Landes. Intention dieser parlarmentarischen Initiative ist die Verstärkung der grenzüberschreitenden Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen innerhalb der Europäischen Union, z. B. durch eine europaweite Sicherstellung der Kostenerstattung für Patienten und die freie Wahl der Gesundheitsdienstleister im europäischen Gesundheitsmarkt. Danach unterliegt künftig der Patient dem Recht des Landes, in dem er behandelt wird (sog. Behandlungsmitgliedstaatsprinzip). Zu den wichtigsten Neuerungen gehört, dass Patienten im Grundsatz künftig ambulante und auch stationäre Leistungen im EU-Ausland ohne vorherige Genehmigung ihrer Krankenkasse in Höhe der Inlandssätze erstattet bekommen sollen. Die Mitgliedstaaten können aber von den Patienten verlangen, sich eine Vorabgenehmigung für die Rückerstattung der Kosten von Krankenhausleistungen und Spezialbehandlungen einzuholen.
Behandlung im EU-Ausland
Bund für soziales und ziviles Rechtsbewußtsein e.V. (BSZ e.V.): „Patientenschutz- und Patientenrechte“

Patientensicherheit
"Abwesenheit unerwünschter Ereignisse", engl.: patient safety; "... Gesamtheit aller Maßnahmen in Klinik und Praxis, die darauf gerichtet sind, Patienten vor vermeidbaren Fehlern und Schäden in Zusammenhang mit der Heilbehandlung zu bewahren. Vor diesem Hintergrund findet sich verschiedentlich auch eine zweite, besonders kurzgefasste und pointierte Definition von Patientensicherheit als „Abwesenheit unerwünschter Ereignisse“ [Groß, 2012]."  aus zm Nr.3/2014 (hier ausführliche Darstellung)
Behandlungsfehler, Komplikationen

Patientenunterlagen ; engl.: patient records, medical data; Dokumentation

Patrize
Geschiebeteil
, Verbindungselemente-Teil, engl.: male part (of attachment); der Teil eines Geschiebes, welcher erhaben ist und in eine entsprechende Hohlform (Matrize) passt; meist am herausnehmbaren Teil des Zahnersatzes befindlich.
AP-Geschiebe, Geschiebe, Verbindungselement

Pauschalhonorar , engl.: flat-rate fee, overall fee; GOZ

Pay-for-Performance , Managed care

Pb = Prämolarenbreite

PBE
Abk. von Proximal Box Elevation, approximale Kastenelevationstechnik (Kavitätenboden jenseits der Schmelz-Zement-Grenze); minimalinvasiver Behandlungsansatz mittels direkter Kompositrestauration für die Wiederherstellung von tiefen Defekten im proximalen Bereich. Da die adhäsive Befestigung der Füllung nur zum Teil im Schmelz liegt, ist mit einer verstärkten Randspaltbildung zu rechnen. Keine klinischen Langzeiterfahrungen (2014). 
Dissertation (2011)

PBI , Papillenblutungsindex

PCCS-System
Abk. von Platelet Concentrate Collection System; neue Technik in der Implantologie und bei der Erneuerung von körpereigenem Knochen, basierend auf der PRP- Methode; PRP, P.R.G.F - System

PCP-Sonde
engl.: color-calibrated periodontal probe; farbcodierte parodontologische Mess-Sonde; mittels farbiger Markierungen kann die Taschentiefe leichter bestimmt werden. Die farbcodierten Millimeterangaben entsprechen den Farben einer Verkehrsampel: grün - gelb - rot.

PCR
mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Polymerase-Ketten-Reaktion, vom engl.: polymerase chain reaction, Methode zum Nachweis von sog. Markerkeimen. PCR ist eine molekularbiologische Untersuchungsmethode, bei der kleinste DNA-Mengen aus einer oder mehreren Zahnfleischtaschen durch Vervielfältigung nachgewiesen werden. Dabei multipliziert ein spezielles Enzym (Taq-Polymerase) die artspezifischen Genfragmente der gesuchten Parodontitiserreger, die so genannten Zielsequenzen. Für jede Zielsequenz werden 2 spezifische Primer, kurze DNA-Fragmente, verwendet. Zusätzlich zur Bestimmung der Art und Anzahl der Zahnfleischerkrankungen auslösenden Keime lässt sich die Gesamtkeimzahl der entnommenen Probe ermitteln. Diese Bestimmung erlaubt eine Einschätzung der mikrobiologischen Gesamtbelastung in der Zahnfleischtasche und dient so als Entscheidungshilfe für die Therapieplanung und zur Wahl geeigneter Antibiotika.
Der neu entwickelte (2003) Test "meridol Paro Diagnostik" verwendet erstmals in der zahnmedizinischen Diagnostik die neue Real-Time-PCR-Technologie. Ein Verfahren, bei dem zusätzlich ein weiteres spezies-spezifisches DNA-Fragment (TaqMan-Sonde) eingesetzt wird. Während der Vervielfältigung der Zielsequenz wird dieses Fragment abgespalten und zerstört. Zugleich wird ein Fluoreszenzsignal freigesetzt, das durch automatische Laserdetektion online gemessen und direkt aufgezeichnet wird. Die Intensität des Fluoreszenzsignals ist ein Maß für die Menge des gebildeten Produktes und direkt proportional zur Ausgangsmenge des gesuchten Erregers in den Patientenproben. Das Verfahren reagiert auf die 6 Markerkeime Actinobacillus actinomycetemcomitans, Porphyromonas gingivalis, Tannerella forsythensis, Treponema denticola, Fusobacterium nucleatum ssp., Prevotella intermedia.
Antibiotika bei Zahnfleischerkrankungen, bakteriologische Identifizierungssysteme, Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, Markerkeime
http://www.hain-lifescience.de/

PCR-Wert (Abk. von Pellicle Cleaning Ratio); RDA-Wert

PDA, PDT , aPDT
(antimikrobielle) photodynamische Therapie, photoaktivierte Desinfektion (PDA), auch: photodynamisch-aktivierte antibakterielle Therapie (PACT), engl.: PhotoDynamic Therapy; lichtinduzierte Inaktivierung von Zellen, Mikroorganismen oder Molekülen. Junges Verfahren, dass in der Lage sein kann, u.a. entsprechend abgeschirmte Zahnflächen im Mund bis hin zur Sterilität zu desinfizieren. Das Prinzip beruht auf der Tatsache, dass Bakterien dann abgetötet werden können, wenn sie vorher eine gewisse Zeit einer photosensiblen Flüssigkeit ausgesetzt wurden und anschließend mit einem Licht bestimmter Wellenlänge ( (Soft-)Laser) bestrahlt werden. Die antibakterielle Wirkung einer photodynamischen Therapie auf Zahnplaque-Biofilme ist dagegen nur gering.
Im Gegensatz zu bisher bekannten Laser-Methoden tritt bei diesem Verfahren nur eine sehr geringe Hitzeentwicklung auf. Allein entfaltet weder die Flüssigkeit, noch der Laser eine bakterizide Wirkung. Bei der Desinfektion von Zahnoberflächen kommt nach heutigem Stand (2010) z.B. ein Softlaser mit einer Wellenlänge von ~ λ = 633-635 nm über 60 Sek. zum Einsatz, der auf die zuvor mit Toloniumchlorid (12,7 µg/ml/60s) behandelten Zahnflächen gerichtet ist. Mit Hilfe des an die Bakterienmembran gebundenen Photosensitizers "Phenothiazinchlorid" wird atomarer Sauerstoff frei gesetzt, welcher Bakterien um zwei bis drei 10er-Potenzen reduziert. Als Nebenwirkung wird eine temporäre Blauverfärbung der bestrahlten Strukturen angegeben.
Dokumentiert sind bisher (2009) Anwendungen auf durch Kariesbakterien infiziertes Dentin, Wurzelkanaldesinfektionen, parodontale Eingriffe (siehe Abb.) und die Unterstützung bei einer Periimplantitis-Behandlung.

     
Auf dem deutschen Markt ist z.B. ein kleines Gerät (PACT
cumdente) mit vielfältiger Indikationsstellung (bei Kariesentfernung, Wurzelkanalbehandlung, PA-Therapie) : http://www.cumdentepact.com/
Bisherige chem. Techniken (Carisolv, Wasserstoffperoxid, Natriumhyperchlorid usw.) könnten dadurch abgelöst werden, ersetzen aber keinesfalls ein vorheriges konventionelles Präparieren mit entsprechenden Instrumenten. Größere Praxiserfahrungen des 2004 in D eingeführten Systems (Fa. HELBO, Grieskirchen, A) liegen bisher (2009) nicht vor.
PDT im Rahmen der "Photodynamischen Diagnostik" mittels 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) stellt eine viel versprechende Option auch bei der Erkennung und Behandlung von Tumoren der Mundhöhle dar, ist aber wegen des hohen Zeitaufwandes (noch, 2008) nicht Screening-tauglich.

Ein bekanntes Einsatzgebiet von PDT ist die Augenheilkunde: Bei der photodynamischen Therapie wird das Medikament Verteporfin durch Laserlicht bestimmter Wellenlänge am zentralen Augenhintergrund aktiviert, um so krankhafte Gefäßneubildungen zu zerstören und einer weiteren Verschlechterung der Sehfähigkeit entgegen zu wirken.
Auch bei Karzinomen im Frühstadium erzielte PDT Erfolge. Besonders geeignet sind dafür oberflächlich gelegene Tumore, da der Laserstrahl nur etwa einen halben Zentimeter in die Tiefe eindringt. Nebenwirkungen reichen von Schmerzen bis zur Rötung der bestrahlten Hautabschnitte. Auch die Sensitivität gegenüber direkter Sonneneinstrahlung ist erhöht. Die Betroffenen müssen etwa sechs Wochen nach der Therapie das Sonnenlicht meiden. Bevor die eigentliche Lasertherapie beginnt, wird dem Patienten intravenös ein lichtsensibler Wirkstoff injiziert. Dieser passiert die gesunden Zellen und reichert sich in den kanzerösen sowie präkanzerösen Zellen an. Zwei bis drei Tage nach Injektion werden die betroffenen Stellen mit Laserlicht bestrahlt. Dabei bilden sich Sauerstoffradikale, die den Zelltod herbeiführen. Zur Durchführung des Eingriffs, der etwa neun Minuten dauert, erhalten die Patienten eine Anästhesie.
APT, Desinfektion,
Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, Präkanzerose, Sterilisation, Strahlentherapie
http://www.helbo.de/
http://www.zwp-online.info/fachgebiete/

PDI , Periodontal-Disease-Index (nach Ramfjord), parodontale Indices

PDT, aPDT, PDA

Pederson Skala
engl.: Pederson scale; "Einschätzungsskala" über zu erwartende Schwierigkeiten ( Parant Skala) bei der Entfernung unterer Weisheitszähne aufgrund eines Röntgenbildes. Dabei wird die Lage des Zahnes, die relative Tiefe im Knochen und die Relation zum aufsteigenden Ast mit einem Punktsystem bewertet. Anhand der Summe kann zwischen den Klassifikationen leicht, mittel und schwer entfernbar unterschieden werden. Die Aussagekraft der P. S. ist umstritten.
Pell-Gregory Klassifikation


Peeso Krone
historischer Vorläufer der heute gängigen Teleskopkrone nach dem amerik. Zahnarzt Frederic Peeso (1853 - 1929). Da zu dieser Zeit noch keine Gusskronen üblich waren, bestanden Innen- und Außenteleskop aus zwei aufeinander passend gearbeiteten Bandkronen ("Ring-Deckel-Kronen")

Pelikan
engl.: pelican; eines der ältesten "Kralleninstrumente" zur Entfernung von tief zerstörten Zähnen oder Wurzelresten. Obwohl er in sehr unterschiedlichen Formen vorliegt, geht sein Name auf die Ähnlichkeit der Extraktionsklaue mit dem Schnabel des Vogels gleichen Namens zurück. Der P. wurde benutzt, um einen Zahn seitwärts mit großer Kraft zu entfernen. Dabei verkrallte sich die Klaue am Zahn, eine Abstützung erfolgte am Kieferknochen. Bei unsachgemäßer Anwendung waren Kieferbrüche oder eine Abriss von Kieferknochen nicht selten.
Im Verlauf des 19. Jhds wurde der P. bedeutungslos; er besitzt heute nur noch einen bedeutenden Sammlerwert.
Arbeitskreis Geschichte der Zahnheilkunde, Extraktion, Hebel, Zahnschlüssel
http://www.zene-artzney.de/, http://www.kulturgut.info/mufue/m49/pics.html

Pellet , engl. für Kügelchen: meist im Zusammenhang mit kleinen "Wattekügelchen" zur Reinigung von Kavitäten gebraucht

Pell-Gregory Klassifikation
engl.: Pell-Gregory classification, "difficulty prediction scales" ; Einteilung von im Mund/Kiefer befindlichen Weisheitszähne vor deren Entfernung hinsichtlich zu erwartender Schwierigkeiten/Komplikationen vor deren Entfernung; aufgestellt 1933. Es existieren 2 Skalen: Werte von A-C beziehen sich auf die Lage der Kaufläche zur Okklusionsebene; Skala 1-3 auf die Lage des gesamten Zahnes im Kiefer (aufsteigender Ast). Der Aussagewert dieser Einteilung ist wissenschaftlich umstritten.
Pederson Skala

Pellicle
Pellikel, Pellicula, engl.: pellicle; sog. "erworbenes Schmelzoberhäutchen". Ca. 1µ starkes Häutchen aus organischen Bestandteilen auf der Zahnkrone ("erworben" deshalb, weil es zu dem während des Zahnbildungsprozesses bestehendem primären Schmelzoberhäutchen keine Verbindung hat). Sie stellt eine gewissen Schutzfunktion für den Zahn ("vom Speichel gebildeter Bioschutzfilm") dar. So ist die P. ein Schutz vor Säureangriffen auf den Zahn und ein Reservoir für speichelbedingte Reparaturfunktionen. Durch zu starkes Zähneputzen oder Zufuhr von Säuren (vornehmlich aus der Nahrung) wird dieses Häutchen rasch zerstört. Bei einer Produktion von zuwenig Speichel (Xerostomie) bildet sich nur eine unvollständige P.. Besonders empfindlich reagieren freiliegende Zahnhälse auf ein Fehlen der P., da ohne diesen schützenden Film die Dentinkanälchen offen liegen und die sich in ihnen befindlichen feinen Nervenendigungen des Zahnnervs chemischen und thermischen Einflüssen schutzlos ausgeliefert sind.
Eine (eher negative) Eigenschaft der P. ist die Tatsache, dass Bakterien darauf einen guten Nährboden finden; ebenso ist der P. durch Einlagerung von Farbstoffen für viele extrinsische Zahnverfärbungen verantwortlich.
PCR-Wert, Plaque, Schmelzoberhäutchen

Pelotte
franz.: pelote = Knäuel; in der ZHK von 2-facher Bedeutung:
1.) Schutzschild an herausnehmbaren kieferorthopädischen Geräten (Aktive Platte, Aktivator), um störende Einflüsse der Lippe/Wange abzufangen. Abb. re
2.) eine Art Zahnfleischklammer aus Kunststoff an Teilprothesen, welche unter Wölbungen des Alveolarfortsatzes greift.


