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AAA-Knochen
engl.: aaa-bone = antigen-extracted autolysed allogenic bone; entsprechend vorbehandeltes, organisches, allogenes Knochenersatzmaterial, um die Gefahr der Krankheitsübertragung, Abstoßung oder Allergie zu vermeiden.

A-Linie
auch Ah-Linie, engl.: palatal vibrating line; die Ansatzlinie des Gaumensegels (befindlich am hinteren Gaumen als Übergang vom harten in den weichen Gaumen) gilt bei Vollprothesen als Anhaltspunkt für die hintere Begrenzung der Gaumenbasis (1 bis 2 mm hinter die A.-L.). Der Name entstammt daher, da diese Linie beim Sprechen eines lang gezogenen "Aah's" bei geöffnetem Mund sichtbar ist.
Kompressionsabdruck, Vibrationszone

abakteriell
"ohne Bakterien", engl.: abacterial; z.B. Erkrankungen (Entzündungen), welche primär nicht durch Bakterien ausgelöst werden.

Abbau ; engl.: (bone) disintegration; Atrophie

Abbe-Neuber-Plastik
Abbe-Neuber-Lippenplastik
, engl.: Abbe-plasty, Abbe flap, (Abbe-)lip-switch technique; zu den Spätoperationen zählende Oberlippenplastik - hauptsächlich bei Lippenspalten, aber auch bei Defektverletzungen durch Traumata oder Tumorerkrankungen angewandt. Dabei wird eine zu kleine Oberlippe mit Unterlippengewebe aufgefüllt: Ein am Lippenrot gestielter Dreiecklappen aus der Unterlippe, welcher umgebende Haut, Muskulatur und Schleimhaut enthält, wird durch eine 180°-Umkehrplastik in die, im Bereich der Narbe aufgetrennte, Oberlippe eingelagert. Nach ca. 4 Wochen Durchtrennung des ernährenden Stiels. Atmungs- und starke Essbehinderung, Sondennahrung erforderlich.
Lappenoperation

Abbindeexpansion
engl.: setting expansion; Verhalten von Werkstoffen, während des Aushärtens ( Abbinden) die Form zu vergrößern bzw. an Volumen zuzunehmen. Bekannte Vertreter in der ZHK sind Amalgame und Gipse, wobei gerade bei Amalgamen - wegen eines dadurch verbesserten Randschlusses - sich diese Eigenschaft positiv auswirkt.
Die Abbindeexpansion der gebräuchlichen Modellgipse (und anderer abbindender mineralischer Stoffe) darf nach den einschlägigen Normvorschriften einen Grenzwert nicht überschreiten. Dieser liegt bei den Spezialgipsen unter 0,1 %.
Abbinden

Abbindekontraktion
Schrumpfung
, engl.: shrinkage; Verhalten von Werkstoffen, während des Aushärtens die Form zu verkleinern bzw. an Volumen zu verlieren. Bekannte Vertreter in der ZHK sind die Kunststoffe; , Abbinden, Polymerisationsschrumpfung

Abbinden
"Aushärten", engl.: to set; Schlagwortbezeichnung für den komplexen chemischen Vorgang der Verfestigung von Stoffen, deren Ausgangskomponenten zumindest aus einer flüssigen Substanz bestehen. Der Abbindeprozess bis zur völligen Aushärtung verläuft meist nicht geradlinig. Je nach gewünschter Eigenschaft des Materials kann es notwendig sein, diesen Prozess durch chemische Abbindeverzögerer zu verlängern oder durch Abbindebeschleuniger zu verkürzen. Einen weiteren Einfluss auf die Abbindezeit hat die Temperatur und die anteilmäßige Zusammensetzung des Gemisches. Reaktionsbedingt wird bei dem Vorgang des A. Wärme ("Abbindewärme") frei, die bei Mundmaterialien (z.B. Füllungsmaterialien) beachtet werden muss. Ebenso treten häufig Volumenveränderungen während des A. auf.

Abbot Hammer
engl.: do.;  nach einem Berliner Zahnarzt (Frank A., 1836-1897) benanntes motorgetriebenes Gerät zur Kondensation von Feingold bei Goldhämmerfüllungen

ABC-Apparat
kieferorthopädisches Behandlungsgerät - gleichzeitig im Ober- u. Unterkiefer - zur Einstellung eines korrekten Zusammenbisses mittels sog. "intermaxillärer Gummizüge".

ABC-Kontakte
engl.: ABC-Stops; Schlagwortbezeichnung für die Lokalisation von Antagonistenkontakten im Sinne einer stabilen Okklusion im Seitenzahngebiet. Das vor allem bei der Aufwachstechnik angestrebte Ziel unterscheidet drei Lagebeziehungen beim Kontakt zum Gegenzahn (Antagonistenkontakt):
  • A-Kontakt: Kontakte der bukkalen Höcker von Ober- und Unterkiefer. Dies ist gleichbedeutend  mit Kontakten zwischen den Scherhöckern des Oberkiefer-Zahnes und den Stampfhöckern des Unterkiefer-Zahnes.
  • B-Kontakt: Kontakte der palatinalen Höcker des Ober- mit den bukkalen Höckern des Unterkiefers. Dies ist gleichbedeutend  mit Kontakten zwischen den Stampfhöckern von Ober- und Unterkiefer.
  • C-Kontakt: Kontakte der oralen Höcker von Ober- und Unterkiefer. Dies ist gleichbedeutend  mit Kontakten zwischen den Stampfhöckern der OK-Zähne und den Scherhöckern der UK-Zähne.

In der Praxis genügen normalerweise A und B- bzw. C und B-Kontakte; sie bewirken eine stabile Okklusion und haben eine axiale Zahnbelastung.
Molarenrelation, Okklusion, Tripodisierung
Video

 


Abdeckkappe
Verschlusskappe, engl.: (implant) coping; Bezeichnung für eine:
1.) vorgefertigte Metallhülsenkappe, welche einen Zahnstumpf nach dessen Präparation provisorisch versorgt; konfektionierte Krone, Zinnkrone (nur noch wenig gebräuchlich)
2.) Verschlusskappe, welche bei enossalen Implantaten während der Einheilphase in den Implantatkörper geschraubt wird, um das Implantatinnengewinde - dieses nimmt später den Implantatpfosten auf - vor Verunreinigungen und z.T. vor Überwachsungen zu schützen (s. Abb.).
Abdruckpfosten, Implantat



eingeheiltes Implantat.
Schematisch ist der
im Kieferknochen liegende Implantatpfosten dargestellt

Abdeckplatte
Nachblutungsplatte, Bluterplatte, Verbandplatte, engl.: cradle; meist aus Kunststoff gefertigte Verbandsplatte zum mechanischen Verschluss bzw. Kompression einer Wunde bei bekannter ( Blutgerinnungsstörungen) oder drohender Nachblutungsgefahr. Zum festen Sitz dieser Platte wird diese mit Klammern oder Ligaturen am Restgebiss befestigt; im zahnlosen Kiefer kann eine Retention z.B. durch Umschlingung des Kiefers erfolgen.
Obturator

Abdingung
Abdingen, engl.: to cede; Schlagwortbezeichnung für:
1.) Erbringung von Leistungen, die nicht zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören und per A. mit dem Patienten "privat" - d.h. auf dem Boden der GOZ - vereinbart werden,
2.) Außer Kraft setzen des maximalen Steigerungsfaktors von 3,5 der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ)

Abdruck
Schlagwortbez. für eine Abformung im Kieferbereich, engl.: (dental) impression, cast; zahnärztliches Verfahren zur möglichst exakten (je nach Verfahren bis hin zum µ-Bereich) Duplikation von Bereichen der Kiefer oder Zähne (sog. Negativkopie), welches später die Mundsituation auf einem sog. Modell außerhalb des Mundes wiedergibt. Die A. können mit vorgefertigten Behelfen (Fachjargon: "Abdruck-Löffel" bzw. "Konfektionslöffel" (bei A., wo es nicht so sehr auf die Präzision ankommt) oder mit speziell für die Mundsituation angefertigten Schablonen (individueller Löffel, Indivlöffel, Funktionslöffel) genommen werden.
Nach eingesetztem Material und Verfahren unterscheidet man zwischen starren A. (heute ohne Bedeutung) und elastischen A.:
  • elastisch-irreversibel, d.h. der A. ist nach Abbindung des Materials zwar noch beweglich, verändert seine Form aber nicht mehr (sog. Rückstellungsvermögen). Heute meist gebräuchliche A.-Art. Typische Vertreter als Materialien sind die Alginate und die elastischen Kunststoffe (Elastomere) wie die Polyether, Polysulfide und Silikone. Beim Abbindungsprozess nur von einer geringen Wärmeentwicklung. Das Rückstellungsvermögen ist sehr gut.
  • elastisch-reversibel, d.h. durch bestimmte äußere Einflüsse (z.B. Wärme) kann eine erneute Formveränderung durchgeführt werden. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts als "Non-Plus-Ultra" bezeichnet, konnten sich diese Massen besonders wegen ihrer umständlichen Handhabung und vergleichbaren Materialien auf Elastomer-Basis in der Praxis nicht durchsetzen. Bekannte Vertreter sind die Hydrokolloide.
  • starr-irreversibel, d.h. nach dem Abdruck nicht mehr veränderbar und zusätzlich ohne Elastizität (Rückstellungsvermögen). Diese nur noch von historischer Bedeutung erwähnten Massen - Vertreter sind  Abdruckgips (äußerst ungenau), Zinkoxid-Eugenol-Paste (schlecht zu verarbeiten, unangenehmer Geschmack), Kunststoffe (i.d.R. mit hoher (schädlicher) Temperatur beim Abbinden - werden wegen besserer Alternativen kaum noch eingesetzt.
  • starr-reversibel, auch: thermoplastisch, (Kompositionsabformmassen), d.h. nach der Abdrucknahme können die nicht elastischen Abdrücke durch bestimmte Maßnahmen - meist durch Wärme - wieder verändert werden. Historisch bekannte Vertreter sind: Abdruckwachse, Stent's u. Kerr Massen, Guttapercha. Heute von geringer Bedeutung; u.U. als Registrierungsmaterial und bei Funktionsabformungen im Bereich der Ah-Linie verwendet.
  • Eine neuartige Gruppe mit noch wenig Langzeiterfahrung stellen die Silginate dar.

Die Präzision moderner Abformmassen ist heute sehr hoch und liegt bei korrekter Verarbeitung im µm-Bereich (tausendstel Millimeter); Lagerzeitkontraktion.
Je nach eingesetztem Material müssen die A. sofort (z.B. bei den Alginaten) oder verzögert (z.B. bei den Silikonen) ausgegossen werden, um so wieder eine exakte positive Situation der Mundsituation herzustellen.
Eine gelegentliche Komplikation bei der Abdrucknahme stellt bei disponierten Patienten der Würgereiz dar.

Bei der Verarbeitung von Abformmaterialien tauchen folgende Zeitbegriffe auf:

  • Mischzeit
    ist die Zeit, die zur Anmischung (meist aus den zwei Grundbestandteilen Paste und Katalysator) zur Verfügung steht. Diese entfällt bei den heute gebräuchlichen Kartuschensystemen; bei einer Handanmischung (z.B. knetbare Materialien wie Optosil™) sollte diese Mischzeit eingehalten werden, um eine gute Vermengung zu erreichen
  • Gesamtverarbeitungszeit
    Mischzeit + Zeit für das Einfüllen in den Abdrucklöffel + Zeit bis zum Einbringen des Löffels in den Mund bzw. auf die Zahnreihe
  • Mundverweildauer
    Zeit der eigentlichen Aushärtung des Materials im Mund. Diese Zeit darf aus Präzisionsgründen nie unterschritten werden, auch wenn sich das Material schon "abgebunden" anfühlt
  • Abbindezeit
    setzt sich aus Gesamtverarbeitungszeit und Mundverweildauer zusammen

Special: Kronen

Abdruckarten (-techniken), Abdrucklose Praxis, Abdruckwachs, Ausblocken, Ausgießen, Brücke, Doppelmischabdruck, Einphasenabformung, Einzelabformung, Elastomere, Funktionsabdruck, Gingivaformer, Gipsabformung, Guttapercha-Abformung, Hydrokolloid-Abdruck, Kartusche, Kauabdruck, Kompositionsabformmassen, Kompressionsabdruck, Korrekturabdruck, Krone, Kupferringabdruck, Lagerzeitkontraktion, Latex, Muco-Seal® Abformung, optischer Abdruck - digitale Abformung, Prothese, Rim-Lock Löffel, Rückstellung, Sägemodell, Schluckabdruck, Situationsabdruck, Teilabdruck, temporäre Gingivaretraktion, Thixotropie, Überabformung, Viskosität, Vorabdruck, Zahnersatz, Zahnimpressionen, Zweiphasenabformung
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/05/05H160/t7.pdf
Video




Übersicht:
Abformmaterialien








mukostatischer Abdruck



antiquiert:
Kupferring-
Kerr-Abdruck

 

Abdruckarten
Abdrucktechniken
, Abformungsarten, engl.: impression techniques; es existieren eine Vielzahl von Abdruckarten und -techniken, um eine möglichst genaues Abbild von Zähnen, Präparation, Kieferabschnitten oder anderen Teilen der Mundhöhle zu reproduzieren. I.d.R. erfolgt auf Grundlage eines Abdrucks dann eine Weiterverarbeitung in einem zahntechnischen Labor.
  • (hand)aktiver Abdruck - geführter Abdruck
    engl.: active impression; durch den Zahnarzt werden die sonst natürlichen Bewegungen von Lippen, Wangen und Zunge des Patienten durchgeführt, bzw. der Patient veranlasst, während der Abbindephase des Materials aktive Mundbewegungen durchzuführen
  • anatomischer Abdruck - Situationsabdruck
    engl.: anatomic impression, anatomic cast; "einfacher" Abdruck im Ruhezustand, welcher die anatomischen und topographischen Verhältnisse der sichtberen Zahnoberflächen und Kieferteile wiedergibt. Das daraus gewonnene Situationsmodell dient entweder zu Studienzwecken oder ist Grundlage für die Anfertigung von Provisorien oder speziellen Abdrucklöffeln (Individuelle Löffel)
  • bimaxillärer Abdruck - mundgeschlossene Abformung
    engl.: bimaxillary impression; gleichzeitige Abformung der Strukturen von Ober- und Unterkiefer;
    Gegenbißabformung mitsamt der Arbeitsabformung in einem Arbeitsgang. Die Abdrucknahme erfolgt mit speziellen Abdrucklöffeln; der Unterkiefer befindet sich in Normalstellung zum Unterkiefer. z.B. http://mc-dental.com/german/kiefer/twin-jection.html
  • biodynamischer Abdruck Singer-Sosnowski-Abdruck
    engl.:
    biodynamic impression; dem Funktionsabdruck ähnliches Abdruckverfahren im teilbezahnten Kiefer: Zum Ausgleich von Resilienzunterschieden von Parodontium und Schleimhaut erfolgt der Abdruck mit einem individuellen Löffeln unter okklusalem Druck
  • direkter Abdruck
    engl.: direct impression, direct technique; früher bei der Anfertigung von Gussfüllungen gebräuchliche Abdruckart: Ein spezielles Abdruckwachs (inlay wax) wurde im erwärmt-plastischen Zustand in die präparierte Kavität gebracht, darin ausgeformt und nach einem temperaturbedingten Verfestigen als Negativ aus der Kavität wieder entfernt und entsprechend gusstechnisch aufbereitet. Im Gegensatz zum indirekten Abdruck entfällt hierbei die aufwendige Modellherstellung
  • Dual-Arch-Abformtechnik , Okklusionsabdruck
    "beide Kiefer gleichzeitige Abformung", Abformtechnik, bei welcher neben den präparierten Zähnen gleichzeitig die Antagonisten im Gegenkiefer mittels Okklusionslöffel abgeformt werden; für kleinere Kieferbereiche angewandt http://www.zahnheilkunde.de/beitragpdf/pdf_1406.PDF
  • Einphasenabformung - einzeitiger Abdruck; Einphasenabformung
  • Entlastungsabdruck; Kompressionsabdruck, Muco-Seal® Abformung
  • Funktionsabdruck , engl.: functional impression; Funktionsabdruck
  • indirekter Abdruck
    engl.: indirect impression, indirect technique; heute fast ausschließlich angewandtes Verfahren mit dem Ziel, möglichst wenige Arbeitsgänge im Mund des Patienten durchführen zu müssen: Mit Präzisionsabdruckmassen wird eine Negativform im Mund hergestellt, in einem Labor mit einem Modellgips ausgegossen und so eine 1:1 Mundsituation zur Weiterverarbeitung durch einen Zahntechniker vorgegeben. Je nach Verarbeitungstechnik unterscheidet man dabei
    Doppelmischabdruck, Einphasenabformung, Korrekturabdruck und Zweiphasenabformung
  • Kompressionsabdruck - Belastungsabdruck; Kompressionsabdruck
  • mukodynamischer Abdruck , engl.: mucodynamic impression; Funktionsabdruck
  • mukostatischer Abdruck , myostatischer Abdruck; engl.: mucostatic or myostatic impression;
    Abformung bei geöffnetem Mund bei der Anfertigung von Vollprothesen mittels spezieller Löffel. Es werden keine aktiven oder passiven Bewegungen durchgeführt und dünnfließende Abformmassen verwendet.
    Muco-Seal® Abformung.
    Begriff auch für die Abformung des teilbezahnten Ober- oder Unterkiefers mit Hilfe eines Konfektionslöffels zur Abformung von präparierten Zähnen für Kronen, Brücken oder Modellgussarbeiten.
  • mundoffene Abformung
    engl.: open mouth impression; Standardvorgehen bei der Abdrucknahme; Es werden Ober- und Unterkiefer in getrennten Arbeitsgängen abgedrückt
  • Okklusionsabdruck ; s.o. unter Dual-Arch-Abformtechnik
  • optischer Abdruck - digitale Abformung
    engl.: optical impression technique; von den konventionellen Techniken zu unterscheiden sind Abdruckarten, welche auf einem Verzicht von Abdruckmaterialien beruhen und statt dessen auf dem Prinzip der Abtastung der (sichtbar-zugänglichen) Zahnoberfläche mittels optischer Verfahren (z.B. Laser) im Rahmen der CAD/CAM-Techniken beruhen. optischer Abdruck
  • Ringabformung - Kupferringabdruck
    engl.: band impression; eher historisches Verfahren als Vorläufer der indirekten Abdruckverfahren: Bei Einzelstümpfen mittels exakt angepasster kleiner Kupferringe oder -käppchen; diese dienen als Träger für das eigentliche Abformmaterial, welches aus thermo-plastischen Massen (z.B. Kerr), später dann Silikonen, besteht. Über die Kupferringe wird anschließend ein gesamter Situationsabdruck genommen
  • Sammelabformung, Fixationsabformung, Überabformung
  • Teilabdruck - Teilabformung
    engl.: partial or sectional denture impression; meist bei der Provisorienherstellung von Einzelkronen im Seitenzahnbereich durchgeführtes Verfahren
  • Zweiphasenabdruck - zweizeitiger Abdruck - Sandwichabformung; Zweiphasenabformung

Abdruck ; http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/05/05H160/t7.pdf

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Übersicht:
Abdruckarten

Abdruckgips , engl.: impression plaster; Abdruck, Gipsabformung

Abdrucklöffel , Abformlöffel, engl.: impression tray; Abdruck, Ehricke-Löffel, individueller Abdrucklöffel

Abdrucklose Praxis
Schlagwortbezeichnung für Herstellungskonzepte z.B. bei vollkeramischen Zahnersatz nach der CAD/CAM-Technologie. Eine Abdrucknahme in der Praxis entfällt nach diesen Konzepten komplett. Die durch einen "Scan" gewonnenen Daten - inklusive dem Antagonisten - werden entweder in der Praxis direkt in eine Steuereinheit eingegeben, gefräst und in der selben Sitzung beim Patienten eingesetzt ( CEREC) oder mittels Internet direkt an ein angeschlossenes Dentallabor übermittelt.
optischer Abdruck - digitale Abformung

Abdruckpfosten
Übertragungspfosten, engl.: transfer coping, impression post; im Rahmen der Herstellung (Abformung) einer Implantat-Suprakonstruktion benötigtes Hilfsmittel: Nach erfolgter Einheilphase wird die bis dahin getragene Abdeckkappe kurzzeitig entfernt und das Implantat mit einem A. versehen, welcher in dem darüber genommenen Abdruck verbleibt und im Labor durch den sog. Modellpfosten ersetzt wird.
Implantat



Abdruckwachs
engl.: impression or inlay wax; schon bei Mundtemperatur leicht plastische, wachsreiche Wachse mit einem Schmelzpunkt (Erstarrungspunkt) von unter 50 Grad. Bei der direkten Abdrucktechnik von Inlays gebräuchlich

Abell Konturenzange
engl.: Abell contouring pliers; bei der Konturierung von Bändern und bei der früher gebräuchlichen Bandkrone verwendete Zange zur gewölbten Ausformung. Dies wird durch eine Zange erreicht, deren Backen (Branchen) einmal konkav und einmal konvex geformt sind und beim Zangenschluss ineinander greifen.
Extraktionszange, Konturzange


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Aberration
Abweichung, engl.: do.; fetale Verlagerung von Keimgewebe ("Keimversprengung"). In der ZHK u.a. mit der Folge einer Zahnkeimverlagerung bekannt. Auch gebraucht für eine abnorme Verlagerung eines durchgebrochenen Zahnes an einer anderen Stelle im Gebiss, z.B. ein Molar steht dort, wo sich sonst ein Eckzahn befindet.
Fehlstellung von Zähnen, Verlagerung, Zahnektopie

Abfraktion
durch Scher- oder Zugspannung ausgelöste Mikroaussprengungen der Zahnhartsubstanz (Schmelz, Dentin) im Gebiet der Schmelz-Zement-Grenze auf der vestibulären Zahnfläche. keilförmige Defekte

Abflussrinne
Abflusskanal, Abflussweg, engl.: impression drain; beim Korrekturabdruck angewandtes Verfahren, um ein leichtes Abfließen überschüssiger, dünnfließender Abdruckmasse zu gewährleisten. Mit einem speziellen Instrument ("Hohlmesser") werden - besonders im Bereich der eigentlichen Präparation(n) - rillenförmige Abflusskanäle zum Abdruckrand hin gearbeitet. Ohne eine derartige Maßnahme kommt es beim Zweitabdruckverfahren zu einem "Stempeleffekt" und somit zu falschen Resultaten.
Abdruck, Trennfolie

Abformung ; engl.: cast; Abdruck

abgestützte Prothese , auch zahngetragene Prothese, engl.: tooth-borne prosthesis; Prothese, abgestützte

Ablation , engl.: do.; Wegnahme, operative Entfernung eines Organs od. Körperteils; in der Lasertechnologie: Materialabtragung durch starke Wärmezufuhr (Photoablation)

Abnahmeprüfung , engl.: acceptance inspection; qualitätssichernde Maßnahme im Rahmen der Röntgenverordnung (§ 16 u. § 17).

abnehmbar
entfernbar, engl.: removable detachable; Bezeichnung für die Formen von Zahnersatz, die vom Patienten selbst entfernt werden können. Es handelt sich hierbei um den sog. herausnehmbaren Zahnersatz.
Unter "bedingt abnehmbar" (conditional removable) versteht man Zahneratzformen, welche nur in einer zahnärztlichen Praxis - meist aus hygienischen Gründen - vorübergehend entfernt werden können. Hierbei handelt es sich meist um verschraubte Riegel- oder Implantatsuprakonstruktionen
festsitzend

Abrasion
"Abnutzung", "Abschaffung", engl.: abrasion, tooth wear; durch den Kauvorgang ausgelöster Verlust der Zahnhartsubstanzen infolge von Reibung (z.B. Attrition, Demastikation), beginnend mit dem Schmelz, im fortgeschrittenen Zustand sich über das Dentin bis zur (ehemaligen) Zahnpulpa fortsetzend. Es wird unterschieden: Wenn zwei Zähne beim Zubeißen oder Schlucken aufeinander treffen, also zum Beispiel ein eigener, unbehandelter Zahn (Schmelz) auf eine Keramikkrone, so spricht man auch von Zweikörperverschleiß oder Attrition. Wenn sich zwischen den Zähnen Nahrungsstoffe befinden, oder wenn die Zahnbürste mit Zahnpaste über die Zähne gleitet, so spricht man von Dreikörperverschleiß oder A.
Ebenfalls werden A. - je nach Materialbeschaffenheit - an Füllungen und Zahnersatzarbeiten beobachtet. Man unterscheidet Abnutzungen durch:
  • altersbedingt = physiologische A.
  • Nahrungsbestandteile, besonders bei "starken Kauern" und harter Nahrung; Naturvölkern
  • Putzkörperbestandteile in der Zahnpasta ( RDA-Wert)
  • Staubkontakte bei Industriearbeitern
  • Unarten, wie Nägel und Stecknadeln zwischen den Zähnen halten oder sonstiges "nervöses" Herumkauen auf Gegenständen
  • chemische Auflösung, z.B. durch unsachgemäßes Pipettieren mit Säuren, Kauen auf Zitonenscheiben usw. ; Erosion
  • mechanische Beanspruchung ( Usur) bei starken Pfeifenrauchern
  • eine interstitielle Abrasion
    wird dadurch bedingt, dass sich die Zahnkronen an ihren Kontaktpunkten gegenseitig alterbedingt "abschleifen" - aus einem punktförmigen wird ein gewölbt-flächiger Kontakt. Dabei wird die hinter Zahnfläche konvex und die vordere konkav abradiert. Attrition

Das durch eine A. freiwerdende Dentin ist nur gering oder gar nicht empfindlich, da durch den mechanischen Abrieb eine Schmierschicht erzeugt wird, die die empfindlichen Dentinkanälchen verschließt.
Häufig sind A. mit einer Vorverlagerung und Absenkung des Bisses ("Biss-Senkung") und dadurch bedingter Kiefergelenksbeschwerden sowie mit Entzündungen der Mundwinkel ( Rhagade) verbunden.
Abrasionsgebiss, Abrasivität, Attrition, Bisshebung, Demastikation, Erosion, Frontzahnchips, Jankelson-Verfahren, Kaukraft, Metallkaufläche, SchlittenartikulationSchliff-Facette, Shimbashi Norm, Usur, Zahnwanderung




starke A. durch einen Deckbiss und Frontzahn-
kronen



starkes Abrasionsgebiss
Deutlich sind (von außen nach innen am Zahn) der schmale Schmelz, das breite gelbliche Dentin und in der Mitte die ehemalige Pulpa zu erkennen

 



Erhöhung des Bisses (etwaige Wiederher-stellung des Urzustands) mittels Bisshebung

Abrasionsfacette , engl.: abrasion facet; Schlifffacette

Abrasionsgebiss
"Vielkauergebiss", engl.: (badly) abraded dentition; Schlagwortbezeichnung für ein durch starke Beiß- und Kauabnutzung entstandener Gebisszustand. Kennzeichnend sind der mehr oder weniger starke Verlust von Fissuren und Höckern, Schneidekanten, Schlifffacetten und eine Bisssenkung. Typisch für den Gebisszustand von Naturvölkern ab dem mittleren Alter (s. Abb.). Da derartige Zustände über einen längeren Zeitraum entstehen, bestehen im Gegensatz zu Gebisszuständen bei Knirschern und Pressern nur selten Beschwerden.
Abrasion, Interkuspidationstiefe, palatinale Plateaus


A. eines Indianers

Abrasionsstrahlgeräte, engl.: air abrasive instruments; Pulverstrahlgeräte

Abrasivität
Abnutzung, Schmirgelwirkung, engl.: abrasive property; in der ZHK im Zusammenhang mit der Schmirgelwirkung von Zahnpasten gebräuchlich. Messung nach sog. RDA-Werten (RDA = Radioactive Dentin Abrasion). Je höher dieser Wert ist, um so stärker ist die gewünschte Schmirgelwirkung (meist durch den zugesetzten Bimsstein) zur Entfernung von Belägen und sonstigen Verunreinigungen. RDA-Werte von 30 gelten als gering abrasiv, solche mit Werten zwischen 70 u. 80 bezeichnet man als mittel-abrasiv; Werte über 100 gelten als stark abrasiv.
Bei einem intakten Zahnschmelz können die mechanischen Abrasionsstoffe wenig Schaden anrichten, da dieser sehr viel härter ist; Messung dieser A. durch den REA-Wert = Radioactive Enamel Abrasion. Gefährlich kann dagegen die A. bei freiliegenden Zahnhälsen/-wurzeln verbunden mit einer falschen Putztechnik und einer zu harten Zahnbürste sein.
Pro Professioneller Zahnreinigung (PZR) errechnete sich insgesamt ein Dentinverlust zwischen 0,24 µm und 1,48 µm. Bei einer Prophylaxe-Frequenz von ein bis sechs Mal jährlich käme es damit zu Abrieben zwischen 1,44 µm und 8,88 µm im Jahr. Dies würde bedeuten, dass es zwischen 11 und 69 Jahren dauert, ehe 0,1 mm Dentin allein durch Prophylaxe abradiert wird. Damit liegt der so verursachte Dentinverlust deutlich unter den Abrasionswerten, die zum Beispiel durch das tägliche Zähneputzen entstehen: Diese rangieren zwischen 4 µm und 35 µm in der Woche.
Abrasion, Demastikation, Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen, Zahnbürste, Zahnpasta
RDA-Wert von versch. Zahnpasten
 

 



Abrasionen
(RDA-Werte) ausgesuchter Pasten

Abrechnungsprüfung abgerechneter zahnärztlicher Leistungen (in der Gesetzlichen Krankenversicherung); Wirtschaftlichkeitsgebot

Absauganlage
Absauggerät
, "Suktor" engl.: suction unit; z.T. in die "Helferinnenseite" einer zahnärztlichen Behandlungseinheit integriertes Gerät ("Suktor") zum Absaugen von Flüssigkeiten, Materialresten und Spraynebel. Da in einer zahnärztlichen Praxis selten nur eine Behandlungseinheit vorhanden ist, befindet sich der Absaugmotor meist zentral für alle Einheiten der Praxis in einem separatem Raum. Diesem vorgeschaltet ist - in D gesetzlich vorgeschrieben - ein Amalgamabscheider.
Grundsätzlich werden bei A. zwei Konstruktionsprinzipien unterschieden (nach ZA M. Logies):
"Bei der klassischen Trockenabsaugung findet die Separierung Luft/Wasser schon in der Einheit statt. Die Luft sorgt fürs Vakuum, das separierte "Wasser" läuft dann aber per Schwerkraft u. damit niedriger Strömungsgeschwindigkeit in den Abfluss. Bei Nassabsaugung gehen "Wasser" und Luft gemeinsam durch strömungsoptimierte Abwege mit hoher Geschwindigkeit zur Saugmaschine u. werden erst dort, kurz vor der Saugmaschine, separiert."
Absaugen, Amalgamabscheider, Trockenlegen

Absaugen
Absaugung
, engl.: suctioning, pump out; durch das zahnärztliche Assistenzpersonal ( Vier-Hand-Technik) durchgeführte Maßnahmen zum Trockenhalten des Eingriffsgebietes und/oder zur Entfernung von Kühlflüssigkeit ("Spray") bzw. Bestandteilen, die während einer Präparation anfallen. Dies bewirkt eine Übersicht und Sauberkeit des Arbeitsfeldes. Eingesetzt werden hierzu Speichelsauger oder an Absauganlagen ("Suktor") angeschlossene Absaugkanülen.

Abscherfraktur
Abspaltungsfraktur, engl.: cleavage or shearing fracture; meist im Gelenkbereich vorkommende, durch tangentiale Scherkräfte ausgelöste Knochenfraktur. In der ZHK meist bei der tiefen Kiefergelenkfortsatzfraktur (Collumfraktur) auftretend.
Kieferfrakturen

Abschlussrand
engl.: bead seal, beading;
1.) Ventilrand einer Vollprothese
2.) palatinales Abschlussband oder " hinterer Saugrand" als dorsale Begrenzung einer Vollprothese im Sinne einer Abdämmleiste. Dieser - innerhalb der Vibrationszone gelegen - wird durch einen Funktionsabdruck mit entsprechender Kompression (Belastungsabformung, Kompressionsabdruck) der weichen Gaumenteile in diesem Gebiet erzielt oder zuweilen im zahntechnischen Labor durch Radieren am Gipsmodell entsprechend geschaffen.
3.) unterfütterbarer hinterer Gaumenrand bei einer Modellgussbasis, wenn diese bis in den weichen Gaumen reicht
Ventilrand

Abschrägung
Anschrägung, Randabschrägung, Schmelzabschrägung, engl.: chamfer, bevel;
1.) Bezeichnung für den Abschluss einer kantigen Präparationsgrenze, wie sie bei einer Inlay- oder Stufenpräparation auftritt: der Übergang zum natürlichen Zahn verläuft nicht rechtwinklig, sondern die Kante wird mehr oder weniger stark im Schmelzbereich - i.d.R. mit Handinstrumenten, sog. Randschrägern oder Schmelzbeilen - gebrochen. So vermindert sich die Undichtigkeit, die von einem Randspalt ausgeht. Wegen der dadurch dünn auslaufenden Restauration, ist ein solches Vorgehen nur bei metallischen Werkstoffen möglich; bevel enamel, Federrand, Scheibenschliffpräparation; s. Abb.
2.) Anschrägung des Kavitätenrandes im Schmelzbereich bei der Adhäsivtechnik. Hierdurch wird eine größere Schmelzoberfläche erzielt und es stehen mehr Schmelzprismen zur Haftung zur Verfügung
3.) Abweichen des Winkels von der Parallelität bei Zahnstümpfen oder Teleskopkronen (Konvergenzwinkel, Konuswinkel)


Abschrecken
engl.: hardening; schnelles Abkühlen einer metallischen Legierungsschmelze zur Veränderung des Gefüges. I.d.R. wird geht dadurch die sich verfestigende Schmelze in einen amorphen Festkörper über. Die Anordnung der Atome ist nicht mehr regelmäßig wie in einem Kristallgitter, sondern ähnlich ungeordnet wie in einem Glas (metallisches Glas).
Legierung, Oberflächenhärte

Abstrahlen
engl.: blow off, shot blasting; Entfernen der Einbettmasse und Oxidschichten nach dem Schleuder- oder Vakuumguss von dem Gussobjekt. Zur Anwendung gelangen in der Zahntechnik Korundstrahler, die im Umlaufstrahlverfahren arbeiten, d. h., die Strahlmittel werden solange wiederverwendet, bis sie verschlissen sind.
Pulverstrahlgeräte

Abstrich
engl.: smear; Schlagwortbezeichnung für die zu diagnostischen Zwecken (Zytodiagnostik, bakteriologische Untersuchung) erfolgende Entnahme von Untersuchungsmaterial von der Haut- oder Schleimhautoberfläche mittels Abstrichnadel, -öse , -spatel oder -tupfer; in der ZHK vor allem mittels steriler Papierspitzen (sog. DNA-Sonden, z.B. "Gensondentest") aus der Zahnfleischtasche ( bakteriologische Identifizierungssysteme) bzw. mittels einer Bürste (sog. Bürstenbiopsie, auch: "Bürstentest"). Dazu werden Papierspitzen in die Zahnfleischtaschen eingeführt und für ca. 30 sec. dort belassen. Die Bakterien werden so in die Papierspitzen aufgesaugt, in sterilen Röhrchen (bakteriendicht verschlossen) aufbewahrt und in ein spezielles Labor zur Auswertung geschickt. Im mikrobiologischen Labor erfolgt die Anzüchtung der Keime unter aeroben und anaeroben Bedingungen. Als Nährmedien dienen i.d.R. Schafsblutagar, Kochblutagar unter CO2- Begasung, Blutagar unter anaeroben Bedingungen und McConkey- Agar zur Identifizierung von gramnegativen Bakterien. Zum Nachweis von Pilzen dient z.B. Sabboroagar. Die Bebrütung dauert zwischen 24 (anaerobier) und 48 Stunden; eine Keimdifferenzierung kann nochmals 24 Stunden dauern.
Agar, Eiter

Abstützelemente
engl.: anchor or support elements; Oberbegriff für zahlreiche Konstruktionen, welche den herausnehmbaren Zahnersatz oder ein kieferorthopädisches Gerät ganz oder teilweise an den eigenen Zähnen abstützen ("parodontale Abstützung", "Parodontal getragen"; tooth supported), um ein Absinken zu vermeiden und ein "natürliches" Beißgefühl zu geben. Bekannte Konstruktionen sind Auflagen an Klammern, Dorne, Geschiebe, Teleskopkronen und Stege
Abstützung, abgestützte Prothese, Halteelement, Teilprothese

Abstützung
engl.: abutment, anchorage, support; durch Abstützelemente an natürlichen Zähnen oder Implantaten bewirkte Übertragung von Kräften, welche von einem (herausnehmbaren) Zahnersatz bei Belastung ausgehen; sog. "parodontale Abstützung", o. "dentale Abstützung" (tooth supported). Die Abstützelemente können z.B. Auflagen an Klammern, Dorne, Geschiebe, Teleskopkronen oder Stege sein.
Nach Anzahl und Lage der A. werden nach Steffel (1962) unterschieden (s. Abb. oben):
punktförmige Abstützung
lineare Abstützungen:
  - linear - transversale Abstützung
  - sagittale Abstützung (unilateral anterior/posterior)
  - linear - diagonale Abstützung
trianguläre Abstützung
quadranguläre Abstützung,
polygonale Abstützung,
wobei die beiden letzteren Formen eine stabile, die trianguläre eine weitgehend stabile Prothesenlage und somit eine Schonung des Restgebisses garantieren.
E. Körber (1987) unterteilt in 5 Klassen (s. Abb. unten). Im Gegensatz zu Steffel, welcher die auftretenden, unphysiologischen Kräfte in den Vordergrund stellt, klassifiziert Körber nach der Art der Prothesenlagerung und der Auflageachse:
A: parodontale Abstützung - unterbrochene Zahnreihe
B: parodontal-gingivale Lagerung - optimale Auflageachse
C: parodontal-gingivale Lagerung - wie B, aber weniger stabilisiert
D: parodontal-gingivale Lagerung - kurze Auflagerungsachse
E: vorwiegend gingivale Lagerung - einzelne Zähne
Bei einem Freiendsattel werden meist federnde Abstützelemente - z.B. Resilienzgeschiebe - (= federnde Abstützung) eingesetzt, um die Resilienz der Kieferschleimhaut zu kompensieren.
abgestützte Prothese, Auflage, Klammer, Lückengebiss, Stützfeld
 

 


 


Abszess
Abszeß, Eiterbeule, "fluktuierende Schwellung"; Abscessus, engl.: abscess; durch sog. Eiterbakterien (meist bakterielle Mischinfektionen aus zwei u. mehr Bakterienarten wie z.B.  Staphylokokken und Streptokokken) verursachte eitrige Gewebseinschmelzung ("eitrige Infektionsherde") überwiegend in nicht vorgeformten Körperhöhlen; meist durch Palpation an der typischen Fluktuation erkennbar; in der ZHK häufig als submuköser Abszess, engl.: gumboil, s.u. vorkommend. Im Gegensatz zur Phlegmone ist der A. eine, durch aus Granulationsgewebe bestehende Abszessmembran begrenzte, abgeschlossene Eiteransammlung mit fluktuierender Konsistenz. Daneben sind auch (seltene) sterile A. bekannt.
Als Phoenix-Abszess bezeichnet man einen wieder aufbrechenden A.
Zahnärztlicherseits sind die häufigsten Ursachen für einen A. Entzündungen von Zahnwurzeln ( Granulom) und infizierte Zahnfleischtaschen (Parodontalabszess; Parodontitis) sowie ein erschwerter (Weisheits-)Zahndurchbruch. Obwohl kein spezifischer Erreger für derartige Infektionen verantwortlich gemacht werden kann, scheinen hauptsächlich anaerobe Keime beteiligt zu sein, deren krankheitserregendes Potenzial durch verschiedene Virulenzfaktoren verstärkt wird. Das Keimspektrum bei odontogenen Infektionen besteht meist aus einer Mischflora, in der anaerobe grampositive Kokken und gramnegative Stäbchen vorherrschen (darunter Micromonas sp., Prevotella sp., Porphyromonas sp. und Fusobacterium sp.). Als Faustregel gilt, dass beim frischen A. ein aerobes Keimspektrum vorherrscht. Nach Verbrauch des Sauerstoffes in der Abszesshöhle wird erst das notwendige Milieu für Anaerobier geschaffen. Die rein anaerobe Kultur repräsentiert somit die Spätform eines A.