Pemphigus
Blasenausschlag, Pemphix: griech. = Blase, engl.: do.; Sammelbezeichnung für eine sehr seltene (~ 2:1.000.000) (Schleim-)Hauterkrankungen mit Blasenbildung bei meist unbekannter Ursache, eine Veranlagung zu dieser Erkrankung ist wahrscheinlich vererbbar; Auftreten bevorzugt zwischen dem 40. u. 70. Lebensjahr. Sie wird in den Formenkreis der Autoimmunerkrankungen eingeordnet und beginnt - bei jahrelangem Fortbestehen - häufig im Mund ( Gingivitis desquamativa). Dabei Erschwerung bis hin zur Unmöglichkeit bei der Nahrungsaufnahme und sekundäre bakterielle Entzündung der Bläschen. Therapie mittels Cortison oder Immunglobulinen.
Beim Pemphigus vulgaris richtet sich die Autoimmunreaktion gegen Zellstrukturen (Desmoglein III auf Keratinozyten) in der obersten Hautschicht (Epidermis). Der normalerweise feste Verbund der Zellen in der Epidermis untereinander wird gelöst (Akantholyse). Sie wird leicht zerreißbar. Es können sich dabei Blasen ( Nikolski Phänomen).
In der Schwangerschaft können Antikörper auf das Ungeborene übertragen werden, so dass dieses ebenfalls erkrankt.
"Die von Tzanck (1947) beschriebene akantholytische Pemphiguszelle (Tzanck-Zelle) ist typisch (aber nicht spezifisch) für den Pemphigus vulgaris. Im Ausstrichpräparat finden sich charakteristische, plaqueförmig gruppierte, rundlich aufgeblähte, akantholytische Epithelzellen mit Degenerationszeichen wie basophilem, strukturlosem Kern, perinukleärer Plasmaaufhellung, die sich deutlich von dem peripheren basophilen Zytoplasma abhebt, und wenigen oder vollständig fehlenden interzellulären Verbindungen. Der Nachweis von Tzanck-Zellen kann histologische, immunhistologische und immunologische Untersuchungen nicht ersetzen." nach Labor Prof. Seelig
  http://de.wikipedia.org/wiki/Pemphigus_vulgaris







Bilder unten:
Versch. Ausprägungen eines
P. vulgaris der Zunge

Penicillin
Penizillin, klassisches Antibiotikum, Betalaktamantibiotikum, engl.: do.; 1942 Einführung in die Medizin, heute therapeutisch in versch. Formen (Derivate) vorliegend. Wurde früher in der ZHK meist die sog. Schmalspektrum-Oral-Penicilline wie Penicillin V (z.B. Isocillin™) oder Propicillin (z.B. Baycillin™) eingesetzt, treten heute aus Gründen der Resistenz Breispektrumantibiotika - wie die Aminopenicilline (Ampicillin, typischer Vertreter: Binotal™) oder Amoxicillin (typischer Vertreter: Amoxypen™, Clamoxyl™) in den Vordergrund. Zur empfohlenen Anwendung/Dosierung siehe unter Antibiotika; zur Antibiotikaprophylaxe Endokarditisprophylaxe
Seit der Entdeckung des P. durch Alexander Fleming im Jahr 1928 wurde eine Vielzahl weiterer Antibiotika entdeckt. Dabei sind Naturstoffe aus Mikroorganismen die wichtigste Quelle für die therapeutische Anwendung am Menschen. 
Allen P.-Derivaten ist gemeinsam:
bakterizide Wirkung durch Veränderung (Destruktion) der Bakterienzellwand
Wirkung besonders auf Gram-positive Keime
rascher Wirkungseintritt bei guter Verteilung im gesamten Körper
geringe Giftigkeit (Toxizität), deshalb breiter Dosierungsspielraum
Empfindlich gegen die von Bakterien gebildete Penicillinase.
relativ langsame Resistenz-Entwicklung
Nebenwirkung: Penicillinallergie; so wird für Penicillin V eine Inzidenz von 4,3 % angegeben, allerdings sind schwere Verlaufsformen selten. Untersuchungen aus dem Jahr 2004 geben ein neues Bild zur Penicillinallergie: Wer einmal überempfindlich auf P. reagiert, verträgt das Antibiotikum bei einer späteren, erneuten Einnahme meist gut. Eine Penicillinallergie ist damit weit seltener als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Ärzten aus den USA. Es wurden Daten von 6.000 Patienten analysiert, die bereits einmal mit allergischen Symptomen auf eine P.-Therapie reagiert hatten. 48 Prozent der Patienten erhielten bei einer später auftretenden Infektionskrankheit erneut P.. Nur bei zwei Prozent traten dabei allergische Reaktionen auf.
in bis zu 15 % der Verordnungen Auftreten eines masernartigen Exanthems auf der Haut
Wechselwirkungen (Interaktionen) mit anderen Medikamenten (z.B. Acetylsalicylsäure, Marcumar, best. Kontrazeptiva ("Pille").
Aerob-anaerobe Mischinfektionen sind die häufigste Ursache odontogener Infektionen, allerdings steigt die Zahl reiner anaerober Entzündungen an, worauf jüngere Studienergebnisse hindeuten. Die Resistenzrate gegenüber P. ist dabei eher niedrig, Ausnahme stellen anaerobe gramnegative Erreger dar.
Das klassische Antibiotikum P. erweist sich wegen einer weltweit zu beobachteten Resistenz zunehmend als wirkungslos. Schätzungen gehen davon aus, dass bei Infektionen im Kiefer-Gesichts-Bereich nur noch 44% der festgestellten Keime auf die klassischen P. ansprechen. Hauptgründe für eine Resistenz sind ungenügende Dosierung und Medizin-fremde Verwendung (z.B. Futtermittel).
In 2005 wurde bekannt, dass Amoxicillin - Kleinkindern verabreicht - vielleicht zu einer Schädigung des Zahnschmelzes im Sinne einer Fluorose führen kann ( http://www.medpagetoday.com/Pediatrics/GeneralPediatrics/tb/1862)
Antibiotika, Antibiotikaprophylaxe, Clindamycin, MHK, Resistenz
http://www.infektionsnetz.at/TabelleEinteilungAntibiotika.phtml

perakut
engl.: peracute; Bez. für eine Erkrankung, welche durch einen besonders heftigen Beginn und auch Verlauf gekennzeichnet ist (z.B. Herzinfarkt). akut, subakut

Perforation
Durchlöcherung, Durchbohrung, engl.: do.; bei der zahnärztlichen Behandlung hauptsächlich auftretend im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung via falsa oder bei chirurgischen Eingriffen mit Bezug zur Kieferhöhle ( Antrumperforation)
Trauma

Perfusion
Durchströmung, Umspülung, engl.: do.; z.B. mit einer Nährlösung oder Antibiotika. Im weiteren Sinne auch für "Durchblutung" in geschlossenen Höhlen gebraucht.

Pergamentknistern
Pergamentknittern, auch: Schneeballknirschen, engl.: parchment crackling, "snowball crunching"; Beschreibung eines Geräusches, welches durch Palpation an sehr dünnen Knochenstrukturen entsteht. Typisches Zeichen für eine größere Kieferzyste bzw. eines Emphysems, so wie es z.B. beim Einblasen von Luft oder extensiven Spülungen des aufbereitenden Wurzelkanals mit Wasserstoffperoxid entstehen kann.

peri ; Vorsilbe mit der Bedeutung "um etwas herum"; z.B. periapikal = um eine Wurzelspitze herum (befindlich, gelegen)

periapikal
periapical, Periapex; engl.: do.; Lage-, Gebietsbezeichnung für "die Wurzelspitze umgebend", "um die Wurzelspitze herum". Dieses Gebiet besteht aus dem Ligament, Wurzelzement und Alveolarknochen.

periapikale Läsionen
engl.: periapical lesion; Oberbegriff für knochenauflösende Veränderungen "um die Wurzelspitze herum"; i.d.R. zuerst als radiologische Transluzenzen erkennbar. Hierzu gehören apicale Parodontitiden ( Granulom), radikuläre Zysten und osteolytische Tumore
PRI Index

Periimplantitis
Peri-Implantitis, Implantatentzündung, engl.: do.;  Bezeichnung für krankhafte Veränderungen des Implantat-umgebenden Gewebes, mit Unterteilung in:
  • periimplantäre Mukositis bei Vorliegen einer Entzündung des Weichgewebes um das Implantat herum, welche i.d.R. reversibel ist
  • Periimplantitis marginalis bei zusätzlich vorhandenem und fortschreitendem Knochenabbau, welche i.d.R. nicht reversibel und durch chirurgische Interventionen nur bedingt zu beherrschen ist
  • retrograde Periimplantitis bedingt durch verbliebenes Narben- und Granulationsgewebe an der Empfängerstelle (Implantatbett). Diese seltene Komplikation ist i.d.R. gut durch eine Kürettage des betroffenen Gebietes (evtl. unter zusätzl. Verwendung von Knochenersatzmaterialien) zu beherrschen
  • behandlungsbedürftige Entzündungen des umgebenden Gewebes wurden nach einem Bericht des "Tübinger Implantatregisters" (2010) bei 20 Prozent der Implantate festgestellt.

Die Fortschritte in der Entwicklung enossaler Implantate haben lange Überlebenszeiten der Implantatversorgungen möglich gemacht. Dennoch führen entzündliche Veränderung des umgebenden Gewebes und Knochenabbau bei der marginalen P. zum Verlust dieser künstlichen Zahnwurzeln. Unbehandelt führt die P. zum Verlust des Implantats; die dadurch entstandenen Knochendefekte (manchmal erheblich) machen eine Neu-Implantation ohne knochenaufbauende Maßnahmen ( Augmentation) meist unmöglich.
Zu den auslösenden Faktoren (Ätiologie) bestehen noch Unsicherheiten. Die P. wird als ein multifaktorielles Geschehen angesehen, wobei neben bakteriellen Infektionen bei verminderter Abwehrlage und unzureichender Implantatpflege, vor allem biomechanische Faktoren bei ungünstigen Knochenverhältnissen ("Implantatbett"), ungünstiger (statischer) Anzahl und Platzierung, schlechter Passung der Suprakonstruktion und Parafunktionen als Ursachen angesehen werden.
Als zusätzliche Risikofaktoren einer P. gelten eine bestehende bzw. nicht kontrollierte Parodontitis, Nikotingenuss, nicht eingestellter Diabetes, Fehlen von befestigter Gingiva und mangelnde Mundhygiene.
Das wichtigste Ziel bei der Behandlung einer P. ist die Beseitigung der Erreger, welche die Oberfläche des Implantats und umliegende Gewebe besiedelt haben. Hierzu werden meist mechanisches Debridement und antiseptische Maßnahmen (Spülungen, lokale Chemotherapeutika) eingesetzt. Ebenso werden CO2- oder Er:YAG-Laser, welche aufgrund der spezifischen Wellenlänge das Implantat nur geringfügig erhitzen, oder UV-Strahlung mit einer Intensität von 49 µW cm-2 zur Stimulation der Implantatoberfläche angewendet.
Untersuchungen zeigen, dass die Applikation von Doxycyclin in Form resorbierbarer Depot-Präparate (z.B. Atridox®) zusätzlich zu einer lokalen Debridment-Entfernung bei einer P. einen verbesserten Attachmentlevel und geringere Sondierungstiefen der betroffenen Gewebe bewirkt. Gleichwohl sind die Erfolge bei der Behandlung der P. als nicht befriedigend anzusehen.
Explantation, Implantat, Implantatprophylaxe, Implantatverlust, Mukositis, Osseointegration, Peripilastrium, Tübinger Implantatregister, Vector
Neue S3-Leitlinie der AWMF - Behandlung periimplantärer Infektionen (zm, 2016)
Leitlinienempfehlungen zur Periimplantitisbehandlung - So sollten Sie therapieren (zm, 2016)
Entstehung und Progression periimplantärer Erkrankungen (ZWP, 2015)
Periimplantäre Erkrankungen: Diagnose, Behandlung und Prävention (2013)
Periimplantäre Infektionen - Eine neue Herausforderung für die Zahnarztpraxis
Periimplantäre Läsionen – Entstehung und Therapieoptionen („Spätkomplikationen“ an Implantaten)
Behandlung der P.: keine gesicherten Erkenntnisse bezüglich der wirksamsten Maßnahmen

 



P. mit Eiteraustritt




ausgeprägte
P. bei einem ungepflegten Gebisszustand



2 Implantate mit sequestiertem Kieferknochen

Perikoronitis , Pericoronitis; Dentitio difficilis

Perikymatien , Preiswerk Linien, engl.: perikymata; Imbrikationslinien

perimandibulär
um den Unterkiefer herum, engl.: perimandibular; In der ZHK hauptsächlich bei der Bezeichnung von einem perimandibulären Abszess gebraucht: Dieser liegt um den Unterkieferrand herum, der knöcherne Rand ist nicht tastbar. Neben einem reduzierten Allgemeinzustand sind Fieber, eine ausgeprägte Schwellung und Kieferklemme mit Schluckbeschwerden das prägende Krankheitsbild. Ursachen sind entzündliche apicale oder parodontale Erkrankungen ( Dentitio, Granulom, Parodontitis).
Neben der Beseitigung des Krankheitsherdes, Inzision und antibiotischer Abschirmung ist u.U. eine extraorale Inzision und Einlage einer Drainage zur Behandlung erforderlich.