In der ZHK sind mehrere Abszessformen bekannt, wovon die meisten im Volksmund als "Dicke Backe" bezeichnet werden:

  • akuter oder heißer Abszess
    äußerst schmerzhafte, sich innerhalb weniger Stunden bildende Abszedierung im Gebiet der Gesichtsweichteile. Ursächlich sind i.d.R. apikale Entzündungen oder parodontale Erkrankungen
  • chronischer Abszess
    langsam verlaufende bzw. schon länger bestehende Abszedierung innerhalb der Weichteile; häufig ohne schmerzhafte Reaktionen sich aus einem akuten A. entwickelnd: Sei es, dass die Virulenz der Bakterien gering ist, das körpereigene Immunsystem den A. im Schach hält und/oder eine Fistelung für einen natürlichen Abfluss der Eitersekrete sorgt
  • Fossa canina Abszess
    von den Front- o. Eckzähnen ausgehend und anatomisch dorsal durch faziale Kieferhöhlenwand, ventral durch die Wange, lateral durch eine bukkale Loge und medial durch Nase begrenzt; starke Schwellung der Oberlippe, Nase, Wange und Lider
  • marginaler Abszess als Folge einer infizierten, vertieften Zahnfleischtasche; Parodontalabszess
  • masseteriko-mandibulärer Abszess
    anatomisch medial durch die Unterkiefer-Außenkortikalis, lateral und kaudal durch den Masseter-Muskel begrenzt. Ausgeprägte Kieferklemme bei meist auf das Muskelgebiet begrenzter Schwellung. Therapie: Inzision von intraoral her
  • odontogener Abszess
    von einem (devitalen) Zahn oder Zahnfleischtasche ausgehende Eiterung versch. Lage und Ausprägung
  • palatinaler Abszess: Gaumenabszess + Abb. rechts
  • paramandibulärer Abszess
    von einem submukösem Abszess ausgehender, im hinteren Teil des Unterkiefers gelegener, sich in die Wangenweichteile ausbreitender Abszess. Ein damit verbundenes Begleitödem kann dabei weite Teile der betreffenden Wange erfassen
  • parapharyngealer Abszess
    Logenabszess in der seitlichen Rachenregion, welcher z.B. bei einem erschwerten Weisheitszahndurchbruch auftreten kann. Bei größerer Ausdehnung kann es zu Schluckbeschwerden und Atemnot kommen, welche eine sofortige extraorale Inzision erforderlich machen
  • parodontaler Abszess, "Taschenabszess", marginaler Abszess; Parodontalabszess
  • perimandibulärer Abszess
    "um den Unterkieferknochen herum" gelegener A.; meist um die Außenseite im hinteren Unterkieferbereich. Der Knochenrand ist nicht mehr tastbar; Kieferklemme und Schluckbeschwerden bei stark reduziertem Allgemeinzustand, mäßiger Druckschmerz und starker Spontanschmerz sind weitere Merkmale. Fast immer odontogenen Ursprungs; perimandibulärer Abszess
  • pterygomandibulärer Abszess
    Logenabszess, anatomisch lateral von der Unterkiefer-Innenkortikalis, medial vom M. pterygoideus med., ventral vom M. buccinator u. der Raphe pterygomandibularis begrenzt. Typisch ist das "Schuchardtsche Zeichen" (starke Abweichung des Unterkiefers zur gesunden Seite hin). Therapie meist mittels extraoraler Inzision
  • Pulpaabszess
    Eiteransammlung innerhalb des Zahnnervs, meist durch Mikroorganismen verursacht (Pulpitis acuta purulenta partialis)
  • retromandibulärer Abszess
    Lokalisation in der Fossa retromandibularis, vor der Parotisloge, versteckt hinter dem aufsteigenden Ast
  • retromaxillärer Abszess
    Logenabszess, welcher distal vom Oberkiefer liegt und durch seine Nähe zur Augenhöhle (Orbitalabszess) und dem Schädel (Sinusthrombose) sich in eine für Infektionen kritische Bereiche ausbreiten kann. Neben odontogen Ursachen auch iatroge als Folge einer Kieferhöhlenperforation und Tuberanästhesie beobachtet
  • retropharyngealer Abszess
    im hinteren Rachenbereich, vor der Halswirbelsäule gelegener und gern aus anderen Logen fortgeleiteter Abszess, verbunden mit starken Atem- und Schluckbeschwerden und der Gefahr eines Übergreifens auf die Halsgefäßscheiden. Therapie meist durch intra- und extraorale Inzision unter Vollnarkose
  • subakuter oder kalter Abszess
    weniger heftig verlaufender und ausgeprägter akuter Abszess
  • sublingualer Abszess - Sublinguallogenabszeß - Zungenabszess
    unterhalb des Zungenkörpers gelegener, selten auftretende Eiterung. Neben odontogenen Ursachen und Speicheldrüsenerkrankungen (Sialadenitis (Speicheldrüsenentzündung) der Glandula sublingualis (Unterzungenspeicheldrüse)) kommen Bissverletzungen und ein Zungenpiercing in Frage
  • submandibulärer Abszess
    unter dem Unterkieferrand (der Rand selbst bleibt ohne Fluktuation tastbar) gelegene, nicht scharf begrenzte Eiteransammlung in der Submandibularloge, meist odontogenen Ursprungs. Selten Zeichen einer Kieferklemme oder Wangenbeteiligung. Inzision von extraoral unter Vollnarkose
  • submentaler und perimentaler Abszess - Kinnabszess
    i.d.R. von den Frontzähnen des Unterkiefers ausgehende Eiterung (s. Abb.), zuweilen von einer Fistel ("Kinnfistel") begleitet. Inzision von extraoral her
  • submuköser Abszess
    häufigster odontogener A.; Lokalisation unter der vestibulären Schleimhaut des Ober- oder Unterkiefers als Folge von apikalen Entzündungen. Therapeutisch durch intraorale Inzision gut beherrschbar
  • subperiostaler Abszess
    äußerst druckschmerzhafte Eiteransammlung unter der Knochenhaut. Wegen der tiefen Lage und der Druckschmerzhaftigkeit ist nur selten eine Fluktuation zu ertasten; schwierige klinische Abgrenzung zum subperiostalen Infiltrat

Die Behandlung eines A. besteht neben einer Ursachenbeseitigung (z.B. Trepanation des Zahnes oder Reinigung der entzündeten Zahnfleischtasche) meist in seiner chirurgischen Eröffnung ( Inzision, Spaltung). Während die umschriebenen submukösen Abszesse meist durch eine intraorale Inzision eröffnet werden können, müssen die tiefer gelegenen Logenabszesse durch eine extraorale Inzision in Intubationsnarkose eröffnet werden.
Antibiotika können im Anfangsstadium (wenn sich noch keine Abszessmembran vollständig ausgebildet hat) u.U. nützlich sein, dienen aber meist nur zur Abschirmung des umgebenden Gewebes bei einem geschwächten Immunsystem.
Für die Therapie odontogener Infektionen schlagen (Eckert AW et al.: Keimspektren und Antibiotika bei odontogenen Infektionen. Renaissance der Penicilline? Mund Kiefer GesichtsChir 2005; 9: 369-376; BSMO, in FVDZ-NewsLetter vom 16.1.06) folgende Strategien unter Berücksichtigung regionaler Gesichtspunkte vor:
submuköse Abszesse mittels Inzision und Drainage behandeln, nur bei Ausbreitung Antibiotikagabe
Logenabszesse mittels Inzision und Drainage behandeln, Antibiotikagabe - Mittel der Wahl Penicillin G oder V - u.a. bei Mehrlogenabszessen
bei schweren Grunderkrankungen (Immunsuppression) z.B. Amoxicillin, eventuell zusammen mit Clavulansäure; alternativ Clindamycin.

Vergleichsstudien (in vitro) zwischen Penicillin vs. Amoxycillin/Clavulansäure, Moxifloxacin sowie Levofloxacin ergaben eine wesentlich höhere Empfindlichkeit gegenüber Mischinfektionen durch die nicht penicillinhaltigen Antibiotika. Das getestete Erregermaterial stammte aus von Zähnen ausgehenden A..  Die meisten der Erreger waren Streptokokken oder gehörten zur anaeroben Prevotella-Gattung. Die Tests fielen für drei Antibiotika besonders gut aus: 100% der Kulturen reagierten empfindlich auf Amoxycillin/Clavulansäure und 98% der Kulturen auf Moxifloxacin und Levofloxacin. Weniger gut reagierten die Erreger auf Doxycilin (76%) und Clindamycin (75%).
Abszessmembran, Autovakzine, bakteriologische Identifizierungssysteme, chronisch granulierende Entzündung, Drainage, Eiter, Gaumenabszess, Granulom, Infiltrat, Mumps, Mundbodenphlegmone, Parodontalabszess, Parulis, perimandibulärer Abszess, Phlegmone, Spaltung, Vereiterung
Antibiotikaempfehlungen
Video

 



submuköser A. von einem beherdeten
kleinen Backenzahn
ausgehend



Gaumenabszess von
einem Granulom
ausgehend

 



submentaler A.



perimandibulärer Abszess



extraorale Fistel ausgehend von einem zerstörten UK-Zahn

Abszesseröffnung
Abszessspaltung
, engl.: abscess incision; chirurgische Maßnahme (mittels Skalpell), damit das sich im Abszess befindliche, unter Druck stehende Exsudat nach außen abfließen kann. Damit sich diese Öffnung nicht bald wieder von allein schließt, wird meist für eine gewisse Zeit eine Drainage eingelegt. Die chirurgische A. richtet sich nach topographisch- anatomischen Kriterien sowie nach der Abszesslokalisation. Die Inzision erfolgt entweder von extraoral oder von intraoral und sollte nach Möglichkeit im unteren Gebiet des Abszesses erfolgen.
Abszess, Abszessmembran, Inzision, Stichinzision

Abszessmembran
engl.: abscess membrane; dünnes Häutchen, welches die Abszesshöhle zu seiner Umgebung als diffusionshemmende Barriere abgrenzt. Das sich zuerst bildende Granulationsgewebe wird später durch bindegewebige Strukturen ersetzt bzw. umhüllt (Abkapselung). Durch die A. kann ein Antibiotikum nur in geringem Umfang durchtreten, wodurch keine wirksame Konzentration des Medikamentes in der Abszesshöhle aufgebaut werden kann. In diesem Stadium ist die chirurgische Therapie durch Inzision des Abszesses mit nachfolgender Drainage die eigentliche Therapie
Abszess

Abt-Letterer-Siwe Syndrom
engl.: Letterer-Siwe syndrome; akute und schwerste Verlaufsform der Histiozytose X (Langerhans-Zell-Histiozytose). Bei der schon im Säuglingsalter auftretenden, unbehandelt meist tödlichen Erkrankung, sind u.a. auf der Haut rotbraune Knoten erkennbar. In der Mundschleimhaut sind die Wangen, der Gaumen und der lymphatische Rachenring betroffen. Sehr seltene, rezessiv vererbte Krankheit, die bei 80% der Patienten schon im Säuglingsalter ausbricht, jedoch auch noch bis zum Schulalter auftreten kann. Weltweit sind unter 200 Fälle registriert. Der genetische Defekt ist bislang unbekannt, eine Fehlfunktion der Immunzellen ist jedoch wahrscheinlich.  http://www.beepworld.de/
Eosinophiles Granulom
https://de.wikipedia.org/wiki/Histiozytose_X#Abt-Letterer-Siwe-Syndrom , Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH)

Abusus , Missbrauch, engl.: abuse; übermäßiger Gebrauch von Arznei- und Genussmitteln im Sinne von damit verbundenen schädlichen Auswirkungen

Abutment
Aufbau, Pfeiler, Verankerung, Widerlager, engl.: do.; in der Implantatprothetik gebraucht Bezeichnung für ein Verbindungselement zwischen dem eigentlichen Implantat und der Suprakonstruktion (z.B. eine Kugel-Knopf-Verankerung oder ein individuell/konfektionell gefertigtes A.). Zum Einsatz kommen Titanabutments (konventionell), A. aus Aluminiumoxidkeramik und aus Zirkondioxidkeramik.
In den letzten Jahren ist eine vermehrte Anwendung individuell gefertigter A. zu beobachten. Konfektionell gefertigte A. haben durch ihre rotationssymetrische Grundform den Nachteil, dass sie sich häufig nicht optimal in die Zahnreihe einpassen lassen (besonders wenn die Reihe nicht regelrecht ausgebildet ist) und so das Anfertigen einer Suprakonstruktion erschweren oder unmöglich machen. Ein Anpassen ("Einschleifen") im Mund ist wegen des harten Materials (Titan, Zirkoniumdoxid) fast nicht möglich und anatomisch häufig gar nicht durchführbar. Derartige Probleme treten bei laborgefertigten, individuellen A. nicht auf, allerdings besteht ein zahntechnisch hoher Zeit- und Kostenaufwand.
Implantat, Konnektor, Mesostruktur, Zylinderimplantat-intramobiles
moderne Wege zum Implantat-Abutment ; Video




Keramik-A., individuell gefertigt

Abweichung
engl..: deviation, anomaly;
1.) im Sinne einer Abweichung vom Mittelwert: Deviation
2.) im Sinne einer Anomalie (Fehlbildung); in der ZHK gebraucht zur Bezeichnung von Abweichungen der Zähne (= dentoalveoläre Abweichung) oder Kiefer (= skelettale Abweichung) von der Normalposition im dreidimensionalen Raum, wobei klinisch häufig Kombinationen der unten aufgeführten A. auftreten:

Angle Klassifikationen, Eckzahndistanz, Eugnathie, Kieferorthopädie, Pont-Index

access-flap ; Kirkland, Parodontalchirurgie

Acetylsalicylsäure
ASS, Aspirin™, engl.: acetylsalicylic acid; eines der wohl am meisten bekannten Arzneimittel; vor über 100 Jahren als Schmerzmittel entdeckt, sind weitere Wirkungen bekannt und therapeutisch genutzt worden:
-- eine blutverdünnende Wirkung ( Thrombozytenaggregationshemmer)
-- eine gefäßschützende Komponente im Sinne eines antioxidativen Effekts
-- ein möglicher krebshemmender (antikanzerogener) Wirkmechanismus von A. ist die Hemmung der Cyclooxigenase
Auf Grund des Blutgerinnungs-hemmenden Effekts besteht bei zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen die Gefahr einer Nachblutung; beherrschbare Zwischenfälle werden mit 1:250 angegeben. Die Gefahr möglicher Thromboembolien nach Absetzen von ASS übersteigt das Nachblutungsrisiko. Sprechen die Umstände gegen eine Fortführung der ASS-Behandlung, so sollte diese höchstens 3 Tage, besser kürzer, unterbrochen werden.
ASS-Präparate sollten nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Ebenso bei Kindern: hier kann das zwar seltene aber mitunter tödlich verlaufende Reye-Syndrom ausgelöst werden.
Bei gleichzeitiger Einnahme von niedrig dosierter ASS und Ibuprofen sind Wechselwirkungen möglich, weil Ibuprofen die gerinnungshemmende Wirkung von ASS verringern kann.
Analgetika, Behandlungen in der Schwangerschaft, Blutgerinnungsstörungen, Quincke Ödem, Salicylsäure

Achsenmerkmal , engl.: axial characteristic; Zahnmerkmale

Achsiographie
Axiographie, enfl.: axiographia; Aufzeichnung von Bewegungsspuren des Unterkiefers bzw. der Kondylen ( Scharnierachse).
  Funktionsanalyse, Inzisalpunkt, Registrierung, Unterkiefergrenzbewegungen
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/habil-online/

Achspunkt
Scharnierachsenpunkt, engl.: hinge axis point; primär: jeder Punkt auf der Scharnierachse. In der Praxis als der Hautpunkt, durch welchen die virtuelle Scharnierachse den Schädel verlässt. Häufig "mittelwertig" im Bereich der tastbaren Kiefergelenke auf der Haut markiert = arbiträrer Achspunkt

Acrylate
"Akrylharze", engl.: acrylates; Oberbegriff für die Polymere der Acrylsäure; sie zeichnen sich durch die Acrylgruppe (CH2=CH-COOH) aus. In der ZHK bekannte Verbindungen sind Diacrylate und Polymethylmethacrylate (z.B. als Basismaterial für Prothesen)

Actinobacillus
Actinomycetem-comitans, neuerdings ( http://ijs.sgmjournals.org/cgi/content/abstract/56/9/2135) auch: Aggregatibacter actinomycetemcomitans, "Aggregatus bacter",  A.a.c., engl.: do.; gramnegatives, fakultativ anaerobes Stäbchen-Bakterium; gilt als eines der aktivsten Keime bei den aggressive Formen von Zahnfleischerkrankungen und als Begleitkeim bei einer Aktinomykose. So erfolgt etwa bei 30 bis 50 Prozent der erkrankten Patienten in deren Plaque ein Nachweiß von A.; bei den aggressiven Formen (z.B. die juvenile Parodontitis) sogar zu über 90 %. Sein Haupt-Virulenzfaktor ist das Leukotoxin, mit dem die zelluläre Immunantwort (neutrophile Granulozyten) geschwächt wird. Allerdings ist auch bei etwa 30 % der parodontal Gesunden ein derartiger Keim als physiologisch zu finden.
Kollagenase, Leitkeime, Markerkeime, Parodontitis

Actinomyces odontolyticus
A.o.; wenig bedeutender (physiologischer) Markerkeim, anaerob bis mikroaerophil lebend, einer der Mitverursacher der Aktinomykose, Markerkeime

ADA
American Dental Association, Vereinigung der US-amerikanischen Zahnärzte. Besondere Bedeutung hat die ADA für das nicht-europäische Ausland dadurch, dass Empfehlungen oder Ablehnungen zur Zertifizierung von zahnärztlichen Medikamenten und Werkstoffen direkt gegeben bzw. gegenüber der strengen Kontrollbehörde FDA ausgesprochen werden; obwohl im Ausland nicht verbindlich, hat das Urteil in diesen Ländern - mangels eigener Einrichtungen - häufig verbindlichen Charakter.
In den EU-Staaten unterliegen die dentalen Produkte meist dem europäischen Medizinproduktegesetz (MPG).
FDA, Medizinprodukte
The ADA-Dental-Product-Guide

Adamantin ; vom griech. adamantinos = extrem hart, Substantia adamantina; (Zahn-)Schmelz.

Adamantoblasten , engl.: adamantoblasts; schmelzbildende Zellen ("Schmelzbildner"), Schmelz

ADAM-Komplex
engl. Abk. für Amniotic Deformity Adhesions Mutilations; Missbildungen, u.a. im Gesichtsbereich (atypisch verlaufende Gesichtsspalten), welche durch Stränge der Fruchthülle (Amnionstränge, amniotic bands) im Mutterleib verursacht werden.