Periochip ™
Chlorhexidin-Chip; kleiner rechteckiger und an einer Seite abgerundeter resorbierbarer Medikamententräger für die Platzierung in Zahnfleischtaschen. P. enthält 2,5 mg Chlorhexidinbis (D-gluconat) in einer biologisch abbaubaren Matrix aus hydrolysierter Gelatine. Diese Gelatine-Matrix ist mit Glutaraldehyd unter Einschluss von Glyzerin und gereinigtem Wasser vernetzt. Die Abmessungen des P. betragen 4 mm x 5 mm x 0,35 mm. Chlorhexidin, der wirksame Bestandteil des P., liegt als Bisbiguanidin vor und wirkt als kationisches Detergens.
Das sich nach 7-10 Tagen vollständig auflösende Präparat soll nach Herstellerangaben eine Keimfreiheit der Zahnfleischtasche bis zu 11 Wochen gewährleisten.
Chlorhexidin, lokale Antibiotikazufuhr
http://periochip.com/ 
Kleiner Chip mit großer Wirkung
Video


Periochip-Einbringung.
©: der Grafik:
Dexcel Pharma

PerioControl ™ ; "elektronische PA-Sonde"; elektronische, druckkontrollierte Parodontalsonde zur Zahnfleischtaschen-Tiefenmessung. http://www.prophy-ware.de/periocontrol.htm

Periodontal Disease Index
PDI
, engl.: do.; 1959 von Ramfjord vorgestellte Messzahl zur Bestimmung der Schwere einer Zahnbetterkrankung (Parodontitis). Dabei werden 6 definierte Zähne - sog. Ramfjord-Zähne - , dies sind die Zähne 16, 21, 24, 36, 41, 44 ( Zahnschema) ausgewählt und auf Entzündungen ( Gingivitis) wie auch eine Erkrankung des Zahnhalteapparates (Attachment-Verlust) untersucht. Zusätzlich kann der Index noch ein Vorkommen von Plaque und Zahnstein an diesen Zähnen darstellen:
Die versch. Ramfjord-Indices

PDI-Index 0 1 2 3
Gingivitis ohne moderate Entzündung;
nicht den ganze Zahn
betreffend
moderate bis schwere
Entzündung am
ganzen Zahn
schwere Erkrankung mit
deutlicher Rötung, erkennbarer
Schwellung, spontanen Blutungen, Ulzerationen
Zahnstein ohne supragingivaler
Zahnstein, der
höchstens 1mm in
die Zahnfleischtasche
ragt
moderater Befall sowohl supra- wie auch subgingival
oder subgingival allein
reichlicher Befall supra- wie auch subgingival
Plaque ohne Vorkommen an einzelnen
bukkalen, lingualen o. approximalen Zahnflächen
weniger als die Hälfte der bukkalen, lingualen o. approximalen Zahnflächen sind bedeckt mehr als die Hälfte der bukkalen, lingualen o. approximalen Zahnflächen sind bedeckt

Community Periodontal Index of Treatment Needs (CPITN), Russel Parodontalindex
www.tu-dresden.de/ , ©: TU-Dresden

Periodontitis
Begriff mit unterschiedlicher Bedeutung:
Wurzelhautentzündung mit parodontalen Folgeerscheinungen bis hin zu einer Parulis
andere (überholte) Bezeichnung für Parodontitis
eine Periodontitis luxurians bezeichnet Wurzelresorptionen, welche ohne erkennbaren Grund vom Zahnhalteapparat ausgehen

Periodontium ; im engl. Sprachgebrauch hauptsächlich verwendete Bezeichnung für die Wurzelhaut.

PerioGlas ®
resorbierbares, synthetisches Knochenersatzmaterial aus SiO2, CaO, Na2O, P2O5 auf Granulatbasis ("bioaktives Glas"). Zusätzlich werden dem P. eine Anregung der natürlichen Knochenneubildung und eine bakterienhemmende Wirkung zugeschrieben.
http://www.novabone.com/NB/perioglas.html 

Periodontometrie
Desmodontometrie, Messung der Zahnbeweglichkeit, engl.: tooth mobility test; in den 50er Jahren des letzten Jhds. von Mühlemann eingeführte Methode zur Messung einer statischen Zahnbeweglichkeit bei konstanter Kraft. Jeder gesunde Zahn hat aufgrund seiner "federnden Aufhängung" eine fühlbare Eigenbeweglichkeit von ca. 0,5 mm.
Heute auch Anwendung in der Implantologie
Auslenkung, Lockerungsgrad, Ostel mentor, Parodontitisdiagnose, Periotest, Resonanzfrequenzanalyse

Perio-Pack ®, Handelsname für einen gängigen Zahnfleischverband auf Zinkoxid-Eugenol-Basis; Peripac

Perioprophylaxe
Wortschöpfung aus dem Bereich der Ganzheitlichen Zahnmedizin; gemeint ist damit: "... eine Vernetzung mit anderen zahnärztlichen Fachgebieten, gekoppelt mit ganzheitlichen Auffassungen"

Perioprothetik
Perio-Prothetik; Schlagwortbezeichnung für prothetische Maßnahmen in einem parodontal geschädigtem Gebiss nach einer Parodontalbehandlung; so z.B. zur Stabilisierung parodontal vorgeschädigter Zähne mittels Zahnersatz. Auch gebraucht für provisorische prothetische Maßnahmen während einer Parodontalbehandlung.
Perio-Prothetik - Vor- und Nachteile möglicher Therapieoptionen (BZB; 2015)

PerioScan ®
2005 vorgestelltes, neuartiges Ultraschallgerät für "Diagnose und Therapie" (Herstellerangabe) von Konkrementen auf der Wurzeloberfläche. Sobald die Ultraschallspitze (30.000 Schwingungen pro Sekunde) bei der Behandlung in der Zahnfleischtasche auf Konkremente stößt, wird dieser Befund durch die Farbveränderung der integrierten Handstückbeleuchtung signalisiert, da spezielle Sensoren auf Grund des Schwingungsmusters zwischen Konkrementen und gesunder Wurzeloberfläche unterscheiden können. Zusätzlich wird die Farbveränderung des Lichtes auch noch optisch anhand einer farbigen Zahnillustration auf dem P.-Display angezeigt: grünes Licht bedeutet „gesunde Wurzeloberfläche“, blaues Licht signalisiert „Konkremente“. Zudem ertönt optional ein akustischer Signalton.
An der Entwicklung dieser auf der sog. "Fuzzy-Logik" beruhenden Technik waren die TU Clausthal und die Uni Greifswald beteiligt.
www.sirona.de ; http://idw-online.de/pages/de/news298553
Vector, Zahnstein

©: der Grafik:
www.sirona.de
 


Periost
Knochenhaut, Beinhaut, engl.: do.; als äußeres, den Knochen umkleidendes, stark durchblutete und mit Nerven versehene Gewebe, versorgt es große Teile davon mit Nährstoffen. Da im Inneren des Knochens selten spezifische Knochennerven und wenig Blutgefäße anzutreffen sind, bereiten z.B. eitrige Kieferknochenprozesse (Granulom) erst dann Schmerzen, wenn sie zum P. hin durchbrechen und dieses entzünden (= Periostitis)
Elevatorium, Grünholzfraktur, Kambium, Knochen, Mukoperiostlappen, Osteotomie, Periostschlitzung, Raspatorium
 

Periostar ® , motorgetriebenes Gerät zum Schleifen von Parodontalinstrumenten, wie Scalern und Küretten; Grafik

Periostat® , Doxycyclin, Kollagenase; http://www.sciencedirect.com/ , http://www.ncbi.nlm.nih.gov/ http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=periostat

Periostschlitzung
"Rehrmann-Lappen", engl.: periost-slitting; chirurgischer "Trick" zur Verlängerung eines Schleimhaut-Periost-Lappens: Während das Periost als straffe, wenig dehnbare Unterlage dieses Lappens eine Vergrößerung durch Zug kaum zulässt, verhält es sich mit der Mundschleimhaut gegenteilig. Es wird daher dieser Lappen an der Unterseite im Periost eingeschlitzt (nicht durchtrennt!); eine Vergrößerung durch Zug ist nun bis zu einem gewissen Grad möglich. Der derartig vergrößerte Lappen dient zur plastischen Deckung von Wunddefekten (große Extraktionswunden, Kieferhöhlenperforation usw.)
Mukoperiostlappen, Verschiebelappen

Periotest ®
Spitzname: "Tübinger Specht"; Gerät zum Messen der Festigkeit von Zähnen im Alveolarknochen ("dynamische Beweglichkeit"). Es werden kurze, dosierte Schläge auf die Zahnkrone abgegeben und deren Zurückweichen elektronisch registriert. Einsatz in der Parodontologie ( Zahnlockerung); hier reagiert das Gerät empfindlicher, als es mit röntgenologischen Methoden möglich ist. Weiter zur Überprüfung des Heilungserfolgs nach periradikulären Eingriffen (z.B. Wurzelspitzenresektion) oder als Vorhersaginstrument der Osseointegration anhand der gewonnenen Werte für die Einheilung eines Implantates angewandt.
Lockerungsgrad, Parodontitisdiagnose, Periodontometrie
http://www.med-gulden.com/

Periotom ; chirurgisches Instrument zur Trennung der Wurzelhaut (Sharpey'schen Fasern) vor einer gewebeschonenden Zahnextraktion

Peripac ® ; Eugenol-freier Zahnfleischverband, welcher unter Speichelzutritt aushärtet. Perio-Pack

Peripilastrium
engl.: do.; Weichgewebe, welches ein Implantat umgibt und bei idealer Einheilung des Implantates vom P. bewachsen o. durchwachsen wird. Eine Entzündung dieses Gewebes als Folge einer Infektion durch die Mundhöhle, wird in Anlehnung an die Erkrankung des Zahnhalteapparates eines eigenen Zahnes (= Parodontitis) mit Periimplantitis bezeichnet
Implantat, Knochenlager, Osseointegration

Peri-Probe ® ; elektronische, druckkontrollierte Parodontalsonde zur Zahnfleischtaschen-Tiefenmessung; PerioControl

periradikulär ; engl.: periradicular; die Zahnwurzel umgebend, um die Zahnwurzel herum.

Perkussion
engl.: percussion; Untersuchung durch Beklopfen der Körper- o. Zahnoberfläche und anschließender Deutung des Klopfschalls. In der ZHK in waagerechter und senkrechter Richtung angewandetes Abklopfen mit einem stumpfen Gegenstand (z.B. Handgriff einer Sonde, Perkussionstest"). Unterschiedliche Schallerlebnisse lassen Rückschlüsse über das Zahnbett zu, bzw. deuten Schmerzempfindungen auf entzündliche Prozesse (Parodontitis apicalis; Parodontitis marginalis) an der Zahnwurzel hin. Neben der Inspektion, Palpation, Sensibilitätsprobe, und radiologischer Untersuchung gehört die P. mit Auswertung des Klopfschalls und dabei evtl. auftretender Schmerzen zu den Grundlagen einer ausführlichen Untersuchung.
Konkussion, Palpation, Perkussionstest, Resonanzfrequenzanalyse

Perkussionstest
Perkussionsempfindlichkeit, Perkussionsschmerz, Perkussionsprobe, engl.: percussion test; diagnostisches Verfahren: Beklopfen (Perkussion) mit einem zahnärztlichen Instrument - gewöhnlich mit dem Handgriff einer Sonde.
Treten an einem im Wurzelbereich erkrankten Zahn Schmerzen oder andersartige Schallgeräusche als an den Nachbarzähnen auf, können Rückschlüsse über die Art einer etwaigen Erkrankung gezogen werden. Dabei spricht ein "heller" Klopfschall meist für einen gesunden, ein "dumpfer" Schall eher für einen erkrankten Zahn. Besonders klopfempfindlich sind Zähne mit einem (sub-)akuten Eiterherd an der Wurzelspitze oder von einer akuten Zahnfleischerkrankung befallene Zähne; gelegentlich lassen sich auch Rückschlüsse auf defekte Füllungen oder Risse im Zahn ziehen. Ist der P. in axialer Richtung (von oben auf die Zahnkrone) positiv, so deutet dies eher auf ein Geschehen an der Wurzelspitze hin, während Reaktionen auf horizontale Kräfte (Perkussion von der Seite her) meist auf eine Zahnbettentzündungen oder einen Bruch des Zahnes ( traumatische Zahnverletzungen) hindeuten. Zur weiteren Differenzierung kann noch eine Vitalitätsprüfung durchgeführt werden, welche beispielsweise bei Zahnbettentzündungen positiv, bei Geschehen an der Wurzelspitze negativ ausfällt.
Reagiert der Zahn schon auf eine Berührung (Palpation), so wird von einer Berührungsempfindlichkeit gesprochen.

perkutan
engl.: trough the skin; im Zusammenhang mit Injektionen von Medikamenten oder bei Punktionen gebrauchter Ausdruck: durch die Haut hindurch; im Gegensatz zu "subkutan" = direkt unter die Haut (in die der Haut folgende Bindegewebsschicht). Bei der Mundschleimhaut spricht man von permukös und submukös

Perlèche , Faulecke, Angulus infectiosus, engl.: do. or putrid corner; Rhagade

perlingual
engl.: do.; über die Zunge. Gemeint ist damit i.d.R. eine Medikamentenaufnahme direkt über die Zunge. Nicht zu verwechseln mit peroral, wo die Aufnahme auch über den Mund erfolgt, die Resorption aber im Verdauungstrakt stattfindet

permanent
dauernd, ständig, engl.: do.; z.B. gebraucht im Zusammenhang mit dem Gebiss oder Zähnen. Im Gegensatz zum Milchgebiss bezeichnet man das "bleibende Gebiss" auch als permanente Dentition (permanent dentition)

permukös ; perkutan

Permutatio dentium
seltene Platzvertauschung (topographische Lage) zweier Zähne: Anstelle des Eckzahns steht ein Prämolar und umgekehrt in der Zahnreihe.

perniziös ; bösartig, gefährlich, vernichtend

peroral , engl.: do. or trough the mouth; durch/über die Mundhöhle; perlingual

Peroxyd
Peroxid, "-Superoxyd" engl.: peroxide; Bezeichnung für chem. Verbindungen, welche unter Sauerstoffabspaltung zerfallen (sog. Oxidantien). Einsatz hauptsächlich zur Desinfektion oder als Bleichmittel. Hauptvertreter in der ZHK ist das Wasserstoffperoxid ("Wasserstoffsuperoxyd"). Eine ähnliche Wirkung wird durch Percarbonate und Perborate erzielt.

per primam , per secundam
Begriffe aus dem Gebiet der chirurgischen Wundheilung:
per primam (p. p.) auch: per primam intentionem: "Primärheilung"; direkte, glatte, komplikationslose Wundheilung (z.B. normales Abheilen von Extraktionswunden; nach chirurgischen Eingriffen durch exaktes Vernähen der Wundränder erreichbar),
per secundam (p. s.) auch: per secundam intentionem: "Sekundärheilung"; die Wunde heilt über die Bildung von Granulationsgewebe aus der Tiefe heraus.
Dehiszenz, Extraktion, Primärheilung, Wundheilung, Wundheilungsstörung

Persistenz
Beharrlichkeit
, Ausdauer, engl.: persistence; Bestehen bleiben eines Zustandes über einen längeren Zeitraum
Milchzahnpersistenz ("persistierender Milchzahn")

Personendosis
Äquivalentdosis, gemessen an einer für die Strahlenexposition repräsentativen Stelle der Körperoberfläche, engl.: personal dose, (bodily dose); Messgröße für strahlenexponierte Personen nach DIN 6814 (die an der Körperoberfläche gemessene Betastrahlung und niederenergetische Photonenstrahlung). Im Gegensatz zur Ortsdosis (Messung in der Luft) wird diese am Körper gemessen. Während Ortsdosismessgrößen geeignet sind, die zu erwartende Strahlenexposition zu ermitteln, haben Personendosismessgrößen den Zweck, diese Schätzung zu verifizieren. Messgröße ist die Äquivalentdosis (als Einheit für die Äquivalentdosis wird das Sievert, 1 Sv = 1 J/kg verwendet) HP(d) in d mm Tiefe an der Tragestelle des Personendosimeters.
Im Zusammenhang mit der P. taucht auch der Begriff "Effektive Dosis" auf. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Äquivalentdosis, welche ein Maß für die biologische Strahlenauswirkung ("stochastische Strahlenschädigung", "Strahlenrisiko"; Radioaktivität) beschreibt. Es hat sich eingebürgert, dass die effektive Dosis auch zur Beschreibung der Patientenexposition herangezogen wird. Daraus leitet sich dann das Gesamtrisiko der exponierten Person ab.
Im Gegensatz dazu bezieht sich der Begriff "Bildempfängerdosis" auf die Strahlenmenge, welche am Bildempfänger (z.B. Röntgenfilm) auftritt. Sie ist eine "technische Dosisgröße" und wird in der Einheit Gray (Gy) gemessen.
Dosimeter, Radioaktivität, Strahlenbelastung, Strahlenrisiko, Strahlenschutz
 


Perubalsam
engl.: Balsamum Peruvianum; Pflanzenextrakt, der aus den geschwelten Stämmen von Myroxylon balsamum gewonnen wird. Er besitzt antibakterielle und granulationsfördernde Eigenschaften; gehört zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien, die sich allerdings selten klinisch zeigen. In der ZHK gelegentlicher Einsatz als Beimischung zu Wurzelkanalfüllmaterialien. Eine Allergie konnte in dieser Anwendungsform bisher nicht nachgewiesen werden.
Wurzelkanalfüllung
http://de.wikipedia.org/wiki/Perubalsam

PET ; Positronen-Emissions-Tomographie

Petechien
Vielzahl von kleinen, punktförmigen Blutungen aus den Kapillaren in die Haut oder Schleimhäute (sog. "Einblutungen"). Sie erscheinen i.d.R. an solchen Körperstellen, die längere Zeit stark gedrückt wurden oder wenn eine Thrombopenie vorliegt.
http://www.ttp-world.at/bilder/petechien.gif

Petrik Sporn
engl.: Petrik spur; an einem Aktivator angebrachter kurzer Führungssporn aus festem Draht zur Bewegung einzelner Frontzähne

PEX-DMAE (Phenolic Epoxine Monomer DimethAcrylic Ester; cross-linkable polyethylene); Bisphenol A, Komposit

Pexie ; chirurgische Fixierung bzw. Anheftung mittels Naht eines Organs an anderen Körperstrukturen

Pfahlwurzel
engl.: tap root; Schlagwortbez. für Wurzeln von großen Backenzähnen (Molaren), bei welchen einzelne Wurzeln zu einer Hauptwurzel zusammengewachsen sind bzw. nur eine, stark ausgeprägte Wurzel besitzen. Dieses äußere Erscheinungsbild sagt nichts darüber aus, ob die betreffenden Zähne nur einen oder mehrere Wurzelkanäle aufweisen, P. sind besonders bei oberen Weisheitszähnen anzutreffen.
Zahnwurzel

Pfeilerzahn
Brückenpfeiler, Pfeilerkrone, Ankerzahn, Pfeiler, engl.: tooth abutment; einer der Zähne, an welchem ein (festsitzender) Zahnersatz befestigt ist, wobei der Begriff "Pfeilerkrone" für eine der prothetischen Kronen einer Brücke steht. Im weiteren Sinn auch für die Zähne in Zusammenhang mit einem herausnehmbaren Zahnersatz gebraucht, die eine Halte-/Stützfunktion ( Klammerzahn) für eine Teilprothese haben.
Von der Verankerung im Kiefer und der Zahngröße her spricht man auch von einer Pfeilerzahnwertigkeit (engl.: tooth abutment significance o. importance) der einzelnen Zähne (= anatomische Pfeilerwertigkeit). Diese sind in absteigender Reihenfolge die Zähne ( Zahnschema):
Oberkiefer:  6, 3, 7, 5, 4, 1, 2
Unterkiefer: 6, 7, 3, 5, 4, 1, 2
Ebenso spielt für die Wertigkeit auch das Kronen-Wurzelverhältnis eine bedeutende Rolle, das Verhältnis "Zahnanteil im Kieferknochen" zu "Zahnanteil ohne Kieferknochen" sollte nicht kleiner als 1 sein.
Weitere klinische Faktoren der Wertigkeit sind parodontaler Zustand, Vitalität, Zahnbeweglichkeit, Wurzelkonfiguration (Länge, Anzahl der Wurzeln), Okklusion, Kippungsgrad, Klopfschall und funktionelle Gegebenheiten.
Ankerelement, Brücke, erhaltungsfähig vs. erhaltungswürdigFestzuschüsse ab 2005, kombiniert festsitzende Versorgung, Krone, Modellguss
Special auf Zahnwissen.de
http://books.google.de/

Pfeilerzahnwertigkeit , Pfeilerwertigkeit; Pfeilerzahn

Pfeilklammer
Interdentalklammer
, Lanzenklammer, engl.: arrow-head clasp;  kieferorthopädische Klammerart, welche zum Halten eines herausnehmbaren Behandlungsapparates dient und durch ihre Lage die Okklusion nicht stört; diese pfeilförmig gebogene Klammer greift zum Halten in die Zahnzwischenräume. Wegen einer möglichen Schädigung der Interdentalpapille nicht als Dauerklammer geeignet. Der Biegevorgang erfolgt mit einer speziellen Zange (sog. Pfeilknickzange)

Pflugscharstellung
Schlagwortbez. für die Stellung der mittleren Schneidezähne bei einem Engstand (Angle-Klasse I). Die bleibenden Zähne brechen in der Stellung in die Mundhöhle durch, wie sie sich als Keime im Kiefer befinden.
Drehstand

Pfeilwinkel-Aufzeichnung, Pfeilwinkel-Registrat ; Registrat, Unterkiefergrenzbewegungen

PFRI , Plaquebildungsindex; Plaqueindex

pH
pH-Wert, Wasserstoffkraft, engl.: pH-factor; abgeleitet von dem französischen Ausdruck pouvoir hydrogène. Er wird als der negative, dekadische Logarithmus der Konzentration an H+-Ionen in einer Lösung definiert. Fügt man dem Wasser eine Säure hinzu, dann sind mehr H+-Ionen als Hydroxidionen OH- in der Lösung vorhanden. Je nach der Konzentration der Säure liegt die H+-Ionenkonzentration meist zwischen 10-6 und 0,10 mol pro Liter, entsprechend einem pH-Wert-Bereich von 6 bis 1. Wird dem Wasser eine Base zugegeben, dann ist die Konzentration an H+-Ionen geringer als die an OH--Ionen, und der pH-Wert liegt etwa zwischen 8 und 14. (Definition auszugsweise nach Microsoft Encarta 2003).


Der Delta-pH Sättigungsindex (eine der Messgrößen bei Trinkwasseruntersuchungen) definiert die Differenz des gemessenen pH-Werts zu dem bei der vorhandenen Härte und Hydrogencarbonatgehalt im Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht zu erwartendem pH-Wert, der berechnet oder über das Calcitlösevermögen (Marmorlöseversuch) experimentell bestimmt werden kann. Der Delta-pH eines Wassers im Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht ist dementsprechend gleich 0;  aggressives Wasser (kalkauflösend) ergibt negative Werte.
Nach der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) soll der pH-Wert nicht unter 6,5 und nicht über 9,5 (Grenzwerte) liegen.
Die kritische Grenze für die Kariesentstehung liegt für Schmelz bei pH 5,5–5,7 und Dentin pH 6,3–6,5 - Schmelz ist also widerstandsfähiger als Dentin.
Erosion, Karies, Plaque, Stephan-KurveSpeichel (pH-Wert), Speicheltest, Streptococcus mutans

Phantomkopf
Nachbildung eines menschlichen Kopfes einschließlich Mundhöhle und voll-bezahntem Kiefer zur praxisähnlichen Aus- und Weiterbildung von angehenden Zahnmedizinern, Zahntechnikern und Zahnarzthelferinnen in Universitäten, Schulen und Instituten.