Adamsklammer
engl.: Adam's clasp; häufig verwendetes kieferorthopädisches, zweiarmiges Halteelement (Klammer) zur Befestigung bzw. zur Übertragung von Kräften von herausnehmbaren Behandlungsgeräten an den Molaren (seltener an Prämolaren); gelegentlicher Einsatz beim prov. Zahnersatz.
Aktive Platte, Klammer

Adaptationsfacette , Schlifffacette

addental
addentalis
, engl.: do.; den Zähnen anliegend; Begriff gebräuchlich für die Zungenposition in der artikulatorischen Phonetik (im Zusammenhang mit der Aussprache), im Gegensatz zu "zwischen den Zähnen liegend" = interdental
Logopädie

Adenographie
engl.: adenography; Röntgenkontrastdarstellung von Drüsen oder deren Ausführungsgängen, in der ZHK bekannt unter Sialographie oder Sial(o)adenographie

Adenoidenkiefer
engl.: adenoid jaw; ungeläufige Bezeichnung für eine typische Kieferverformung, welche durch ausschließliche habituelle Mundatmung im Entwicklungsalter entstehen kann: ausgeprägter Schmalkiefer mit hohem Gaumendach. Ursache sind meist organische Störungen im Nasen-Rachen-Raum ("adenoides Syndrom", z.B. Wucherung der Tonsillen)

Adenolymphom (a)
Cystadenolymphom, von Zysten durchsetzter Speicheldrüsentumor, Albrecht-Arzt-Tumor, Warthin-Tumor, engl.: papillary cystadenoma lymphomatosum; zu den Hamartomen (Wucherungen, die von einer Gewebsfehlentwicklung ausgehen) gehörender gutartiger Tumor, bevorzugt in der Parotis auftretend

Adenom
Drüsengeschwulst, engl.: adenoma; von einem Drüsenepithel ausgehende, meist gutartige Geschwulst, verbreitet im Körper, besonders im Darm ("Polyp") vorkommend. In der ZHK bekannt als: 
pleomorphes Adenom - sog. Speicheldrüsenmischtumor -, engl.: mixed parotis tumor; gilt als häufigster Tumor der Parotis (Ohrspeicheldrüse); er tritt bevorzugt bei Frauen ab der 5. Lebensdekade auf. Der langsam wachsende Tumor, welcher gelegentlich bösartig entarten kann (3-5% der Fälle) besteht aus epithelialen und mesenchymalen Strukturen, die ohne deutliche Grenze ineinander übergehen. Dieser Parotismischtumor kann als rundliche, prall-elastische verschiebliche Geschwulst palpiert werden. Er wird nur selten größer als eine Walnuss - allerdings wurden auch schon erhebliche größere Formen beschrieben. Eine Fazialisparese tritt auch bei großen Gebilden nicht auf - wenn doch, so spricht dies differentialdiagnostisch für einen malignen Tumor.
Sehr viel seltener ist das pleomorphe A. in der Unterkieferspeicheldrüse (Gl. submandibularis) oder in den kleinen Speicheldrüsen zu finden (~ 10%).
Basalzellenadenom, Mundhöhlenkarzinom, Speicheldrüsen, Speicheldrüsentumoren
Gaumenschwellung durch pleomorphes Adenom (Speicheldrüsenmischtumor); zm, 2014
Basalzellenadenom der Glandula parotidea

adental
zahnlos, engl.: non-dentate; ohne Bezug darauf, ob die Zahnlosigkeit genetisch bedingt ist ( Hypodontie) oder erst im Laufe des Lebens erworben wurde. unbezahnt, zahnlos

Aderer Zange
"Drei-Finger-Zange", Biegezange, engl.: three-prong-pliers, three jaw pliers; Spezialzange zum kantigen Biegen ("eckige Knicke") von Klammern und kieferorthopädischen Drähten. Der Draht wird zwischen den Branchen eingeklemmt und beim Zusammendrücken in der Mitte geknickt. Mit dieser Zange sind sehr exakte Knicke möglich.

adhärent ; engl.: adherent; anhängend, anhaftend, verwachsen. So werden die Makrophagen als "adhärente Zellen" bezeichnet, da diese "Fresszellen" durch elektrische Ladung bzw. Scheinfüßchen sich an "Fremdkörper" anhaften und schließlich zur Vernichtung in ihr Zelleninneres aufnehmen (sog. Phagozytose)

Adhäsion
Anhangskraft, Anziehung(skraft), "Klebekraft", engl.: adhesive (force o. power); Aneinanderhaften von Molekülen an Grenzflächen durch zwischenmolekulare Kräfte; wichtiger Faktor z.B. beim Halt einer Vollprothese. Voraussetzung ist, dass sich die Moleküle so nahe wie möglich kommen. Die Beschaffenheit des Speichels spielt dabei eine wichtige Rolle. Derartige Klebekräfte können durch sog. Haftmittel (Cremes, Pulver) noch verstärkt werden.
Adhäsionsprothese, Haftmittel, Vollprothese

Adhäsionsprothese
"Die Gaumenfreie"
, engl.: adhesive prosthesis; nicht mehr zeitgemäße Oberkiefer-Vollprothese, welche nach einem speziellen Abdruckverfahren (Munzscher Abdruck, Adhäsionsabdruck) gefertigt wird; dabei sollen angeblich die Adhäsionskräfte "optimal" ausgenutzt werden. Hierbei sollte die Haftwirkung aus dem Zusammenspiel der Kohäsions- und Adhäsionskräften des Speichels und der Schleimhaut sowie des Speichels mit der Prothese entstehen.
Adhäsion, Halteelemente, Vollprothese
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/05/05H160/t5.pdf (S.9)

adhäsiv , engl.: bonding; Adhäsivtechnik

Adhäsivbrücke , Maryland-Brücke;  Klebebrücke

Adhäsivfüllung , Adhäsivtechnik

Adhäsivpräparation
engl.: etwa "minimal-invasive preparation (for adhesive bonding technique)"; Schlagwortbezeichnung für eine Präparationsart mit besonderer Charakteristik im Sinne eines minimal-invasiven Vorgehens und Anwendung der Adhäsivtechnik: Beschränkung der Kavität auf den reinen Defekt nach Kariesentfernung und nicht nach den klassischen Blackschen Regeln. Es wird der gesamte noch strukturierte Schmelz geschont und durch Anschrägung breite Haftflächen geschaffen.

Adhäsivtechnik
Adhäsivverfahren, Klebetechnik, ehemals: Säure-Ätz-Technik (SÄT), SDA (schmelzdentinadäsiv) engl.: adhesive bonding technique; Oberbegriff für begleitende Verarbeitungsmethoden vor allem beim Einsatz von Komposit-Materialien, zum Befestigen von außerhalb des Mundes gefertigten Füllungen und Zahnersatzarbeiten (Keramik-Inlay, Klebebrücke, Veneers). Historische Unterteilung in die Schmelzätzung (M. Buonocore, 1955) und die Dentinhaftung (N. Nakabayashi, 1982).
In der Literatur tauchen eine Vielzahl von Begriffen und Systemen bei der A. auf, die häufig das Gleiche besagen oder nur unwesentliche Modifikationen mit einem neuen Ausdruck belegen. In einer Übersichtsarbeit (Blunck, 2005 in ZP) werden allein 48 unterschiedliche Systeme aufgeführt! Von einer Kombination der versch. Produkte untereinander wird i.d.R. abgeraten, da die besten Werte nur innerhalb des Gesamt-Systems erreicht werden. Weiterentwicklungen der bestehenden Adhäsivsysteme zielen vornehmlich auf eine Vereinfachung in der Verarbeitung hin, um so bei ebenbürtiger Qualität eine wirtschaftlichere Verarbeitung zu ermöglichen.

Die A. macht den Verzicht auf besondere retentive Präparationstechniken ( Blacksche Regeln) möglich (= "Adhäsivpräparation") und verhalf ästhetisch ansprechenden Füllungsmaterialen ( Komposites) zu einem breiten Einsatz in der Füllungstherapie und bei der Eingliederung von Restaurationen mit adhäsiven Befestigungszementen. Unabdingbare Voraussetzung für ein derartiges Vorgehen ist aber eine gute Mundhygiene, da die Füllungsränder häufig nicht mehr in einer der natürlichen Reinigung gut zugänglichen Bezirken liegen ( minimal-invasiv) und bei der Verarbeitung im Mund eine Freiheit von Feuchtigkeit ( Trockenlegung). Unvollständige Trockenlegung, aber auch exzessive Lufttrocknung haben einen messbaren Einfluss auf die erzielbare Qualität der Haftung. Für optimale Verbundstärken ist daher die penible Einhaltung der Anwendungsvorschriften unbedingt erforderlich.

Das Prinzip der A. besteht darin, dass ein niedrigvisköses Kunststoff-Monomer ("flüssiger Kunststoff"; Haftvermittler) einen Verbund zwischen der Zahnhartsubstanz (Schmelz, Dentin) einerseits und dem entsprechenden Füllungsmaterial (z.B. einem Komposite) andererseits eingeht. Hierzu muss die Zahnoberfläche entsprechend vorbehandelt ("konditioniert") werden. Durch Aufbringung einer Säure (meist 30-40%ige Phosphorsäure; Ätzgel) über einen Zeitraum von 20 bis 40 Sekunden auf die Zahnsstrukturen wird durch Herauslösen von Hydroxylapatit eine oberflächliche Schicht von ca. 10 µm abgetragen und Rauhigkeiten von etwa 30 µm Tiefe geschaffen (Fachbegriff "Etching"). Die dadurch bedingte Oberflächenvergrößerung (
Mikrorentionsrelief) bietet eine bessere Benetzbarkeit für sog. Haftvermittler (Bezeichnungen: Bond, Adhäsive). Der Haftvermittler - ein niedervisköser Kunststoff - fließt in die aufgelösten Strukturen ein und ergibt nach Aushärtung (i.d.R. mittels Lichthärtung) eine mikromechanische Verankerung, an dessen gegenüberliegender Oberfläche das eigentliche Füllungsmaterial eine chemische Verbindung eingeht. Derart ist es mit modernen Adhäsiven möglich, stabile Haftfestigkeiten von über 24 MPa zu erzielen und so ganze Zahnteile - z.B. eine Schneidekante - wieder an den Zahn "anzukleben" (siehe Abb., sog. "Schneidekantenaufbau"). Nur wenige Untersuchungen gibt es bisher über die Dauerhaftigkeit des Verbundes im Mundhöhlenmilieu. Deshalb sollte dieser Faktor weiterhin kritisch betrachtet werden.
Auf den erwähnten Prinzipien beruhend, ergeben sich folgende 3 - 4 Schritte zum Aufbau einer Haftung am Zahn. Moderne Materialien fassen mehrere dieser Schritte zusammen (s.u.):
  • Aufbereiten ("Ätzen") des Schmelzes (= Schmelz-Konditionierung) mit Säuren führt zur Ausbildung eines Ätzmusters (= mikromechanische Verankerung)
  • Aufbereiten ("Ätzen") des Dentins (= Dentin-Konditionierung) mit Säuren löst die präparationsbedingte Schmierschicht (smear-layer; s.u.) auf, demineralisiert die Oberfläche des Dentins und die Tubuluseingänge und legt so das organische Kollagennetzwerk frei.
    Es gibt Verfahren, die diese Schmierschicht aus bestimmten Gründen belassen; mehr dazu unter Dentinhaftung
  • Auf die so konditionierten Oberflächen von Schmelz und Dentin wird ein feuchtigkeitsfreundlicher Primer ("Grundierer", s.u.) aufgetragen, der in die Dentinkanälchen (Tubuli) eindringt. Durch Anwendung eines sauren Primers ("dentinkonditionierender Primer") kann der vorherige Arbeitsschritt ("Ätzen" des Dentins) entfallen
  • Auf die derart vorbereitete Kavitätenoberfläche wird das eigentliche Adhäsiv ("Kleber", s.u.) aufgebracht. Dieses vermischt sich mit dem Grundierer und bildet die sog. Hybridschicht, welche wiederum als Bindeglied für das später darauf applizierte Füllungsmaterial (i.d.R. ein Komposite) dient.
    Da materialbedingt bei der späteren Verarbeitung eines Komposites eine Schrumpfung eintritt, sollte diese Hybridschicht ("Pufferschicht") möglichst elastisch sein

Das Adhäsivsystem "Gluma" (Heraeus Kulzer / Bayer) war auf dem deutschen Dentalmarkt das erste Produkt und bestand noch aus 4 Komponenten, die nacheinander eingesetzt werden mussten. Heute noch Anwendung bei der Behandlung überempfindlicher Zahnhälse.
Im Zusammenhang mit der A.-Technik tauchen eine Vielzahl von Begriffen - meist in Englisch - auf:

  • Adhäsive
    "Kleber", "Bonder", lange, große Monomere sorgen für die Verankerung des Füllungsmaterials oder der Restauration (bei Befestigungszementen) im Dentin und Schmelz. Die Materialeigenschaften zwischen den modernen Adhäsiv- und den dazu gehörigen Füllungsmaterialien sind fließend.
  • All-in-one Adhäsive ("Ein-Schritt-Haftvermittler", "One-Step Adhäsive")
    Ihre Applikation kombiniert Ätzen, Primer und Bonding in einem einzigen Schritt, was eine erhebliche Zeitersparnis bedeutet. Es sind dies weiterentwickelte Primer, welche eine Konditionierung mit Säure ("Anätzen") und ein zusätzliches Bonding überflüssig machen. Bekannter Vertreter: z.B. Prompt L-Pop der Fa. Espe, Etch & Prime 3.0 der Fa. Degussa. Nach einigen Untersuchung besteht kein Unterschied in der Qualität der späteren Füllungen zwischen selbstätzenden Adhäsivsystemen im Vergleich zu den One-Bottle-Adhäsivsystemen; andere Studien bezeichnen die spätere Verbundstärke geringer als die von mehrstufigen Systemen.
    Eine gewisse Inkompatibilität besteht bei diesen Adhäsiv-Systemen mit chemisch härtenden ("Zwei-Pasten-Gemisch") Kompositen und beeinflusst vor allem das Bonding an Dentin. Durch die Zugabe eines Anionen-Tauschers zum Komposit kann dieser Nachteil verbessert werden.
  • Bondingsysteme zur Befestigung von Keramiken und indirekter Kompositrestaurationen lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Produkte auf Phospatbasis und auf Carboxylatbasis. Während bei ersteren häufig Phosphorsäure (34% Phosphorsäure, 10% NaOCl) zur Konditionierung des Dentins verwendet wird, kommt bei einigen Carboxylaten "10-3-liquid" (10% Ascorbinsäure, 3% Eisenchlorid) zum Einsatz.
  • Conditioner
    Konditionierer, sind i.d.R. Säuren
    bzw. Kalziumkomplex-Bildner ( Ätzgel), welche die Oberfläche von Zahnhartsubstanzen (Schmelz, Dentin) anlösen und dadurch bedingt durch Oberflächenvergrößerung sog. Mikrorententionen schaffen (siehe auch unter Schmierschicht).
    Die zusätzliche Anwendung von Er:YAG-Lasern zur Konditionierung in der Adhäsivtechnik erbringt, verglichen mit der alleinigen Konditionierung der Zahnhartsubstanz durch Phosphorsäure, keine Verbesserung der Haftkraft.
  • Dentinhaftung unter eigenem Begriff im Lexikon
  • Einflaschensysteme
  • Füllgrad der Adhäsivsysteme
    Zum einen soll das Adhäsiv so "dünn" sein, dass es zur guten Haftung problemlos in die Dentinkanälchen eindringen kann, zum anderen soll eine glatte Oberfläche erzeugt werden, damit beim Aufbringen der Komposite/Kompomere keine Luftblasen eingeschlossen werden - eine gewisse Schichtstärke ist deshalb von Nöten, um die nach der Präparation meist rauhe Oberfläche einzuebnen. Da alle Komposite/Kompomere beim Aushärten schrumpfen, wird angestrebt, dass dass Adhäsiv zusätzlich als elastische "Puffer-Schicht" dient.
  • Lagerfähigkeit
    Bei allen Systemen ist die Lagerfähigkeit - bedingt durch die "sauren Monomerlösungen" - begrenzt. Meist werden Zeiten von ~ 2 Jahren angegeben, dabei ist der Herstellerhinweis "Kühlschranklagerung" oder keine zu beachten.
  • Liner Liner
  • MDPB Monomer
    eine der Substanzen, welche als Primer eingesetzt, durch direkten Kontakt in der Tiefe liegende Bakterien eliminiert: Die Pyridiniumgruppe als Bestandteil des MDPB Monomers ist positiv geladen. Die Zellstrukturen von Bakterien sind üblicherweise negativ geladen, deshalb werden diese automatisch vom positiv geladenen Kontaktpunkt des MDPB Monomers angezogen. Hier verlieren sie ihr elektrisches Gleichgewicht, wodurch die Zellmembran der Bakterie zerstört wird. Nach Herstellerangaben (http://www.kuraray-dental.eu/) ergibt sich folgende Langzeitwirkung: "Durch die Polymerisation der Bondingschicht wird das MDPB Monomer immobilisiert und in die aktiven Bestandteile zerlegt. Dort bleibt es weiterhin latent aktiv ... Durch eine Veränderung der Oberflächenstruktur verhindert das Produkt die Anlagerung von Bakterien und trägt so langfristig zum Schutz vor Sekundärkaries bei. Um die benachbarte Zahnhartsubstanz zu stärken, lässt die Bondingschicht kleine Mengen von Fluorid frei. Ein spezielles Kopolymer trägt dazu bei, dass die Bondingschicht hierbei nicht schrumpft und somit auch die Haftkraft nicht negativ beeinflusst."
  • Mehrflaschensysteme Dentinhaftung
  • moist bonding, wet bonding
    Manche Dentinhaftvermittler entfalten ihre beste Wirkung auf einer leicht feuchten ("feucht schimmernden"), konditionierten Oberfläche. Diese optimale Feuchtigkeit kann dabei mit sog. Benetzungsförderern (= "rewetting agents") nach Säubern und Trocknen des Dentins erreicht werden.
  • One-bottle-Systeme
    modifizierte Primer, ein Konditionieren wird u.U. trotzdem empfohlen
  • Primer , Grundierer
    Lösung des Komposit-Monomers (kurze, kleine Monomere) in Wasser, Aceton oder Ethanol. Sie machen die Dentinoberfläche empfänglich für das Aufbringen von Füllungs-Kunststoffen (Komposites). Dabei diffundiert der P. in die vorbereitete ("konditionierte") Dentinoberfläche ein und bildet eine "Kontaktschicht" zwischen dem wasserhaltigen (hydrophilen) Dentin und dem wasserabweisenden (hydrophoben) Adhäsiv.
  • SDA-Technik; SDA
  • Schmelzhaftung , Schmelzätztechnik
    Ausschließliche Konditionierung des Zahnschmelzes. Durch die Konditionierung des Schmelzes mit Phosphorsäure wird eine mikrofeine Retention ("Ätzmuster") erzeugt, welches eine Oberflächenvergrößerung und eine bessere Benetzbarkeit mit einem Adhäsiv zur Folge hat. Neben der vergrößerten Haftfläche wirken die adhäsiven Mikroverankerungen den Kräften der Polymerisationsschrumpfung entgegen und vermindern so die Randspaltbildung.
    Empfohlen werden eine Ätzzeit von 30 - 60 Sekunden mit einer 30 - 40%igen Phosphorsäure, gefolgt von einem ca. 30 Sekunden langen Absprühen der so vorbereiteten Schmelzanteile.
    Historisch ausschließlich angewandt, ist diese Methode heute nur noch von untergeordneter Bedeutung. Der Erfolg bei der Schmelzhaftung ist von der individuellen Qualität des Schmelzes und der Richtung des Anschnittes der Schmelzprismen beim Präparieren abhängig. Der Zahnhalsbereich bleibender Zähne sowie der oberflächlich prismenarme Schmelz der Milchzähne lassen sich vergleichsweise schlecht anätzen. Schmelzbildungsstörungen (z.B. eine Amelogenesis imperfecta, Fluorose) können ebenso zu unbefriedigenden Resultaten führen.
  • Schmierschicht
    engl.: smear-layer; mikroskopisch feine Schicht aus Blut-, Eiweiß-, Dentin- und Speichelbestandteilen als Rückstand nach der Präparation für eine Füllung in der Kavität. Es gibt wissenschaftlich unterschiedliche Auffassungen darüber, ob diese Schicht entfernt werden sollte; versch. Präparate bei der Anwendung der Adhäsivtechnik fordern eine vorherige Entfernung dieser Schicht.
    Dentinhaftung
    Eine Entfernung dieser Schicht kann entweder durch Säuren oder saure Monomer-Lösungen erfolgen; die Einwirkung sollte nicht länger als 20 sek. betragen, um Pulpenschädigungen zu vermeiden.
  • stress breaker
    Einige Haftvermittlersysteme (z.B. Prime&Bond NT) werden mit feinen Füllkörpern versehen. Durch die dadurch bedingte stärkere Adhäsivschicht soll eine bessere Elastizität (= "stress breaker") zwischen Dentin und Füllungsmaterial erreicht werden.
  • Total Etch, Total-Ätz-Technik
    Es erfolgt eine gleichzeitige Konditionierung von Schmelz und Dentin mit Entfernung der Schmierschicht ("Etch-and-Rinse-Technik"). Problem ist hierbei, dass der Schmelz deutlich angeätzt werden muss (Ätzmuster, erkennbar an einer milchig-trüben Oberfläche), gleichzeitig das Dentin aber nicht zu sehr gereizt werden darf, um das Kollagennetzwerk nicht zu zerstören. Bei diesem Kompromiss kommen 15-35-prozentige Phosphorsäuren zum Einsatz, die auf das Dentin nur kurz (maximal 20 Sek.) einwirken dürfen.
    Unzureichendes Verblasen des Bondings oder Übertrocknung des Dentins führen hierbei zu Qualitätseinbußen und verringerter Haftkraft der späteren Füllung.

Zur biologischen Verträglichkeit von Komposites und der A. ist zu bemerken, dass bei der Vielzahl der zum Einsatz kommenden Substanzen bisher keine verlässlichen Untersuchungen vorliegen. Zwar deuten bisherige Erfahrungen darauf hin, dass von den eingesetzten Materialien keine Gefahr ausgeht. Im Gegensatz zu dem in den Medien "verteufelten" Amalgam - bei welchem umfangreiche Studien vorliegen und eine entsprechende Risikoabwägung problemlos möglich ist - kann dies bisher bei diesen Stoffen (noch) nicht sicher ausgesagt werden.