Phantommetall, Sparlegierung; Legierung

Phantomschmerz
Deafferenzierungsschmerz, Amputationstäuschung, auch: atypische Odontalgie, engl.: ghost pain, phantom limb pain; Schmerzen (messerstichartige, elektrisierende Wahrnehmungen oder Kribbeln) in nicht mehr vorhandenen Körperorganen als Folge einer Durchtrennung von peripheren Nerven oder Nervenwurzeln, mit unklarer Entstehung: diskutiert wird ein Modell, wonach der den P. zeigende Zahn bei seinem früheren Vorhandensein schon starke Schmerzen verursacht hat, bevor er entfernt wurde. Dieses Schmerzmuster wurde dann im Gehirn nicht vollständig gelöscht. So soll z.B. bei Amputationen irgendwelcher Körperteile in Intubationsnarkose (ITN) zusätzlich eine Leitungsanästhesie gelegt werden, damit ein möglicher P. wesentlich geringer ausfällt.
Andere wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ein bestimmtes Molekül in den Nervenzellen des Rückenmarks, der sogenannte AMPA-Rezeptor, wesentlich zur Entwicklung chronischer Schmerzen durch Aktivierung des Schmerzgedächtnisses beiträgt.
Projektionsschmerz, Schmerz, Tinnitus

Pharmakologie
Arzneimittellehre, engl.: pharmacology; Lehre von der Wirkung chemischer Substanzen auf Lebewesen.
Arzneimittel spielen in der ZHK - sieht man einmal von den Stoffen zur örtlichen Betäubung ab - im Gegensatz zur Allgemeinmedizin nur eine untergeordnete Rolle:
Fluoride zur Kariesprophylaxe
Chlorhexidin und ähnliche Präparate in der Parodontitisprophylaxe ( Mundspüllösungen)
Antibiotika bei eitrigen Entzündungen (odontogenen Infektionen und bei entzündlichen Formen von Zahnfleischerkrankungen
Schmerzmittel bei akuten Zuständen, nach operativen Eingriffen
Pharmakon

Pharmakon
Arzneimittel, Medikament, engl.: drug, pharmacon; unterscheiden sich grundsätzlich in verschreibungspflichtige (prescription-only) und solche ohne diese Einschränkung ("Rezept-frei").
Im Arzneimittelgesetz (§ 48, http://www.agrar.de/ ) heißt es sinngemäß, dass die Arzneimittel unter Verschreibungspflicht gesetzt werden, die als gefährlich eingestuft worden sind, weil sie die Gesundheit auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch unmittelbar oder mittelbar gefährden können.
Verschrieben wird dabei auf einem Rezept (engl.: prescription). Versicherungstechnisch ist ein Rezept eine Urkunde mit beschränkter Gültigkeit. Unterschiede gibt es dabei zwischen gesetzlich und privat Versicherten: Gesetzlich Versicherte haben nur einen Monat lang Anspruch auf Übernahme der Kosten. Privatkassen lassen ihren Mitgliedern ein halbes Jahr lang Zeit. Eine Einschränkung gilt für alle: Rezepte für Betäubungsmittel, z.B. starke Schmerzmedikamente wie Opiate, haben grundsätzlich eine Gültigkeit von nur sieben Tagen. Der Arzt muss dafür ein gesondertes Rezeptformular benutzen.
Auf dem deutschen Pharmamarkt tauchen - meist im Zusammenhang mit der GKV - folgende Begriffe auf:

Für jedes neu entwickelte Medikament forschen die Unternehmen im Schnitt zwölf Jahre und wenden rund 800 Millionen US-Dollar (etwa 556 Millionen Euro) für die Entwicklung auf (2009). Der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Jürgen Windeler, hält einen Großteil der auf dem deutschen Markt erhältlichen Medikamente (~90%) für überflüssig.
Tabletteneinnahme:
Die meisten Fehler werden bei der Wahl der Flüssigkeit gemacht, mit der beispielsweise Tabletten eingenommen werden. So vertragen sich viele Medikamente, wie etwa Antibiotika, nicht mit Fruchtsaft (s. z.B.: Grapefruit - Saft mit Wechselwirkung). Darüber hinaus verstärkt die Grapefruit bei vielen Medikamenten deren Wirkung. Auch Milch ist denkbar ungeeignet. Denn manche Arzneien (z.B. Doxycyclin) bilden mit dem Kalzium der Milch unlösliche Salze. Eisenhaltige Medikamente sollten nie gleichzeitig mit Tee oder Kaffee eingenommen werden - solche Getränke behindern die Aufnahme des Eisens aus dem Darm. Dasselbe gilt auch für Fertigsuppen, Marmelade, Pudding oder Eis. Der Grund: Diese Produkte enthalten meist Eindickungsmittel (Pektine), die mit dem Eisen im Darm eine feste chemische Verbindung eingehen können. Arzneimittel, die gegen Depressionen und psychische Erkrankungen verordnet werden, sollten nicht mit schwarzem Tee eingenommen werden. Die Gerbstoffe des Tees binden die Medikamente, so dass sie schlecht aus dem Darm aufgenommen werden können. Dies kann die Wirksamkeit um bis zu 50 Prozent verringern.
Daher sollten Tabletten nur mit Wasser oder Mineralwasser hinuntergeschluckt werden. Je mehr Flüssigkeit, desto besser. Denn so wird das Medikament leichter gelöst und bleibt beim Schlucken nicht in der Speiseröhre stecken. Sehr oft wird auch die Empfehlung, ein Mittel "vor dem Essen" oder "auf nüchternen Magen" zu nehmen, missverstanden. Denn gemeint ist nicht die Einnahme unmittelbar vor der Mahlzeit, sondern 30 bis 60 Minuten vorher. Das gilt primär für Medikamente, die schnell und konzentriert wirken müssen, wie Antibiotika oder Schmerzmittel. Dabei sind Fette, heiße Speisen sowie eiskalte Getränke auf dem Weg vom Magen zum Darm besonders hinderlich. Umgekehrt sieht es mit Arzneimitteln aus, bei denen eine langsame Aufnahme erwünscht ist. Sie sollten zum oder direkt nach dem Essen eingenommen werden. Hierzu gehören Mittel gegen Gicht, zur Durchblutungsförderung, viele Herzmedikamente, Blutdruck- und Rheumamittel sowie Psychopharmaka.
Bei der Einnahme von pulver- oder flüssigförmigen Medikamenten kommt es besonders auf die exakte Dosis an. Zum Dosieren dieser Arzneimittel sollten deshalb keine Tee- oder Esslöffel verwendet werden (Norm: "ein Teelöffel" = 5 Milliliter, "ein Esslöffel" = 15 Milliliter). Diese sind oft unterschiedlich groß und damit ungeeignet. Bei Tests wurde festgestellt, dass es zu Unterdosierungen bis zu 40 Prozent und Überdosierungen bis zu 67 Prozent kommen kann. Stark wirksamen Medikamenten in Saftform liegt deshalb immer eine Dosierhilfe bei, meistens ein Messlöffel oder -becher.

Arzneimittelunverträglichkeiten stehen an fünfter Stelle der häufigsten Todesursachen in Industrieländern. Verantwortlich sind oft Varianten in Genen, die an der Umsetzung eines Medikaments beteiligt sind. Besonders bei Medikamenten mit geringer therapeutischer Breite (z. B. Chemotherapeutika) haben Varianten in diesen Genen gravierende Auswirkungen. Die DrugProfiler(TM)-Datenbank gibt Ärzten und Apothekern sowie Pharma- und Biotechunternehmen die Möglichkeit, Informationen über die am Stoffwechsel von Medikamenten beteiligten Genen zu erhalten. Dadurch kann bereits vor Verabreichung eines Medikaments mittels einer Laboruntersuchung geklärt werden, ob Nebenwirkungen zu erwarten sind, ob das Präparat gewechselt werden sollte und wie die Dosierung angepasst werden kann.
Studien haben ergeben (2008), dass pro Jahr deutschlandweit rund 15 000 Patienten an unerwünschten Medikamentenwirkungen sterben - dabei sei jede zweite Nebenwirkung vermeidbar, da 50 Prozent der Nebenwirkungen auf Verordnungs- oder Anwendungsfehler zurückzuführen sind. Kritische Wissenschaftler vermuten, dass etwa die Hälfte der Daten aus Medikamenten-Studien nicht veröffentlicht werden. Dies kann im schlimmsten Fall zur Folge haben, dass schwerwiegende Mängel eines Präparates nicht bekannt werden. In den USA gilt seit 2008 ein Gesetz, nach dem alle Medikamentenstudien auf der Internetseite http://clinicaltrials.gov/ registriert werden müssen.

Medikamente (allgemein): www.rote-liste.de, www.ifap-index.de, www.ratiopharm.de, http://www.pharmnet-bund.de/
umfangreiche Informationen über zahnärztliche Arzneimittel (2015, © IZA)
Arzneimittel bei Gesetzlich Versicherten: Die wichtigsten Regelungen für Zuzahlung und Erstattung
Richtlinie über die Verordnung von Arzneimitteln in der vertragsärztlichen Versorgung ("Arzneimittelrichtlinie")
Alle Zahlen, Daten, Fakten zu Apotheken (2011)
Medikamente - Facharztwissen
http://www.dr-menges.de/fk1722.html
Expertenrat neue Medikamente: http://www.medknowledge.de/  
Von AutIdem bis Zuzahlung, ein ABC der Ärztezeitung
Arzneimittelatlas
Analgetika, Apothekenspanne, Arzneimittelgesetz, Arzneimittelkommission (AKZ), Aut-Idem-Regelung, Behandlung in der Schwangerschaft, Deutschen Arzneimittel-Codex, Doxycyclin, Festbeträge von Arzneimittelpreisen, Galenik, Good Clinical Practice (GCP), Grünes Rezept, letale Dosis, Medizinproduktegesetz, N, Nocebo-Effekt, OTC-Präparate, Panazee, perlingual, peroral, Pharmakologie, Placebo, Postmedikation, Psychopharmaka, Rabattverträge, Rezept, Rp. - Rx, Sprechstundenbedarf, Stomatikum, Tagesdosis, Verkehrsfähigkeit

PHC-Syndrom , Abk. von Prämolarenunterzahl (Unterzahl der kleinen Backenzähne), Hyperhidrosis (übermäßige Schweißproduktion), Canites praematura (vorzeitiger Pigmentschwund in den Haaren) Böök-Syndrom

Phenazetin
Phenacetin
; historisches, 1887 auf den Markt gekommenes Schmerzmittel mit starken Nebenwirkungen (bes. Nierenschädigungen). Dadurch seit 1986 in D verboten und durch den Metaboliten Paracetamol ersetzt.

Phenol
Karbolsäure, Phenolderivate, engl: dito o. carbolic acid; stark ätzende Säure; durch Substitution ("Phenole") mit Methylgruppen entsteht Kresol, durch Substitution mit Halogenen Chlorphenol  (sog. Phenolderivate). In der ZHK gelegentlich zur Desinfektion von infizierten Wurzelkanälen benutzt ("Einlage"). Phenole sind sehr flüchtig, diffundieren sehr gut auch in feinste Spalten und bergen am Zahn die Gefahr einer Zahnbettschädigung. Formokresole (Kresolformalin) gelten als kanzerogen und haben ein hohes Allergisierungspotential
ChKM, TDI, Thymol, Trikresol

Philtrum
Grübchen in der Mitte der Oberlippe, vom griech. phíltron = „Liebeszauber“, „Liebesmittel“, „Liebestrank“ engl.: do. or infranasal depression o. Cupid’s bow.
Amorbogen
o. Kupidobogen ist eine Bezeichnung des individuell sehr unterschiedlich ausgeprägten, doppelt geschwungenen P. und seiner „bogenförmigen“ Grenzlinie. Astrologen sehen einen schwellenden und sinnlich geformten Amorbogen gerne als oberen Teil des „Lippenherzens“; die kosmetische Industrie empfiehlt, den Konturen des Kupidobogens beim Schminken allerhöchste Aufmerksamkeit zuzuwenden, um dadurch dem herrschenden Schönheitsideal zu genügen.
Prolabium ; http://www.zahnheilkunde.de/beitragpdf/pdf_2988.pdf


Phlebitis ; Bez. für eine - meist schmerzhafte - Entzündung von venösen Gefäßen.

Phlegmone
engl.: phlegmon; eitrige Gewebsentzündung mit Tendenz zu einer flächenhaften, "schrankenlosen" Ausbreitung.
In der ZHK war - vor der Entdeckung der Antibiotika - die Mundbodenphlegmone (s. Abb.) als eine häufig tödlich verlaufende Komplikation gefürchtet.
Abszess, Mundbodenphlegmone

Phobie
krankhafte Angst, engl.: phobia; Neurose mit unangemessener Furcht vor spezifischen Situationen oder Objekten (z.B. einer Zahnbehandlung, Injektionsspritze, Blut; Iatrophobie). Nach psychoanalytischer Auffassung liegt eine innere Angst vor verdrängten Wünschen zugrunde, die mit dem Inhalt der P. oft symbolhaft assoziiert werden; andere Theorien gehen von fehlerhaften Lernprozessen des die P. auslösenden Umstandes aus.
Angst

Phoenix-Abszess , wieder aufbrechender Abszess

Phosphatzement
Zinkoxid-Phosphatzement; eine der Handelnamen: "Harvard Zement", "Fleck's Zement", engl.: phosphate cement; Einsatz für Unterfüllungen, als Befestigungsmaterial für Kronen, Brücken und Inlays, als Deckfüllung (bedingt) und als provisorischer Kavitätenverschluss.
 

Pulver:

 

Flüssigkeit:

 

ZnO

80-90 %

H3PO4

52-56 %

MgO

10 %

Al (Puffer)

2 %

CaF2

6 %

Zn (Puffer)

7-10 %

SiO2

4 %

H2O

32-36 %

Al2O3

1 %

   

Je dünner angemischt wird, desto länger dauert die Neutralisierung der nervschädigenden Säure. Ein niedriger pH-Wert kann zu Pulpenschädigung führen. Die Abbindezeit liegt zwischen 5-9 Minuten; es wird aber noch über Stunden in geringen Mengen Phosphorsäure abgegeben, was ebenfalls zu Nervirritationen führen kann. Die Löslichkeit der P. ist sehr hoch, als Dauerfüllung sind sie ungeeignet. Eine leichte Abbindeschrumpfung ist zu verzeichnen (erst bei größerer Schichtdicke bemerkbar). Die thermische Isolation ist schlecht, die chemische Isolation gut.
Befestigungszement, Harvard Zement, Phosphorsäure, Steinzement

Phosphorsäure
H3PO4, Acidum phosphoricum, normale oder Ortho-Phosphorsäure, engl.: phosphoric acid; ist die wichtigste, dreibasige, schwache Säure des Phosphors, von der sich die Diphosphorsäuren und die kondensierten Meta- und Polyphosphorsäuren ableiten. Hauptbestandteil des flüssigen Anteils von Phosphatzementen und als Ätzgel (30-40%ig) in der Adhäsivtechnik

photoaktivierte Desinfektion (PDA), photodynamische Therapie , PDT

Photoanalyse ; Profilanalyse

Photo-Polymerisation , Polymerisation mit Licht

Phylogenese
Stammesentwicklung, engl.: phylogeny; Lehre von der Weiterentwicklung und Anpassung der Arten im Laufe der Evolution. Ein Beispiel dafür ist in der ZHK die Gebissreduktion als Anpassung an veränderte Kau- und Lebensgewohnheiten.

Physiologie
Wissenschaft und Lehre von den normalen bzw. den krankheitsbedingten (Pathophysiologie) Lebensvorgängen und Lebensäußerungen der Menschen, Tiere und Pflanzen.

physiologisch ; die Lebensvorgänge im (gesunden) Organismus betreffend; "normal" im Gegensatz zu "krankhaft" = pathologisch

physiologische Kochsalzlösung, engl.: physiological saline solution; Natriumchlorid

Physiotherapie
physikalische Therapie
, Oberbegriff für eine Vielzahl von Therapiemaßnahmen mittels "physikalischer Elemente". Hierzu zählen z.B. die Wärme- und Kältetherapie, aber auch Bewegungstherapien ("Krankengymnastik"). http://www.zvk.org/

Phytotherapie
engl.: phytotherapy; Wissenschaft von der Heilbehandlung mit Substanzen, die aus Pflanzen gewonnen werden (sog. Phytopharmaka).
Pharmakon
http://www.phytodoc.de/

Pica
lat. für Elster; schlagwortartiger Oberbegriff für Essstörungen, besonders dem regelmäßigem Verzehr von ungenießbaren Substanzen. Betroffen können alle Bevölkerungsschichten (geistig normal oder geistig behindert) sein. Zu den Hochrisikogruppen gehören Kleinkinder, Schwangere und stillende Mütter ebenso wie hirngeschädigte Personen. Dabei zählen zu den P.-Vorlieben u.a. Aas, Erde, Haare, Würmer, Zahnpasta bis hin zu Exkrementen; Unterteilung in "Food-Pica" und "Non-Food-Pica". Von P. spricht man, wenn eines der folgenden Symptome vorliegt:
Mindestens einen Monat lang ständig eine ungenießbare Substanz verzehrt wird,
Dieses Verhalten nicht altersgemäß ist (Kleinkinder probieren oft kurzfristig ungenießbare Gegenstände);
Im Rahmen einer anderen psychischen Störung dieses abartige Essverhalten eine herausragende Stellung einnimmt.
Bulimie

Pichler Schnittführung ; Bogenschnitt

Pieper-Sonde
engl.: Pieper's probe; von Piper 1987 vorgestellte Apparatur zur Kariesdiagnostik (http://dentalforschung.de). Sie basiert nach dem FOTI-Prinzip auf der Tatsache, dass kariöse Bereiche vergrößerte Poren in der Zahnhartsubstanz aufweisen. Dadurch wirken entkalkte und/oder kariöse Areale bei der Durchleuchtung mit Kaltlicht durch Streuung dunkler als gesunde Bezirke.
Kariesdiagnostik

Piercing
"Durchstechung, Durchbohrung"; schon aus alten Kulturen bekannt, hat sich P. heute wieder zum Trendsetter entwickelt und wird an vielen Körperstellen eingesetzt.
Der zahnärztlich interessante Teil beim P. - die Mundhöhle - ist reichlich mit Bakterien versehen und stark durchblutet; Tatsachen, die gerade in diesem Bereich das P. nicht ungefährlich machen. So wird von starken Schwellungen bis hin zur akuten Atemnot und erheblichen Nachblutungen unmittelbar nach dem P. der Zunge ("Der Erotik-Kick - Besonders beim Küssen", "Werbeslogan") berichtet.  P. im Mundbereich, mit der dort natürlicherweise zahlreichen und zum Teil infektiösen Mikroflora, können demnach nicht als harmlos betrachtet werden; Komplikationsraten liegen in der Literatur zwischen 17 und 70% und reichen bis zu lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen. In Einzelfällen ist es durch schwere Entzündungen von Gesichts-Piercings sogar zu Todesfällen gekommen, nachdem sich Infektionen bis ins Gehirn des Patienten ausgebreitet hatten.
Auch beim späteren Tragen kann der Schmuck durch das ständige Anschlagen an die Zähne beim Sprechen und beim Kau-/Schluckakt die Zähne durch feine Mikrofrakturen schädigen - so können Kälte, Hitze oder auch Nahrungsbestandteile den Zahnnerv reizen. Zahnersatz aus Keramik ("Jacketkronen") kann leicht dauerhaft beschädigt werden und ist bei gepiercten Patienten nicht indiziert. Ein Piercen der Lippe oder des Lippenbändchens (s. Abb. unten) kann durch den ständigen Zug am Zahnfleisch bei den Frontzähnen zu erheblichen Zahnfleischverletzungen und -rückgängen  ( Rezessionen) führen.
Ein Rückgang des Zahnfleischs wurde auch bei mehreren Patienten nachgewiesen, die sich die Unterlippe mit einem Metallstift piercen ließen. Die Läsionen traten dort auf, wo das Metall auf das Zahnfleisch traf.

P. birgt nicht nur Infektionsgefahren. Bei einer Kernspintomographie sind Magnetfelder so groß, dass sie magnetische Metallteile aus der Haut reißen können. Da nicht immer der Metallanteil in den Schmuckstücken bekannt ist, sollten Patienten alle Piercingteile sicherheitshalber vor der Untersuchung entfernen. Das gilt auch vor der Nutzung von Hochfrequenzgeräten in der Chirurgie und bei Kurzwellenbehandlungen.

In jüngerer Zeit werden auch P. aus Kunststoff angeboten (s. Abb. re.). Hierdurch sollen sich Zahnschäden vermeiden lassen. Ungeklärt ist bisher, inwieweit derartige Materialien Allergien auslösen können, bzw. wie hoch die Plaquebesiedlungsrate ist.

P. findet häufig unter völlig unzureichenden Bedingungen - illegal - in Hinterzimmern statt (nach einem Gerichtsurteil dürfen nur (Zahn-)Ärzte und zugelassene Heilpraktiker ein P. durchführen); die Gefahr schwerer Allgemeininfektionen, bis hin zur Hepatitis und HIV-Übertragung ist bei einem derartigen Vorgehen nicht ausgeschlossen. Ein fachlich korrektes P. wird von vielen (Zahn-)Ärzten aus ethischen Gründen abgelehnt, da derartige Eingriffe mit einem Heilgedanken nicht vereinbar sind; versch. Ärztekammern sehen derartige Eingriffe mit der medizinischen Berufsethik als nicht vereinbar, was u.U. berufsgerichtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Auf rechtsfreiem Raum bewegen sich in Deutschland "behandelnde" Personen" nicht. Anbieter von Piercings müssen sich hinsichtlich der Materialien an EU-Richtlinien orientieren. Zudem gelten das Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Gesetz (LMBG) sowie zum Schutz von Minderjährigen die Paragraphen 106, 107 und 113 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Um im Notfall ein gepierctes Stück rasch entfernen zu können, sind Kenntnisse der 3 Hauptverschlussvarianten hilfreich:

  • Stäbchen (häufigste Anwendung: Zunge), an deren herausragenden Enden je ein Kügelchen oder eine andere Verzierung geschraubt ist. Die Kügelchen können abgeschraubt und die Stange herausgezogen werden.
  • kleine Stangen (häufigste Anwendung: Unterlippe), die auf der einen Seite eine festsitzende Deckplatte haben (wie bei einem Nagel), auf der anderen Seite ein abschraubbares Kügelchen besitzen.
  • Ringe, die nicht geschlossen sind, sondern ein Kügelchen "festklammern", welches dafür zwei flache Retentions-Mulden besitzt. Durch Spreizung des Ringes mittels spezieller Zange (notfalls mit einer Teleskop-Zange) kann das Kügelchen entnommen werden.

Dazzler, Zahnschmuck
Pfusch bei Piercing & Co.: Wer zahlt?
medizinfo.de/, piercing-schule.de/

 

 



an der Zungenunter-
seite ist ein Kügelchen angeschraubt



Lippenband-P.
mit chronischer
Entzündung bei
18-jähriger



erhebliche Zahnschäden durch einen Unterlippenring

 





um metallbedingte Zahnschäden zu vermeiden, sind
seit ca. 2000 P. aus Kunststoff im Handel

Pietrantoni Syndrom
engl.: Pietrantoni's syndrome; im Oberkiefer auftretende Trigeminusneuralgie-ähnliche Beschwerden und Hypästhesien, welche durch chronischen Druck eines Oberkiefertumors auf diesen Nerv ausgelöst werden
Nervschädigung, Vincent-Symptom

Piezochirurgie
engl.: piezo-based (bone) surgery; welche das Bearbeiten von Knochen auf schonende Art und Weise ermöglichen soll (z.B. durch Piezosurgery®, Mectron). Der piezoelektrische Effekt beruht auf Oszillationen, die in Kristallen und keramischen Materialien nach Anlegen einer Spannung (Wechelspannung höherer Frequenz) hervorgerufen werden. Das Gerät besteht aus einem Handstück mit mehreren diamantierten oder titanbeschichteten Aufsätzen sowie einer Peristaltikpumpe für Kühlflüssigkeit und kann in verschiedenen Frequenzbereichen (die P. arbeitet mit Frequenzen von 25-32,5 kHz und einer Schwingungsamplitude von 60-200µm) betrieben werden. Vorteile sollen die äußerst schonende und "dünne" Knochenbearbeitung ohne Verletzung von Weichgeweben sein.
Ultraschallgeräte

Pilotbohrer
Primärbohrer, engl.: pilot drill; an der Stirnseite und seitlich schneidender Knochenbohrer (Knochenfräse) für die initiale Präparation im Rahmen einer zahnärztlichen Implantation. Der P. hat einen kleineren Durchmesser als das spätere Implantat und soll primär (evtl. unter Röntgenkontrolle) den Winkel und die Tiefe für das zu inserierende Implantat festlegen. Eine Führungsschablone kann dabei hilfreich sein, die gewünschte Implantatposition während des Eingriffs auf das Operationsgebiet zu übertragen.
Pilotbohrung

Pilotbohrung
Primärbohrung, Markierungsbohrung, engl.: pilot hole preparation; Begriff im Zusammenhang mit dem Setzen eines enossalen Implantats: unter Anwendung einer im Labor hergestellten Führungsschablone (guide template) zur Festlegung der Position und Achsrichtung wird mittels eines Vorbohrers ein Führungskanal ("Pilotkanal") für die spätere Implantatbohrung geschaffen, welcher nach Röntgenbildkontrolle noch ggfs. korrigiert werden kann.
Implantat, Pilotbohrer

Pilotstudie
Machbarkeitsstudie, engl.: pilot study; vorbereitende Studie; u.a. zur Klärung weiterer Details für eine sich anschließende Regelstudie, vor allem, ob und unter welchen Bedingungen eine geplante aufwändige Erhebung erfolgreich sein kann.

Pink Esthetic Score
PES; von österreichischen Wissenschaftlern (Fürhauser et al., 2005) entwickelte reproduzierbare Methode, um das Zahnfleisch an Kronen auf Einzelzahnimplantaten beurteilen zu können. Da die Erfolgsrate von Implantaten in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen hat, wird heute zusätzlich besonderer Wert im sichtbaren Bereich auf die Ästhetik gelegt und beurteilt, wie sich die Suprakonstruktion in das umgebende Weichgewebe einfügt.
Grundlage für diesen Index sind sieben Variablen gegenüber einem natürlichen Referenzzahn: mesiale und distale Interdentalpapille, Niveau, Form, Farbe und Struktur der Weichgewebe sowie ein Defizit an Alveolarkamm. Man definiert die PES-Bewertungsskala mit 0 - 1 - 2, wobei 0 für den schlechtesten ästhetischen Eindruck und 2 für den besten steht. Bei optimaler Ästhetik könnte so maximal ein PES von 14 erreicht werden.
ästhetische Analyse, Implantat-Kronen-Ästhetik-Index




 

pink spot
pink spot disease, Rosa-Flecken-Krankheit; in Bezirken rosa schimmernde Zahnkrone, bedingt durch ein größeres internes Granulom der Zahnpulpa. Gelegentlich auch bei pulpennaher Präparation am Zahnstumpf und bei Wurzelresorptionen beobachtet.
internes Granulom, Pulpenhämatom

http://www.falkritter (pink tooth root)


Pinlay
vom engl.: pin = Stift abgeleitete Sonderform einer Gussfüllung (Inlay); sie trägt an ihrer Unterseite zum besseren Halt parapulpäre Verankerungsstiftchen, welche in vorher in die Zahnhartsubstanz der Kavität präparierte Kanäle exakt hineinpassen (sog. intrakoronale Retention); seltene, historische zahnärztliche Versorgung, vor allem wegen der Gefahr einer Zahn-Nervverletzung durch den Stift.
Inlay, parapulpäre Schrauben, Pinledge


Pinledge
pin-ledge; engl.: pin = Stift, ledge = Leiste, Sims; spezielle Verankerungsform für Kronen zu einer Optimierung der Retention, besonders bei Teilkronen: in den Zahn werden 3 oder mehr parallel angeordnete Bohrungen gesetzt (s. Abb.), in welche entsprechende Stifte der Krone eingreifen. Heute nur noch selten angewandt.
Amalgapin Verankerung, Pinlay, Rank-Krone, Teilkrone


Pinzette
engl.: cotton forceps, tweezer; leicht federndes Behandlungsinstrument/Werkzeug zum Greifen feiner Gegenstände oder Festhalten von Gewebeteilen in verschiedenen Ausführungen.
In der ZHK Einsatz einer an der Spitze sehr feinen, abgebogenen P. (sog. College-Pinzette, "verlängerter Finger des Zahnarztes") als Standardinstrument bei der Untersuchung und diversen Verrichtungen. Weiter werden noch verwendet:
anatomische Pinzette: flaches, quer-geriffeltes Maul
chirurgische Pinzette: drei ineinander greifende Zähnchen (eine Branche mit einem, die andere mit zwei spitzen Zähnchen) zum minimal-traumatischen Ergreifen von Körpergewebe