Amalgambonding, Black, C-Faktor, Dentinhaftung, Füllung, Füllungsmaterialien, Füllungstherapie, Lichthärtung, MDP, MDPB, Polymerisationsschrumpfung, SDA-Technik, Silorane, Stiftaufbau, Surfactants
CME-Fortbildung - Universaladhäsive (zm, 2017)
Der Einfluss der Komposithärtung und die Haftung an Werkstücken (zm, 2017)

 

 

 

 

 

 


mittels Adhäsivtechnik durchgeführter Zahnaufbau bei einem Jugendlichen nach Unfall

 



Befestigung eines
gelockerten Zahnes
mittels Komposite
an den Nachbarzähnen

ADI - Wert
Abk. von "acceptable daily intake" = "duldbare tägliche Aufnahme"; die Menge eines Stoffes an, die über die gesamte Lebenszeit täglich aufgenommen (gegessen) werden kann, ohne dass dadurch gesundheitliche Gefahren zu erwarten wären. Er wird in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag (mg/kg Körpergewicht * d) oder verkürzt als mg/kg Körpergewicht angegeben.
http://www.zusatzstoffe-online.de/information/681.doku.html 

Adipositas
Fettsucht, Fettleibigkeit, schweres Übergewicht, Obesitas, engl.: obesity, adiposity, fatness; eine weit über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes unterschiedlicher Ursache (übermäßige Nahrungsaufnahme, Stoffwechselerkrankung) infolge einer positiver Energiebilanz.
Wichtigster Maßstab zur Bestimmung einer A. ist der sog. Body-Mass-Index (BMI) - BMI = Körpergewicht (kg) / Körpergröße²  (m²) - , welcher nach WHO-Klassifikation folgende Werte hat:    
Untergewicht             < 18,5
Normalgewicht         18,5 – 24,9
Übergewicht             25,0 – 29,9
Adipositas Grad I      30,0 – 34,9 BMI
Adipositas Grad II     35,0 – 39,9 BMI
Adipositas Grad III       >  40,0   BMI

Über die Hälfte aller erwachsenen Bundesbürger ist zu dick, zwischen 12 und 19 Prozent sind krankhaft fettleibig; auch bei Kindern ist ein besorgniserregender Trend zu immer mehr Übergewichtigen zu beobachten. A. entsteht bei Menschen, die ihr Sättigungsgefühl verloren haben. Sie können nicht aufhören zu essen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Schweres Übergewicht hat immer auch einen seelischen Hintergrund. Untersuchungen - vor allem mit Zwillingen - haben bestätigt, dass die Vererbung einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entstehung von Übergewicht hat. Beeinflusst wird dadurch überwiegend der individuelle Energieverbrauch. Intensiv erforscht wird zum Beispiel die Bedeutung und Steuerung von Leptin, dem Produkt des ob-Gens, das im Fettgewebe produziert wird und auf zentrale Nervenstrukturen zur Regulation von Nahrungsaufnahme und Energieverbrauch wirkt.

adjustieren
adjustiert, engl.: adjust, adjusted; einstellen, in die entsprechende (richtige) Stelle bringen. In der ZHK mehrfach gebraucht im Sinne von dem Einstellen eines richtigen Bisses im Artikulator ("adjustierter Artikulator"), Einschleifen von Kauflächen bei Gleithindernissen ("adjustiertes Einschleifen") oder Eingliedern einer Schiene bei Kiefergelenkserkrankungen oder Bruxismus ("adjustierte Schiene").
Károlyi Effekt, Modellmontage, Registrierung

Adjuvans , Hilfsmittel, engl.: adjuvant; medizinisch: ein die Wirkung unterstützender Zusatz zu einem Arzneimittel

adjuvante Therapie
engl: adjuvant therapy; unterstützende Behandlung nach einem operativen Eingriff; z.B. eine Chemo- oder Strahlentherapie nach einer Tumorentfernung. Bei einer neoadjuvanten Therapie findet diese vor der Operation statt.
Behandlung, Therapie
Diagnostische und therapeutische Verfahren

Adrenalin
Epinephrin, Nebennierenrindenmark-Hormon, Sympathikusüberträgersubstanz,
zur Gruppe der Katecholamine gehörend, engl.: epinephrine, adrenalin(e); Hormon mit den lebenswichtigen Funktionen: Zusammenziehung der Hautgefäße und Erweiterung der Herzkranzgefäße. Dadurch wird der Blutfluss des Körpers und die Speichelausstoßung (Sekretion) reguliert.
In der Zahnmedizin ist A. ein häufiger Zusatz von Lokalanästhetika, indem es durch seine gefäßverengende Wirkung den raschen Abtransport des Betäubungsmittel verhindert und so zur Verstärkung der Wirkung beiträgt und eine (gewünschte) Blutleere im Operationsgebietes herstellt.
Wegen der Sauerstoffempfindlichkeit von A. (es wird durch O2 chemisch zerstört) werden adrenalinhaltigen Medikamenten in größeren Verpackungen ("Stechflaschen") häufig Natrium-Bisulfit und/oder Parabene als Stabilisatoren zugesetzt - bei empfindlichen Patienten sind dadurch zuweilen schwere allergische Reaktionen möglich. Bedingt durch eine Wechselwirkungen des A. mit anderen Pharmaka kann die Wirkung durch trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer, Antiparkinson-Mittel, Methyl-Dopa usw. verstärkt werden.
Behandlung in der Schwangerschaft, Lokalanästhetika, Noradrenalin, Octapressin, Vasokonstriktoren

Adstringenz
auch: Adstringens, pl.: Adstringenzien, engl.: adstringent (drug or agent); Mittel, die beim Auftragen auf die Mundschleimhaut durch Eiweißfällung austrocknend, blutstillend und entzündungswidrig wirken (z.B. Silbernitrat o. Gerbstoffe). Die Anwendung von A. auf der Mundschleimhaut gilt heute in der ZHK überwiegend als obsolet, da keine ursachenbezogene Heilung damit erfolgt.
Hämostyptika, Zinkoxid

Aerobier ; aerob Anaerobier

Aerodentis
"die pulsierend-orthodontische Behandlung"; von Prof. Dr. Meir Redlich entwickelte kieferorthopädische Behandlungsapparatur welche auf pulsierend abgegebenen Kraftimpulsen basiert. Es wird mittels komplizierter Apparatur eine kontrollierte Luftdruckpolster-Kraft erzeugt, welche eine gute Blutzirkulation im Gewebe des Parodontalligaments zwischen Wurzel und Kieferknochen erzeugt. Nach Herstellerangaben wird eine Tragezeit von zehn Stunden pro Tag (nachts) als ausreichend angesehen, um Zähne in die gewünschte Stellung zu bewegen. Langzeitstudien bestehen bei diesem neuen Verfahren (2012) nicht; wissenschaftlich und preislich diskutiertes Verfahren.
Video: https://www.youtube.com/watch?v=Q9YvnC8Fl08 ; http://www.aerodentis.com/

Aerodontalgie
Barodontalgie
, Höhenzahnschmerz, engl.: aerodontalgia; zu Aerodontopathien gehörende Schmerzen, welche i.d.R. von einem bezahnten Kiefer ausgehen. Die plötzlich auftretenden Schmerzen treten etwa in Höhen von über 3000 m auf (im Flugzeug ohne Druckausgleich oder im Gebirge). Verantwortlich dafür sind Lufteinschlüsse (z.B. unter Zahnfüllungen, seltener in Kieferzysten), welche bei einem Absinken des atmosphärischen Drucks entsprechende Sensationen auslösen.

Aerozele
Luftzyste, engl.: aerocele; als Unterscheidung zur Schleimzyste (= Mukozele) gebrauchter Ausdruck für Zysten, die als Inhalt überwiegend Luft enthalten; im Kopfbereich als Laryngozele oder Pneumatozele der Nasennebenhöhlen bekannt

AFDT , Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie in der Zahn-, Mund und Kieferheilkunde (DGFTD), http://www.dgfdt.de/

Affenlücke ,
"Primatenlücke", Eckzahnlücke, engl.: primate spacing; nur im Milchgebiss physiologisch vorkommende Lücke vor den beiden Oberkiefer-Eckzähnen bzw. hinter den beiden Unterkiefer-Eckzähnen
Diastema

AFT
engl. Abk. v. Affordable Fluoride Toothpaste (= finanziell erschwingliche Zahnpasta mit Fluoridzusatz). Zahnpasten mit Fluoridzusatz gelten weltweit als die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von Karies. Allerdings: in vielen ärmeren Ländern sind die Kosten für derartige Zahncremes gemessen am Einkommen so hoch, dass davon kein Gebrauch gemacht werden kann. Sog. AFT-Programme werden mit Unterstützung reicherer Länder dazu eingesetzt, dass betroffene Menschen zweimal täglich ihre Zähne mit einer "erschwinglichen Zahnpasta" reinigen können.   https://www.fdiworlddental.org/oral-health/fluoride/global-affordability-of-fluoride-toothpaste
ART-Technik

Afte , Afthe, Aphte; falsche Schreibweisen für Aphthe

Agar - Agar
Pflanzengallerte, engl.: do.; getrockneter Schleim aus roten Meeresalgen (Rhodophyceae); Geliermittel, welches unabhängig vom Umgebungsmedium ist. Verwendung in zahnärztlichen Abdruckmassen ( Hydrokolloid), in der Mikrobiologie zur Züchtung von Keimen ("Agarplatten" als Nährboden für Bakterien, z.B. Blutagar, Önöz-Agar), im Lebensmittel- und Pharmabereich (z.B. Verdickung von Suppen) und in höheren Konzentrationen als Abführmittel.
Abstrich,
bakteriologische Identifizierungssysteme

AGC®-Verfahren ; AGC = Auro Galva Crown;  Galvanotechnik

Agenesie , Agenesis; durch eine nicht vorhandene Organanlage bedingtes völliges Fehlen eines Organs. Zeitliche Entstehung vor einer Aplasie

AGET
Abk. von Arbeitsgemeinschaft Endodontologie und Dentale Traumatologie, engl.: Association of Endodontics and Dental Traumatology; 2004 innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) gegründet; heutiger Name DGET http://www.dget.de/

AH 26
AH Plus, Root Canal Sealer;  bekannte organische Wurzelkanalfüllmaterialien (Sealer) auf Epoxidharz-Basis. AH 26, als älteres (Schröder, 1954) der beiden Produkte, in einer silberhaltigen und silberfreien Variante setzt beim Abbinden intitial und kurzzeitig Formaldehyd frei. Das weiterentwickelte AH Plus zeigt die im Vergleich besten Haftwerte aller Sealer zum Dentin der Wurzelkanalwand; es soll beim Abbinden keine Spuren von Formaldehyd mehr freisetzen.
AH Plus u. AH 26 sind bis auf gelegentliche Gewebereaktionen oder neurotoxische Effekte wenig problematisch - bei sachgerechter Anwendung entfalten sie kaum irritierende Wirkungen auf periapikale Gewebe.
http://www.dentsply.de/

Ah-Linie , A-Linie

AIDS , engl.: Abk. von Acquired ImmunoDeficiency Syndrom. HIV

Air-abrasiv , Luft-abrasiv, engl.: air-abrasive; Pulverstrahlgeräte

Air-Flow-System , engl.: airflow-system; Pulverstrahlgeräte

Airotor
veraltete Bezeichnung für "Turbine", engl.: do. o. (dental) turbine; 1957 in den USA entwickelt: Ein hochdrehendes (bis 400.000 U/min; gebräuchlich um 250.000) Kleinstschaufelrad in einem Winkelstück (Bohrmaschine) wird durch Druckluft angetrieben; dient zur Präparation von Zähnen. Bei diesen hohen Drehzahlen ist unbedingt eine Wasser-Luftkühlung (s. Abb.; Spray) erforderlich.
Turbinen sind - bedingt durch die hohe Umdrehung - für ihr "typisch zahnärztliches Pfeifen" bekannt und verursachen neben einem Angstgefühl bei Patienten nicht selten beim Behandler Gehörschäden. Heute kann problemlos auf schnell laufende Winkelstücke mit Umdrehungen von bis zu 50.000/min zurückgegriffen werden.
Arbeitskreis Dentalinstrumente, Bohren, Bohrer, FG-Schaft, Präparation, Winkelstück
Empfehlung des Arbeitskreises Dentalinstrumente (AKDI): Aufbereitung von rotierenden Instrumenten in der Zahnheilkunde (2014)

Akanthästhesie
"Nadelstichempfindung", vom griech.: akantha = Stachel, aisthesis = Wahrnehmung, engl.: feeling of needles and pins, acanthaesthesia; nadelstichartige Empfindungen als besondere Form einer Parästhesie

Akatalasie
engl.: acatalasia, Takahara's disease (Erkrankung); seit 1948 dokumentierter, sehr seltener Enzymdefekt, welcher einen Mangel an Katalase bedingt. Dieses Defizit führt vor allem in den Endstromgebieten des Parodontiums dazu, dass das im Gewebe gebildete Wasserstoffperoxid nicht gespalten werden kann, und es somit zur Methämoglobinbildung kommt. In deren Folge entsteht eine lokale Hypoxie, woraus lokale Entzündungen resultieren. Zu dem Krankheitsbild der A. gehören auch chronische Ulzerationen der Mund- und Nasenschleimhaut, Sinusitiden oder eitrige Tonsillitiden. Kontraindikation für eine Wasserstoffperoxid-Anwedung (z.B. Bleichen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Akatalasie

AKDI
Abk. von Arbeitskreis Dentalinstrumente, engl.: working group dental instruments; bei der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) angesiedeltes Gremium, welches sich mit den fachspezifischen Besonderheiten bei der Aufbereitung von Medizinprodukten befasst und Empfehlungen für die Zahnarztpraxen abgibt (z.B. Aufbereitung zahnärztlicher Übertragungsinstrumente). Diese Empfehlungen sind an die vom Robert Koch-Institut herausgegebene "Infektionsprävention in der Zahnheilkunde - Anforderungen an die Hygiene" angelehnt.
Hygiene
https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/za/ultraschallgeraete.pdf
http://www.a-k-i.org/der-arbeitskreis/ziele-des-arbeitskreises/
Aufbereitung von zahnärztlichen Übertragungsinstrumenten (zm, 2013)
Statement des Arbeitskreises Dentalinstrumente (AKDI) zur Aufbereitung von zahnärztlichen Übertragungsinstrumenten (Hand- und Winkelstücke/ Turbinen, 2010)

AKFOS
ArbeitsKreis für Forensische Odontostomatologie; interdisziplinärer AK mit dem Ziel, eine Symbiose zwischen Rechts- und Zahnmedizin herzustellen. (... Als Konsequenz ist es notwendig, dass sich jeder Zahnarzt über bestimmte Dinge des Zivil- bzw. Strafrechtes informiert und sich Kenntnisse auf diesem Gebiet aneignet, die es ihm ermöglichen Komplikationen in seiner Tätigkeit als Zahnarzt zu begegnen, zu minimieren bzw. sie überhaupt zu vermeiden. ...)
http://www.akfos.com/

Akkomodator
engl.: accomodator; unübliche Bezeichnung für einen speziellen Aktivator, bei welchem ausschließlich Dehnungen im Oberkiefer durchgeführt werden.

Akromegalie
griech.: "akros" = "hervorspringende Körperenden, "mega" = "groß"; engl.: acromegaly; durch Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin (STH) bedingtes Weiterwachsen der Akren ("Körperenden", äußerste bzw. vorstehende Körperteile, wie z.B. Nase, Kinn, Jochbögen, Beine, Arme) nach eigentlichem Wachstumsabschluss; i.d.R. durch einen Tumor des Hypophysen-Vorderlappens hervorgerufen. Entwickelt sich dieser Tumor schon bevor die Epiphysenfugen geschlossen sind, so entwickelt sich ein "hypositärer Riesenwuchs" (Gigantismus). Dabei bleiben aber die Körperproportionen selbst erhalten. Bei einem späteren Tumorvorkommen kann sich das Wachstum nur noch an den Akren und den Gesichtsknochen ausbilden: Hände und Füße werden größer, die Gesichtszüge nehmen ihre markante, grobe Gestalt an.
Die A. kommt in allen Altersstufen vor; die meisten Patienten sind zwischen 30 und 60 Jahre alt mit einer Bevorzugung des weiblichen Geschlechts. Aufgrund der sehr unspezifischen Symptomatik vergehen im Durchschnitt fast 9 Jahre vom Beginn der Erkrankung bis zu ihrer Diagnose. Die Prävalenz wird mit 60 Patienten pro einer Millionen EW in D angegeben bei einer unbekannten Dunkelziffer (es werden 20fach höhere Werte diskutiert). Die A. ist mit einer Vielzahl von Begleiterkrankungen (Diabetes, Herzerkrankungen, Gelenkbeschwerden, Kopfschmerzen, Sehstörungen durch Verdrängung des Sehnervs) assoziiert.
In der ZHK sichtbar in einem übergroßen Unterkiefer ( Progenie) bzw. von Jochbein und Kinn, ebenfalls wird über eine Zungenvergrößerung berichtet. Frühzeichen können Veränderungen der Bisslage und ohne ersichtlichen Grund auftretende Zahnfehlstellungen sein.
http://www.zm-online.de/ (2012)
Progenie durch Akromegalie (zm, 2015)


AK Test , Abk. von "Angewandte Kinesiologie (Muskel-)Test". Kinesiologie

Aktinomykose
Strahlenpilzerkrankung, engl.: actinomycosis; früher irrtümlich als Pilzerkrankung (daher der Namensteil "mykose") angesehen. Durch Infektion mit Strahlenpilzen (Actinomyces israelii; Actinomyces odontolyticus) verursachte Erkrankung bei Mensch und Tier. Die Erreger der A. sind Bestandteil der normalen Standortflora und kommen im Mund-Rachen-Raum sowie im Dickdarm des Menschen vor. Infektionen erfolgen meist durch Gewebsverletzungen, u. a. bei schlechter Mundhygiene (endogene Entstehung). Primär chronisch verlaufende, nicht ansteckende Infektionserkrankung mit einer Inkubationszeit von Wochen bis Monaten. An den Schleimhäuten bilden sich abgegrenzte, zunächst verhärtete Infiltrate mit zahlreichen Fistelöffnungen.
A. kann als sehr schweres Krankheitsbild mit Kieferklemme und Fistelbildung auftreten. Als Mittel der Wahl zur Behandlung der  zervikofacialen A. gilt Amoxicillin/Clavulansäure in hoher Dosierung über mindestens zwei Wochen. Eine chirurgische Sanierung des Herdes sollte parallel zur antibiotischen Therapie erfolgen.
Actinomyces odontolyticus

Aktionsfläche
unübliche Bezeichnung für die Gesamtheit derjenigen Zahnflächen, welche mit den Zähnen des Gegenkiefers ( Antagonist) in Kontakt treten können. Von der Anatomie her sind dies die Okklusalflächen der Seitenzähne und die Inzisalflächen der Frontzähne. Okklusionsfläche

Aktion zahnfreundlich
engl.: harmless to teeth, tooth-friendly sweets; 1982 in der Schweiz gegründet und inzwischen weltweit existierender Verein ( http://www.toothfriendly.ch/) mit dem Ziel, die Verbreitung solcher  Waren zu fördern, welche nach dem Verzehr innerhalb der nächsten 30 Minuten nicht den für die Karies kritischen Wert von pH 5,7 unterschreiten (gemessen an der Grenzfläche zwischen Zahnbelag und Zahnoberfläche während des Verzehrs). Damit sind derartige Stoffe (Drops, Bonbons, Schokolade, Hustensaft, Halstabletten; Produktliste ausdrucken) als "zahnfreundlich" zu bezeichnen und stellen kaum eine Kariesgefahr dar. Äußeres Erkennungszeichen ist das "Zahnmännchen mit dem Schirm" (s. Abb.). Mit diesem Markenzeichen werden ausschließlich Lebensmittel und Getränke ausgezeichnet, die ihre Zahnfreundlichkeit garantiert in zwei wissenschaftlichen Tests nachgewiesen haben - und zwar in-vivo, in der zahngesunden Mundhöhle von Testpersonen.
Nach dem deutschen Lebensmittelgesetz heißt "zuckerfrei" lediglich, dass in diesem Produkt kein Haushaltszucker (Rübenzucker, Saccharose) enthalten ist; wohl aber können andere vergärbare - und damit potentiell Karies auslösende - Kohlenhydrate darin enthalten sein.
Mit der Plaque-pH-Telemetrie wird die Säurebildung in den Zahnbelägen gemessen. Sinkt der pH-Wert während und innerhalb von 30 Minuten nach dem Verzehr nicht unter den kritischen Wert von 5,7 ist sichergestellt, dass dieses Produkt keine Karies verursachen kann.
  Mit Hilfe des Erosionstests wird ausgeschlossen, dass in dem Produkt enthaltene Frucht- oder sonstige Säuren zahnschädigende Konzentrationen erreichen.
Diese Tests sind weltweit anerkannt. Sie werden von unabhängigen Testinstituten an zahnärztlichen Universitätskliniken durchgeführt. Das garantiert Unparteilichkeit und schließt Interessenskonflikte aus.
Die Aktion zahnfreundlich e. V. ist ein gemeinnützig arbeitender Verein. Zu ihm gehören Wissenschaftler, Zahnärzte, Ärzte, Erzieher, Ernährungsberater, Prophylaxefachkräfte, Vertreter der Krankenkassen, Hersteller zahnfreundlicher Produkte Privatpersonen sowie Partner-Unternehmen aus dem Zahn- und Mundpflegebereich und Fördermitglieder. Gemeinsames Ziel und satzungsgemäßer Zweck des 1985 gegründeten Vereins sind: Aufklärung der Öffentlichkeit über die Zusammenhänge zwischen Zahngesundheit und Ernährung, Verbesserung der Mundgesundheit und Förderung zahnfreundlicher Ernährungsgewohnheiten. 1. Vorsitzender (2010) ist Prof. Dr. med. dent. Stefan Zimmer, E-Mail stefan.zimmer@uni-wh.de
http://www.zahnmaennchen.de/?page_id=100 ; info@zahnmaennchen.de
Ernährungsempfehlungen, Isomaltulose, Karies, kariogen, versteckter Zucker, Xylitol, Zuckeraustausch- bzw. Zuckerersatzstoffe
Beim Essen auch an die Zähne denken
Aufklärungsbroschüre "Milchzähne" der Aktion Zahnfreundlich e. V. (Berlin, 2014) o. © Aktion zahnfreundlich
 

©: http://www.zahnmaennchen.de
 

Aktivator
1.) Andresen-Häupl-Aktivator, (herausnehmbares) kieferorthopädisches Behandlungsgerät, engl.: activator. Dieses sog. funktions-kieferorthopädische Gerät liegt als loser "Block" passiv zwischen Ober- und Unterkiefer und benutzt die Muskelkräfte der Kaumuskulatur und des Gesichtsbereiches zur Kieferumformung und Bissverlagerung. Durch Hinzufügung spezieller Drähte, Klammern und Schrauben können zusätzlich auch noch einzelne Zähne/Zahngruppen bewegt werden.
Auch zur funktionellen Kieferbruchbehandlung eingesetzt
2.) Stoff, welcher durch Hinzugabe zu einem anderen Stoff eine chemische Reaktion startet und/oder beschleunigt. Im Gegensatz zu Katalysatoren können sich A. hierbei chemisch verändern. Bekannt in der ZHK besonders beim Einsatz von Abdruckmassen bzw. Auslösen von Polymerisationsvorgängen.
Akkomodator, Aktive Platte, Apnoe, Bionator, bite block, Doppelvorschubplatten, EOA, Federaktivator, Funktionskieferorthopädie, Funktionsregler nach Fränkel, Gebissformer, Hansa-Platte, Kieferbruch, Kinetor, Klammt Aktivator, Konstruktionsbiss, Labialbogen, Monoblock, Petrik Sporn, Teuscher Aktivator, U-Bügel-Aktivator, Zahnbewegungen


Aktive Platte
(herausnehmbares) kieferorthopädisches Behandlungsgerät (nach Schwarz), engl.: active plate; klassisches kieferorthopädisches Gerät, in der Laiensprache auch unter den Begriffen Regulierung, Klammer, Spange bekannt. Einsatz im Ober- und/oder Unterkiefer zur hauptsächlich zwei- und auch dreidimensionalen Bewegung einzelner Zähne/Zahngruppen durch speziell geformt Drähte und Schrauben; Verankerung mittels einfacher Halteelemente am Restgebiss ( Adamsklammer). Bei einer Verbindung beider Platten sind auch Bisslageverschiebungen möglich. Häufig mit einer Dehnschraube bei nicht ausreichenden Platzverhältnissen (Engstand) für die bleibenden Zähne zur Vergrößerung des Kieferbogens versehen.
Aktivator, Coffin Feder, Dehnplatte, Fingerfeder, Genfer Platte, Hansa-Platte, Labialbogen, Protrusionsfeder, Schwarz Platte, Y-Platte, Zahnbewegungen



a
. P. mit Dehnschraube, Adamsklammern u. Ösenklammern als Halteelemente




versch. Halteelemente an einer a.P.

aktives Zementieren
engl.: "active cementing"; bei Gussfüllungen (Inlays) angewandte Art der Befestigung: Während der Aushärtphase des Befestigungszementes werden die Ränder der Restauration zusätzlich mit Gummipolierern oder Schlagpolierern finiert.
Tucker-Technik

aktivieren
unter Spannung setzen, engl.: activate; Begriff aus der Kieferorthopädie und Prothetik für die Erhöhung der Feder-/Spannkraft von Klammern oder anderen Halteelementen (z.B. Geschieben) oder der Verstärkung der Krafteinwirkung von Behandlungsgeräten auf Zähne/Zahngruppen.

Akupunktur
Verum-Akupunktur, Nadelstichtherapie, engl.: acupuncture; spezielle Form der Hautreizung im Sinne einer Segmenttherapie, basierend auf der wissenschaftlich nicht belegten Annahme, dass zwischen den einzelnen Körperorganen gravierende Wechselbeziehungen bestehen, welche durch ein Fließen in Kanälen der Lebensenergie "Chi" vermittelt werden. Eine Behinderung/Störung dieses Energiefluss wird z.B. durch Krankheiten verursacht. Mit dem Einstechen von Nadeln in die Kanäle an entsprechenden, organspezifischen Punkten der Haut (Akupunkturpunkten, welche nach Angaben einen veränderten Hautwiderstand aufweisen mit einem Umgebungspotential bis zu 60 mV) sollen derartige Fließstörungen behoben werden. Wissenschaftliche Erklärungen für belegbare Erfolge gehen davon aus, dass die Nadelstiche die Schmerzpforte im Stammhirn verschließen (Gate-Control-Theorie) oder dass die Nadelreizungen schmerzlindernde körpereigene Endorphine freisetzen.

In der ZHK z.T. mit Erfolg eingesetzt zu einer Verringerung von Schmerzen während einer zahnärztlichen Behandlung, einer Ausschaltung des Würgereizes durch Stimulation des P6 (auf dem Unterarm zwei Fingerbreit von der Handgelenksfalte entfernt) oder Druck (Akupressur) auf das Kinngrübchen, Reduzierung von Kaumuskulaturverspannungen und Herabsetzung von Angst-/Spannungszuständen vor einer zahnärztlichen Behandlung.
Zusätzlich sind in der Literatur folgende zahnärztliche Indikationen mit teilweise unterschiedlichem Erfolg und fraglicher Indikationsstellung zu finden:
Schmerztherapie vor, während und nach zähnärztlichen Behandlungen und bei Verletzungen
Therapie bei Entzündungen und Funktionsstörungen als Begleittherapie und zur Abwehrstärkung
Psychosomatische Störungen als unterstützende Therapie der Angst, des Würgereizes, zur Entspannung
Störfelderbeseitigung, Schadstoff- und Materialbelastungen, Zahnherde
alternative Behandlungsmethoden, Angst, Elektroakupunktur nach Voll, Ganzheitliche Zahnmedizin, Ohrakupunktur, Schmerzen, Schulmedizin, Würgereiz, Xerostomie, Zungendiagnostik
Ohrakupunktur in der Zahnheilkunde
http://www.akupunktur-patienten.de/
http://www.akupunktur-arzt.de/

akut
heftig, plötzlich auftretend, engl.: acute; medizinische Bezeichnung für Krankheiten mit heftigem, meist schmerzhaftem, kurz dauerndem Verlauf - im Gegensatz zu den chronischen und subchronischen Formen. chronisch, perakut, subakut

AK-Z : Arzneimittelkommission der Zahnärzte

akzessorisch , eng.: accessory; hinzutreten, hinzugesellen, nebensächlich; Seitenkanal, Wurzelkanal

Alameter
Messgerät
, engl.: dito, zur Bestimmung der breitesten Stelle der Nasenbasis (Nasenbasisbreite). Dieser Wert korreliert unter ästhetischen Gesichtspunkten mit der Breite der künstlichen Schneidezähne und der Eckzahnposition bei einer Frontzahn-/Vollprothese.
Ästhetikschablone, künstliche Zähne, Papillameter, Vollprothese, Zahnbreite
http://www.candulor.com/de-ch/produktportfolio/instrumente/alameter

ALARA-Prinzip
Abk. von As Low As Reasonable Achievable = so niedrig wie angemessen erreichbar; Begriff aus dem Strahlenschutz: Gemeint ist damit eine so hohe Strahlenbelastung, wie diese für eine ausreichende Bildqualität nötig ist, um eine ordnungsgemäße Befundung zu gewährleisten.

Alaun
Kali-Alaun,
Kaliumaluminiumsulfat, engl.: alum; schwefelsaures Doppelsalz der Elemente Kalium und Aluminium. Gelegentliche Verwendung in der Medizin zur Blutstillung ("Alaunstift") bei oberflächlichen, leichten Blutungen aufgrund einer gefäßverengenden örtlichen Wirkung.

Alginat
Salz der Alginsäure, engl.: alginate; aus Algen und Tang gewonnenes, 1940 entwickeltes elastisch-irreversibles Abdruckmaterial (Hydrokolloid). Durch Vermischen des pulverförmigen, mit Inhibitoren versetzten A. mit Wasser entsteht eine Paste, welche - gesteuert durch die beigemischten Verzögerer - nach 2-4 Minuten in ein irreversibel-elastisches Gel übergeht. Die Abformungen auf A.-Basis sind nicht lager- und damit volumenbeständig, da sie durch Feuchtigkeitsverlust ihr Volumen verändern; sie sollten deshalb innerhalb 20 Minuten nach Entnahme aus dem Mund mit Modellgips ausgegossen werden. Zusammensetzung z.B.: 14% Na, K oder Ammoniumsalz der Alginsäure(aus Rot- oder Braunalgen, Seetang) 10% Kalziumsulfat 1% Natriumphosphat (Verzögerer) 75% Diatomeenerde, Füll- und Farbstoffe, Geschmacksstoffe.
A
. dient als Grundlage für eines der gebräuchlichsten irreversibel-elastischen Abformmaterialien (Alginat-Abdruck) bei der Herstellung sog. Situationsmodelle. Wegen relativer Ungenauigkeit nicht zur Präzisionsabformung - z.B. für die Anfertigung von definitivem Zahnersatz - geeignet.
Weiter wird A. in der Lebensmittelindustrie als Gelier- und Dickungsmittel z.B. bei der Herstellung von Eis, Pudding, Gelee und Milchprodukten eingesetzt.
Abdruck, Hydrokolloide, Kolloidabformmassen, Modell

Algipore ®
Frios® Algipore; "geformtes" Hydoxylapatit, phytotrophes (pflanzliches) Knochenersatzmaterial auf Algenbasis, Hersteller: Friadent; hauptsächlich als "Füller" von Knochendefekten angewandt, da dem autologen (eigenen) Knochen nicht ebenbürtig. Relativ lange Resorptionszeit.
http://www.dentsplyimplants.de/Knochenregeneration/Knochenaufbaumaterialien/Phycogenic-bone-graft  

Aligner , engl.: do. = Ausrichter; schienenartiges, dem Positioner ähnliches Behandlungsgerät zur Stellungskorrektur von Zähnen. Invisalign, Positioner

alimentär , engl.: alimentary;  mit der Ernährung zusammenhängend, ernährungsbedingt

A-Linie ; Ah-Linie

alio loco , lat. für "andernorts". In der ZHK gebräuchliche Bezeichnung für eine Behandlung, welche in einer anderen Praxis durchgeführt wurde

Alkenoate , Glasionomerzement

Allergie
"Fehlleistung" des Immunsystems, Bereitschaft eines Organismus, auf bestimmte Reize anders zu reagieren, als es der Norm entspricht, engl.: allergy; hypersensitivity.
Man unterscheidet grob 4 Allergietypen:

Stress kann allergische Symptome verstärken bzw. einen Schub ebenso auslösen, wie umgekehrt in Stresspausen ebenso allergische Schübe bekannt sind. So zählen Bronchialasthma, Neurodermitis und Nesselausschlag zu den typischen A. psychischer Natur.

Zur Auslösung einer allergischen Reaktion auf der Mundschleimhaut sind im Vergleich zur Haut etwa 5-10fach höhere Konzentrationen erforderlich. Diese verminderte Reaktionsbereitschaft ist durch anatomische und physiologische Besonderheiten (fehlender Fettfilm, Speichelfluss, intensivere Resorptionsfähigkeit und damit schnellerer Abtransport, schnellerer fermentativer Ab- oder Umbau der Allergene) bedingt. Es wird eine (unsichere) Prävalenz von einem Prozent diskutiert.
Allergiepass, Allergietestung, Amalgamallergie, ECC (frühe Milchzahnkaries), Ekzem, Füllungsmaterialien-Nebenwirkungen, Goldallergie, Immunisierung, Prothesenbasis, Prothesenunverträglichkeit, Quecksilberallergie, Restmonomer, Schleimhautbrennen
http://www.pollenstiftung.de/
http://www.aak.de  (Kinder)
http://www.dha-allergien.de
Bundestagsanfrage: Zahnersatz bei Allergien (2009)

Allergiepass
engl.: (medical) allergy pass (card); für den Allergiker zu verwendendes ärztliches Dokument, in welches die Ergebnisse der allergologischen Testung eingetragen werden (z.B: gesicherte positive Epikutantest-Reaktionen, Arzneimittel-Unverträglichkeiten, Inhaltsstoffe von Kosmetika usw.). Der A. ist für den (Zahn-)Arzt oder Apotheker bestimmt; er soll keine umfassende Information für den Patienten sein.

Allergietestung
engl.: allergy test; in der ZHK hauptsächlich angewandt bei einem Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber Füllungs-/Zahnersatzmaterialien ("Zahnersatzmetalle", Legierungen). Allergische Reaktionen äußern sich entweder in einer Kontaktstomatitis (bis hin zur auf die Lippen übergreifenden Cheilitis) als Folge einer von Lymphozyten verursachten "allergischen Typ IV-Reaktion" oder werden als lichenoide ("flechtenartige") Veränderungen sichtbar. Kombinationen beider Formen sind möglich. Sensibilisierungsraten besonders gegen Nickel bestehen in der Bevölkerung (bis zu zwölf Prozent) sowie gegen Kobalt und Chrom (bis zu fünf Prozent). Die 5 wichtigsten Kontaktallergene sind (2011): Nickelsulfat (besonders in Schmuck), Ammonium-Persulfat (besonders in Haarfärbemittel, Leiterplatten), Gold-Natrium-Thiosulfat (besonders in Dentalmaterial, Schmuck), Thimerosal (besonders als Konservierungsstoff) und p-Toluendamin (Farbstoff, Hilfsstoff in der Gummi-Industrie).
Eine Diagnose ("Testung") auf eine fragliche Allergie wird meist mit einem der nachfolgenden Verfahren durchgeführt:

Allgemein ist zu beobachten, dass echte - wissenschaftlich nachgewiesene - Allergien auf Zahnersatz-Metalle (Legierungen) äußerst selten auftreten. Vor einem Einsatz in der Mundhöhle müssen derartige Materialien strenge biologische Prüfungen durchlaufen und nach dem Medizinprodukte-Gesetz (MPG) zugelassen werden. Weiter ist bekannt, dass die "Schwellendosen" zur Auslösung einer Allergie auf der Mundschleimhaut wesentlich höher (ca. 5-10fach) sind als die auf der normalen Haut ( Allergie). Davon zu unterscheiden sind die im Volksmund häufig als "Allergie" bezeichneten Pseudoreaktionen (Brennen, Strömchenfluss, vermehrter Speichelfluss usw.), welche beim Eingliedern eines neuen Zahnersatzes auftreten können und entweder durch Metallkorrosion und einer damit verbunden Reizung der betroffenen Schleimhaut bedingt sind oder Ausdruck einer psychischen Abwehrhaltung gegen den neuen Ersatz sein können.
AK-Muskeltest, Allergie, Allergiepass, Amalgamunverträglichkeit, AntikörperBioverträglichkeitsprüfung, Epikutantest, Immunisierung

Allgemeinanästhesie , engl.: general anesthesia; Narkose

Allgemeine Ortskrankenkasse
AOK
, engl.: Local Health Care Fund; von der Mitgliederzahl her eine der bedeutendsten (35 % Marktanteil in 2012) Gesetzlichen Krankenkassen in D; zu den sog. Primärkrankenkassen gehörend. Seit über 100 Jahren bestehend, sind in ihr mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung versichert. Sitz des AOK-Bundesverbandes ist Berlin. http://aok-bv.de/

Allodynie
aus dem gr. zusammengesetzt: "anders" u. "Schmerz"; neuropatische Störung, gesteigerte Schmerzempfindlichkeit; Trigeminusneuralgie

allogen Knochenersatzmaterialien

Allograft
engl. Ausdruck, zusammengesetzt aus "allogenetic" (= von der gleichen Spezies, aber mit unterschiedlichen genetischen Eigenschaften) und "graft" (= Transplantat, verpflanztes Gewebe); Knochenersatzmaterialien

Allopathie
Allöopathie
, griech. von "allo" = "anders" oder "fremd", engl.: allopathy; eine Heilmethode der Schulmedizin (z.B. nach Hahnemann), welche im Unterschied zur Homöopathie Krankheiten mit entgegengesetzt wirksamen Medikamenten zu behandeln versucht.
Schulmedizin

alloplastisch , körperfremd; bei Knochenersatzmaterialien im Sinne von "synthetisch hergestellt" verwendet

All-Oral-Verfahren
engl.: all-oral-method; von Prof. Hofmann (* 11.1.1929; Tübingen, Erlangen) entwickeltes, wenig gebräuchliches Verfahren bei der Herstellung von Vollprothesen. Neben relativ wenig Sitzungen unterscheidet sich das Verfahren von einem konventionellen Vorgehen dadurch, dass zuerst die Bissnahme erfolgt und der Funktionsabdruck anschließend mit im Labor aufgestellten Kunstzähnen genommen wird.
http://books.google.de/

alternative Behandlungsmethoden
Alternativverfahren
, unkonventionelle Therapien, komplementäre Verfahren, engl.: alternative methods of treatment, complementary and alternative medicine; von den Verfahren der Schulmedizin teils erheblich abweichende Therapieformen. Unter diesem Oberbegriff subsumieren sich eine ganze Reihe von Therapien, welche z.T. als durchaus seriös, andererseits aber auch in den Bereich der Scharlatanerie einzuordnen sind. Gemeinsam ist, dass fast immer Langzeiterfahrungen fehlen, individuelle Reaktionen sehr verschieden ausfallen und selten eine Kostenübernahme durch Versicherungsträger erfolgt. Alternative Behandlungsmethoden genießen in den entwickelten Industriegesellschaften unabhängig von der Finanzierung der Gesundheitssysteme eine hohe Akzeptanz bei den Betroffenen. Die Nachfrage ist in den letzten Jahrzehnten ständig gestiegen, ohne dafür plausible Erklärungsversuche geben zu können.
Im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung spricht man auch dann von Behandlungsalternativen, wenn derartige Verfahren zwar zur Schulmedizin gehören, aber durch den Leistungskatalog der Krankenkasse aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht abgedeckt sind.

Akupunktur, Allergietestung, Allopathie, Behandlung, Evidenz basierte Zahnmedizin, Füllungsmaterialien, Galvanismus im Mund, Ganzheitliche Zahnmedizin, Heilpraktiker, integrative Medizin, Homöopathie, Hypnose, Kavitätenpräparation, Komplementärmedizin, Laser, Naturheilverfahren, Neuraltherapie, NICO, Panazee, PNF, Propolis, Psychodontie, Therapiefreiheit, Traditionelle Europäische Medizin (TEM)
BGH-Urteil von 2017
Edzard Ernst: Was die Schulmedizin von Homöopathie und Co. lernen kann und welche Verfahren wirklich helfen (Spiegel, 2013)
http://www.cambase.de

Altersgrenze
engl.: age limit; ehem. Begriff aus dem Sozialgesetzbuch: sowohl die Zulassung als auch die Ermächtigung oder die Tätigkeit als Angestellter Zahnarzt endeten nach § 95 Abs. 7 u. 9 SGB V mit der Vollendung des 68. Lebensjahres - diese Grenze betraf nicht die privatärztliche Tätigkeit. Ab 1.10.2008 wurde diese Begrenzung wieder aufgehoben.