Pitting , Korrosion, Lochfraß; Fluorose

Pivotierungsschiene
Pivotschiene
, Distraktionsschiene, engl.: occlusal distraction splint (dorsal pivot); Unterkiefer-Aufbiss-Schiene, welche ein- oder beidseitig im Molarenbereich eine Erhöhung besitzt, welche beim Zubeißen als Hypomochlion wirkt. Das Hauptziel dieses Schienentyps liegt in der Vergrößerung des Gelenkspaltes und somit des vertikalen Abstandes zwischen Condylus und Tuberkulum bzw. Gelenkfossa. Erreicht wird dadurch eine Dekompression der Gelenkflächen als auch des Discus.
www.zahnheilkunde.de/beitragpdf/pdf_3459.pdf (mit Abbildungen)

PKT-Instrument
Abkürzungsbez. für ein im Rahmen der Aufwachstechnik eingesetztes Modellierinstrument, welche von dem bekannten Gnathologen Peter K. Thomas entwickelt wurden

Placebo
Scheinarznei, Leerpräparat, vom lat.: "ich werde gefallen", nachgebildete Pseudo-Arzneimittel, welche in Form, Farbe und Geschmack dem echten (wirkenden) Pharmakon entsprechen, jedoch keine pharmakologisch wirksamen Stoffe enthalten, um die Unterscheidung zwischen subjektiver (Einbildung) und objektiver Wirksamkeit zu bestimmen.
Unter einem
Placebo-Effekt versteht man die Erfüllung einer Erwartung.
Dabei treten zuweilen erstaunliche Effekte auf:
Sehr kleine und sehr große Tabletten wirken besser als mittelgroße. Rote Tabletten helfen besser als weiße. Spritzen wirken besser als Tabletten. Wenn die Spritzen von Ärzten gesetzt sind, zeigen sie zudem mehr Wirkung als die von Krankenschwestern verabreichten. Je wichtiger der Name des Präparats klingt und je komplizierter die Anweisungen sind, desto größer ist der "Heilerfolg". Die Ansprechrate lässt sich dadurch von 20 % bis auf 70 % steigern. Auch Nebenwirkungen treten unter der Einnahme von P. auf, darunter Kopfschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit, Verstopfungen, Erbrechen und Hautausschläge. Durch P.-Experimente weiß man auch, dass die Beziehung des Arztes zu seinen Patienten die Genesung stark beeinflussen kann.
Forschungen zum Placebo-Effekt haben gezeigt, dass dieser durch aktive Prozesse im zentralen Nervensystem (ZNS) gesteuert wird. Dabei sind die Erwartungshaltung und Lernprozesse wesentlich. Jüngste Forschungen deuten darauf hin, dass P. biochemische Reaktionen in Gang setzen können, die bestimmte Gehirnareale (Hirnstamm, anteriorem cingulären Cortex (ACC)), welche besonders mit "Opioidrezeptoren" ausgestattet sind, stärker durchbluten lassen. Nach dieser Spekulation verfügen Personen, die besonders auf den P.-Effekt ansprechen, über ein effizienteres "Opioid-System". Andere Forschungen lassen vermuten, dass der Placebo-Effekt durch das Freisetzen von körpereigenen Endorphinen erfolgt.
Die "Konditionierung" spielt wahrscheinlich weiterhin beim P.-Effekt eine wichtige Rolle. Damit ist gemeint, dass der Körper selbstständig bestimmte Funktionen ausführt, die vorher gelernt und mit einem Reiz, der Verabreichung eines Medikaments zum Beispiel, verbunden wurden.
Bei Schmerzmittel-Placebos liegen inzwischen folgende Erkenntnisse vor:
Grundvoraussetzung für den Effekt ist, dass einmal die Erwartung einer Schmerzlinderung besteht und dass zum anderen schon eine gewisse Verarbeitung des Schmerzerlebnisses stattgefunden hat. So haben etwa plötzlich auftretende Schmerzen wie der Clusterkopfschmerz eine nur geringe Placebowirksamkeit.
Blindversuch, Homöopathie, Kinesiologie,
Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, Nocebo-Effekt, Panazee
Placebo- und Noceboeffekte in der Zahnmedizin
Aktueller Stand der Placeboforschung - veröffentlicht in Nature Reviews Drug Discovery (2013)
Placebo-Studie: Schon Beipackzettel machen Patienten krank
Imagination - Mit Placebovergiftung in die Notaufnahme

Plafond , Budget

Plak-Lite® System
Plak-Lite® disclosing system; aus Speziallampe (UV-Bereich) und einer fluoreszierenden Lösung (ACIDE(HYDROXY-6 OXO-3 XANTHENYL-9)-2 BENZOIQUE DERIVE DISODIQUE) bestehendes System zur Sichtbarmachung von Zahnbelägen. Nach Anfärbung mit dem Natriumfluorescin ist der Belag nur unter der speziellen Lampe sichtbar; bei normalem Licht behalten die verunreinigten Zähne ihre natürliche Farbe. In D seit 2009 nicht mehr auf dem Markt.
Färbetabletten

Planstopfer ; engl.: flat packerfinishing or plane-shaped plugger; Amalgamstopfer

Plaque
dentale, "Zahnbelag", Plak, aus dem Französischen für Fleck, engl.: (dental) plaque; als Bezeichnung für einen primär fast unsichtbaren Zahnbelag, auf/in welchen sich die verschiedenartigen Ansammlungen von Mikroorganismen und anderen Verunreinigungen ansammeln. In der jüngeren Nomenklatur präziser mit oraler Biofilm bezeichnet.
Die P. gehört primär zur natürlichen Mikroflora der Mundhöhle und ist Teil der Immunabwehr, indem sie die Kolonisation besonders von pathogenen Keimen verhindert. Die Zusammensetzung der P. kann wegen unterschiedlicher biologischer und ökologischer Voraussetzungen sehr verschieden sein, ebenfalls treten bei einer Verminderung des Immunsystems Veränderungen auf.
Eine der wichtigsten Stoffwechselaktivitäten der Bakterien in der P. ist die Fermentation von Zuckern; daraus folgert ein Absinken des pH-Wertes verbunden mit einer Demineralisation (Entkalkung) der Zahnoberfläche ( Karies). Weiter wird von den Bakterien Nitrat (-NO3) umgesetzt mit einem Entstehen von Stickstoffmonoxid (NO), Lachgas (N2O) und Stickstoff (N2).

Die P.-Entwicklung erfolgt in mehreren Stufen (frische P., junge P., ausgereifte P., alte P.):
Erste Anlagerungen von Bakterien erfolgen durch schwache elektrostatische Bindungen zwischen der auf der Zahnoberfläche liegenden Pellikel ("Zahnhäutchen") und dem Bakterium, wobei Moleküle als Haftvermittler dienen
Werden die Bindungsmechanismen komplexer, kommt es zu einer irreversiblen Bakterienanhaftung - die P. besteht nun vor allem aus Glykoprotein (Kohlenhydrat-Eiweiß-Makromoleküle)
Es erfolgt eine weitere Kolonisation mit sog. Pionierkeimen, welche sich auf die vorhandene Bakterienschicht auflagern. Man bezeichnet diesen Zustand als Plaquereifung - das Gleichgewicht wird zugunsten anaerober Bakterien verschoben
Es erfolgt während der Reifung ein weiteres Wachstum mit der Ausbildung ökologischer Nischen (sog. Mikromilieus). In diesen Räumen herrschen optimale Wachstums- und Überlebensbedingungen - es erfolgt eine zusätzliche Besiedlung mit spiralförmigen Bakterien
Die Plaque ist in diesem Stadium als "Teil des oralen Biofilms" anzusehen ( Biofilm)
Bleibt diese P. unbehandelt durch fehlende Mundhygienemaßnahmen, entwickelt sich relativ rasch eine girlandenförmige Gingivitis am Übergang Zahn zum Zahnfleisch ("Schmutzgingivitis") mit der Tendenz zum Übergang in eine Parodontitis
Es erfolgt schließlich eine Mineralisierung der P. , u.a. mit einem sich bildenden Zahnstein

Folgende Faktoren begünstigen die Anlagerung von P. auf den Zähnen:
mangelnde Mundhygiene
Zahnstein als Grundlage für die Anlagerung weiterer P.
zu geringer Speichelfluss. Speichel ist neben dem Kauakt in der Mundhöhle der Hauptfaktor der natürlichen Selbstreinigung der Zähne
anatomische Fehlstellungen führen zu Nischen ("Schmutznischen"), welche weder durch die natürliche Selbstreinigung, wie auch durch die häusliche Zahnpflege gesäubert werden können.
mangelhafte zahnärztliche Restaurationen, besonders überstehende Kronen- und Füllungsränder, sind Retentionsstellen für P.

Zu den Auswirkungen der P. auf den Organismus existieren drei Plaquehypothesen:
Die spezifische Plaquehypothese geht davon aus, dass Karies im Sinne einer Infektion von spezifischen Mikroorganismen der P. verursacht wird. Diese sind S. mutans, S. sobrinus und Laktobazillen. Je nach Konzentration dieser Mikroorganismen innerhalb der P. liegt eine mehr oder weniger starke Pathogenität vor. Entscheidend ist nach dieser Theorie eher die Qualität als die Quantität der Plaque.
Die unspezifische Plaquehypothese davon aus, dass eine gemischte Bakterienflora in der P. besteht und lediglich eine kritische Menge erreichet werden muss, um pathogen zu wirken. Unterhalb der kritischen Masse liegende Plaquemengen können durch die Wirtsabwehrfaktoren kompensiert werden. Diese Theorie berücksichtigt das Konzept, dass Plaque eine Lebensgemeinschaft darstellt und ihre Pathogenität ein Ergebnis der Interaktionen zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft ist. Entscheidend ist nach dieser Hypothese eher die Quantität und nicht die Qualität der Plaque
In jüngerer Zeit taucht vermehrt der Begriff "ökologische Plaquehypothese" in der Literatur auf. Gemeint ist damit, dass die Zahnplaque als physiologisch (ökologische Balance zwischen unspezifischer und spezifischer Plaqueflora) für den gesunden Organismus ist. Erst eine sog. "Ökologische Katastrophe" (komplexen Interaktionen der Bakterien untereinander) macht die P. pathogen.
ausführlich unter http://www.diss.fu-berlin.de/

Mundspüllösungen sind in frühen Stadien der Plaquereifung in der Lage, die Mikroorganismen abzutöten - hier werden der ätherischen Lösung Listerine® besondere Eigenschaften nachgesagt, während Chlorhexidin die höhere Substantivität besitzt.
In der Karies auslösenden P. spielen besonders Streptococcus mutans und Streptococcus sobrinus, aber auch Laktobazillen und Aktinomyzeten eine entscheidende Rolle.

Die mechanische Entfernung von P. ( Mundhygiene) ist die wichtigste häusliche Maßnahmen zu Vermeidung von Gingivitis, Karies und Parodontitis.
Antiseptikum, API, bakteriologische Identifizierungssysteme, Belag, Färbetabletten, Gingivitis, Helicobacter pylori, Irritationsindex,Karies, Kariesaktivität, Kariesanfälligkeit, Kariesbakterien, Kariesrisiko, Konkremente, Laktobazillen, Materia alba, Mundhygiene, Parodontitis, Periodontal Disease Index, Plaquehemmung, Plaque-Index, Plaquekontrolle (chemische), Professionelle Zahnreinigung (PZR), Prothesenreinigung, Pulverstrahlgeräte, Retentionsstellen, Schmutznische, Streptococcus mutans, Teebaumöl, Xylitol, Zahnbelag, Zungenbelag
Dissertation: Methoden der klinischen Plaquequantifizierung (ab S. 17)
Video: Risikofaktoren für die Mundgesundheit (YouTube, 2016)
Video

 

 

 

 


 



©: DERWEB Ltd
angefärbte P.

 

 



durch Engstand bedingte Schmutznischen

Plaquehemmung
Antiplaquemittel, "Anti-Plaque-Wirkung" engl.: plaque inhibiting (agents); Medikamente oder Stoffe (meist auf pflanzlicher Basis), die eine übermäßige Plaquebildung unterdrücken sollen (sog. Plaquekontrolle (chemische)); mitunter auch als "chemische Zahnbürste" bezeichnet. Da mit derartigen chemischen Maßnahmen auch die gesunde, für die Körperabwehr wichtige Plaque zerstört wird, gelten solche Mittel nur als vorübergehende Notfallmaßnahme, wenn eine mechanische Mundhygiene mit der Zahnbürste nicht möglich ist (z.B. nach Zahnfleischbehandlungen). Als Goldstandard gilt (2011) die Anwendung von Chlorhexidin (z.B. 2 x 10 ml 0,2-prozentig = 40 mg Tagesdosis); daneben kommen noch Zinnfluorid und Triclosan in Betracht.
Naturheilkundliche Verfahren setzen auf Gallotannine (enthalten z.B. im Nelkenwurz (geum urbanum) oder der Virginischen Zaubernuss (hamamelis virginiana)), wie auch die Verwendung von Triterpensaponinen aus der Wurzel des Süßholzes (gycyrrhiza glabra) oder den Blättern des Grünen (Schwarzen) Tees (camellia sinensis).
Ausblick: beim Andocken an den Zahnschmelz nutzen die Kariesbakterien sogenannte Alpha-Glucane. Schaltet man diese Substanzen aus, verhindert man auch deren Anlagerung. Ein Teil der Glucane gleicht einem Verdauungsenzym des Speichels, das Stärke zersetzt. Wird der Hilfsstoff der Plaquebakterien blockiert, wäre auch die Stärkezersetzung gestoppt. Deshalb versuchen die Forscher vermehrt, nur die Alpha-Glucane zu hemmen.
Antiseptikum, Full Mouth Disinfection, Mundspüllösungen, Plaque, Plaquekontrolle (chemische)

Plaqueindex
PI
, engl.: plaque index; Angabe der Menge an Plaque (Zahnbelag), welche sich auf vorher gründlich gereinigten Zähnen innerhalb von 24 Stunden ohne Mundhygienemaßnahmen wieder neu bildet.
  Gebräuchlich ist der 1962 publizierte P. nach Quigley und Hein, welcher den Plaque-Befall (Sichtbarmachung durch Anfärben der Verunreinigungen) in 6 Stufen einteilt (0 = keine Plaque; 5 = 2/3 oder mehr der Zahnkrone sind davon bedeckt); http://www.whocollab.od.mah.se/expl/ohituresky70.html
Ebenso gebräuchlich ist der P. nach Silness und Löe; diese Messzahl unterscheidet vier Stufen (0 = keine sichtbare und mit einer speziellen Sonde feststellbare Plaque vorhanden; 3 = dicke, ins Auge stechende Beläge, welche auch die Zahnzwischenräume ausfüllen).
Dichotomer P. nach O'Leary; einfache Messzahl, welche auf einer JA-NEIN-Entscheidung fußt. Es wird nach Plaque an 4 Stellen jedes Zahnes (distal, bukkal, mesial, oral) gesucht und mit JA o. NEIN bewertet. Daraus ergibt sich:
PI = (Anzahl der plaquebelegten Flächen) : (Anzahl der gesamten Flächen) x 100%
In D ist auch der Approximal-Plaque-Index (nach Lange) gebräuchlich.
PFRI (Plaque Formation Rate Index) bezeichnet den Plaquebildungsindex, d. h. die Menge an Plaque, die innerhalb von 24 Std. neu gebildet wurde. Im Zusammenhang mit einem Streptococcus Mutans-Test gilt diese Kombination z.Zt. (2009) mit als sehr sichere Methode zur Bestimmung des individuellen Kariesrisikos. ( http://www.hain-lifescience.de/pdf/cc_infoheft.pdf)
Cervical Plaque Index (CPI; CPI probe): wenig gebräuchliche Messzahl zur Klassifizierung von Belägen am Zahnhals
API, Belagsindex, Denture-Hygiene-Index, Distal-Mesial-Plaque-Index, Gingiva-Index, Irritationsindex (O'Leary), Mundhygiene-Status, Plaquehemmung,
http://www.whocollab.od.mah.se/ ; http://deposit.ddb.de/ (ab S. 18)

 



überarbeitet nach © WHO

Plaqueindikatoren ; Plaquerevelatoren, engl.: plaque indikators; Farbstoffe zur Sichtbarmachung von Verunreinigungen auf der Zahnoberfläche. Färbetabletten

Plaquekontrolle , chemische
engl.: chemical plaque control; Schlagwortbezeichnung im Zusammenhang nach parodontalchirurgischen Maßnahmen, welche eine schnelle Wiederbesiedlung von gereinigten Zahnfleischtaschen und Wurzeloberflächen durch in der Mundhöhle verbliebene parodontalschädigende Bakterien verhindern. Dadurch soll eine normale, mit einer "parodontalen Gesundheit" vereinbare Bakterienflora als Neubesiedlung in den subgingivalen Bezirken erreicht werden. Als Goldstandard gilt heute nach derartigen Eingriffen, dass der Patient angewiesen wird, für 2-6 Wochen den Zungenrücken und die Zähne mit einem Chlohexidin-Gel zu reinigen und zusätzlich 2mal täglich eine 0,1-0,2%ige Chlorhexidin-Spüllösung zu verwenden.
Full Mouth Disinfection, Plaquehemmung

plastische Deckung
"Plastik", Begriff für  einen (vollständigen) chirurgischen Verschluss einer Wunde durch spezielle Techniken; Lappenoperation, Mukoperiostlappen, Trapezlappen, Zungenlappenplastik

Plasma
"Plasmamedizin", Plasmatechnik in der Medizin, engl.: plasma technology in medicine; noch junge medizinische Therapierichtung mittels Niedertemperaturplasmen bzw.  sogenannter TTPs (= Tissue Tolerables Plasma) zur Abtötung von Mikroorganismen.
"Plasma" ist eine Bez. für den 4. Aggregatzustand (fest, flüssig, gasförmig) einer Materie und ist ein leuchtendes Konglomerat aus angeregten Teilchen: Ionen, freie Elektronen, Radikalen, Atomen und Molekülen. Ohne die genauen Wirkungsmechanismen und Nebenwirkungen sicher zu kennen, hat ein derartiges Plasma bei körperverträglichen Temperaturen ("tissue tolerable") durch seine hochenergetischen Bestandteile (z.B. freie Radikale) die Eigenschaft, u.a. sonst resistente Bakterien abzutöten bei gleichzeitiger Schonung des gesunden Gewebes. Weiter sollen dadurch Wachstums- und Regenerationsprozesse angeregt werden. Noch forschender Einsatz in der ZHK (2010) zur Zerstörung von Biofilmen, in der Parodontologie und zur Oberflächenbehandlung von Implantaten.
Sterilisation
Kaltes Plasma soll Wunden heilen
http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/zundspannung/physik/2009-12-19/plasma-medizin

plastische Füllungen
Zahnfüllungen aus Werkstoffen, welche zum Zeitpunkt des Einbringens in die Kavität noch verformbar sind und erst nach einer bestimmten Dauer in dieser erhärten; im Gegensatz zu den schon beim Einbringen festen Füllungen (z.B. Gussfüllungen, Keramik-Inlay), welche nach einem Abdruck der Kavität außerhalb des Mundes hergestellt werden. Die p. F. stellen den Hauptanteil an den gelegten Füllungen im Mund; typische Vertreter sind die Amalgame und Komposites.
Füllung

Platin ; Legierung

Platte, Plattenbehelf, Plattengerät, engl.: plate; einfachste Form des herausnehmbaren Zahnersatzes, meist nur als Provisorium in Gebrauch. Eine Abstützung der Halteklammern erfolgt nicht; u.U. wird auf jegliche Halteelemente verzichtet ("Plattenprothese"); die Kaukräfte werden ausschließlich auf die Kieferschleimhaut übertragen (tegumentale Lagerung). Auch gebraucht für ein kieferorthopädisches Behandlungsgerät  aktive Platte
Provisorium

Plattenepithelkarzinom ; Mundhöhlenkarzinom

Plattenosteosynthese
engl.: plate fixation, plating; Versorgung von Knochenbrüchen mittel speziell ausgebildeter (metallischer) "Platten" (Kompressionsplatten, Rekonstruktionsplatten). In der ZHK meist mit Miniplatten ( Osteosynthese) durchgeführt. Nachteilig können hierbei eine Behinderung des Wachstums, Temperaturempfindlichkeit, Wanderung der Platten, sowie die Notwendigkeit eines zweiten Eingriffs sein. In jüngerer Zeit auch mittels resorbierbaren Materialien auf Polylactidbasis (BiosorbFX®, Bionx Implants®), die diese Nachteile nicht mehr aufweisen sollen. Obwohl Titan-Miniplatten seit über 40 Jahren in der Osteosynthesetechnik eingesetzt werden, besteht nach wie vor Uneinigkeit darüber, ob diese postoperativ routinemäßig entfernt werden sollten oder im komplikationslos abgeheilten Kiefer belassen werden können.
Champy-Platte, Kompressionsosteosynthese, Osteosynthese, Zuggurtung

Platzbedarfsanalyse
kieferorthopädische; Analyse des Platzbedarfs in den Stützzonen oder im Frontzahngebiet im Zusammenhang mit kieferorthopädischen Maßnahmen, besonders bei Fällen mit einem Engstand bzw. bei der Entscheidung zur Behandlung mittels Extraktionstherapie. Die bekannteste Methode stellt die P. nach Moyers dar.
Abweichung, Bolton Analyse, Engstand, Fehlstellung von Zähnen, Mesialdrift, Moyers Analyse, Neff-Verhältnis, Platzhalter, Stützzone, Tonn-Index, Zahnbreite

Platzhalter
Lückenhalter
, Platzhalterfunktion, engl.: space maintainer (funktion), spacer; Maßnahmen zur Offenhaltung eines entstandenen Zahnlücke durch vorzeitigen Milchzahnverlust, um dem bleibenden Zahn genügend Raum zum Durchbrechen zu lassen. Da sich durch einen Milchzahnverlust - besonders im Backenzahnbereich - ein Verfall der Stützzone ergibt, ist das Eingliedern eines P. unabdingbar, sollen nicht im bleibenden Gebiss nur schwer zu korrigierende (und teure) Schäden entstehen. Prophylaktisch sollte auf einen möglichst langen Milchzahnerhalt geachtet werden.
Beim Verlust von Milchfrontzähnen ist ein P. aus Platzgründen selten indiziert. Auch wenn bei fehlenden Milchfrontzähnen eine Umverteilung der Platzverhältnisse bei den verbleibenden Frontzähnen zu beobachten ist, kommt es meistens nicht zu einem echten Platzverlust. Jedoch können hier andere Überlegungen (Ästhetik, Sprache) den Wunsch nach einem prothetischen Ersatz aufkommen lassen.
Der beste P. ist der natürliche Zahn selbst. Es sollen daher alle endodontischen und konservierenden Maßnahmen zu seiner Erhaltung gegen einen künstlichen P. abgewogen werden.
Behandlung von Milchzähnen, Erhaltung von Milchzähnen, Fehlstellung von Zähnen, kieferorthopädische Frühbehandlung, Kinderprothese, konfektionierte Krone ("Kinderkrone"), Milchzahnverlust vorzeitiger, Nance-Apparatur, ortho-circ, Stützzone, Zahnbewegungen, Zahnwanderung
Prothetik im Milchzahngebiss - Rehabilitation mit Lückenhaltern und Kinderprothesen







zwei Kinderkronen als P.

Platzmangel
Platzdiskrepanz, engl.: shortage of space (in the dental arch); Missverhältnis zwischen der Größe eines Zahnbogens und dem Platzbedarf für einen oder mehrere Zähne. Abweichung, Bolton Analyse, Engstand, Fehlstellung von Zähnen, Mesialdrift, Moyers Analyse, Neff-Verhältnis, Platzbedarfsanalyse, Staffelstellung, Stützzone, Tonn-Index, Zahnbreite

Plausibilitätsprüfung ; engl.: plausibility check Tagesprofile, Vertragsarztrechtsänderungsgesetz

Plaut-Vincent Angina
engl.: Vincent's angina, trench mouth; pseudomembranöse Racheninfektion, (meist) begleitet von einer eitrigen Gingivitis; hervorgerufen durch Borrelia vincentii (Spirochäte) oder Fusiformis fusiformis (Gram- Bakterium). Besonderes Auftreten bei Jugendlichen mit reduziertem Allgemeinzustand, Raucher, schlechter Mundhygiene.
Symptome sind schmerzhafte eitrige Zahnfleischentzündungen, "fauler" metallischer Geschmack, Mundgeruch, vergrößerte Halslymphknoten
Stomatitis

Plazebo , Placebo

Plica
Falte, engl.: do.; Ausdruck u.a. für die Schleimhautfaltungen des harten Gaumens: Plicae palatinae transversus. Die ähnlich dem Fingerabdruck äußerst individuelle Faltung des Gaumens kann in der Kriminologie Anwendung zur Identifizierung ( Palatoskopie) finden.
Gaumenfalten, Rugae

Plombe
Plombieren, engl.: filling, restoration; laienhafter, falscher Ausdruck für eine Füllung bzw. "eine Füllung legen"; der Ausdruck leitet sich von der französischen Bezeichnung plomb = Blei ab, ein früher gebräuchliches Füllungsmaterial.
Füllung

Plugger
Wurzelkanalstopfer, endodontischer Planstopfer, eng.: = Stopfer; glattes, leicht konisches Wurzelkanalinstrument mit planer Arbeitsspitze. Einsatz hauptsächlich bei der Verdichtung (Kondensation) der Wurzelkanalfüllung mittels Guttapercha-Spitzen.
Amalgamstopfer, BeeFill (Downfill,Backfill),


PMA-Index
engl.: PMA of Schour-Massler; in D wenig gebräuchlicher Parodontalindex. Gemessen werden die Entzündungsgrade der Interdentalpapillen (P), der marginalen (M) und der atteched (A) Gingiva. Parodontale Indizes

PMIK
Pharmakomechanische Infektionskontrolle; relativ junges Konzept als antiinfektiöse Therapie bei der Behandlung von Zahnfleischentzündungen ( Parodontitis) als Kombination von mechanischer Instrumentierung (Reinigung, Politur) der Wurzeloberflächen und anschließender lokaler, subgingivaler Applikation eines Doxycyclin-Gels. Die Behandlung erfolgt in 2 Phasen:

lokale Antibiotikazufuhr, Matrix-Metalloproteinasen - MMP, Parodontalbehandlung

PM-Punkt , Wendepunkt an der Kinnkontur zwischen B-Punkt und Pogonion als sog. Übergangspunkt von der Konkavität zur Konvexität des Kinnbereichs

zu Pn-Pz

[ Autor: Dr. Klaus de Cassan ]    [ Anfragen ]
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