Altersversorgungswerk , Versorgungswerk

Alterszahnheilkunde , engl.: geriatric dentistry, gerodontia; Gerostomatologie

Aluminiumchlorid
AlCl3, aluminium chloride; zu den Adstringenzien zählendes Salz. Bei der Anwendung auf den Schleimhäuten kommt es durch Eiweißfällung zu einer Schrumpfung und Blutstillung des Gewebes. Anwendung in der ZHK hauptsächlich zur Blutstillung und Öffnung der Zahnfleischtasche ( Retraktionsfaden) vor Abdrucknahme.

Aluminiumoxid-Keramik ; wegen ausgezeichneter Biokompatibilität vielfältiger Einsatz in der ZHK; Keramik

Alveolarbogen ; Arcus alveolaris, Zahnbogen

Alveolarbucht
recessus alveolares
; Nebenbucht der Kieferhöhle, welche sich in den Alveolarfortsatz des Oberkiefers einsenkt und meist zwischen die interradikulären Septen des ersten oberen Molaren eingestülpt ist. Dies kann so stark ausgeprägt sein, dass die unterenTeile der Wurzeln dieser Zähne nicht mehr vom Kieferknochen, sondern nur noch von der Kieferhöhlenschleimhaut bedeckt sind. Entsprechend ist dann im zahnlosen Kiefer nur noch eine sehr dünne Knochenlamelle zwischen Mund- und Kieferhöhle vorhanden. Akute Entzündungen der A. strahlen häufig auf die Oberkieferbackenzähne und den Alveolarfortsatz aus und können zu einer Fehl-Diagnose "Zahnschmerzen" führen. Wegen der engen Lagebeziehung zu den Zahnwurzelspitzen kann bei einer Zahnextraktion eine Eröffnung der A. erfolgen ( Mund-Antrum-Verbindung).
Nasenblasversuch, Sinusitis

Alveolarextensionsplastik , relative Erhöhung des Alveolarfortsatzes Vestibulumplastik

Alveolarfortsatz
Pars alveolares, "Alveolarteil" (veraltet), zahntragender Teil des Kieferknochens (von Ober- und Unterkiefer),  engl.: alveolar process; der Teil des Kieferknochens, welcher zum Gegenkiefer gerichtet ist und in welchem die Zähne elastisch in knöchernen negativen Zahnwurzelformen (Alveolen) aufgehängt sind ( Alveolarknochen).
Im zahnlosen Kiefer spricht man vom Alveolar- o. Kieferkamm. Zur Vermeidung von kippenden Kräften unter Funktion sollten sich die Kunstzähne von Prothesen auf der Alveolarkammmitte (sog. Kammlinie) befinden.
Alveolarkammatrophie, Alveole, apicale Basis, Basalbogen, Ektomolare, Engstand, Greisenkiefer, Inaktivitätsatrophie, Interalveolärlinie, Juga, Kammlinie, Mundvorhof, Osteolyse, Tegument, Tuber maxillare, Vestibulumplastik





atrophierter
Kieferkamm

Alveolarfortsatzdistraktion , engl.: alveolar distraction; Distraktionsosteotomie

Alveolarfortsatzzyste
Alveolarzyste, globulomaxilläre Zyste, engl.: alveolar cyst; dysgenetische, zu den nicht odontogenen Zysten gehörendes gutartiges Gewächs mit bevorzugter Lage zwischen dem seitlichen Schneidezahn und dem Eckzahn. Sie resultiert aus einer Entwicklungsstörung bei der embryonalen Verschmelzung zwischen dem medialen und lateralen Nasenwulst. Die röntgenologisch scharf abgegrenzte A. liegt in der Höhe der Wurzelspitzen o.g. Zähne, welche dabei i.d.R. vital sind, aber bei entsprechender Größe verdrängt werden.
Ductuszyste

Alveolarkamm , Kieferkamm, engl.: alveolar ridge; Alveolarfortsatz

Alveolarkammatrophie
Alveolarkammabbau
, Alveolarkamminvolution, engl.: residual ridge resorption, alveolar ridge atrophy; Schwund des Alveolarfortsatzes, i.d.R. als physiologischer Knochenabbau nach Zahnverlust (sog. Inaktivitätsatrophie); irreversible, progredient verlaufende, chronische Erkrankung. Weiter entstehend durch unzweckmäßige Belastung, z.B. durch einen Zahnersatz (sog. Druckatrophie). Bei fortgeschrittener A. kommen die Nervenaustrittsstellen des Foramen mentale (Unterkiefer) und Foramen incisivum (Oberkiefer) in den Bereich des Kieferkamms zu liegen; dies kann erhebliche Schmerzen bei Belastungen durch eine Prothese auslösen.
Nach Atwood werden 6 Resorptionsklassen der A. für den Unterkiefer, nach Fallschüssel 5 Klassen für den Oberkiefer unterschieden. Cawood und Howell (1988) unterteilen:
Klasse 1: bezahnter Kiefer
Klasse 2: Extraktionsalveole post extraktionem
Klasse 3: hoher und breiter Alveolarkamm, konvex abgerundet Klasse 4: hoher und schmaler Alveolarkamm, gratartig
Klasse 5: niedriger und schmaler Alveolarkamm, atrophiert und abgerundet
Klasse 6: Mulde, hochgradig atrophiert und konkav.
Augmentation, Prothesenunfähigkeit



6 Klassen nach Atwood


5 Klassen nach Fallschüssel

 




Atrophie des
Kieferkamms
mit zunehmenden Alter und dadurch bedingter Zahnlosigkeit

Alveolarkammplastik
chirurgischer Aufbau/Umbau des Alveolarkamms, Kieferkammplastik, engl.: alveolar ridge augmentation (plastic surgery); zu den augmentativen Verfahren gehörende Methode der Wiederaufbaus vom verloren gegangenen Knochenstrukturen zum besseren Halt von (vollständigem) Zahnersatz; früher meist mit körpereigenem Knorpel / Knochen, heute i.d.R. mit synthetischen oder halbsynthetischen Materialien durchgeführt ( Knochenersatzmaterialien). Im Rahmen des Fortschreitens der Implantologie heute seltener indiziert.
Dagegen ist die A. als "chirurgische Modellation" (sog. Alveolarkammglättung) des Kiefers nach Zahnentfernung - z.B. Glättung der Knochenkanten, spezielle Nahttechniken, manuelle Kompression der knöchernen Alveolarränder - allgemein üblich.
Alveolarkammatrophie, Alveolotomie, Augmentation, Edlan-Mejchar Operation, Distraktionsosteotomie, Infrakrestalplatik, präprothetische Chirurgie, Rarefizierung, Schlotterkamm, Sinuslift, Vestibulumplastik

Alveolarknochen
knöcherne Alveolenwand
, engl.: alveolar bone; durchgehend dünne, glatte und kompakte Knochenwand, welche das Zahnfach (Alveole) begrenzt; wird von den Knochenbälkchen des benachbarten, spongiösen Knochens gestützt. Röntgenologisch als scharfe Begrenzung der Alveole erkennbar. An ihn greifen die Sharpey Fasern an, welche den Zahn im Zahnfach federnd befestigen. Weiter dient der A. auch zur Abschirmung einer Entzündung zum Körperinneren hin.
Alveole, Ankylodontie, Arcus alveolaris, dentogingivaler Verschluss, Desmodont


Anatomie / Begriffe
des Zahnhalte-apparates


Alveolarmukosa
Alveolarschleimhaut, engl.: alveolar mucosa; als Bestandteil der Mundschleimhaut kleidet sie den Mundboden und den Mundvorhof aus. Die i.d.R. nicht verhornte Schleimhaut besteht aus Stratum basale (mitotisch aktiv), Strat. filamentosum und Strat. distendum. Sie liegt - vom Zahn aus gesehen - jenseits der Mukogingivalgrenze und ist deshalb mit dem Alveolarfortsatz als verschiebliche Schleimhaut nur locker verbunden.
Eine korrekte Darstellung der A. unter Funktion ist eine der Hauptaufgaben des Funktionsabdrucks.
Bei einem Implantat übernimmt die A. im Gegensatz zu den Verhältnissen beim natürlichen Zahn ( dentogingivaler Verschluss) die Funktion der biologischen Abschottung zwischen keimbesiedelter Mundhöhle und dem Körperinneren.
Blanching-Test, Gingiva, Mundschleimhaut, Tensionsprüfung

Alveolarpunkt ; A-Punkt

Alveolarpyorrhoe
auch: Alveolarpyorrhö, engl.: alveolar pyorrhea; heute nicht mehr gebräuchlicher Begriff für eine entzündliche Veränderung des Zahnhalteapparates, die sog. Parodontitis marginalis. Osteolyse

Alveolarspalt; Parodontalspalt

Alveolarzange , Luersche Knochenzange

Alveole
Zahnfach, engl.: alveolus; im Alveolarfortsatz befindlich "Höhlung" in der Form eines Negativs der darin elastisch aufgehängten Zahnwurzel. Deshalb kann es - bei mehrwurzligen Zähnen (Molaren, Prämolaren) - mehrere A. geben (siehe Abb. re. von einem Backenzahn).
In der Parodontologie stellt die A. den knöchernen Anteil des Zahnhalteapparates dar. Der Zahn ist nicht direkt mit der A. verwachsen: Zwischen der A. und der Zahnwurzel befindet sich der gelenkartige, mit speziellen Fasern ( Sharpey-Fasern) versehene Parodontalspalt.
Alveolarknochen, Alveolitis, apicale Basis, Arcus alveolaris, Knochentasche, Parodontium, Replantation, RootReplica™, Septum


Zahnfach des oberen 1. Backenzahns

Alveolenstabilisator
engl.: Alveolar-Ridge-Preservation; Maßnahme im Sinne einer Alveolarkammprävention, um die alveolären Strukturen nach Zahnverlust (Extraktion, Unfall bedingt) zu erhalten. Bei diesem Vorgehen wird z.B. ein Hydroxylapatit-Keramik- Granulat in die frische Extraktionswunde eingebracht.
http://www.zahnheilkunde.de/beitragpdf/pdf_2514.pdf (ausführlich mit guten Abb.)

Alveolitis
alveoläre Osteitis
, infizierte Alveole, Entzündung der Alveole, engl.: do.; als Komplikation nach erfolgreicher Entfernung eines Zahnes; meist in Form der sog. "trockenen Alveole" ( "Dry Socket"). Als mögliche mitwirkenden Faktoren gelten ein chirurgisches Trauma während des Eingiffes und der Status "Raucher" beim Patienten.
Apernyl, ChKM, Chlumsky-Lösung, Dolor, Jodoform, Koagulum, Kürettage, Radix relicta (Wurzelrest), Wundheilung, Wundinfektion, Wundrevision

Alveolon
engl.: do.; Definition nach Knussmann : "Der Punkt, in dem die Mittellinie des Gaumens von einer Geraden geschnitten wird, die die hinteren Grenzen der Alveolarkämme tangiert. Der Punkt wird bestimmt, indem man eine Stahlnadel an die Hinterränder der Alveolarfortsätze anlegt und deren Schnittpunkt mit der Mediansagittalen markiert. Dieser von WILDER (1920) eingeführte Punkt wird zur Messung der Maxilloalveolarlänge (Maß ~60 mm) benötigt."
Messpunkte, Tuberebene
http://www.cleber.com.br/stfig36.jpg  (Abb.)

Alveolotomie
alv (nach BEMA), engl.: alveolotomy; Oberbegriff für versch. chirurgische Eingriffe (Resektionen) am Alveolarfortsatz, meist im Sinne einer Modellation als präprothetische Maßnahme

Amalgam
Metall-Legierung mit Quecksilber als plastisches Füllungsmaterial, engl.: amalgam, mercury alloy. A. entsteht, indem ein Feilungspulver (Alloy; i.d.R. Silber u. Zinn) etwa im Verhältnis 1:1 mit Quecksilber verrieben wird (sog. Trituration). Dieses universell - aus kosmetischen Gründen im nichtsichtbaren Bereich - zu verwendende Füllungsmaterial wird i.d.R. als "Silberamalgam" ("Edelamalgam") verarbeitet; das früher in der Kinderzahnheilkunde eingesetzte Kupferamalgam ist inzwischen nicht mehr zugelassen.
Nach Schätzungen wurden im Jahr 2000 in Deutschland etwa 20 Tonnen Amalgam verarbeitet, um Kariesfolgen (Zahndefekte) wieder zu beheben.
A
. wird im plastischen Zustand in die Kavität eingebracht und durch "Stopfen" (manuell o. maschinell) verdichtet ( Amalgamkondensation); es weißt nach Aushärtung eine große Stabilität und Kantenfestigkeit auf. Unter den gebräuchlichen Füllungsmaterialien gilt A. als "gutmütig" zu verarbeiten, da es z.B. nicht die strenge Trockenheit der Kavität und ihrer Umgebung wie bei den Komposites benötigt, weil es kaum einen Randspalt kennt, eine äußerst lange Haltbarkeit besitzt (meist länger als 10 Jahre), bakterienfeindlich ist (Kariesvorbeugend; oligodynamische Wirkung) und nicht zuletzt zu einem akzeptablen Preis eingegliedert werden kann.
A
. darf nicht verarbeitet werden bei schweren Nierenfunktionsstörungen und nachgewiesenen Allergien (selten); bei Schwangeren und Kindern bis zum 6. Lebensjahr wird im Sinne eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes davon abgeraten, ohne dies wissenschaftlich belegen zu können; bei retrograden Wurzelfüllungen sowie Aufbaufüllungen unter Metall-Kronen, wenn der Aufbau in mittelbarem Zusammenhang mit der Kronenanfertigung steht.

Eine breit angelegte und mit pseudo-wissenschaftlichen Nachweisen gestützte Diskussionen über potenzielle gesundheitliche Beeinträchtigungen durch A. haben zu einer großen Verunsicherung sowohl in der Bevölkerung als auch unter der Zahnärzteschaft geführt und lassen die Verwendung dieses jahrzehntelang bewährten Werkstoffes als Füllungsmaterial nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Dies, obwohl der Weltzahnärzteverband und die WHO ( Konsenserklärung zu Amalgam), die strenge US-amerikanische Zulassungsbehörde ( FDA-Zulassung), eine Risikobewertung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bonn (BfArM) (Amalgame in der zahnärztlichen Therapie" - Stand 8/2003,  Risikobewertung-BfArM) und auch seriöse Pressemeldungen erschienen sind ( NZZ-Artikel), welche dem A. nur ein geringes Restrisiko nachsagen ( ©: nature-network). Auch Gerichtsentscheidungen ( Gerichtsentscheidungen) sehen keine begründete Gefahr durch das Verwenden von Amalgam. Die in den USA unter anderem auch für die Zulassung von Medizinprodukten zuständige allmächtige Food & Drug Administration (FDA) hat am 28. Juli 2009 Dentalamalgam in einer neuen Richtlinie – wie Goldlegierungen und Komposite – als Medizinprodukte der Klasse II (moderates Risiko) klassifiziert. Die American Dental Association (ADA) hat diesen Schritt begrüßt. Es wurde dabei nachdrücklich betont, dass es von der gemeinsamen Entscheidung des Zahnarztes und des Patienten abhängt, welches Material für die Füllungstherapie anzuwenden ist.
Weiter sollen Speicheltests Rückschlüsse auf die Quecksilberbelastung des Organismus aufgrund von vorhandenen Amalgamfüllungen liefern. Derartige "Tests" gelten heute als obsolet. G. Schmalz schreibt dazu (in "Gesundheitsrisiken bei Füllungswerkstoffen", Quintessenz 2006; 57(5):555-565):
"Voraussetzung für eine systemische Wirkung ist die Resorption. Ca. 25 % des durch Amalgamfüllungen freiwerdenden Quecksilberdampfes werden inhaliert, davon wiederum ca. 80 % in der Lunge resorbiert und zum größten Teil innerhalb von Minuten in die ionische Form (Hg++) oxidiert. Die verbleibenden 75 % werden in Speichel gelöst und verschluckt, aber in dieser Form (Hg0) im Magen-Darm-Trakt kaum aufgenommen. Ionisches Quecksilber gelangt mit dem Speichel ebenfalls in den Magen-Darm-Trakt und wird zu 10 % resorbiert. Quecksilber aus Amalgampartikeln nimmt der Körper - wenn überhaupt - nur in äußerst geringem Umfang auf. Bei der Messung der Quecksilberkonzentration im Speichel wird die Oxydationsstufe des Quecksilbers nicht ermittelt, und es können auch kleinste Amalgampartikel zu stark erhöhten Quecksilberkonzentrationen im Speichel führen. Diese Form wird jedoch nicht resorbiert, weshalb die Quecksilberbestimmung im Speichel obsolet ist. Die WHO-Grenzwerte der tolerierbaren Quecksilberaufnahme sowie der Konzentrationen in Blut und Urin werden nicht annähernd erreicht.  ... . Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass das Risiko für die Bevölkerung - auch im Vergleich zu den anderen heute üblichen und weniger gut untersuchten Füllungswerkstoffen - gering und damit vertretbar ist."
Bemerkenswert ist zusätzlich, dass Zahnärzte und deren Assistenzpersonal, welche früher fast ausschließlich A. als Füllungsmaterial verarbeitet haben und durch den täglich zigfachen Umgang damit schwer krank sein müssten, keine nachweisbaren Gesundheitsstörungen bei sachgemäßer Verarbeitung erlitten haben.
Wissenschaftlich nicht belegt ist die Notwendigkeit von aufwendige Schutzmaßnahmen beim Entfernen alter Amalgamfüllungen; Besondere Schutzmaßnahmen beim Entfernen alter Amalgamfüllungen?: Zu beachten ist, dass eine Entfernung nur feucht ( Spray) und unter Absaugung - so wie allgemein seit jeher üblich - erfolgen soll.

Kontaktstellen/-adressen durch Anklicken dieses Textes
Special: Füllungen auf Zahnwissen.de
Amalgam gesundheitlich unbedenklich (ZPW, 2017)
Amalgam: Das Gift im Zahn (Spiegel-online, 2016)
ausführliche Beschreibung der KZBV (2016)
Amalgam - schädlich oder ungefährlich? Groß angelegtes Forschungsprojekt am Klinikum rechts der Isar abgeschlossen - eine Pressemitteilung des Informationsdienst Wissenschaft vom 4.4.2008
Zwölf Wahrheiten über Amalgam (focus, 2014)
Use and Future Use of Materials for Dental Restoration 2012 (FDI - Zahnärztliche Weltorganisation) ©: FDI
Einigung über Minamata-Problematik - Internationales Abkommen zu Amalgam (2014)
Quecksilber-Exposition beim Entfernen von Amalgamfüllungen
"Amalgam, risk, benefits and the precautionary principle" , ©: nature-network
Amalgame in der zahnärztlichen Therapie" - Stand 2005
Metalle im Mund
http://www2.chemie.uni-erlangen.de/

Abbindeexpansion, Amalgamabscheider, Amalgamalternativen, Amalgamausleitung, Amalgambonding, Amalgamentfernung, Amalgammischgerät, Amalgamtätowierung, Amalgamunverträglichkeit, Amalgapin Verankerung, Behandlung von Milchzähnen, Blendamalgam, Brünieren, Carver, Feilung, Folienamalgam, Füllungsmaterialien, Füllungsmaterialien-Nebenwirkungen, Galvanismus im Mund, Gamma-2-Phase, "Giftigkeit" von Komposite-Füllungen, Glaubenskrieg um einen Zahnfüllstoff, Haltbarkeit verschiedener Füllungsmaterialien und Techniken im SeitenzahnbereichHaltbarkeit von großen Füllungen, Haltbarkeit von zahnärztlichen Arbeiten, HCSC-Amalgam, Kaugummitest, Kondensation, Kupferamalgam, Minamata Convention, Mobilisationstest, Nocebo-Effekt, oligodynamische Wirkung, Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen, Quecksilbervergiftung, Seitenzahnkomposite, Sicherheitsdatenblätter, Ultraschallgerät

 

 

 


unpolierte Amg.-Füllung


ca. 15 Jahre alte Amg.-Füllung



Schädigung der Papille durch überstehende Füllung

Amalgamabscheider
engl.: amalgam separator; technische Vorrichtungen, welche das Überleiten von Amalgampartikeln in zahnärztlichem Abfallwasser (Absauganlagen, Speibecken) in das kommunale Abwasser verhindern. Diese gesetzlich vorgeschriebene Forderung kann durch Zentrifugierung (z.B. metasys™) oder Sedimentation (z.B. amalsed™) erreicht werden. Vorgeschrieben in D bei allen zahnärztlichen Behandlungseinheiten, mit denen eine Füllungstherapie möglich ist.
Die Fa. Metasys schreibt zur Notwendigkeit derartiger Geräte: "... Werden Amalgampartikel über das Abwasser in die Umwelt abgeleitet, wird das im Amalgam vorhandene Quecksilber durch Umwandlung in organische Quecksilberverbindungen toxisch wirksam. So kann bereits 1 g Quecksilber bis zu 100.000 Liter bestem Trinkwasser verunreinigen. ..."
Absauganlage, Amalgamentfernung


     
Amalgamalternativen
engl.: mercury alloy alternatives; Füllungs-Alternativen zu Amalgam für den Seitenzahnbereich:
Auf dem Markt werden viele Füllungsmaterialien als A. angeboten, jedoch ist bisher keines als ein echter Amalgamersatz (amalgam substitute) im Bezug auf Einfachheit der Verarbeitung, Haltbarkeit und Kosten zu werten. Gerade die immer wieder als Ersatz angepriesenen "weißen Zahnfüllungen" ( Komposites) erfüllen die zuvor erwähnten Kriterien bei korrekter Verarbeitung nicht (aufwendige Verarbeitung, "technique sensitive", ungelöstes Randschlussproblem, schwierige Verarbeitung = hohe Kosten, mangelnde Langzeiterfahrungen, fehlende Bakterienfeindlichkeit, usw.).

Alternativen zu Amalgam können in direkte und in indirekte Füllungsformen eingeteilt werden. Erstere umfassen die plastischen Komposite und deren Derivate (z. B. Ormocere), Kompomere, Glasionomere und kunststoff-modifizierte Glasionomere, wobei bei weitem nicht alle der vorgenannten Vertreter für den Einsatz als definitives Füllungsmaterial im Seitenzahnbereich bleibender Zähne geeignet sind und bei vielen Materialien eine Langzeiterfahrung fehlt; von der Industrie werden in 2003 mehr als 50 Stoffe als Ersatz für das umstrittene Amalgam angeboten, welche sich meist nur durch gute kosmetische Ergebnisse auszeichnen:
konventionelle oder metallverstärkte oder hochvisköse Glasionomerzemente (GIZ) wie auch kunstoffmodifizierte, lichthärtende GIZs (sog. Hybridionomere) eignen sich wegen einer erhöhten Fraktur- bzw. Verschleißanfälligkeit nicht für den okklusionstragenden Seitenzahnbereich und eigenen sich deshalb im bleibenden Gebiss lediglich als Provisorium; im Milchzahngebiss sind sie wegen der Gutmütigkeit unter feuchten Arbeitsbedingungen durchaus vertretbar
Kompomere sind eine sehr heterogene Materialklasse, bei welcher die Indikation im Seitenzahnbereich produktbezogen überprüft werden muss. Klassisches Einsatzgebiet sind Zahnhalsfüllungen und Milchzahnversorgungen
Komposites:
--  Mikrofüllerkomposite sollten in stärker belasteten Kavitäten nicht zum Einsatz kommen
--  Hybridkomposite verfügen aufgrund ihrer Füllkörpertechnologie und des relativ hohen Füllkörperanteils über gute physikalische und mechanische Eigenschaften: die Kaulast tragende Füllungen nach den Klassen I und II sind damit bei aufwendiger Verarbeitung und guter Mundhygiene dem Amalgam fast ebenbürtig.

Die indirekten A. beinhalten gegossene Goldinlays sowie zahnfarbene Inlays aus Komposite und Keramik. Allerdings erscheinen diese Formen volkswirtschaftlich gesehen als "unbezahlbar", da sie etwa 10 mal so teuer wie Wiederherstellungen aus Amalgam sind. Bei etwa 60 Millionen Füllungen pro Jahr in Deutschland wäre dies ein erheblicher zusätzlicher finanzieller Faktor für die Gesetzlichen Krankenversicherungen, welche Füllungen aus Amalgam im Seitenzahnbereich als Sachleistung auf Chip-Karte gewähren.
Amalgam, Behandlung von Milchzähnen, Füllungsmaterialien, "Giftigkeit" von Komposite-Füllungen, Haltbarkeit verschiedener Füllungsmaterialien und Techniken im Seitenzahnbereich, Haltbarkeit von plastischen (zahnfarbenen) Füllungen, Minamata Convention, Seitenzahnkomposite
Use and Future Use of Materials for Dental Restoration 2012 (FDI - Zahnärztliche Weltorganisation) ©: FDI
Zwölf Wahrheiten über Amalgam (focus, 2014)
The safety of dental amalgam and alternative dental restoration materials for patients and users (EU-Kommission, 2015)
Siehe auch die ausführliche Beschreibung der KZBV (2016)
Haltbarkeit von Zahnamalgam im Vergleich zu Kompositkunststoffen (DIMDI / Bundesministerium für Gesundheit, 2008)

 

 


Ersatz alter
Amalgamfüllungen
durch Empress™-
Presskeramik
© der Grafik:
www.ag-keramik.de

Amalgamator , Amalgam(an)mischgerät Amalgammischgerät

Amalgamausleitung , engl.: amalgam (mercury alloy) detoxification, Mobilisationstest

Amalgambonding
"haftendes Amalgam", engl.: bonded amalgam; spezielle Technik bei der Füllungstherapie mit Amalgam:
ähnlich der konventionellen Säure-Ätz-Technik (SÄT) wird die Kavität für etwa 15 Sek. vorbehandelt und dann ein spezielles Haftmaterial auf Kunststoffbasis (z.B. "ONE-STEP-Haftmaterial", welches das in Aceton gelöste Monomer BPDM enthält) in Schichten aufgebracht. Dieses Material geht eine besondere Bindung mit dem Amalgam ein und verleiht so der Füllung und dem Zahn mehr Stabilität.
Näheres unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez

Amalgambrunnen , engl.: amalgam well; Amalgampistole

Amalgamentfernung
engl.: amalgam elimination;
1.) Entfernung einer bestehenden Amalgamfüllung: erfolgt i.d.R. mit scharfen Hartmetallbohrern unter reichlichem Wasserzutritt ("Spray") und gleichzeitigem Absaugen der Abfallprodukte (Vermeidung der Einatmung von Amalgamdämpfen); Ableitung dieser via Amalgamabscheider in das örtliche Abwasser. Hierbei kommt es kurzfristig zu einem Anstieg der Hg-Werte im Blutplasma, der ohne Kofferdam geringfügig höher ausfällt als mit Kofferdam. Deshalb sind besondere Schutzmaßnahmen bei diesem Vorgang wissenschaftlich nicht belegt: Besondere Schutzmaßnahmen beim Entfernen alter Amalgamfüllungen?. In der Schwangerschaft aus gesundheitsvorbeugenden Gründen nicht empfohlen.
2.) Im Rahmen der immer wieder aufflackernden Amalgamdiskussion geäußerter Patientenwunsch, alle vorhandenen Amalgamfüllungen gegen ein anderes Material auszutauschen. Von einem derartigen Vorgehen verspricht man sich sich eine "Heilung" vielschichtiger "Leiden" ( Amalgamunverträglichkeit), ohne dass bisher ein seriöser wissenschaftlicher Beweis für diese Maßnahme vorliegt. Diese "prophylaktische Amalgamentfernung" wird von den Krankenkassen nicht übernommen und ist unter ethischen Gesichtspunkten kritisch zu sehen.
Amalgam, Amalgamunverträglichkeit, Mobilisationstest
Quecksilber-Exposition beim Entfernen von Amalgamfüllungen (DGZ, 2014)

Amalgamersatz , engl.: amalgam substitute; Amalgamalternativen

Amalgamkondensation , Kondensation

Amalgammischgerät
"Amalgammischer", Amalgamator, "Amalgamvibrator", engl.: amalgamator; verschiedene, elektrisch betriebene Geräte zum Vermischen der Amalgamkomponenten. Dabei werden entweder im Gerät selbst definierte Mengen von Silberfeilung und Quecksilber (etwa 50:50 Gewichts%) dosiert und - von der Dauer her einstellbar -  "verschüttelt", oder geschlossene Kunststoffkapseln mit den beiden Bestandteilen in eine "Mischgabel" eingespannt und über eine bestimmte Zeit in elliptische Schwingungen gebracht ( Trituration).
Teilweise sind derartige Geräte (sog. Kapselmischgeräte) auch zum Anmischen anderer Materialien (z.B. Zemente) geeignet.
Bekanntester Vertreter bei den A. ist der Dentomat™, welcher mit einer konstanten Frequenz von 2.700/min arbeitet.



Amalgampistole
engl.: amalgam-gun or -dispenser, amalgam-carrier; aus Metall oder Kunststoff bestehendes spritzenartiges Gerät zum dosierten Einbringen von noch plastischem Amalgam in die Kavität. Dabei wird mit der A. der Füllungswerkstoff aus einem sog. Amalgambrunnen, einem Transport- und Verarbeitungsbehältnis für frisch angemischtes (plastisches) Amalgam, entnommen. In der Kavität selbst wird das eingebrachte Amalgam durch sog. Amalgamstopfer verdichtet ("kondensiert") und an die Kavitätenränder adaptiert.
Kondensation



Amalgamstopfer
engl.: (amalgam) condenser or plugger; mechanische oder maschinelle Hilfsmittel zum Verdichten ("Kondensation") vom Amalgam unmittelbar nach Einbringen in die Kavität. Wenn auch die Mehrzahl dieser Instrumente an der Arbeitsspitze aus verarbeitungstechnischen Gründen eine birnen- bzw. kugelförmige Gestalt aufweisen ("Kugelstopfer"), wird nur mit planen Stirnflächen ("Planstopfer") eine optimale Verdichtung erreicht
Amalgampistole


Amalgamtätowierung
Amalgampigmentierung, metallisches Tatoo, engl.: amalgam tattoo; seltene, reaktive Veränderung, bei der im Zahnfleisch und Parodontium in Nachbarschaft zu diesem Füllmaterial schwarzes Metallpigment ablagert wird. Dieser Effekt wird auch in der Umgebung von Metall-Kronen ("dunkler Zahnfleischrand" an der Krone; s. Abb. oben) beobachtet. Klinisch kann eine A. aufgrund der schwarzen Farbe manchmal nicht sicher von einem Melanom unterschieden werden; histologisch lassen sich diese beiden Läsionen jedoch einfach voneinander unterscheiden. Eine A. kann auch nach Beseitigung der Ursache allein weiter bestehen - sie gilt als kosmetisch störend aber medizinisch harmlos.
Amalgam, Gingiva, Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, Schwermetallsaum



 



A. im zahnlosen Kiefer

Amalgamunverträglichkeit
"Amalgamallergie", engl.: amalgam intolerance, "amalgam hypersensitivity"; behauptete und nur selten bewiesenen Unverträglichkeitsreaktionen auf den Füllungswerkstoff Amalgam. So wird von bestimmten Patienten die Ursache ihrer oft chronischen und vielseitigen Erkrankungen im Amalgam gesehen. Auffallend ist, dass derartige Patienten auch empfindlich auf Erdstrahlen, Handy-Funkwellen, Magnetismus usw. reagieren. Eine nachgewiesene echte Amalgamallergie soll bei etwa 0,1% der Bevölkerung bestehen; wissenschaftlich sicher beschrieben sind weltweit nur rund 100 Fälle in den letzten 160 Jahren. Feststellen lässt sich diese Unverträglichkeit mit seriösen Testverfahren ( Allergietestung); alternative Testmethoden ( alternative Behandlungsmethoden) sind teils wegen geringer Aussagekraft, teils wegen völliger Untauglichkeit abzulehnen. Mobilisationstests sind ebenfalls von zweifelhaftem Erfolg ( DMPS-Test).

Amalgam - schädlich oder ungefährlich? Groß angelegtes Forschungsprojekt am Klinikum rechts der Isar abgeschlossen - eine Pressemitteilung des Informationsdienst Wissenschaft vom 4.4.2008
Amalgam: Das Gift im Zahn (Spiegel-online, 2016)
Metalle im Mund (DGZMK, 2013)
Amalgam, Amalgamausleitung, Amalgamentfernung, Epikutantest, Füllungsmaterialien-Nebenwirkungen, Galvanismus im Mund, Glaubenskrieg um einen Zahnfüllstoff, Mobilisationstest, Nocebo-Effekt, Psychosomatik, Quecksilberallergie, Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen, Quecksilbervergiftung, Risikobewertung durch das BfArM

Amalgapin Verankerung
engl.: Amalgapin-retained; Begriff zusammengesetzt aus Amalgam und Pin (Bohrlöcher im Dentin; Pinledge) als Bezeichnung für eine spezielle, die Retention verstärkende Präparationsform (Setzen von "Amalgamkanälen" im Dentin) bei der Versorgung mit großflächigen Amalgamfüllungen (complex amalgam restorations), um somit auf parapulpäre Stifte verzichten zu können.

Ambulance Chaser ; brit. Jargonbez. für Rechtsanwälte, die sich darauf spezialisiert haben, Patienten zu ermuntern, ihren Arzt zu verklagen.
http://www.aerztezeitung.de/
https://en.wikipedia.org/wiki/Ambulance_chasing

Ambulatorium , Ambulanz, engl.: outpatient clinic; Poliklinik

Ameloblasten
Adamantoblasten, Gonoblasten, Schmelzbildner, engl.: u.a. ameloblasts; schmelzbildende Zellen von prismatischem Aufbau, welche während der Zahnbildung und - ausreifung an ihrer Unterseite (zum Dentin hin) die sog. Schmelzmatrix absondern (Grundgerüst des Zahnschmelzes). Sie befinden sich beim Abschluss der Schmelzbildung ganz außen auf dem Zahn und bilden dann für kurze Zeit das primäre Schmelzoberhäutchen
Imbrikationslinien, Tomes-Fortsätze

Ameloblastom
veraltet: Adamantinom, (fast immer) gutartiger Kiefertumor mit hoher Rezidivneigung; engl.: ameloblastoma; entstanden aus versprengtem Restgewebe der embryonalen Zahnanlage (Ameloblasten). Zu 80 % im Unterkiefer (Kieferwinkel) auftretend, bevorzugt er etwas stärker das weibliche Geschlecht; da komplikationslos wachsend, werden A. klinisch durch eine Auftreibung meist erst spät erkannt oder durch eine Röntgenaufnahme als vielzystiges Gebilde (honigwaben- oder seifenblasenartig) diagnostiziert. Eine echte Diagnose ist nur durch eine histologische Untersuchung des zystenähnlichen Balges möglich; röntgenologische Anhaltspunkte kann die Tatsache sein, dass neoplastische Geschehen eher zu Zahnresorptionen neigen als echte Zysten.
Verteilung: Unterkiefer 80%, Molarenregion 70%, Prämolarenregion 20%, Schneidezahnregion 10%
Ganz selten als bösartiger Tumor auftretend bzw. als bösartiges Ameloblastosarkom bekannt.
Odontoameloblastom, Odontosarkom, Zahntumore, Zyste
Neoplasmen und andere Tumoren des odontogenen Apparates (Einteilung)

Metastasierendes Ameloblastom des Unterkiefers





Bilder






Zustand nach Operation und Ersatz des re. UK durch eine Titanium-Konstruktion

Amelogenese , Schmelzbildung, engl.: amelogenesis, enamelogenesis; Ameloblasten, Schmelz

Amelogenesis imperfecta
Zahnschmelzfehlbildung, Schmelzdysplasie, engl.: do. o. "ghost teeth" (wegen ihrer schwachen Darstellung auf Röntgenbildern); seltene (Häufigkeit 1:14.000 (USA); 1:718 (Nord-Schweden)), vererbte Erkrankung mit gestörter und unvollständiger Zahnschmelzentwicklung, erstmals von Weinmann 1945 beschrieben; der Schmelz ist quantitativ und qualitativ fehlgebildet. Es werden mehrere Hauptformen unterschieden, die zudem - je nach klinischer Ausprägung bzw. Vererbungslage - in Untergruppen unterteilt werden. Einteilung in 4 Gruppen:
  I: Schmelzhypoplasie
  II: Unreife des Schmelzes (Hypomaturation)
  III: Unterverkalkung (Hypocalcification)
  IV: partielle Unreife und Unterverkalkung, kombiniert mit Taurodontismus

In seltenen Fällen ist auch noch zusätzlich das Zahnbein fehlgebildet - Störungen der Dentinbildung ( Dentinogenesis imperfecta) - , man spricht dann von einer Odontogenesis imperfecta oder Odontodysplasie.
Röntgenologisch sind die befallenen Zähne bei diesem Krankheitsbild "schwächer" dargestellt - daher auch der engl. Ausdruck "ghost teeth" (= "Geisterzähne") für diese Erkrankung.
Die A. i. zeigt sich - bei gesundem Dentin und normaler Zahnwurzel - mit einer rauen Zahnkrone, die gefurcht und mit stark dunklen Flecken durchsetzt ist; teilweise fehlt der Zahnschmelz ganz. Die kosmetisch sehr störende Erkrankung kann schon im Jugendlichenalter durch Überkronung (nur bedingt nach der Adhäsiv-Technik, da der Schmelz nicht richtig ausgebildet ist) der betroffenen Zähne behandelt werden.

Weit häufiger treten Schmelzentwicklungsstörungen - sog. Schmelzhypoplasien - als Folge von äußeren Störungen (z.B. vereiterte Milchzähne, Zahnunfälle im Milchzahngebiss, Medikamente) auf.

Dentinogenesis imperfecta, Hypoplasie, Osteogenesis imperfecta, Zahnentwicklungsstörungen, Zahnhartsubstanzdefekte
Amelogenesis imperfecta – die hypoplastische Form (zm, 2016)

 



versch. Ausprägungen einer
A. i.


Amelogenin , Emdogain®

Aminfluoride , organische Fluorverbindungen in der Kariesprophylaxe, i.d.R. als Zahnpastenzusatz oder Zusatz bei Mundspüllösungen;  engl.: do.; Fluoride, Olaflur, Zinnfluorid

Amnesie
Amnesia,  Gedächtnisstörung, Gedächnisschwund, engl.: amnesia; zeitlich begrenzte Erinnerungslücke;  bei der retrograden Amnesie besteht ein zeitlich begrenztes, fehlendes Erinnerungsvermögen an Dinge vor dem auslösenden Trauma.
Commotio, Contusio

amnestisch, auf eine Amnesie bezogen, eine Gedächtnisstörung betreffend

AMNOG ; Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz

Amorbogen , Cupidobogen, Kupidobogen, Lippenherz ; Philtrum

amorph ; "ohne Gestalt"; chem. Bez. für eine nicht-kristalline Struktur

Ampulle
engl.: ampoule, ampule; kleiner, abgerundet-zylinderförmiger Behälter aus Glas zur Aufbewahrung von sterilen Arzneimitteln, meist in flüssiger Form.
Gelegentlich taucht auch der Begriff Dentinampulle auf, welcher die mikroskopisch sichtbare ampullenförmige Erweiterung der Dentinkanälchen beschreibt, welche durch Kariesbakterien verursacht wird.

Amputation
engl.: do.; operative Abtrennung von Körpergewebe oder eines Körperteils. In der ZHK gebräuchlich für die teilweise Entfernung des Zahnnervs ( Vitalamputation)

Amputationspaste
engl.: amputation paste; Oberbegriff für Medikamente ("Einlagen"), welche über die erkrankte Pulpa gelegt werden und diese ganz oder teilweise abtöten sollen. Vorgehen gilt heute - bis auf Ausnahmefälle - als obsolet.
Devitalisation, Mortalamputation

Amputationstäuschung , Phantomschmerz

AMSA-Injektionsmethode The Wand

Amylase , Amylum

Amylum
Stärke, eine Form des Kohlenhydrats, engl.: do. or starch; im Pflanzenbereich am weitesten verbreitete Kohlenhydrat (Stärke-Lieferanten sind besonders Kartoffeln und Mais). A. lagert sich in den Reserveorganen der Pflanzen (Knollen, Samen) in Form von Körnern ab. Im menschl. Körper wird A. mittels Enzymen und Säuren in versch. Zuckerarten abgebaut; so spaltet z.B. der Speichelbestandteil alpha-Amylase, im Sinne einer Vorverdauung, A. in eine kariogene Mischung von Glucose und Maltose. Bedingt durch ihre Zähigkeit bleibt A. auf den Zahnoberflächen besser haften als Zucker. Deshalb sind z.B. Kartoffelchips weitaus kariogener als Zuckerarten, da sie länger haften bleiben und bei nicht erfolgter Zahnpflege einen langen Nachschub an Nährstoffen für Kariesbakterien liefern.
Von dem Speichelbestandteil Amylase ist bekannt, dass dieses Ferment in Stress-Situationen vermehrt produziert wird; diese Tatsache kann als effektiver Parameter der individuellen Stressbelastung angesehen werden
Aktion zahnfreundlich,
Ernährungsempfehlungen, Kohlenhydrate, Zucker 


[ Autor: Dr. Klaus de Cassan ]    [ Anfragen ]
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